Der Anruf kam um kurz nach neun Uhr morgens. Der Sohn eines Mieters hatte seinen Vater leblos in einer Blutlache gefunden. Die Tür war nicht aufgebrochen, sondern offenbar geöffnet worden. Wer auch immer hier gewütet hatte, der alte Mann hatte ihn hereingelassen.

Der 24. Oktober 2006 begann für Steffen Gottmann mit einem Anruf. In Stuttgart-Rot, in der Bretzfelderstraße, lag ein Mann in seiner Wohnung. Die Beamten, die zuerst eintrafen, sahen sofort, dass dies kein natürlicher Tod war.
Überall Spritzer, an Möbeln, am Türrahmen, der Teppich war mit Blut getränkt. Der Sohn hatte seinem Vater eine Tüte vom Gesicht genommen, die dort abgelegt worden war. Es war klar: Hier hatte jemand mit brutaler Gewalt zugeschlagen. Das Opfer war Willy B.
, ein zurückgezogener Mann. Er war mit Kabelbindern gefesselt und mit einem Lappen geknebelt worden. Die Ermittler fanden eine zerbrochene Rotweinflasche. Sie vermuteten, dass der Täter das Opfer damit von hinten niedergeschlagen hatte, es dann fesselte und knebelte, um es ruhigzustellen.
Neben dem Tatort stand ein Fünf-Liter-Gebinde mit Apfelsaft. Es gehörte nicht dem Opfer, es musste vom Täter mitgebracht worden sein. Es stand auf den Scherben der Weinflasche, also war es nach dem ersten Angriff bewegt worden. Daran befand sich ein halber Fingerabdruck.
Auch an den Kabelbindern und dem Knebel sicherten die Ermittler DNA-Spuren. Die Nachbarn beschrieben einen jungen Mann, der nicht in das Haus gehörte. Ein Phantombild wurde erstellt. Doch die Spur führte zunächst ins Leere.
Die Ermittler überprüften das Umfeld des Opfers, auch die Söhne, aber ohne Ergebnis. Ein Jahr später, fast auf den Tag genau, kam der Durchbruch. Das Landeskriminalamt meldete einen DNA-Treffer in der Datenbank. Der Fingerabdruck auf dem Saftbehälter passte ebenfalls.
Es war Kevin N. , 21 Jahre alt. Er wohnte bei seiner Mutter. Bei seiner Festnahme war er ruhig.
Auf dem Weg zur Dienststelle gab er bereits zu, Kontakt zu dem Opfer gehabt zu haben. Doch seine Geschichte war haarsträubend. Er behauptete, das Opfer habe sich abfällig über seine Mutter geäußert und ihm vorgeschlagen, sie vorbeizubringen. Das habe ihn so wütend gemacht, dass er ausgerastet sei.
Die Ermittler glaubten ihm kein Wort. Er war vorbereitet gewesen. Er hatte Kabelbinder, einen Knebel und Behältnisse für die Beute dabei. Die Ermittler fanden heraus, dass Kevin N.
in einer Kneipe gehört hatte, wie der Sohn des Opfers von der Münzsammlung seines Vaters erzählte. Er hatte Willy B. ausfindig gemacht, sich sein Vertrauen erschlichen, um ihn auszurauben. Während der Tat wurde er vom Sohn des Opfers überrascht.
Er hatte sich in einem Nebenraum versteckt und nutzte den Moment, als der Sohn Hilfe holte, um zu fliehen. Im April 2008 wurde er wegen Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Opfer war in eine Falle gelockt worden und starb auf tragische Weise in hohem Alter. Es war der 13.
Mai 2015, als ein Mann die Polizei in Aschaffenburg anrief. Seine hochschwangere Lebensgefährtin Rebecca hatte ihr Kind nicht vom Kindergarten abgeholt. Sie galt als zuverlässig. Die Kommissare Thomas Büttner und sein Kollege Albert übernahmen den Fall.
Rebecca war 24 Jahre alt. Sie führte seit 14 Monaten eine Beziehung mit ihrem Lebensgefährten, aber weder ihr Kleinkind noch ihr ungeborenes Baby stammten von ihm. Die Ermittlungen ergaben, dass sie eine Affäre mit dem 32-jährigen Jens M. hatte.
Er war verheiratet, hatte einen kleinen Sohn und arbeitete als LKW-Fahrer. Eine Freundin von Rebecca meldete sich. Sie erzählte von einem Telefonat, bei dem Rebecca gesagt hatte, Jens sei da, sie würde zurückrufen. Danach hatte sich Rebecca nie wieder gemeldet.
Jens M. wurde als Zeuge vorgeladen. Er gab an, mit einem Bekannten im Fitnessstudio gewesen zu sein. Der Bekannte, Benjamin E.
, bestätigte das. Doch dann meldete sich ein neuer Zeuge. Er behauptete, Benjamin E. habe ihm gestanden, dass in seinem Auto eine Leiche gefahren worden sei.
Zuerst habe er es für einen Scherz gehalten. Die Ermittler nahmen Benjamin E. fest. Er brach schnell zusammen und gestand, dass Rebecca von Jens M.
umgebracht worden war. Jens M. wurde ebenfalls festgenommen. Auf der Fahrt zur Garage, in der die Leiche lag, senkte er den Kopf und gab den Ort preis.
Die Beamten fanden Rebecca, in eine Decke gewickelt. Er behauptete, sie sei freiwillig mitgegangen, er habe gedacht, sie wolle Sex. Als sie wieder Macht über ihn bekommen habe, sei Wut in ihm hochgekommen. Er habe sie erwürgt, erst mit den Händen, dann mit einem Kabelbinder.
Im Mai 2016 wurde Jens M. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Benjamin E. erhielt wegen Beihilfe fünf Jahre Haft.
Für die Angehörigen und die Ermittler war es ein Abschluss, aber auch eine traurige Gewissheit. Es war ein Samstagabend im November 1984. Professor Wolfgang Keil war zu Hause bei seiner Familie, als sein Kollege anrief. Er brauchte einen zweiten Obduzenten für einen Fall.
Also fuhr Keil in die Charité nach Ost-Berlin. Es waren vier Pakete gefunden worden, auf einem Parkplatz der Transitstrecke zwischen West-Berlin und Niedersachsen. Sie enthielten Leichenteile. Die Pakete waren mit blauen Müllsäcken umwickelt, die es in der DDR nicht gab.
In den Säcken fanden Keil und sein Kollege ein Bein, den Rumpf, einen Kopf und die Arme eines Mannes. Der Kopf war in einer Einkaufstüte. Keil erinnerte sich sein Leben lang an diesen Kopf. Die Verletzungen waren durch Hammerschläge verursacht worden.
Der Mann war zwischen 30 und 40 Jahre alt, hatte eine sportliche Figur. In den Kleidern fand sich ein blutdurchtränkter Brief in Paschtu, einer afghanischen Schrift. Die Ermittler des Ministeriums für Staatssicherheit übernahmen den Fall. Sie überprüften die Ein- und Ausreisen an den Grenzübergängen.
Ein Afghane, Mohamed Aslam P. , war mit einem Ford Escort in die DDR eingereist und kurz darauf wieder ausgereist. Er war ein Mietwagen aus West-Berlin. Bei den verdeckten Ermittlungen in West-Berlin stießen die Ermittler auf die Adresse eines anderen Afghanen: Naibullah H.
wohnte in der Ritterstraße in Kreuzberg mit seiner polnischen Ehefrau. Sein Passfoto ähnelte dem Gesicht der Leiche. Ein Professor der Gerichtsmedizin stellte in 29 Punkten Übereinstimmungen fest. Der Tote war identifiziert: Es war Naibullah H.
, der mit dem vermutlichen Mörder gemeinsam eine Gaststätte in Britz betrieben hatte. Es stellte sich heraus, dass die Ehe von Naibullah H. zerrüttet war. Er hatte seine Frau entwürdigend behandelt.
Die beiden Geschäftspartner hatten sich überworfen. Gemeinsam mit der Ehefrau beschloss Mohamed Aslam P. , den Mann zu töten. Sie erschlugen ihn mit einem Hammer und zerstückelten ihn anschließend.
Der Täter hatte gehofft, die Leichenteile im Osten würden nicht aufgeklärt. Er hatte sich geirrt. 1986 wurden beide wegen gemeinschaftlichen Totschlags zu jeweils sieben Jahren Haft verurteilt. Im Oktober 2007 erhielt die Polizei in Stuttgart einen Anruf.
In der Bretzfelderstraße hatte ein Sohn seinen Vater leblos gefunden. Steffen Gottmann, Leiter der Mordkommission, übernahm den Fall. Der Mann, Willy B. , war gefesselt und geknebelt worden.
Er war erstickt. Die Tür war nicht aufgebrochen worden. Willy B. hatte seinen Mörder hereingelassen.
Die Ermittler fanden eine Rotweinflasche, Scherben, und ein Fünf-Liter-Gebinde mit Apfelsaft, das nicht dem Opfer gehörte. Daran ein halber Fingerabdruck. An den Kabelbindern DNA. Aber es gab keinen Treffer in der Datenbank.
Ein Jahr später kam der Hinweis. Ein DNA-Treffer. Der junge Mann hieß Kevin N. , 21 Jahre alt.
Der Fingerabdruck passte auch. Er wurde festgenommen. Er behauptete, das Opfer habe sich abfällig über seine Mutter geäußert. Die Ermittler hielten das für eine Schutzbehauptung.
Er war vorbereitet gewesen, mit Kabelbindern und Knebel. Er hatte von der Münzsammlung des Opfers gehört und sich dessen Vertrauen erschlichen, um ihn auszurauben. Während der Tat wurde er vom Sohn des Opfers überrascht und floh. Im April 2008 wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Durch akribische Ermittlungsarbeit und die Auswertung von über 900 Spuren war der Mörder von Willy B. gefasst worden. Im Mai 2015 wurde in Aschaffenburg eine schwangere Frau vermisst. Rebecca hatte ihr Kind nicht abgeholt.
Die Ermittler Büttner und Albert übernahmen den Fall. Rebecca hatte eine Affäre mit Jens M. gehabt. Er gab ein Alibi an, das sein Bekannter Benjamin E.
bestätigte. Doch ein Zeuge behauptete, Benjamin E. habe ihm gestanden, dass eine Leiche in einem Auto gefahren worden sei. Benjamin E.
wurde festgenommen und gestand. Jens M. wurde ebenfalls festgenommen. Er führte die Beamten zur Garage, in der Rebecca in eine Decke gewickelt lag.
Er behauptete, sie sei freiwillig mitgegangen. Er habe sie aus Wut getötet. Im Mai 2016 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Im März 1991, in Florstadt-Staden, wurden vier Menschen getötet.
Zwei Männer wurden auf einem Feldweg mit Kopfschüssen hingerichtet, ihre Frauen lagen im Wohnhaus. Die Ermittler fanden die Leichen der Männer am Straßenrand. Auf einem der Toten lag ein Schraubkreuz. In der Gesäßtasche eines Opfers fanden sie Ausweise.
Ralf R. wohnte nur einen Kilometer entfernt. Als die Beamten das Haus erreichten, sahen sie durch das Fenster Blut und zwei weitere Leichen am Boden. Die Frauen waren ebenfalls erschossen worden.
Die Obduktion ergab, dass sie auch sexuelle Gewalt erlitten hatten. Die Ermittler fanden heraus, dass ein Zeuge den Geländewagen des Opfers in der Tatnacht gesehen hatte. In der Nähe wurde eine Patronenhülse gefunden. Der 17-jährige Reiner B.
, der im selben Amateurfunkverein war wie das Opfer, geriet ins Visier. Sein Alibi wurde widerlegt. In seinem Elternhaus wurde eine Pistole mit Schalldämpfer gefunden. Es war die Tatwaffe.
Reiner B. und sein Freund Peter S. hatten Ralf R. unter dem Vorwand, ein Moped sei kaputt, um Hilfe gebeten.
Auf dem Weg hatten sie die Männer von hinten erschossen. Dann fuhren sie zurück zum Haus und töteten die Frauen. Reiner B. hatte zuerst gezögert, dann übernahm sein Freund.
Als Motiv gab Reiner an, das Opfer habe mit seiner Freundin geflirtet. Die Jugendlichen wurden wegen vierfachem Mord zu zehn Jahren Haft verurteilt. Reiner B.
wurde zusätzlich in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht.


