Es war ein ganz normaler Oktobertag im Garten, die Sonne schien, und ich wollte nur kurz nach den Tomaten sehen. Dann wurde mir schlagartig klar: Der Anbau im Freiland war ein Drama. Während im…

Es war ein ganz normaler Oktobertag im Garten, die Sonne schien, und ich wollte nur kurz nach den Tomaten sehen. Dann wurde mir schlagartig klar: Der Anbau im Freiland war ein Drama. Während im...

Der Oktober hat sich von seiner goldenen Seite gezeigt, als ich durch unseren Garten gegangen bin. Die Sonne hat gestrahlt und ich habe mich auf mein absolutes Lieblingsthema gefreut: Tomaten. Heute wollte ich nicht nur ein paar Sorten anschauen, sondern auch ehrlich zeigen, was im geschützten Anbau gut geklappt hat und was im Freiland gescheitert ist. Im großen Tunnel war es richtig warm, fast schon drückend.

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Rund vierzig Tomatenpflanzen standen hier dicht an dicht. Von unten hatten wir schon Unmengen abgeerntet, in der Mitte leuchteten die Früchte in einem kräftigen Orange, nur oben hingen noch ein paar grüne Exemplare. Ich habe gehofft, dass das Wetter noch eine Weile mitspielt, damit auch sie ausreifen können. Es war die Ananastomate, eine Fleischtomate, die wir schon Ende Februar, Anfang März aussäen müssen, damit die großen Früchte genug Zeit haben.

Kinder lieben sie wegen ihres süßen, fruchtigen Geschmacks. Eine aufgeschnittene Ananastomate reicht tatsächlich als Belag fürs ganze Brot. Weiter ging es auf unseren Gemüseacker, wo die Flaschentomate, die San Marzano, im Freiland stand. Der Anblick war ernüchternd.

Das Laub war von Kraut- und Braunfäule befallen, die Blätter hingen schlaff und feucht herunter. Wir hatten zwar schon eine große Kiste mit schönen Früchten geerntet, aber vieles war unbrauchbar. Diese Tomate braucht einfach mehr Zuwendung. Nächstes Jahr werden wir sie anbinden, auf ein Gerüst ziehen und regelmäßig ausgeizen.

Mal sehen, ob sie sich dann im Freiland besser schlägt. Im nächsten Tunnel erwartete uns die Ochsenherztomate, die Sorte Sonnenherz. Zweiundzwanzig Pflanzen standen dort in schönem Abstand, alle angebunden und prächtig gewachsen. Die Früchte waren nicht ganz so groß wie bei der Ananastomate, aber es gab deutlich mehr davon.

Diese orange-gelben Tomaten schmecken besonders mild und süß, und die Herzform ist einfach wunderschön. Doch so schön sie ist, so empfindlich ist sie auch: Die Sonnenherz ist eine Tomate für den geschützten Bereich. Im Freiland wäre sie verloren. Wer keinen Platz im Gewächshaus hat, kann sie in einem großen Kübel an einer warmen Hauswand ziehen.

Im Geodom, einem unserer geschützten Bereiche, stand meine persönliche Diva: die Tomate Jen’s Gold. Eine Fleischtomate, komplett gelb-orange, mit einer so dünnen Schale, dass meine Tochter immer sagt, sie schmilzt wie Schokolade auf der Zunge. Sie braucht viel Pflege, diese Dame, aber sie belohnt einen mit einem intensiven, fruchtig-süßen Aroma. Weil so viele von euch gefragt haben, werde ich sie in kleiner Menge als Saatgut anbieten – ich werde es im Newsletter ankündigen.

Zurück im Freiland zeigte sich dann eine Tomate, die wirklich beeindruckt hat: unsere Freilandtomate. Die klassische rote Tomate, wie man sie sich wünscht. Kistenweise haben wir sie schon geerntet, und sie hält sich hier im Oktober noch bemerkenswert gut. Für alle, die keinen geschützten Anbau haben, ist das unsere klare Empfehlung – eine einfach gut schmeckende, normale rote Tomate.

Direkt daneben leuchteten unzählige kleine gelbe Kugeln: die gelbe Freilandtomate, eine Entdeckung für uns aus dem letzten Jahr. Was für ein Anblick! Dunkelgelbe, fast goldene Früchte, die immer noch üppig und voll wachsen. Sie ist fruchtig, leicht süßlich und macht im Farbspiel richtig etwas her.

Für den neuen Saatgutkalender im nächsten Jahr war sie sofort gesetzt. Im großen Gewächshaus stand dann eine Fleischtomate, die ich als absolute Besonderheit bezeichnen würde. Die Pflanzen waren auch jetzt noch saftig grün und wuchsen kräftig nach, obwohl wir nur einmal Bokashi eingearbeitet und sonst nichts gedüngt haben. Stattdessen setzen wir seit über zehn Jahren auf effektive Mikroorganismen.

Ich weiß, dass die Meinungen darüber auseinandergehen, und das ist gut so. Aber ich möchte jeden ermutigen, sich selbst eine Meinung zu bilden, statt blind auf Podcasts oder Leute ohne eigene Erfahrung zu hören. Eine Flasche kostet unter zehn Euro, und man kann einfach mal mit einer Kultur eine Saison experimentieren. Es stärkt die Pflanzen und ist ein besserer Weg, als es zuerst schon zu behaupten.

Dieses Jahr haben wir außerdem ein neues Bewässerungssystem ausprobiert, und ich bin bisher sehr beeindruckt. Diese Fleischtomate ist erst spät reif geworden, wir konnten erst im August mit der Ernte beginnen. Die Früchte sind makellos, dünnhäutig und schmecken einfach absolut klassisch. Meine Mutter und mein Mann lieben sie, und ich muss zugeben: Auch wenn ich die bunten und gelben Sorten sehr gerne mag, diese Tomate schmeckt so, wie eine Tomate schmecken sollte.

Draußen wartete dann eine Sorte auf uns, die sich als unheimlich robust erwiesen hat: die Wildtomate. Buschig wachsend, mit unzähligen kleinen Früchten, gelb und rot. Für Kinder ist das die perfekte Naschtomate, und im Hochbeet kommt sie am besten zur Geltung. Sie sind total süß und passen hervorragend in jede Brotbox.

Ein Stück weiter stand unsere Cocktailtomate, die wir als Stabtomate ziehen. Das heißt regelmäßig ausgeizen und anbinden. Die Mühe lohnt sich. Die Früchte sind alle gleich groß und einfach zuckersüß, eine absolute Bonbontomate.

Da ich weiß, dass es bald kalt wird und nachts die Temperaturen unter fünf Grad fallen, werde ich die vollen Rispen einfach abschneiden und drinnen zusammen mit einem Apfel nachreifen lassen. Zum Schluss habe ich euch noch etwas ganz Besonderes gezeigt: meinen Versuchsbereich. Schon 2018 hat mich ein Züchter ermutigt, mich selbst an der Tomatenzüchtung zu versuchen. Seitdem bin ich fasziniert davon.

Mein Ziel ist eine gelbe, süße Cocktailtomate, die robust im Freiland wächst. Was ihr da seht, ist die F2-Generation, also die zweite Tochtergeneration nach der Kreuzung. Da oben habe ich mir extra Pflanzen mit den schönsten, süßesten und reifsten Früchten ausgesucht – ein bunter Mix aus gelben, roten, dattelförmigen und birnenförmigen Tomaten. Es ist total spannend zu sehen, wie die Sorten aufspalten.

Ich habe sie bewusst nicht zu stark gepflegt, um zu sehen, wie robust sie wirklich sind. Bis eine stabile Sorte entsteht, dauert es etwa sieben bis zehn Jahre, und dahinter steckt viel mehr Arbeit, als man denkt. Aber genau diese Arbeit macht es für mich so interessant.