Der Sturm hatte unseren Drachen mitgerissen – und genau in dieser einen Nacht war das Kohlbeet weg. Alles kahl gefressen. Wochenlang hatten wir die Pflanzen gehegt, ausgepflanzt und gegossen. Ich…

Der Sturm hatte unseren Drachen mitgerissen – und genau in dieser einen Nacht war das Kohlbeet weg. Alles kahl gefressen. Wochenlang hatten wir die Pflanzen gehegt, ausgepflanzt und gegossen. Ich...

Die Tauben waren wieder da. In der Nacht hatte der Sturm unseren Drachen mitgerissen, und genau diese eine Nacht haben sie genutzt. Das Beet mit dem Kohl, den wir als Jungpflanzen gehegt, ausgepflanzt und angegossen hatten, war zerfressen. An Durst lag es nicht, es gab genug Wasserstellen.

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Die Tauben wussten einfach, wie lecker dieser Kohl ist. Normalerweise beschützt uns eine lange Angel, an der oben ein Drachen hängt – mit Augen und Bewegung, wie ein Greifvogel. Sobald er fliegt, sind weder Kraniche noch Tauben in der Nähe. Aber der Sturm hatte ihn weggerissen, und eine Nacht hat gereicht.

Nicht alles ist bei uns perfekt, das solltet ihr wissen. Wir kämpfen mit Rückschlägen und suchen Lösungen. Am alten Standort hatten wir die Randaleamseln, hier zupfen Kraniche ganze Pflanzen raus, und jetzt diese Tauben. Was ist bloß der natürliche Feind der Taube?

Wenn ihr eine Idee habt, her damit. Aber es gibt auch viel Schönes. Vier Reihen Knoblauch haben den trockenen Frühling überstanden. Anfangs sahen sie schwach aus, dann kam der Landregen, und jetzt schieben sie kräftig grüne Blätter in die Mitte.

Die gelben Spitzen an den äußeren Blättern stammen noch vom Winter, völlig normal. Dafür wird bald das Beikraut jubeln – sobald der Boden abtrocknet, hole ich die Radhacke raus und mache den Platz für den Knoblauch frei. Dann der geschützte Raum: unser Geodom. Endlich haben wir alles fertig gemulcht, und jetzt sieht es hier aus wie im Bilderbuch.

Salat, früher Kohl, Kohlrabi. Nur eine einzige Pflanze haben die Ameisen geholt, aber eine von vielen. Frühkohlrabi sind die besten, habe ich immer gesagt – und der erste ist erntereif. Ich schneide ihn ab, die jungen Blätter werfe ich nicht weg, die sind zart genug für die Pfanne.

Aufgeschnitten? Ein Traum. Mitte März bepflanzt, seit Ende April ernten wir. Jetzt ist die Ernte im vollen Gang, und der violette Kohlrabi überholt den hellgrünen, als hätte er es eilig.

Manchmal laufe ich hier einfach durch die Reihen, ohne etwas zu tun, nur um diese Wärme und diese Energie aufzunehmen. Ich nehme den Kohlrabi gleich mit in die Küche. Ich esse ihn euch nicht vor, aber ich hoffe, dass ein bisschen von der Freude hier drüben ankommt. Die Salate: Lollo, Eichblatt, Vatavia, Kopfsalat – knackige Köpfe, sauber, noch ohne Läuse.

Einfach waschen, ab in die Küche. Der frühe Wirsing kann schon in feine Streifen geschnitten werden. Spitzkohl und Blumenkohl brauchen noch ein wenig Zeit. Die Beete leeren sich nach und nach, denn die nächste Bepflanzung wartet schon.

Zwischendurch schauen die Pferde vorbei. Mia, Lotti und Bell – unsere drei Pferdemädchen. Sie gehören zum Kreislauf: Ihr Mist, bearbeitet mit effektiven Mikroorganismen, wird zu unserem Dünger. Gelebter Bio-Betrieb.

Mia schiebt sich zu mir: genau da hinten, kraulen, bitte. Das ist Sozialpflege – in der Herde kratzen sie sich gegenseitig die Stellen, die sie alleine nicht erreichen. Lotti, die weiße mit den Punkten, knabbert neugierig am Kamerastativ. Auch sie will Aufmerksamkeit, mit Ansage.

Pferde haben ihre Lieblingsstellen, wie wir Menschen. Wenn ich nach der Arbeit das Kumt abgenommen habe und es ein bisschen schwitzig ist, kraulen sie sich hier an der Schulter besonders gern. Mia lässt die Unterlippe hängen – mach weiter, sagt sie. Sollen wir dazu mal eine eigene Hofgeschichte machen, mit Fragen zur Haltung, zum Paddock-Trail, zur Zusammenstellung der Herde?

Wir würden gerne antworten. Aber jetzt zeige ich euch etwas anderes. Das erste Küken in diesem Jahr. Aus den fünfen oder sechsen Eiern, die wir der Leni untergelegt hatten, ist am Ende nur eines geschlüpft.

Jeden Abend war ein Ei weniger – ob Leni selbst aussortiert hat oder die anderen Hühner sie geholt haben, wissen wir nicht. Das eine Küken ist quietschfidel. Es frisst, piepst, läuft der Mama hinterher und lässt sich in die Hand nehmen. Das ist uns wichtig: Die Hühner sollen den Menschenkontakt kennen und vertrauen.

Es ist wunderschön, den beiden zuzuschauen, die kleinen Pieps- und Gluckslaute zu hören, zu sehen, wie sie miteinander reden. Bei der Naturbrut lernt das Kleine jetzt alles von der Mama. Die zwei sind vorerst getrennt von den anderen, damit das Küken zur Ruhe kommt und die Bindung wachsen kann. Die anderen Hühner sind neugierig und rabiat.

In ein paar Tagen kommt die kleine Familie wieder dazu. Übrigens: Die Leni ist selbst eine Mischung, ein Unfall aus Seidenweandotte. Das Küken aber stammt von einer unserer Schabo-Damen und Hahn Karlchen, einem Seidenhuhn – erkennbar an dem dicken Knubbel auf dem Kopf. Ein Seidenhahn mit Schabo-Dame, mal sehen, was für ein Federknäuel da heranwächst.

Habt ihr einen Namen für das Kleine? Schreibt ihn gerne in die Kommentare. Die Hühner wohnen neben dem großen Gemüsegarten in einem abgetrennten Bereich, mit viel Gras und Obstbäumen: Zwetschge, Sauerkirsche, Süßkirsche, Apfel und ein Birnchen. Bewusst haben wir kleine Buschbäume und Halbstämme gewählt, damit wir die Früchte ernten können, bevor die Bäume unerreichbar werden.

Unten im Haus schlafen die Cayuga-Enten. Der Teich ist nach dem Regen prall gefüllt, die Pumpe läuft schon, nur die Ufer fehlen noch. Da muss Erde angefüllt, bepflanzt werden, Wasserpflanzen kommen dazu. Aber die Enten planschen bereits vergnügt.

Wenn ein Tier ein Bedürfnis hat, wollen wir es erfüllen. Da wir noch keine Ahnung von Wasserpflanzen haben, freuen wir uns über Erfahrungswerte. Es darf blühen, es darf einwachsen. Im großen Gemüsegarten blühen die dicken Bohnen, der Fenchel wächst, und die Gemüsezwiebeln für die Saatgutvermehrung zeigen die ersten Blütenknospen.

Gerade hat es geregnet, jetzt scheint die Sonne, und die Luft duftet nach Flieder und all den Blüten – ein Genuss. Der Spinat hat die richtige Blattgröße, die Radieschen sind mild. Und da ist die Direktsaat mit der Schnur: Sie zeigt mir, wo die Mangold-Jungpflanzen stehen, links und rechts darf ich hacken. Die Wurzelpetersilie ist auch aufgelaufen.

Die Schneckenfrage kommt immer wieder, gerade nach so viel Regen. Bei uns funktioniert der Kreislauf mit den Tieren: Enten und Hühner laufen im Winter über die Beete, scharren und fressen Schnecken samt Eiern. Ein Biogarten ganz ohne Schnecken wäre mir suspekt. Es bleibt moderat, aber dranbleiben heißt es trotzdem: jeden Abend mit der Stirnlampe sammeln, vielleicht ein Snackbrettchen auslegen.

Weiter hinten wachsen Kohlpflanzen, neue Versuche, und Weißkohl fürs Sauerkraut. In den letzten Beeten: Steckzwiebeln in Mischkultur mit Möhren, dahinter Porree, Pastinake, Schwarzwurzeln, rote Bete. Alles läuft auf. Und am Zaun ein Blütenmeer: Clematis montana.

Sie wächst schnell, verbreitet sich schnell und duftet wunderbar nach Vanille. Wer eine robuste Rankpflanze sucht, der wird mit ihr glücklich. Der kleine Gemüsegarten ist gar nicht so klein. Früher Wirsing, Salat, Saarzwiebeln, rote Bete, Brokkoli, roter Eichblattsalat.

Die Tomaten kommen später dazu. Noch ist nicht alles gefüllt – in einem Monat wird es hier wieder ganz anders aussehen. Und wer selbst pflanzt, dem rate ich: Haltet euch an die Abstände! Am Anfang wirkt ein Beet immer leer und nackt, aber die Pflanzen wachsen so schnell.

Zu eng gesetzt, ist es hinterher bloß zu eng. Zum Schluss das große Gewächshaus. Ein eigener Raum, warm und hell. Auf der einen Seite eine Salatexplosion: Der Salat geht in Blüte, ist schon überständig.

Die letzten Tage haben wir fast täglich Salat gegessen, der Rest wandert beim Abräumen an Hühner und Pferde. Dann ziehen hier die Tomaten ein. Auf der anderen Seite ist der Spinat abgeerntet, ein wunderbarer Spinat. Als Nächstes kommen Paprika, dann Gurken, Kürbis, Zucchini, Sellerie – alles, was kälteempfindlich ist.

Die Eisheiligen sind noch nicht vorbei, auch die Wannen mit Tomaten, Paprika und Auberginen vor dem Tunnel müssen jederzeit wieder rein. Wenn es nachts unter fünf Grad sinkt, wandern die Platten zurück in die Anzuchtstation. Das ist Arbeit, aber sie lohnt sich. Hoffentlich bleibt es warm.

Die Tauben haben uns ein Beet genommen, aber der Kohlrabi liegt in der Küche, die Salate warten auf die Ernte, und das Küken piepst hinter der Mama her. Der Hof lebt.