WELCH EIN GRAUEN! DIE HINRICHTUNG IM PARADIES: Welches dunkle Geheimnis führte zum tödlichen Hinterhalt auf den Bierkönig?

WELCH EIN GRAUEN! DIE HINRICHTUNG IM PARADIES: Welches dunkle Geheimnis führte zum tödlichen Hinterhalt auf den Bierkönig?

Es ist der 12. November 1997, als die idyllische Ruhe auf Mallorca jäh zerstört wird. Was die Polizei an diesem Morgen in einer abgelegenen Finca nahe Llucmajor entdeckt, sprengt jede Vorstellungskraft und erschüttert die deutsche Urlaubernation in ihren Grundfesten.

Drei Menschen sind in der stürmischen Nacht zuvor auf grausame Weise hingerichtet worden, darunter ein achtjähriges Kind. Die Opfer: Manfred Meisel, der legendäre „Bierkönig“ der Playa de Palma, seine Angestellte Claudia Leisten und sein kleiner Sohn Patrick. Der Fall, der bis heute als einer der spektakulärsten und ungelösten Kriminalfälle der Balearen gilt, wirft ein Schlaglicht auf die dunkle Seite des deutschen Partytourismus.

Der Tatort gleicht einem Gemetzel, das so gar nicht in das Bild der sonnenverwöhnten Insel passen will. Die Ermittler unter der Leitung des damaligen Chefs der Mordkommission Palma, Juan José, betreten ein Anwesen, das von außen wie eine Festung wirkt. Hohe Mauern, massive Gitter und ein großes Tor sollten eigentlich Schutz bieten.

Doch die Täter haben keine Mühen gescheut. Sie durchtrennten den Zaun, betäubten die vier Wachhunde mit präpariertem Fleisch und drangen durch ein aufgehebeltes Küchenfenster in das Haus ein. Drinnen erwartet sie ein Bild des Grauens.

Manfred Meisel, einst ein erfolgreicher Gastronom aus Frankfurt, der sich mit seinem „Bierkönig“ einen Traum erfüllt hatte, liegt leblos im Büro neben dem Wohnhaus. Neben ihm die 30-jährige Claudia Leisten, die an diesem Abend eigentlich gar nicht hätte arbeiten sollen. Sie hatte mit ihrer Kollegin Ilse Kaiser die Schicht getauscht – ein fataler Fehler, der ihr das Leben kostete.

Beide wurden mit je zwei Schüssen aus nächster Nähe in den Kopf getroffen. Die Wunden sind winzig, die Einschusslöcher klein. Die Ermittler gehen von einer Kleinkaliberwaffe aus, einer sogenannten „Frauenpistole“.

Es gibt keine Anzeichen für einen Kampf, keine Abwehrverletzungen. Es wirkt, als hätten die Opfer den Tod kommen sehen und sich nicht gewehrt. Eine Hinrichtung, so der erste Befund.

Doch das Entsetzen nimmt seinen Lauf, als die Beamten die Treppe hinaufsteigen. Im Schlafzimmer der Eltern finden sie den kleinen Patrick. Der Junge liegt regungslos auf dem Bett, zwei Kugeln haben seinen Schädel durchbohrt.

Auch er wurde aus nächster Nähe erschossen. Die Brutalität dieser Tat, die selbst vor einem Kind nicht Halt macht, lässt selbst hartgesottene Ermittler erblassen. „So etwas habe ich in meinen ganzen Dienstjahren noch nicht gesehen“, soll ein Beamter der Spurensicherung später gesagt haben.

Die Frage, die sich alle stellen: Wer ist zu so einer Tat fähig?

Der Fall schlägt hohe Wellen, sowohl in Spanien als auch in Deutschland. Der „Bierkönig“ war eine Institution. Mit seiner Lokalität an der berüchtigten Schinkenstraße hatte er den deutschen Partytourismus auf Mallorca maßgeblich geprägt.

Tausende feierten hier täglich, die Umsätze erreichten astronomische Höhen. Allein am Wochenende spülte der Bierkönig rund 200. 000 D-Mark in die Kassen.

Manfred Meisel war der König des ausgelassenen Feierns, doch sein Reich war auch von Neid, Konkurrenz und dunklen Machenschaften umgeben. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel. Das Motiv?

Raub scheidet aus, denn im Haus finden sich noch große Mengen Bargeld, darunter eine Million D-Mark in einem versteckten Tresor hinter einer Wandverkleidung im Schlafzimmer.

Die Spurenlage ist verwirrend. Im Haus finden sich Schlammabdrücke von zwei verschiedenen Personen – ein großer Schuh (Größe 44/45) und ein deutlich kleinerer (Größe 37/38). Dies deutet auf ein Täterduo hin, möglicherweise ein Mann und eine Frau.

Zwei Patronenhülsen verschiedener Hersteller werden sichergestellt. Ein fremdes Haar und zwei Fingerabdrücke, die keinem der Opfer zugeordnet werden können, geben weitere Rätsel auf. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wer hatte ein Interesse an Manfred Meisels Tod?

Die Liste der Verdächtigen und Theorien ist lang und reicht bis in die höchsten Kreise der Unterwelt. War es die Konkurrenz? Die beiden anderen großen Party-Player an der Playa, die Besitzer des „Rio Palace“ und der „Oberbayern“, könnten von einem Verschwinden des Bierkönigs profitiert haben.

Tatsächlich wurde sein Lokal nach seinem Tod unter den Konkurrenten aufgeteilt und neu aufgebaut. War es die Mafia? Schutzgelderpressung ist auf Mallorca zwar kein weit verbreitetes Phänomen, aber nicht auszuschließen.

Oder steckte die berüchtigte „Papageienmafia“ dahinter? Meisel war einer der größten Papageienzüchter Europas und hielt auf seinem Anwesen Tausende exotische Vögel, deren Wert auf zehn Millionen D-Mark geschätzt wurde. Seine Leidenschaft für die Tiere war bekannt, doch auch hier gab es offenbar Feinde.

Eine heiße Spur führt zu Sven, dem Geschäftsführer des Bierkönigs und späteren Lebensgefährten von Meisels Witwe Diana. Er soll eine Affäre mit Diana gehabt haben und wurde 2007 sogar verhaftet. Doch sein Alibi hält stand.

In der Tatnacht war er kurz weg, um Markisen zu sichern, kehrte aber nach gut einer Stunde zurück. Die Zeit hätte für die Morde gereicht, doch es fehlen Beweise. Auch die Theorie, dass die Täter eigentlich Diana töten wollten und Claudia Leisten mit ihr verwechselten, wird nie bestätigt.

Diana war in der Tatnacht in Deutschland, um einen Frauenarzttermin wahrzunehmen. Hatte Manfred sie weggeschickt, weil er von der Gefahr wusste? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Die Ermittlungen ziehen sich über Jahre hin. Hunderte Zeugen werden befragt, jede noch so absurde Spur wird verfolgt. Ein gewisser Mark L.

, der kurz nach dem Dreifachmord seine Ex-Freundin, eine Tänzerin im Bierkönig, grausam ermordete, gerät ins Visier. Doch auch hier fehlen belastbare Beweise. Der leitende Ermittler Juan José, der den Fall nie vergessen hat, ist sich sicher, dass es sich um einen organisierten Auftragsmord handelt.

„Man tötet für Profit oder aus Verrat“, sagt er. „Es sei denn, es geschieht aus Leidenschaft oder Eifersucht. “ Doch alle Theorien verpuffen.

Der Fall Meisel bleibt eine offene Wunde. Die Witwe Diana verlor an einem einzigen Abend ihren Lebensgefährten und ihren Sohn. Sie zog ihr zweites Kind alleine groß und versuchte, mit dem Verlust zu leben.

Doch die Erinnerung ist allgegenwärtig. Noch Jahre später, als die Finca verkauft wird und die wertvollen Papageien bei einem Raub gestohlen werden, ist das Trauma präsent. Im November 2017, zum 20.

Jahrestag des Verbrechens, gibt die Polizei zu, dass die Hoffnung auf eine Aufklärung schwindet. Die Akte ist nicht geschlossen, aber sie gilt als einer der schwierigsten Fälle der spanischen Kriminalgeschichte.

Der „Bierkönig“ steht heute nicht mehr nur für ausgelassene Partys und Schlager. Er steht für die dunkle Seite eines Geschäfts, das von Geld, Macht und Rücksichtslosigkeit geprägt war. Manfred Meisel hat die Party nach Mallorca gebracht, doch seine eigene Geschichte endete in einer stürmischen Novembernacht, die von Regen, Wind und Donner begleitet wurde.

Drei Menschen verloren ihr Leben, und die Frage nach dem Täter hallt bis heute nach. Vielleicht gibt es irgendwo da draußen noch jemanden, der die Wahrheit kennt. Vielleicht wartet sie nur auf den richtigen Moment, um ans Licht zu kommen.

Bis dahin bleibt der Fall Meisel ein Mahnmal für die Vergänglichkeit des Glücks und die Abgründe, die sich hinter der Fassade des Paradieses auftun können.