Einfach nur unfassbar! Was trieb Walter Seifert wirklich zu DIESER BESTIALISCHEN TAT in Volkhoven?

Einfach nur unfassbar! Was trieb Walter Seifert wirklich zu DIESER BESTIALISCHEN TAT in Volkhoven?

Die Hölle von Volkhoven: Wie ein psychisch kranker Mann mit einem selbstgebauten Flammenwerfer eine ganze Stadt in Schock versetzte und acht Kinder sowie zwei Lehrerinnen in den Tod riss.

Es ist ein warmer Junimorgen im Jahr 1964, als der 43-jährige Walter Seifert das Schulgelände im Kölner Stadtteil Volkhoven betritt. Auf dem Rücken trägt er ein Spritzgerät zur Schädlingsbekämpfung, das er zu einem tödlichen Flammenwerfer umgebaut hat. In der Hand hält er eine spitze Lanze.

Niemand ahnt, dass dieser Mann in den nächsten Minuten eines der schlimmsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte verüben wird.

Die Idylle des kleinen Dorfes mit seinen etwa 300 Einwohnern zerbricht in Sekundenschnelle. Um 9. 42 Uhr beginnt Walter Seifert seinen Amoklauf.

Er trifft auf dem Schulhof auf turnende Kinder und ihre Lehrerin Anna Langohr. Die Lehrerin erkennt sofort die Gefahr. “In dem Moment sehe ich, dass der eine grässliche Fratze hat, also ganz verzerrt sah der Mann aus”, erinnert sie sich später.

“Da kam mir eine Erleuchtung, dann habe ich zu meinen Kindern gerufen: Weg mit euch, ich glaube das ist ein Mörder. Weg!”

Die Kinder sind dem Täter völlig ausgeliefert. Er hält den Flammenwerfer direkt auf sie und erzeugt eine Hölle auf Erden. Die ersten Kinder stehen in Flammen und brennen.

Der Amokläufer geht von Raum zu Raum, schlägt Fensterscheiben ein und hält den Feuerstrahl aus nächster Nähe in die Klassenzimmer. Die Schüler versuchen panisch zu fliehen, doch viele haben keine Chance.

Eine Überlebende, Hella Rauch, erinnert sich an die schrecklichen Momente. “Als ich dann einen Fuß auf der Fensterbank hatte um heraus zu klettern, stand der Herr Seifert vor mir auf der anderen Seite. Und hat das dann gezielt auf mich gehalten.

Dann habe ich die Hände vors Gesicht geschlagen, aber eigentlich nicht um mein Gesicht zu schützen, sondern die Luft war so heiß, die mir entgegen kam.” Hella Rauch erleidet Verbrennungen dritten Grades am ganzen Körper.

Im Klassenzimmer daneben verbarrikadieren sich mehrere Schüler mit den Lehrerinnen Gerlinde Kunz und Ursula Kuhr. Doch der Amokläufer ist stärker und reißt die Klassentür auf. “Frau Kuhr ist mit der Tür nach draußen geschleudert worden und ich hinterher.

Ob sie in einen Dolch hineingelaufen ist oder ob er zugestoßen hat, weiß ich nicht”, berichtet Gerlinde Kunz. “Und da war sie verletzt, sie blutete sehr stark und sie hat auf meinen Knien gelegen mit dem Kopf. Das hatte ich so gemacht, weil sie nicht mehr stehen konnte, sie war zusammengeklappt.

Und dann sagte sie: Ein Arzt, ein Arzt!”

Gerlinde Kunz bleibt unverletzt, anders als ihre Kolleginnen Ursula Kuhr und Gertrud Bollenrath. Der Täter hat sie mit der Lanze erstochen und getötet. Die beiden Lehrerinnen werden zu tragischen Heldinnen, ihr Tod rettet vielen weiteren Kindern das Leben.

Insgesamt acht Kinder sterben im Nachgang des Amoklaufs an ihren schweren Verbrennungen, 30 Schüler werden verletzt.

Die Anteilnahme für die Opfer ist riesig. Immer wieder ziehen weiße Särge durch den kleinen Ort Volkhoven. Zu den Beerdigungen kommen bis zu 1000 Menschen.

“Ein Kind, was durch eine solch grausame Geschichte verschwindet, das ist nicht nachvollziehbar. Die Eltern und Angehörigen werden nie fertig damit”, sagt Peter Ohren, der damals als Pfleger in der Kölner Kinderklinik arbeitete und viele der Opfer pflegte. “Das kann man mit Worten gar nicht beschreiben, wenn jemand vom Kopf bis Fuß verbrannt ist.

Jeden Tag verstarb eines. Wissen Sie von einem Kind Abschied zu nehmen, das kann man mit Worten gar nicht beschreiben.”

Nachdem der Benzinkanister leer ist, flüchtet Walter Seifert über ein offenes Feld hinter der Schule. Es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd. Ein Polizist gibt zwei Warnschüsse in die Luft ab und fordert ihn zum Stehenbleiben auf.

“Und dann haben wir ihn getrieben, mit Steinen geschmissen und sind ungefähr 100 Meter hinter ihm hergelaufen, und dann kam schließlich die Polizei”, erinnert sich ein Zeuge. Walter Seifert greift auch die Polizei mit der Lanze an, woraufhin ein Beamter ihm in den Oberschenkel schießt. Er sinkt zu Boden, der Täter ist gefasst und wird ins Krankenhaus gebracht.

Was man zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Walter Seifert hat während seines Amoklaufs ein tödliches Pflanzenschutzmittel geschluckt, E605. Im Krankenhaus wird er zweimal vernommen, doch viel gibt er nicht zu Protokoll. Auf die Frage des Ermittlers, warum er das getan habe, antwortet er: “Es ist eine böse Sache alles.”

Auf die Frage, warum gerade die Kinder, sagt er: “Das ist zu langatmig.” Er verspricht, am nächsten Tag mehr zu erzählen, doch am Abend stirbt Walter Seifert an den Folgen des Giftes. Das Motiv für seine Tat bleibt für immer ungeklärt.

Wer war dieser Mann, der zu einer solchen Tat fähig war? Walter Seifert, 43 Jahre alt, galt in der Nachbarschaft als friedlicher, hilfsbereiter Mensch. Nach dem Kriegseinsatz an der Front wollte er sich in Köln ein neues Leben als Polizist aufbauen, doch schon nach einem Jahr wurde er aus dem Dienst entlassen, weil er an Tuberkulose litt.

Er wurde arbeitslos und fand keinen neuen Job. Dann starb seine Frau Ursula bei einer Fehlgeburt. Er führte einen jahrelangen, quälenden Briefwechsel mit den Behörden, um seine Tuberkulose als Folgekrankheit des Krieges anerkennen zu lassen.

Seifert behauptete, die Behörden wollten ihn still und leise ermorden. In den Behördenakten wird er als psychisch abwegige Persönlichkeit geführt.

Der frühere evangelische Pastor Heinrich Hülser, der Walter Seifert und dessen Familie kannte, beschreibt ihn als schwierigen Menschen. “Er war ein sehr eigentümlicher Mensch gewesen, mit durchaus kognitivem Potential. Ich glaube, dass der Walter Seifert ungeheuer verletzt war.”

Wenige Wochen vor dem Anschlag überreichte Walter Seifert dem Pastor eine Mappe mit persönlichen Unterlagen über seine Weltanschauung. “Das ist also eine Dokumentation von seinen Gedanken, die allerdings gar keine Weltanschauung in irgendeinem philosophischen Sinn war, sondern einfach aggressive Thesen der Defensive. Was ich da gesehen habe, sprach mehr für Konfusität und man konnte also wirklich beim besten Willen nicht das allergeringste ahnen, was für entsetzliche Dinge hinter dieser Konfusität standen.”

Auch seinem jüngeren Bruder Gerhard erzählte Walter Seifert nichts von seinem mörderischen Plan. “Für mich war das etwas, was ich gar nicht fassen konnte”, sagt Gerhard Seifert. “Wann haben sie ihren Bruder das letzte Mal gesehen?

Gestern Abend beim Fernsehen, er war ganz normal wie früher.” Auf die Frage, ob sein Bruder immer böse auf jemanden gewesen sei, antwortet er: “Ja, er hat ja dauernd geschrieben, aber er kam nicht weiter zu Erfolg.” Mutter Clara Seifert schämte sich zutiefst für die Tat ihres Sohnes.

Sie spendete ihre gesamten Ersparnisse an die Familien der Opfer. Nur zwei Jahre nach der Tat stirbt sie.

Die Presse nannte Walter Seifert den “Feuerteufel von Volkhoven”. Bis heute ist seine Tat unbegreiflich. “Das war so dämonisch, ein subjektives Höllensystem gewissermaßen, indem er diese ungeheuerliche Aggressionen aufgebaut hat”, sagt Pastor Hülser.

Auf die Frage, ob man den Amoklauf hätte verhindern können, antwortet er: “Dieser Mann hat aus seinem Leben eine absolute Schweigesphäre gehabt. Für die Opfer, für die Frau Seifert und für die, die heute noch entsetzliche Träume haben müssen. Amen.”

Dieser Kriminalfall war der erste Amoklauf an einer deutschen Schule. Bis heute verbinden viele Menschen mit Volkhoven das Attentat von 1964. Auf dem Friedhof in Volkhoven finden die acht Kinder, die durch den Flammenwerfer-Mörder getötet wurden, ihre letzte Ruhe.

Eine Gedenkstele erinnert an sie, damit sie nie in Vergessenheit geraten. Die neue Schule in Volkhoven wurde nach der getöteten Lehrerin Ursula Kuhr benannt. Der Schulname erinnert bis heute an das Ereignis von 1964.

Die Überlebenden des Amoklaufs, wie Hella Rauch und Gerlinde Kunz, haben ihr Leben trotz der schrecklichen Erlebnisse gemeistert. Sie sprechen offen und abgeklärt über das, was damals geschah. “Ich finde es echt krass wie offen und abgeklärt die beiden Überlebenden über diesen Amoklauf gerade mit mir gesprochen haben”, sagt der Journalist.

“Ich kann es mir gar nicht vorstellen, die gehen durchs Leben, sind trotzdem total glücklich, was ich wirklich sehr beeindruckend finde. Ich finde es einfach toll, diese Stärke und diesen Lebenswillen dieser beiden Frauen erlebt zu haben.”

Peter Ohren, der Pfleger, der die Kinder im Krankenhaus betreute, hat bis heute eine enge Verbindung zu Hella Rauch. “Wenn ich mit Hella telefoniere, heißt es immer: Du bist meine Familie. Für Peter: Der mir für 100 Tage meine Familie ersetzt hat.”

Wissen Sie was das bedeutet, wenn sie sowas lesen? “Ich habe geheult, als ich das gelesen habe”, sagt Ohren. “Das ist einfach nur krass.

Mir ist es kalt den Rücken runtergelaufen bei diesen Erzählungen.”

Die Frage nach dem Warum bleibt bis heute unbeantwortet. Warum hat Walter Seifert das gemacht? Warum gerade Kinder als Ziel?

Es ist eine Tat, die so unfassbar perfide ist, dass sie sich dem Verständnis entzieht. Und doch bleibt die Erinnerung an die Opfer und die Mahnung, dass solche Taten nie wieder geschehen dürfen. Die Hölle von Volkhoven ist ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, das nie vergessen werden darf.