Es ist der Abend des 12. November 2010. Ein junger Mann sitzt vor seinem Computer und scrollt durch die Nachrichten des Tages. Vor ein paar Tagen hat er seine Mutter besucht, zum ersten Mal seit langer Zeit wieder.

Beim Abschied haben sie sich fest versprochen, den Kontakt zu verbessern und sich öfter zu sehen. Doch dann bleibt sein Blick an einer frischen Meldung hängen. An einem Ort, den er gut kennt, hat sich ein Mord ereignet. Er klickt auf den Artikel.
Dazu gehören Fotos von einem Haus – und er erkennt es sofort. Es ist das Haus seiner Mutter. Er greift zum Handy und ruft die Polizei an. Er sagt, er habe gerade einen Artikel über einen Mord in Scara gefunden und mache sich große Sorgen um seine Mutter.
Er habe sie erst vor wenigen Tagen in genau diesem Haus besucht. Was ihm die Polizei daraufhin erzählt, geht über jede schlimme Vorstellung hinaus. Helle Christens ist 40 Jahre alt und Mutter von fünf Kindern. Das jüngste ist gerade fünf, das älteste 19.
Zu ihren Kindern hat sie kein besonders enges Verhältnis mehr, alle leben bei ihren jeweiligen Vätern. Helle selbst hat es nicht leicht: Sie ist seit längerem krankgeschrieben und arbeitsunfähig, zuvor hat sie in einem Pflegeheim gearbeitet. 2009 musste sie sich wegen psychischer Probleme in Behandlung begeben. Ruhe findet sie beim Malen und Zeichnen.
Sie liebt Hunde, auch wenn das Geld für einen eigenen nicht reicht. Ihr Traum, ein Tattoo- oder Piercingstudio zu eröffnen, liegt in weiter Ferne. Engen Kontakt hat sie vor allem zu ihrer Schwester Britt. Britt versucht, Helle zu helfen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, scheitert aber immer wieder.
Alles, was sie tun kann, ist für Helle da zu sein und ein offenes Ohr zu haben. Eines Tages stellt Helle ihrer Schwester den Mann vor, in den sie sich verliebt hat: Isakin Jonsson. Er ist acht Jahre jünger als sie und selbst Vater einer Tochter, die ihn an den Wochenenden oft besucht. Nachdem die Beziehung offiziell ist, gibt es ein großes Familientreffen.
Britt macht Isakin keinen guten Eindruck. Er wirkt einschüchternd, und sie hat sofort das Gefühl, dass er kein guter Mensch ist. Aber er kann gut mit den Kindern umgehen – sowohl mit seiner eigenen Tochter als auch mit Helles Kindern. Ihr erster Eindruck verfestigt sich später.
Britt muss Helle mehrere Male abholen, wenn Isakin wieder einmal ausgerastet ist. Sie macht dem Partner ihrer Schwester eine Ansage: Wenn er sich Helle gegenüber nicht zusammenreiße, werde er es mit ihr zu tun bekommen. Schon bald zieht Helle zu Isakin in die Stadt Scara, in eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. In den Herbstferien 2010 besuchen zwei von Helles Söhnen ihre Mutter und ihren neuen Freund.
Es ist das erste Mal seit längerem, dass sie sie wiedersehen. Der Besuch verläuft gut. Helle macht auf ihre Söhne einen glücklichen Eindruck. Beim Abschied versprechen sie einander, sich von nun an öfter zu besuchen und wieder ein richtiges Verhältnis aufzubauen.
Dazu wird es nicht kommen. Am 12. November setzt Isakin Jonsson einen Anruf zur Notrufzentrale ab. Der Mitarbeiter am anderen Ende kann kaum glauben, was er hört: „Ich will das tun, was für mich richtig ist.
Ich habe keine Ahnung, was ich getan habe. Aber ich bin aufgewacht und habe dem Mädchen ein Stück Fleisch abgebissen. Ich habe versucht, für meine Medikamente zu kämpfen. Die Psychiatrie will mich nicht.
Jetzt bin ich durchgedreht. “
Als die Polizei eintrifft, liegt Helle Christens tot auf einer Luftmatratze in der Wohnung. Der Anblick ist schrecklich. Isakin hatte bereits im Notruf gestanden, Teile des Körpers gegessen zu haben.
Er hat seine Daten und seine Adresse durchgegeben, aber auch gewarnt: keine gezogenen Waffen, „denn sonst ziehe ich auch meine. Wissen Sie, ich kann es nicht kontrollieren. Ich höre Stimmen – Gott und so –, die mir sagen, ich soll Dinge tun. Aber ich will es nicht.
“
Er erzählt weiter, er höre die Stimmen von Gott und dem Teufel und könne für nichts garantieren, falls die Polizei direkt angreife. Der Notruf-Mitarbeiter schafft es, ihn bis zum Eintreffen der Beamten halbwegs ruhig zu halten. Die Wohnung ist voller Blut. Helles Kopf befindet sich in der Küche neben der Spüle.
Dort steht auch eine Bratpfanne, in der offenbar kurz zuvor Fleisch zubereitet wurde – menschliches Fleisch. Isakin wird festgenommen und verhört. Der 32-Jährige hat bereits mehrere Einträge in seiner Polizeiakte wegen Diebstahl und Drogendelikten. Er wurde neunmal verurteilt und hat mehrfach im Gefängnis gesessen.
Seit seiner Kindheit wurde er mehrfach in Psychiatrien behandelt. Zuletzt hatte er offenbar erhebliche Probleme, seine Behandlung fortzusetzen. Nur wenige Stunden vor dem Mord war das Sozialamt zu einem Standardtermin bei den beiden gewesen – es war nichts aufgefallen, oder die Kapazitäten fehlten. Am Nachmittag sind Isakin und Helle noch einkaufen gegangen.
Helle war im Supermarkt, Isakin kaufte vier Flaschen Starkbier und Jägermeister. Danach, so erzählt er, habe es zu Hause Streit um Kleinigkeiten gegeben. Zwischen 17 und 19:30 Uhr muss die Tat geschehen sein. Im Verhör sagt er: „Ich bin am gefährlichsten, wenn ich meine Medikamente nicht genommen habe.
“ Am Tag danach erklärt er, ihm sei klar, dass er sehr ungerührt wirken müsse. Es habe sich aber so angefühlt, als habe jemand anderes durch ihn gehandelt. Warum er Helle den Kopf abgetrennt und zur Küchenspüle getragen habe, wisse er selbst nicht. Er habe sich gefühlt, als seien weitere Personen mit ihm in der Wohnung gewesen, wie in einem Film.
„In dem einen Moment habe ich Helle umgebracht. Das nächste Bild ist, dass ich in der Küche bin. Der Kopf ist da. Dann bin ich dabei zu braten.
“
Er habe mehrere Waffen benutzt: ein Messer, eine Camping-Axt und eine Säge, um Teile von Helles Leichnam abzutrennen. Außerdem gesteht er, sich nach dem Mord an dem Leichnam vergangen zu haben. Spezialisten in Göteborg untersuchen ihn und bestätigen eine schwere psychische Krankheit. Sein Anwalt sagt, es gebe schlichtweg kein Motiv – der Grund für das Verbrechen sei die psychische Krankheit seines Mandanten.
Die Eröffnungsworte des Gerichtsverfahrens sind mehr als prägnant: Der Staatsanwalt schildert, der Angeklagte habe Helle mit einem Messer ermordet, ihr den Kopf und weitere Körperteile abgetrennt, einige Körperteile frittiert, gesalzen und mit Cannabis als Beilage gegessen. Isakin verweigert die Aussage nicht, gibt aber an, sich nicht an viel erinnern zu können. Wohl aber an den Moment, als er Helle den Hals durchtrennt hat. Er wiederholt, dass er sich mit Problemen bei der Behandlung seiner psychischen Krankheit konfrontiert sah.
Vor Gericht sagt er, er habe gespürt, dass es mit ihm rapide bergab ging, aber keinen Platz in einer Psychiatrie bekommen habe. Als der Staatsanwalt fragt, warum er Helle so brutal umgebracht habe, antwortet er: „Das frage ich mich auch. Ich verlasse mich auf die Ärzte. Es gibt überhaupt kein Motiv.
Wir waren doch ein Paar mit einer gemeinsamen Zukunft. “
Später erzählt er einmal über den Tag des Mordes: „An jenem Tag nahm ich eine Menge Medikamente, Schmerzmittel, Imovane, ich trank Alkohol. Ich war also psychotisch. In diesem Moment dachte ich: Jetzt mache ich etwas, so dass sie niemals bezweifeln können, dass ich krank bin.
Ob ich geisteskrank bin, weil ich zu so etwas fähig bin? Ja, mag sein. “
Der Mordprozess dauert nur wenige Stunden. Am Ende des Tages steht das Urteil fest: Isakin Jonsson kommt nicht ins Gefängnis.
Er wird zu einer geschlossenen forensisch-psychiatrischen Behandlung mit besonderer Entlassungsprüfung verurteilt. Zudem muss er an die Eltern von Helle und an jedes ihrer Kinder eine Schadensersatzzahlung von jeweils 75. 000 Kronen zahlen – umgerechnet knapp 7. 000 Euro.
Isakin zeigt nach der Urteilsverkündung keinerlei Emotion. Im Polizeiwagen streckt er dem Fotografen einer Zeitung den Mittelfinger entgegen. Er wird in die Abteilung des Kullens-Krankenhauses außerhalb von Katrineholm eingewiesen. Dort weigert er sich über Monate, seine Medikamente einzunehmen – obwohl er zuvor impliziert hatte, dass genau das ein Auslöser für den Mord gewesen sei.
Britt, Helles Schwester, schreibt dem Mörder ihrer Schwester einen Brief in die Psychiatrie. Sie bittet um Antworten auf die Frage nach dem Warum. Eine hilfreiche Antwort erhält sie nicht. Sie geht davon aus, dass Isakin ihre Schwester einfach ermordet hat, um Menschenfleisch zu probieren.
Allein der Gedanke daran, was er nach dem Mord mit Helle getan hat, ist für sie das Schlimmste an der ganzen Sache. Britt denkt oft an die Male zurück, als sie Helle abholte, nachdem Isakin wütend geworden war. Sie hatte schon damals häufiger Verletzungen bei Helle bemerkt: blaue Flecken, einmal einen dreifachen Beinbruch. Doch Helle beteuerte immer, das habe nichts mit Isakin zu tun.
Einmal lachte sie und sagte, sie sei über eine Schaufel gestolpert, ein anderes Mal sei sie einfach hingefallen. Ob diese Verletzungen von ihrem späteren Mörder stammten, lässt sich nicht mehr klären. Bei häuslicher Gewalt ist es nicht unüblich, dass Betroffene ihre Verletzungen herunterspielen – nicht nur vor anderen, sondern auch vor sich selbst. Die Ermittler stellen nach Helles Tod ihr Tagebuch sicher.
Ein Eintrag kurz vor ihrem Tod lässt vermuten, dass Brit mit ihrem Misstrauen richtig lag. Helle schreibt: „Isakin habe verschiedene Persönlichkeiten und er spricht von Bestrafung von all dem Bösen. Ich schreibe auch von Stimmungsschwankungen und seinem aggressiven Verhalten mir gegenüber. Aber ich halte es aus, weil ich ihn liebe.
“
Offenbar hat Helle zuletzt versucht, sich aus der Beziehung zu lösen. Sie hat in einer nahe gelegenen Bibliothek eine Frau um Hilfe bei der Suche nach einer neuen Unterkunft gebeten. Sie nahm der Bibliothekarin jedoch das Versprechen ab, auf keinen Fall die Polizei einzuschalten. Aus dem Versuch, woanders unterzukommen, wurde nie etwas.
Isakin wird in der psychiatrischen Klinik behandelt. Dort ist er zunächst dauerhaft untergebracht, aber nicht völlig von der Außenwelt abgeschlossen. Er hat einmal pro Woche vier Stunden Freigang und darf durch Katrineholm schlendern. Außerdem hat er Internetzugang.
Er führt einen Blog, auf dem er Fragen von anderen Usern beantwortet – und erzählt von der Tat, für die er keine große Reue zu zeigen scheint. Er schreibt unter anderem: „Die meisten sagen irgendwann in ihrem Leben, dass sie niemals jemandem das Leben nehmen könnten. Aber wenn es einmal getan ist, ist es keine große Sache mehr. “
Britt hinterlässt ihm einen Kommentar auf seinem Blog: „Ich verlange nicht viel.
Das Einzige, was ich verlange, ist zu erfahren, ob meine Schwester gelitten hat, ob sie bei Bewusstsein war, ob sie noch reagieren konnte. “
Isakin antwortet nicht darauf – obwohl er sonst bereitwillig vielen Usern Rede und Antwort steht. Er gibt auch Interviews. Der schwedischen Zeitung Expressen sagt er: „Ich stehe zu dem, was ich getan habe.
Ich gebe anderen nicht die Schuld, weder der Gesellschaft noch meiner Kindheit. Ich habe das getan. Die Einzigen, gegenüber denen ich Reue empfinde, sind meine Angehörigen und ihre Kinder. Sie sind unschuldig und müssen leiden.
“
Er sucht nach Aufmerksamkeit. Er lädt YouTube-Videos hoch, in denen er in gebrochenem Englisch Fragen internationaler User beantwortet. Es geht um banale Dinge wie sein Lieblingsessen, aber auch um seine Gedankenwelt: „Ich bin kein Rassist. Oder doch, ich bin ein Rassist.
Ich hasse alle, bis auf ein paar wenige Menschen auf der Welt. Ich bin ein Rassist gegenüber der menschlichen Spezies. Ich sehe mich selbst als Antimensch. Es gibt nichts an Menschen, das ich mag.
Die einzigen Menschen in der Geschichte, die meiner Meinung nach etwas verstanden haben, sind die Wikinger, die Spartaner und solche Leute. “
Auf die Frage, ob er den Drang habe, wieder einen Mord zu begehen, antwortet er lapidar: „Gerade nicht. “
In der forensisch-psychiatrischen Anstalt lernt er eine neue Frau kennen: Michelle Gustafson, in Schweden bekannt als die „Vampirfrau“, ebenfalls eine verurteilte Mörderin. Sie posierte vor ihrer Tat mit blutigen Lippen, Messern und einer Kettensäge.
Der „Scara-Kannibale“ und die „Vampirfrau“ verloben sich sogar – die Beziehung zerbricht später wieder. Nach langen, öffentlichkeitswirksamen Streitigkeiten mit den Behörden lässt Isakin seinen Namen in Isakin Drabber ändern. Einige Jahre nach der Tat wird ihm eine Wohnung zugewiesen, in der er außerhalb der Einrichtung Zeit verbringen darf. Für Anlässe wie eine Hochzeit kann er bis zu zwei Tage am Stück Freigang bekommen.
Im August 2020 zieht er in eine eigene Wohnung in Katrineholm, seine Behandlung wird ambulant fortgeführt. Während seiner Zeit in der Psychiatrie durfte Isakin weiterhin Besuch empfangen, auch von seiner minderjährigen Tochter Jamie Lee. Sie wurde 2001 geboren – sie war erst neun Jahre alt, als ihr Vater zum Mörder wurde. Ihre Eltern trennten sich, als sie noch ein Kleinkind war.
In den ersten Jahren sei das Verhältnis zu ihrem Vater super gewesen, erzählt Jamie Lee. Doch mit etwa fünf Jahren habe sie begonnen, ab und zu Angst vor ihm zu haben. Die Besuche bei ihrem Vater fühlten sich an, als würde sie in einen Horrorfilm gehen. Nicht weil sie ahnte, was er eines Tages tun würde, sondern weil er seine Wohnung mit Postern solcher Filme dekoriert hatte.
Er zeigte ihr einige davon, die das Kind nachvollziehbarerweise total verstörten. Jamie Lee erzählt: „Er sprach oft vom Teufel, von Dämonen und bösen Geistern. Als ich klein war, führte er mich gern in die ‚andere Welt‘ ein. Wir lagen im Dunkeln auf dem Bett und er fragte: ‚Siehst du die Gesichter an der Wand?
Kannst du sie sehen? ‘ Dann wiederholte er es so oft, dass ich sie schließlich tatsächlich sah. “
Die Situation besserte sich etwas, als Isakin mit Helle zusammenkam. Jamie Lee mochte sie auf Anhieb und hatte das Gefühl, eine zweite Mama zu bekommen.
Doch nach kurzer Zeit geriet das Bild wieder ins Wanken. Bei ihren Wochenendbesuchen wurde sie Zeugin mehrerer heftiger Streits zwischen den beiden, inklusive drastischer Beleidigungen und herumgeschmissener Zellen. Einmal habe Isakin Helle angeschrien, dass er sie umbringen würde. Kurz vor dem Mord besuchte Jamie Lee die beiden noch einmal für ein Wochenende – für sie das schlimmste Wochenende ihres Lebens.
Helle verhielt sich plötzlich ganz anders. Obwohl sie sonst einen guten Draht zu ihr hatte, ignorierte sie das Mädchen fast völlig. Beim gemeinsamen Essen soll Helle der damals Neunjährigen gesagt haben: „Lass dir das Essen schmecken, denn das wird das letzte Mal sein, dass ich für dich koche, weil Isakin mich umbringen wird. “
Helles Tod traumatisierte Jamie Lee zutiefst.
Sie machte sich jahrelang Vorwürfe und gab sich die Schuld, dass sie als Neunjährige nichts unternommen hatte, um ihren Vater aufzuhalten. Und was danach kam, beeinflusste ihr Leben maßgeblich: Die anderen Kinder wollten nichts mehr mit der Tochter des „Scara-Kannibalen“ zu tun haben. Genau darum suchte sie wieder Kontakt zu ihrem Vater – um wenigstens ihn nicht zu verlieren. Der war allerdings nicht für sie da.
Er nahm sich zwar Zeit, führte sie aber mehr und mehr in ein destruktives Mindset. Je mehr Jamie sich negativen Gedanken zuwandte, desto isolierter war sie. Es ging so weit, dass sie als Teenagerin nicht mehr leben wollte. Als sie ihrem Vater davon erzählte, holte er keine Hilfe – er machte mit ihr ein Ritual für Luzifer, das angeblich Jamies Seele an den Teufel weitergeben sollte, um sie von ihrem Schmerz zu erlösen und ihr Macht und Anerkennung zu verleihen.
Sie begann früh zu trinken und brach mit 15 die Schule ab. Etwa um diese Zeit erzählte Isakin seiner Tochter seine Version des Mordes. Diese unterscheidet sich deutlich von dem, was er zuvor Polizei und Gericht berichtet hatte. Er sagte, Helle habe sterben wollen – mehr noch, sie habe gewollt, dass er sie umbringt, und ihn von Beginn ihrer Beziehung an jeden Tag darum gebeten.
Er habe es nicht geschafft, sie zu verlassen. Also habe er sie umbringen müssen. Er habe bewusst auf brutale Weise gehandelt, um in eine Psychiatrie zu kommen und nicht ins Gefängnis. Kurze Zeit nach dieser Unterhaltung kommt es zu einem großen Streit zwischen Vater und Tochter, der zum Bruch führt.
Jamie Lee schafft es, sich von der Manipulation ihres Vaters zu lösen. Es dauert mehrere Jahre, bis sie sich wiedersehen. Das geschieht vor laufender Kamera, im Rahmen einer TV-Doku, in der Jamie Lee begleitet wird, wie sie versucht, damit zurechtzukommen, die Tochter eines Mörders zu sein. Im Rahmen der Doku sprechen sie sich zum ersten Mal seit Jahren aus.
Dabei reden sie auch über das Ritual. Isakin steht weiterhin dazu und beharrt darauf, dass Jamies Leben seitdem besser geworden sei. In der Sendung konfrontiert Jamie ihren Vater mit dem Mord an Helle. Als eine Redakteurin ein Foto von Helle auf den Tisch legt und fragt, was er dabei empfinde, erwidert er: nichts.
Er wiederholt die Geschichte, dass Helle ihn immer wieder gebeten habe, sie umzubringen, und dass er letztendlich eingeknickt sei. Dementsprechend sei es kein Mord gewesen, er sei kein Mörder. Die brutalen Akte nach dem Mord habe er nur begangen, um wahnsinnig genug zu wirken, damit er in die Psychiatrie komme. Er habe nie geplant, Teile von ihr zu essen oder ihren Leichnam zu missbrauchen.
Die nekrophilen Handlungen habe er nur inszeniert. Er habe versucht, in seiner Wohnung einen eigenen Horrorfilm nachzustellen – er sei schließlich Künstler. Es versteht sich von selbst, dass das nicht die Dinge sind, die Jamie Lee hätte hören müssen – und dass es nicht klingt, als täte Isakin Drabber leid, was er Helle, ihrer Familie und seiner eigenen Tochter angetan hat. Heute ist Jamie Lee selbst Mutter von zwei Kindern und hat sich mit ihrem Partner ein glückliches Leben aufgebaut.
Auf Social Media und in Interviews erzählt sie manchmal von ihrem Vater und dem psychischen Missbrauch – wie sie ausdrücklich sagt, nicht um davon zu profitieren, dass ihr Vater ein Mörder ist, sondern um anderen zu zeigen, dass man von allem heilen kann.


