Feuer galt nicht immer als selbstverständlich. Fast die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch musste man es sich mühsam erarbeiten – mit Feuerstein und Stahl, Feuerbohrern oder tagelang gehüteter Glut. Eine einzige erloschene Flamme konnte bedeuten, wieder stundenlang reiben und schlagen zu müssen. Dann, im Jahr 1826, veränderte ein Zufallsexperiment des englischen Chemikers John Walker alles: Ein getrockneter Chemikalienklumpen entzündete sich, als er über eine raue Fläche gerieben wurde.

Das erste praktische Reibungszündholz war geboren – eine Erfindung, die Feuer in die Tasche jedes Menschen brachte. Doch dieser Fortschritt hatte einen grausamen Preis. Frühe Streichhölzer enthielten weißen Phosphor, eine hochgiftige Substanz. In schlecht belüfteten Fabriken verarbeiteten junge Frauen und Mädchen diesen Stoff tagtäglich.
Viele entwickelten die sogenannte Phosphorkiefer: Ihr Kieferknochen zerfiel langsam unter unerträglichen Schmerzen. Es war einer der ersten großen Industrieskandale – und er führte zu einem der wichtigsten Arbeitskämpfe seiner Zeit. Als die Gesundheitsgefahren nicht mehr zu leugnen waren, entwickelte man Sicherheitsstreichhölzer mit rotem Phosphor, die erst auf einer speziellen Reibefläche an der Schachtel zündeten. Doch Verbesserungen kamen nicht von allein.
1888 legten Arbeiterinnen einer Londoner Streichholzfabrik die Arbeit nieder. Der Streik der „Streichholzmädchen“ erzwang bedeutende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und wurde zu einem Meilenstein der Arbeiterrechte. In den folgenden Jahrzehnten führte eine weitere Erfindung zur nächsten: Der österreichische Chemiker Karl Auer von Welsbach entwickelte eine Legierung, die beim Kratzen einen Funkenregen erzeugte. Diese Entdeckung machte das Zippo-Feuerzeug möglich, das Soldaten, Musiker und Rebellen durch das 20.
Jahrhundert begleitete. In den 1970er-Jahren kamen Einwegfeuerzeuge dazu, die eine Flamme fast für jeden überall verfügbar machten. Heute ergänzen elektronische und per USB aufladbare Feuerzeuge die Auswahl – dazu nachfüllbare Modelle für mehr Umweltbewusstsein. Doch das Streichholz ist nie verschwunden.
Es bleibt allgegenwärtig: bei Geburtstagskerzen, Lagerfeuern und religiösen Zeremonien. Jede Sicherheitsvorkehrung und jede Verbesserung existiert, weil Menschen sich für etwas Besseres eingesetzt haben.


