Ich dachte, wir hätten beim Tunnelbau alles richtig gemacht. Vier Leute, beste Absicht, nach bestem Wissen und Gewissen. Doch nach einem Jahr zeigte unsere Folie den ersten Riss. Dann kam der…

Ich dachte, wir hätten beim Tunnelbau alles richtig gemacht. Vier Leute, beste Absicht, nach bestem Wissen und Gewissen. Doch nach einem Jahr zeigte unsere Folie den ersten Riss. Dann kam der...

Wir stehen im Herbst auf unserem Hof und vor uns wachsen zwei nagelneue professionelle Folientunnel in den Himmel. Noch vor wenigen Monaten haben wir uns mit unserem alten System gequält, zwei Tunnel standen schon, doch nach nur einem Jahr zeigte die Folie den ersten Riss. Ein windiger Standort, wie wir inzwischen wissen. Und dann haben wir Henrik kennengelernt.

Thumbnail

„Du, eure Folie war wohl nicht die glücklichste Wahl“, sagt er, als er über unseren Hof läuft. Henrik Klar ist Geschäftsführer der Firma FVG Folien aus dem Westerwald. Was ursprünglich als Handel mit Gewächshausfolien begann, ist heute ein Unternehmen, das eigene Tunnel entwickelt – vom Profi-Modell bis zum Einstiegertunnel für den Hausgarten. „Am Anfang haben wir nur Folie verkauft“, erklärt er.

„Aber irgendwann haben wir gemerkt: Wir können den Leuten direkt helfen, ihre eigene Nahrung anzubauen. “

Seine Überzeugung teile ich sofort: gesunde Ernährung, selbst bestimmen, was auf den Tisch kommt. Keine Ware, die tausend Kilometer gereist ist und in Kühlketten lag. Sondern frisch gepflückt, direkt aus dem eigenen Garten.

„Ich weiß, was ich anbaue“, sagt Henrik. „Ich habe es selbst in der Hand. “

Und genau deshalb stehen wir jetzt hier. Zwei neue Tunnel, ein Profi-Modell mit 5,30 Metern Breite, und ein zweites daneben, das gerade wächst.

Henrik zeigt uns, worauf es ankommt. „Der größte Feind des Tunnels ist der Wind“, sagt er. „Die Folie muss straff gespannt sein, sonst fängt sie an zu schlagen, und durch die Dauerbewegung entstehen Risse. “ Er hält eine Spezialanker in der Hand, ein Stück Baustahl mit einer Scheibe unten, das man wie einen Korkenzieher in den Boden dreht.

„Je schwieriger es in den Boden geht, desto besser hält es“, grinst er. „Und man braucht kein Fundament. Das ganze System kann man jederzeit abbauen und woanders wieder aufbauen. “

Ich denke an unseren ersten Aufbau zurück.

Vier Leute haben wir gebraucht, um die Folie über das Gestell zu ziehen. „Mindestens vier sollten es sein“, bestätigt Henrik. „Die Folie ist wie ein riesiger Luftballon, den man bewegt. Bei Wind wird das schnell heikel.

Am nächsten Tag ist Henrik weg, dafür steht Christoph vor mir. Seit über 15 Jahren ist er Spezialist für Folientunnel bei FVG. Er zeigt mir die Folie, die auf unserem Tunnel liegt: die „Euro 4“, eine Standardfolie, vier Jahre UV-stabil, hält aber meist sechs bis acht Jahre. Sie schützt vor Regen und schafft das Mikroklima im Tunnel – Wärme, wenn es draußen kalt ist.

Ich frage ihn nach dem Thema Nachhaltigkeit. Wir sparen Plastik, wo wir können, und dann stellen wir einen riesigen Plastiktunnel in den Garten. Christoph nickt. „Man sollte die Folie austauschen, bevor sie anfängt zu bröseln“, sagt er.

„Und dann gibt es ein Recycling-Konzept: Die Folie kann man abgeben, sie wird eingeschmolzen und zu neuen Produkten verarbeitet. So verlängert sich der Lebenszyklus auf 40, 50 Jahre. “

Ich erzähle ihm von dem Müll, den wir auf unserem Acker gefunden haben, als wir gebuddelt haben. Alte Silofolien, die schon zerbröselten.

„Das ist genau der Punkt“, sagt Christoph. „Es geht um den verantwortungsvollen Umgang. Man darf sie nicht einfach umackern oder verbrennen. Aber wenn man sie rechtzeitig austauscht und recycelt, und das Gemüse darunter selbst anbaut, dann ist das ein sehr vernünftiges Konzept.

Wir laufen zur Kopfseite des Tunnels und bleiben stehen. Da ist die Besonderheit, die wir uns gewünscht haben: eine Flügeltür, die nicht durchgehend ist, sondern unten geschlossen und oben geöffnet werden kann. „Das gibt es exklusiv bei den Tunneln, die in unserem Shop sind“, sagt Christoph. „Aber wenn ihr eine durchgehende Tür wollt, geht das auch.

Gleicher Preis. “

Christoph erklärt mir das Prinzip hinter dem Tunnel: Lowtech, bewusst einfach gehalten. „Die Tunnel sollen so gebaut sein, dass man sie schnell auf- und abbauen kann“, sagt er. „Man sieht viele, die ihren Tunnel nach anderthalb Jahren umgebaut haben, selbst Dinge verbessern, individuell anpassen.

Das ist der Anspruch. Man soll daran weitertüfteln können. “

Ich schaue auf das Gestell, die Seile, die gespannt werden, die Clips auf der Folie. „Es ist ein Arbeitstier“, sage ich.

Christoph lacht. „Genau so soll es sein. Das Ziel ist, zu ernten. Das Erntefenster zu verlängern.

Das ganze Jahr über anzubauen. “

Und während der zweite Tunnel hinter uns weiterwächst, bin ich froh, dass wir diesen Weg gegangen sind. Kein perfektes System mit makellosen Spaltmaßen, sondern etwas, das man selbst gestalten kann. Ohne Fundament, ohne Beton, flexibel in der Länge – von acht Metern bis zu einer theoretischen Autobahnausfahrt, wie Christoph scherzt.

Ich will ernten. Genau dafür steht jetzt unser neuer Tunnel.