„Ich habe meine Mutter schon vorgewarnt: Heute Abend gibt es eine Paprika-Putzparty.“ Der erste Bodenfrost war da, und unsere Paprika-Pflanzen hingen schlapp, während die Früchte noch knackig und…

„Ich habe meine Mutter schon vorgewarnt: Heute Abend gibt es eine Paprika-Putzparty.“ Der erste Bodenfrost war da, und unsere Paprika-Pflanzen hingen schlapp, während die Früchte noch knackig und...

Es ist November, der Nebel hängt nass und grau über dem Feld, und trotzdem ist es hier draußen bunt. Unkraut darf wachsen, die Beete sind bedeckt, kein nackter Boden. Nur auf der anderen Seite sieht es anders aus: Dort haben wir Melonen, Gemüse und Kartoffeln geerntet, und die Erde liegt offen. Damit der Boden nicht kahl bleibt, haben wir Gründüngung ausgebracht – Wintererbsen, ein Test, ob sie noch aufgehen und den Winter überleben.

Thumbnail

Ab Ende Oktober wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, wir sind etwas spät dran, aber wir probieren es einfach. Mit der Schere und einer Kiste in der Hand steuere ich auf die Paprika zu. Überall leuchten rote Früchte zwischen den Blättern. Der erste Bodenfrost war da, man sieht es den Pflanzen an: Die Blätter hängen schlapp und müde.

Die Früchte selbst sind noch knackig und fest, aber das ist die letzte Chance, sie zu ernten. Ich habe meine Mutter schon vorgewarnt: Heute Abend gibt es eine Paprika-Putzparty. Eine Kiste reicht nicht, wir holen eine zweite. Was machen wir nur mit all den Früchten?

Ein paar Tage frisch verzehren, einfrieren, trocknen und zu Pulver mahlen – das geht. Grüne, unreife Paprika kann man auch einlegen oder einfrieren, auch wenn sie etwas bitterer schmeckt. Was man mit den grünen Früchten am besten macht, würde mich wirklich interessieren – schreibt es in die Kommentare. Weiter geht’s zum Gemüsegarten für nächstes Jahr.

Hier wuchs diese Saison Klee, den wir eingearbeitet haben. Jetzt liegt eine neue Mischung darauf: Winterroggen, Phacelia, Klee und Wintererbsen, alles kunterbunt durcheinander. Das Ziel ist, dass der Boden bedeckt bleibt und wir im Frühjahr alles abmulchen und die Biomasse einarbeiten. So fördern wir Humusaufbau und haben gute Erde für das Gemüse.

Das Stück ist genauso groß wie das andere: 70 Meter lang, 10 Meter breit. Für den Hausgarten gilt: Die Beete dürfen nicht nackt bleiben. Kompost jetzt auszubringen wäre falsch, das wird über den Winter ausgewaschen. Besser ist Biomasse: Laub von Obstbäumen, aber nicht von Walnuss oder Eiche.

Strohballen oder Heu gehen auch, wobei man auf die Samen achten muss. Hauptsache, die Erde ist über den Winter bedeckt. Im Hintergrund sehe ich schon den Folientunnel. Der neue ist 70 Meter lang, 5,5 Meter breit und 14 Meter hoch – nicht nur ein Halbkreis, sondern mit ger H Wänden, das gibt mehr Platz zum Wachsen.

Oben sind Stahlse Seile gespannt, super praktisch für Gurken und Tomaten, die sich daran festhalten können. Wir haben den Tunnel mit dem Hochdruckreiniger gründlich gesäubert, aber nicht desinfiziert. Die Türen bleiben offen, damit der Frost ordentlich durchzieht und saubt. Die Doppeltür ist praktisch, damit keine Hasen, Rehe oder Hühner hereinkommen.

Und oben gibt es ein Fenster, das wir im Sommer öffnen können, wenn die Türen zu sind, damit die Luft zirkuliert. Der Tunnel hat mit Lieferung rund 4. 000 Euro gekostet – wer selbst abholt, spart. Wir haben eine diffuse Folie, die braucht etwas länger, bis sie warm wird, aber bei starker Sonne brauchen wir keine Beschattung.

Aufgebaut haben wir ihn zu viert, mit Leitern, bei warmem Wetter und ein bisschen Nerven. Es war anstrengend, aber es hat geklappt. Nicht alles am Tunnel ist schön: Irgendein Tier hat sich durch die Folie gefressen, eine Maus oder Ratte. Es gibt Reparatur-Kits und Klebebänder, aber die Frage ist, ob sich das überhaupt lohnt.

Nächstes Jahr kommt das Tier vielleicht an einer anderen Ecke wieder durch. Nach zehn Jahren sieht der Tunnel dann entsprechend aus. Wir sind noch unentschlossen, ob wir es flicken oder einfach so lassen. Im alten Tunnel haben wir alles geräumt: Gurken, Zucchini, Tomaten, Paprika, Melonenbirnen, Melonen, Kräuter, Blumen und viele Auberginen.

Es war eine tolle Ernte. Hier haben wir intensiv bewässert, damit der Boden lebendig bleibt. Jetzt kommt die nächste Arbeit: Die Erde wird bedeckt, Lotti und Mia haben schon vorbereitet. Danach wässern wir und bringen effektive Mikroorganismen aus, damit das Bodenleben richtig in Schwung kommt.

Ohne gesunden Boden wächst einfach kein gutes Gemüse. Im neuen Tunnel ist noch die Hobby-Horsing-Reithalle unserer Tochter aufgebaut, aber bald ist Schluss damit, denn auch hier kommt Mist rein und der Boden wird vorbereitet. Wer auch so einen Tunnel haben möchte, sollte jetzt im Herbst Ausschau halten, da gibt es oft welche günstiger. Neben dem Tunnel legen wir jetzt Winterzwiebeln in die Erde.

Im November, in milden Lagen sogar noch im Dezember, kann man auch Knoblauch setzen. Den haben wir noch im Sortiment, also zugreifen und in die Erde bringen. Man kann nie genug Knoblauch haben. Und wer noch Lust auf Buddeln hat: Bei den letzten warmen Tagen einfach vorbeikommen.

Der neue Tunnel ist übrigens baugleich mit dem alten – das ist für uns wichtig, weil wir zertifiziert bio sind und alles dokumentieren müssen: wann, wo, was. Ein System, das das erleichtert, ist Gold wert. Auch für Hobbygärtner lohnt sich ein Gartentagebuch: aufschreiben, was gut lief, was man nächstes Jahr wieder anbauen will. Bei Kaffee und Keksen macht das richtig Freude.

Die Tage sind kurz, es wird schnell dunkel. Mit der Lampe zeigen wir noch zwei Dinge. Da sind unsere Mehrweg-Anzuchtplatten und Untersetzer. Die Frage kommt oft: Was macht man damit im Winter?

Wir machen das seit Jahren so: richtig dreckige Platten mit einem harten Wasserstrahl abspritzen, dann draußen trocknen lassen und über den Winter stehen lassen. Der Frost erledigt den Rest – Keime und Bakterien überleben das nicht. Funktioniert bei uns seit Jahren einwandfrei. Zum Schluss geht’s ins Büro, wo die Videos entstehen.

Hier haben wir eine provisorische kleine Anzuchtstation aufgebaut, wir leben ja noch auf einer Baustelle. Prioritäten setzen, man kann nicht alles auf einmal machen. Was hier gerade wichtig ist: Keimproben. Wir sind gesetzlich verpflichtet, eine Keimfähigkeit von 75 Prozent zu erreichen, meist sind wir deutlich höher.

Aber manche Chargen schaffen das nicht. Diese Proben machen wir jetzt, damit wir sicher wissen, dass unser Saatgut – das wir selbst nutzen und auch verkaufen – wirklich gut keimt. Es tut mir persönlich weh, so viele kräftige Pflänzchen zu sehen, die jetzt wegkommen, weil es noch nicht Zeit ist, Tomaten vorzuziehen. Aber sie kommen zurück in den Kreislauf und werden wieder Erde.

Das tröstet mich ein etwas. Ein Beispiel: Die Physalis keimen wunderbar. Bei der Ananas-Kirsche dagegen kommen nur wenige – die Qualität reicht nicht. Die bauen wir nächstes Jahr wieder an, aber sie wird nicht in unser Sortiment kommen.

So ist das eben. Zur Ausstattung: Licht ist beim Säen das A und O, gerade jetzt, wenn die Tage kurz sind, aber auch bis Ende März. Diese Lampen haben wir zweimal, sie sind dimmbar, spritzwassergeschützt und von hoher Qualität – anders als die Billiglampen aus dem Baumarkt oder Möbelhaus, die dafür nicht gemacht sind. Das Gestell ist modular, wir können die Böden in der Höhe verstellen, es hat Rollen und eine reflektierende Folie hinten, die das Licht zurückwirft und Energie spart.

Dazu kommt eine kleine Heizplatte mit 30 bis 40 Watt, die für Paprika, Tomaten und Salate einen Wärmstoß gibt. Das Ding nutzen wir seit Jahren, das können wir wirklich empfehlen. Alle Links stehen im Blog. Und wenn ihr Saatgut braucht: Schaut in unseren Shop.

Wir haben heute viele Zwiebeln gesetzt, Knoblauch könnte auch noch in die Erde. Ich habe schon vier Bäume nachgepflanzt, letztes Jahr haben wir viele gepflanzt – das Video ist unten verlinkt. Blumenzwiebeln mit Wühlmausschutz gingen auch schon in den Boden.

Lasst euch inspirieren, plant eure Gartensaison, und bis zum nächsten Video – eure Jin.