MAINZ – Sie stand in ihrem eigenen Garten, eine Einladungskarte in der Hand, die sie zu einer Party einlud, die ihre Tochter in ihrem eigenen Zuhause ausrichtete. Brigitte Weber, 65 Jahre alt, Witwe und seit sechs Jahren alleinige Eigentümerin eines freistehenden Einfamilienhauses in einem ruhigen Vorort von Mainz, hatte genug. Was als vorübergehende Lösung für ihre Tochter Melanie und deren Ehemann Markus begann, war zu einer dreijährigen Tortur geworden, die nun in einer dramatischen öffentlichen Konfrontation gipfelte. Die dicke, cremefarbene Einladungskarte lag auf der Kücheninsel von Brigitte Weber. Sie war auf schwerem, teurem Karton gedruckt, die Buchstaben in glänzendem Gold geprägt. Melanie und Markus luden zu ihrer sommerlichen Gartengala ein. Brigitte fuhr mit dem Daumen über die schimmernden Buchstaben und spürte eine tiefe, bittere Ironie. Sie luden sie zu einer Party ein, in ihrem eigenen Garten. Brigitte ist 65 Jahre alt, seit sechs Jahren verwitwet und die alleinige Eigentümerin dieses freistehenden Einfamilienhauses in einem ruhigen, grünen Vorort von Mainz. Ihre Tochter Melanie und ihr Mann Markus sind vor drei Jahren bei ihr eingezogen. Damals sagten sie ihr, sie bräuchten nur für ein halbes Jahr eine Bleibe, um Eigenkapital für ein eigenes Haus anzusparen. Aus sechs Monaten wurden schnell drei Jahre. Anfangs machte es Brigitte nichts aus, weil sie die Gesellschaft genoss. Doch nach und nach änderten sich die Dinge. Sie hörten auf, nach Immobilien zu suchen. Stattdessen begannen sie, Neuwagen und Designerkleidung zu kaufen und an den Wochenenden wegzufahren. Schlimmer noch, sie fingen an, Brigitte in ihrem eigenen Zuhause wie einen unliebsamen Untermieter zu behandeln. „Mama, stehst du jetzt den ganzen Vormittag in der Küche? “, fragte Melanie, die gestresst hereinkam und ein Klemmbrett aus durchsichtigem Plastik umklammerte. Sie musterte Brigittes Outfit, ihre bequemen Jeans für die Gartenarbeit und einen verwaschenen Baumwollpullover. … Read more