Welche düsteren Abgründe verbarg das Phantom im Wald wirklich – und wie konnte DAS GRAUSAME GEHEIMNIS DES ‘ROSA RIESEN’ jahrelang unentdeckt bleiben?

Welche düsteren Abgründe verbarg das Phantom im Wald wirklich – und wie konnte DAS GRAUSAME GEHEIMNIS DES 'ROSA RIESEN' jahrelang unentdeckt bleiben?

Potsdam-Mittelmark – Eine Serie grauenvoller Morde erschüttert Brandenburg in den Jahren 1989 bis 1991. Sechs Frauen und ein Säugling werden Opfer eines Mannes, der als „Rosa Riese“ in die Kriminalgeschichte eingeht. Der Täter, ein ehemaliger Volkspolizist, tötet willkürlich, missbraucht seine Opfer und hinterlässt eine Region in Angst und Schrecken.

Jetzt, Jahrzehnte später, wird der Fall neu aufgerollt.

Es begann an einem sonnigen Oktobertag im Jahr 1989. Die 51-jährige Edeltraut N. pflanzt in ihrem Garten in Detez Tulpen.

Ein Nachbar beobachtet einen großen Mann, der etwas in einer gelben Decke aus dem Grundstück schleppt. Als die Bewohner die Decke öffnen, finden sie die Leiche ihrer Nachbarin. Sie wurde mit einer Gartenhacke niedergeschlagen, gewürgt und nach dem Tod sexuell missbraucht.

Der Täter hinterlässt einen Schuhabdruck – Größe 49. Die Spur führt zu Uniformstiefeln, wie sie von Polizei und Armee getragen werden. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel: Der Mörder könnte einer von ihnen sein.

Nur wenige Monate später, im Mai 1990, wird auf einer Müllhalde in Ferch die Leiche der 55-jährigen Christa N. entdeckt. Auch sie wurde erwürgt und postmortal vergewaltigt.

Am Tatort findet sich rosafarbene Damenunterwäsche, die nicht dem Opfer gehört. Die Polizei sieht zunächst keinen Zusammenhang zu dem Mord in Detez.

Im März 1991 verschwindet die 34-jährige Inge F. aus Borgheide. Fünf Tage später wird ihre Leiche in einem Waldstück gefunden, nur wenige hundert Meter von ihrem Zuhause entfernt.

Sie starb durch einen Stich in die Halsschlagader. Auch an ihr hat sich der Täter vergangen. Diesmal trägt das Opfer ein Bikinioberteil, das nicht ihr gehört.

Die Ermittler stellen fest: In den Wäldern der Region wird massenhaft Damenunterwäsche gefunden. Die Presse tauft den unbekannten Serientäter „Rosa Riese“.

Die Mordserie eskaliert. Am 22. März 1991 wird die 44-jährige Tamara, eine russische Offiziersfrau, in einem Wald bei Belitz tot aufgefunden.

Sie wurde erdrosselt und vergewaltigt. Neben ihr liegt ihr drei Monate alter Sohn – der Täter hat den Säugling an einer Baumwurzel erschlagen. Die Bevölkerung ist entsetzt.

Frauen trauen sich nicht mehr allein vor die Tür.

Am 5. April 1991 überlebt ein zwölfjähriges Mädchen in Sputendorf nur knapp einen Messerangriff. Ihre Freundin wird lebensgefährlich verletzt.

Die Kinder können den Täter beschreiben: groß, strohblondes Haar, Schnauzbart, bekleidet mit einem Jogginganzug und einer Kittelschürze. Ein Phantombild wird veröffentlicht. Die Polizei erhält über tausend Hinweise, doch der Täter bleibt unerkannt.

Nur zwei Wochen später, im April 1991, wird die 66-jährige Rentnerin Talita B. in ihrem Haus in Fichtenwalde tot aufgefunden. Sie wurde in ihrem Schlafzimmer angegriffen, gewürgt und sexuell missbraucht.

Die Leiche ist bereits stark verwest. Der Täter hat keine Skrupel, auch ältere Frauen zu töten.

Die Polizei steht unter enormem Druck. Eine Sonderkommission mit 50 Ermittlern wird eingerichtet. Doch der „Rosa Riese“ scheint immer einen Schritt voraus zu sein.

Im Juli 1991 entdeckt ein Jogger in einem Wald bei Schmerzke ein seltsames Zelt, das tief in die Erde gegraben ist. Darin: Messer, Magazine mit Nacktfotos, Damenunterwäsche an den Bäumen. Die Polizei legt sich auf die Lauer, doch der Täter erscheint nicht.

Dann der Durchbruch: Zwei mutige Männer aus der Region, Mike und ein Freund, gehen selbst auf die Jagd. Sie finden den „Rosa Riesen“ an einem Teich – er trägt einen BH über seiner Armeejacke. Mit einer List locken sie ihn auf die Ladefläche ihres Autos und fahren direkt zur Polizei.

Die Beamten nehmen den 24-jährigen Wolfgang Schmidt fest. Er ist 1,90 Meter groß, hat Schuhgröße 49 und strohblondes Haar. Er war bis zu seiner unehrenhaften Entlassung 1989 Mitglied der Volkspolizei.

Schmidt gesteht die Morde. Er beschreibt, wie er Frauen tötete, um seine sexuellen Fantasien auszuleben. Er habe sie „zur Ruhe bringen“ müssen, damit sie nicht schreien.

Die Opfer seien ihm egal gewesen – Hauptsache weiblich. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt ihm eine schwere sexuelle Störung, aber volle Schuldfähigkeit. 1992 wird er zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Der Richter sagt, die Chancen auf Heilung seien gering.

Im Gefängnis outet sich Schmidt als Transfrau und nennt sich fortan Beate. Sie lebt in der forensischen Klinik, schmückt ihre Zelle mit Puppen und Blümchenbettwäsche. 2010 wird sie beschuldigt, eine andere Transfrau vergewaltigt zu haben, doch die Ermittlungen werden eingestellt.

Heute sitzt Beate Schmidt immer noch in Haft. Die Hoffnung auf Freiheit ist erloschen.

Der Fall des „Rosa Riesen“ ist einer der grausamsten Serienmordfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er zeigt, wie ein scheinbar normaler Mann, ein Polizist, zum Monster werden kann. Die Opfer und ihre Familien tragen bis heute an den Folgen.

Die Erinnerung an Edeltraut, Christa, Inge, Tamara, ihren kleinen Sohn und Talita darf nicht verblassen. Sie waren mehr als nur Namen in einer Akte – sie waren Mütter, Ehefrauen, Freundinnen, die ein Recht auf Leben hatten.