Sie hieß Franka, und in den letzten Minuten ihres Lebens war sie vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln, wehrlos und völlig allein. Als sie in ein Auto geladen wurde, konnte sie sich vermutlich nicht mehr wehren. Irgendwo an einem Waldweg nahe San Godo hielt der Wagen an, eine Tür öffnete sich, und dann traf ein Stein ihren Kopf – einmal, immer wieder, bis ihr Herz aufhörte zu schlagen. Franka kam aus Berlin.

Eine schüchterne, fleißige Kosmetikerin mit einem eigenen kleinen Studio, die ihre Urlaube allein verbrachte und lieber durch Museen schlenderte, als am Strand zu liegen. Doch 2016 begegnete sie in der Provinz Lucca Emiliano. Er war charmant, elegant, arbeitete als Restaurantleiter und wusste genau, wie man ihr Komplimente macht. Sie verliebte sich Hals über Kopf in den Italiener.
Die Beziehung hielt. Franka pendelte regelmäßig zu ihm, half ihm 2018 finanziell, ein eigenes Restaurant an der Lima zu eröffnen, und traf schließlich eine Entscheidung, die alles verändern sollte: Sie zog zu ihm in die Toskana, in das kleine Dorf Vaglia mit nicht einmal 900 Einwohnern. In der Nachbarschaft kannte man sie kaum, man wusste nur, dass der Partner das Haus mietete. Franka führte ein unauffälliges Leben an der Seite ihres großen Liebes.
Dann kam das größte Glück ihres Lebens: ein gemeinsamer Sohn, im Juni 2025 gerade einmal ein halbes Jahr alt. Es war nicht einfach gewesen, Franka hatte eine Eizellspende gebraucht, aber endlich hatte es geklappt. Neben Emiliano hatte sie nur einen Menschen, dem sie wirklich vertraute: ihre Freundin Simona. Die etwa vierzehn Jahre ältere Deutsche, die als Präsidentin eines Bonsai-Vereins bekannt war, lebte schon lange in Florenz.
Die beiden verband eine jahrelange Freundschaft, eine tiefe Verbindung auf Muttersprache. Am Morgen des 2. Juli 2025 wollten die beiden gemeinsam spazieren gehen, durch ein Waldstück östlich von Florenz, abgelegen, weit weg von allem. Simona wartete am Treffpunkt, aber Franka kam nicht.
Sie rief an, niemand nahm ab. Also ging Simona allein los – und fand etwas Entsetzliches. In einem Waldstück lag eine Frau. Sie rührte sich nicht.
Um sie herum sammelte sich Blut. Der Körper war übersät mit tiefen Wunden, am Kopf und am ganzen Körper, als wäre sie überfahren worden. Es war 7:40 Uhr morgens. Simona rief sofort Hilfe.
Die Beamten und ein Arzt kamen, doch die Frau war bereits tot. Sie trug weder Handy noch Ausweispapiere. Schnell sah alles nach einem tragischen Verkehrsunfall aus: ein entfernter Fahrer, der sich aus dem Staub gemacht hatte. Doch dann kam der Schock: Die Tote war Franka.
Als man es Emiliano, ihrer großen Liebe, mitteilen musste, sagte er, er sei zum Zeitpunkt ihres Todes in der gemeinsamen Wohnung gewesen, mehrere Kilometer entfernt. Die Ermittler werteten Überwachungskameras und Handydaten aus, sie wollten die Lücke zwischen Frankas Aufbruch um 6:30 Uhr und dem Fund um 7:40 Uhr füllen. Die Autopsie jedoch zerstörte die Unfalltheorie. Man fand keine Reifenspuren, keine Spuren eines Zusammenstoßes.
Stattdessen entdeckte man im Blut der Frau massive Dosen an Beruhigungsmitteln. Franka starb nicht an einem Unfall. Sie starb an einer schweren Kopfverletzung. In der Nähe des Tatorts fand man einen Stein mit Blutspuren.
Es war Mord. Die Polizei befragte über 140 Personen. Und der Blick fiel schnell auf Emiliano. Seine berufliche Laufbahn war rissig: Er hatte mehrere Restaurants verlassen, oft wegen rechtlicher Schwierigkeiten, war sogar nach Lateinamerika geflohen, bevor er zurückkehrte.
Später, so stellte sich heraus, hatte er Franka überredet, nach der Geburt ihres Sohnes fünf Lebensversicherungen abzuschließen – mit einer Klausel, die bei Unfalltod die dreifache Summe auszahlte. Eine Summe von über drei Millionen Euro. Der Fall nahm eine grausame Wendung. Ein Überwachungsvideo zeigte, wie eine Frau in einem Auto lehnte, betäubt und hilflos.
Es war Franka. Und hinter dem Steuer saß niemand anderes als Simona. Emiliano hatte den Mord akribisch geplant. Er hatte Franka mit Benzodiazepinen sediert, sie Simona übergeben, und die hatte sie mit einem Stein erschlagen und dann mit dem Auto über ihren reglosen Körper gefahren – alles, um es wie einen Unfall aussehen zu lassen.
Ausgeholt und zugeschlagen hatte Simona selbst. Das Motiv war das Geld aus den Lebensversicherungen. Und die Ermittler vermuteten, dass Frankas Tod nicht das Ende gewesen wäre. Emiliano soll geplant haben, auch Simona zu töten, um seine Schuld zu vertuschen.
Er habe sogar seine eigene 80-jährige Mutter gebeten, ihm dabei zu helfen, und ihr gesagt: „Mit 80 kommst du nicht mehr ins Gefängnis. “ Die Mutter selbst soll heimlich unter Beruhigungsmittel gesetzt worden sein, aus Angst vor dem eigenen Sohn. In einem abgehörten Gespräch schlug er vor, Simona umzubringen. Und dann gab es noch einen weiteren Verdacht.
Eine Pflegerin seiner Mutter aus Peru, die an einer Blutplättchen-Erkrankung litt, war im Dezember 2024 mit nur 40 Jahren gestorben. Auch sie hatte er zu einer Lebensversicherung überredet – begünstigt war jedoch er selbst. Sie hatte ihren Freundinnen geschrieben, dass sie Angst vor ihm habe und glaubte, er würde ihr sedierende Medikamente verabreichen. Ihr Tod, so vermuteten die Ermittler, war vielleicht kein Zufall.
Im Januar 2026 wurde Emiliano festgenommen. Wenig später auch Simona. Frankas kleiner Sohn kam in eine Pflegefamilie, ein Adoptionsverfahren wurde eingeleitet. Die Ermittlungen dauern bis heute an.
Nur wenige Kilometer von diesem Ort entfernt, in der Gemeinde Scandicci bei Florenz, geschah nur wenige Monate später ein zweites, nicht weniger grausames Verbrechen. An einem Morgen im Februar 2026 fanden Spaziergänger auf einem verlassenen Gelände, weniger als hundert Meter von zwei Schulen entfernt, eine Leiche im Gebüsch. Der Körper war enthauptet und übel zugerichtet. Ein Großer Pitbull hielt Wache bei der Toten und ließ niemanden an sie heran – eine Stunde lang trotzte er sogar den Beamten, bis ein Hundefänger ihn unter Kontrolle brachte.
Die Tote war Silke S. , geboren 1982, ursprünglich aus Bonn. Sie hatte einen Ehemann und zwei Kinder zurückgelassen, war aber vor Jahren spurlos verschwunden, hatte ihre Profile gelöscht, war quasi unsichtbar geworden. Ihr Mann hatte sie unter ihrem richtigen Namen als vermisst gemeldet, doch sie hatte sich mit einem anderen Namen vorgestellt – und war so für Interpol unauffindbar.
Sie lebte obdachlos, wanderte umher, oft in der Nähe des verlassenen Geländes. Die Ermittler fanden eine blutbefleckte Machete, ein blutgetränktes Sweatshirt. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest: Isam, etwa 30 Jahre alt, obdachlos, vorbestraft wegen Drogen und Diebstahls. Er hatte sich auf dem Gelände ein Zuhause aufgebaut.
Am Tag vor dem Fund hatte er eine Rentnerin mit seinem Pitbull vom Gelände gejagt. Er stand unter starkem Drogen- und Medikamenteneinfluss, musste mehrfach sediert werden. Auf seiner Kleidung fand man Blut, die DNA stimmte mit Silkes überein. In der Nacht vor ihrem Tod hatten die beiden gemeinsam eine Bar besucht.
Isam hatte andere Gäste belästigt, der Barmanager rief den Notruf. Doch Silke und Isam verließen das Lokal zusammen, hielten sich aneinander fest, wirkten vertraut. Später zeigte eine Überwachungskamera, wie sie gegen 5 Uhr morgens Richtung Landhaus gingen. Dann hörte man Schreie.
Isam rief laut: „Der Teufel habe von Silke Besitz ergriffen. “ Die Ermittler vermuten, dass er mit der Machete auf sie einschlug – aus einem trivialen Streit, möglicherweise unter Drogeneinfluss. Isam wurde in Untersuchungshaft genommen, doch sein Gesundheitszustand brachte ihn immer wieder ins Krankenhaus. Er verweigerte die Aussage.
Die Ermittlungen laufen bis heute, die Staatsanwaltschaft prüft weitere mögliche Verbindungen. Zwei Frauen, zwei Todesfälle, zwei Familien, die zerstört wurden – und zwei Fälle, die zeigen, wie schnell das Leben vorbei sein kann.


