„Ich habe Papa erdrosselt.“ Diese Worte rief ich 2005 heulend bei der Polizei an – aus einer psychiatrischen Klinik. Sechs Jahre war es her, dass ich meinen Vater mit einem Segeltau umgebracht…

„Ich habe Papa erdrosselt.“ Diese Worte rief ich 2005 heulend bei der Polizei an – aus einer psychiatrischen Klinik. Sechs Jahre war es her, dass ich meinen Vater mit einem Segeltau umgebracht...

April 1999. Helmut Müller war seit Wochen nicht mehr derselbe. Die Depressionen hatten ihn fest im Griff, und die Tabletten, die der Hausarzt ihm verschrieben hatte, machten ihn müde und teilnahmslos. Seine Frau Gerda kümmerte sich um ihn, so gut sie konnte, und redete sich ein, dass alles wieder gut würde.

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Das Geld stimmte, das Haus in Nordrhein-Westfalen war bezahlt, und der Sohn Malte, der unter einer psychischen Erkrankung litt, lebte ebenfalls noch bei ihnen. Doch dann kam Maria zurück. Die Tochter hatte ihre eigene Wohnung gehabt, aber eine neue gesucht und nicht bekommen. „Ja, die Wohnung war gut, aber es waren viele Bewerber“, sagte sie am Telefon zu ihrer Mutter.

Als sie fragte, ob sie vorübergehend wieder ins Elternhaus ziehen könne, explodierte ihr Vater. „Wieder bei uns unterkriechen! Dein altes Zimmer – das ist erbärmlich! “ Gerda versuchte zu beschwichtigen.

„Es ist doch nur so lange, bis sie etwas gefunden hat. “ Maria zog ein. Die Stimmung im Haus wurde von Tag zu Tag schlechter. Eines Abends fragte Maria ihre Mutter direkt: „Sag mal, Mama, wann hat Papa dich das letzte Mal verprügelt?

“ Gerda schwieg. Wenig später konnte Helmut das Bett nicht mehr verlassen. Er wurde apathisch, dämmerte vor sich hin. Maria fand ihre Mutter am Herd, mit einem kleinen Fläschchen in der Hand.

„Mama, was machst du da? “ „Ein Medikament für Papa. “ Dann brach es aus Gerda heraus: „Ich halte es nicht mehr aus. Diese Missachtung, dieses Rumgebrüll.

Er hat mich wieder geschlagen. “ „Und jetzt? “ „Ich habe ihn ruhiggestellt. Males Medikament.

Ein bisschen davon jeden Tag in seinen Tee. “ Maria erschrak. „Ist das nicht ein sehr starkes Mittel? “ „Es wirkt sehr gut.

Ich hoffe, er stirbt daran. Aber ich weiß es nicht. Du musst mir helfen, Maria. “

Einige Tage später stand Gerda vor der Tochter mit einem Seil in der Hand.

„In der Garage liegt Segeltau. Nimm dir eins. “ „Mama, ich kann das nicht. Ich kann doch nicht meinen eigenen Vater umbringen.

“ „Du machst es ihm doch nur leichter. Wie oft hat er uns geschlagen? Mich, dich und Malte. Er stirbt sowieso.

Maria, tu es. “

Maria tat es. Sie legte ihrem Vater das Seil um den Hals und zog zu, bis er aufhörte zu atmen. Dann half ihre Mutter ihr, den Leichnam in den Kofferraum des Autos zu laden.

Zu dritt fuhren sie nach Südfrankreich, in ein abgelegenes Waldgebiet bei Nizza. Dort deckten sie den Toten mit Zweigen ab und fuhren zurück. Sohn Malte bekam nichts mit. Er glaubte, der Vater sei krank und werde später nachkommen.

Ein Jahr später führte Gerda Müller ihr Leben fort, als wäre nichts geschehen. Sie erzählte Nachbarn, ihr Mann sei zu krank, um das Haus zu verlassen, und man solle ihn grüßen. Die Rente wurde weiterhin monatlich auf ihr Konto überwiesen, und keiner fragte nach. Nur Maria zerbrach an der Tat.

Sie hörte Stimmen, bekam Angstzustände und wurde im Sommer 2001 schließlich zum ersten Mal in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Diagnose lautete: paranoide Schizophrenie. Im August 2001, nur wenige Tage nach Marias erster Einweisung, machte ein Forstbeamter in Südfrankreich einen grausigen Fund: einen verschnürten männlichen Leichnam. Die französische Polizei konnte ihn nicht identifizieren.

Jahre vergingen. Gerda Müller wechselte mehrfach den Wohnort, ihr Sohn Malte kam in eine Pflegeeinrichtung, und niemand wusste von Helmut Müllers Tod. Seine Rente wurde weiter überwiesen. Dann, im März 2005, rief Maria aus einer psychiatrischen Klinik bei der Polizei an.

„Ich möchte etwas gestehen. Ich habe meinen Vater umgebracht. “ Die Beamten waren skeptisch – eine Anruferin aus der Psychiatrie. Doch als sie Ermittlungen aufnahmen, stellten sie fest, dass Helmut Müller seit Jahren an keiner einzigen behördlichen Stelle persönlich aufgetaucht war.

Seine Frau hatte immer mit Vollmachten gehandelt. Maria wurde zur Vernehmung einbestellt. Sie erzählte, wie ihre Mutter sie angestiftet hatte, wie sie den Vater erdrosselt und die Leiche nach Südfrankreich gebracht hatten. „Warum Südfrankreich?

“ „Wir kannten uns da aus von Urlauben. Und je weiter weg, desto besser. “ Sie sagte, sie wisse nicht mehr genau, wo sie die Leiche abgelegt hatte – nur, dass es in einem Wald war, wo keiner so schnell hinfindet. Noch am selben Abend fuhren Beamte zu Gerda Müller.

Sie reagierte kalt. „Ich weiß, worum es geht. Meine Tochter hat bei der Polizei eine Selbstanzeige erstattet. Es ist alles gelogen.

Maria kann nichts dafür. Sie ist krank. “ Dann schickte sie die Beamten fort: „Über meinen Mann will ich nichts sagen. Nur über meinen Anwalt.

Am nächsten Tag widerrief Maria ihre Aussage. „Ich habe alles frei erfunden. Meine Mutter hat mich nicht angestiftet. Ich hatte einen Hass auf meine Mutter, aber der ist jetzt weg.

“ Wann sie ihren Vater zuletzt gesehen habe? „Vor vier Jahren. Er ist einfach abgehauen. “ Die Beamten wussten nicht mehr, was sie glauben sollten.

Der Fall wurde immer bizarrer. Dann kam die Wende. Über Interpol erhielten sie eine Rückmeldung aus Frankreich: 2001 war tatsächlich ein männlicher Toter in einem abgelegenen Waldgebiet gefunden worden. Der DNA-Abgleich brachte das positive Ergebnis – es war Helmut Müller.

Als die Beamten es Maria mitteilten, brach sie in unmotiviertes Gelächter aus. Die Situation überforderte sie vollkommen. Der Leichnam wurde nach Deutschland überführt. Der Rechtsmediziner Dr.

Hausmann fand keine äußere Gewalteinwirkung, aber einen Hinweis auf einen möglichen Würgevorgang. Die Todesursache war jedoch nicht eindeutig festzustellen – die Liegezeit war zu lang. Die Ermittler beschlossen, einen Toxikologen hinzuzuziehen. Nach sechs Jahren eine Vergiftung nachzuweisen, schien unmöglich.

Doch der Professor für forensische Toxikologie entwickelte ein neues Nachweisverfahren und fand in den Gewebeproben hohe Konzentrationen eines Beruhigungsmittels – Chlorprothixen. Bei einer Überdosis führt es zum Atemstillstand. „Hieb- und stichfest“, sagte der Professor. In der Zwischenzeit wurde auch Gerda Müller stärker unter Druck gesetzt.

Bei einer Durchsuchung fanden die Ermittler Unterlagen mit gefälschten Unterschriften ihres toten Mannes – Rente, Versorgungskasse. „Damit habe ich Dummheiten gemacht, gebe ich zu. Ich habe es für meinen Sohn getan, für seine Versorgung. “ Urkundenfälschung.

Doch Gerda blieb dabei, dass sie mit dem Tod ihres Mannes nichts zu tun hatte. „Ich kam ins Zimmer. Er lag am Boden. Maria war da.

Sie sagte: ‚Er ist tot. ‘“ Warum sie keinen Arzt gerufen habe? „Wollte meine Mutter nicht. Ich glaube, die wollte weiter die Rente kassieren“, sagte Maria später.

Die Mutter behauptete, das Leben mit ihrem Mann sei nach seiner Pensionierung besser geworden. Ein abgehörtes Telefonat mit einer Bekannten bewies das Gegenteil. Der forensische Psychiater stellte überdies fest, dass Marias Diagnose „paranoide Schizophrenie“ von 2001 keinerlei Bestand gehabt hatte – die Ärzte hatten sie einfach übernommen. Maria war zum Zeitpunkt der Tat nicht krank.

Sie war nur mit ihrem schlechten Gewissen nicht fertiggeworden. Im Prozess wurde die Beweiskette geschlossen: das toxikologische Gutachten, die gefälschten Unterschriften, das abgehörte Telefonat. Das Gericht verurteilte Maria Müller wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft. Ihre Mutter Gerda erhielt zwölf Jahre wegen Anstiftung zum Totschlag, Betrug und Urkundenfälschung.

Beide Frauen haben ihre Strafen inzwischen verbüßt und leben heute wieder in Freiheit. Über das, was damals in dem Haus in Nordrhein-Westfalen geschah, sprechen sie nicht mehr.