Am 25. April 2010, um 6:31 Uhr morgens, rief meine Frau Heidi panisch die Polizei an – jemand breche in unser Haus ein. Mitten im Gespräch fiel ein Schuss, dann ein Schrei, dann brach die…

Am 25. April 2010, um 6:31 Uhr morgens, rief meine Frau Heidi panisch die Polizei an – jemand breche in unser Haus ein. Mitten im Gespräch fiel ein Schuss, dann ein Schrei, dann brach die...

Der Notruf ging um 6:31 Uhr ein. Heidi Firkus war am anderen Ende der Leitung, ihre Stimme panisch. Sie flüsterte, dass gerade jemand versuche, in ihr Haus einzubrechen. Mitten im Gespräch fiel ein Schuss, dann ein Schrei.

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Dann brach die Verbindung ab. Nur 65 Sekunden später rief Nick Firkus an. Er klang hysterisch. Ein Einbrecher sei im Haus, sagte er, er und Heidi seien angeschossen worden.

Als die Polizei eintraf, stand die Haustür offen. In der Küche lag Heidi blutüberströmt auf dem Boden. Sie war sofort tot gewesen. Neben ihr kauerte Nick, weinte und hielt sich das Bein.

Neben ihm lag seine eigene Schrotflinte. Nick wurde ins Krankenhaus gebracht. Er erzählte den Beamten eine Geschichte von einem fremden Mann, der im Flur aufgetaucht sei. Er habe seine Schrotflinte geholt, um Heidi zu schützen.

Der Eindringling habe ihm die Waffe entrissen, dabei habe sich ein Schuss gelöst, der Heidi in den Rücken traf. Nick selbst sei im Kampfgetümmel ebenfalls getroffen worden. Der Täter sei dann geflüchtet. Die Ermittler hatten sofort Zweifel.

Nick beschrieb den Angreifer als schwarzen Mann mit Kapuzenpullover. Mehr konnte er nicht sagen. Die Polizeihunde fanden keine Spur. Es gab keine Einbruchsspuren, keine fremde DNA, keine Zeugen, die einen Flüchtenden gesehen hatten.

Auch die Einschusslöcher in der Küchentür passten nicht zu seiner Version. Bei der Befragung im Krankenhaus fragten die Beamten nach Beziehungsproblemen, Affären, Drohungen. Nick verneinte alles. Er habe keine Feinde, sagte er.

Er liebe seine Frau. Abgesehen von ein paar Schulden habe es keine Probleme gegeben. Genau diese Schulden weckten das Interesse der Ermittler. Die finanzielle Lage des Paares war katastrophal.

Sie hatten ihr Haus 2007 für 215. 000 Dollar gekauft. Seit September 2008 hatten sie keine einzige Hypothekenzahlung mehr geleistet. Das Haus war bereits 2009 zwangsversteigert worden.

Der Räumungstermin war auf den 26. April 2010 angesetzt – einen Tag nach Heidis Tod. Weder Heidis Familie noch ihre Freunde wussten von der Zwangsräumung. Auch Heidi selbst wusste offenbar nichts davon.

Sie hatte kurz zuvor mit Freundinnen darüber gesprochen, bald einen Makler zu kontaktieren, um das Haus zu verkaufen. Das sei Nicks Idee gewesen. Alle Unterlagen liefen auf seinen Namen. Alle Mahnungen, alle juristischen Dokumente.

So konnte er alles vor ihr geheim halten. Nick hatte sogar bei der Kanzlei angerufen, die das Verfahren betreute, und behauptet, seine Großmutter liege im Sterben, um eine Verschiebung zu erreichen. Eine Notlüge, die ihm nicht mehr helfen konnte. Er hatte Heidi zudem erzählt, sie seien Opfer von Identitätsdiebstahl geworden und hätten dadurch fast 200.

000 Dollar verloren. Auch das war gelogen. Heidi glaubte ihm. Je weiter die Ermittlung voranschritt, desto unglaubwürdiger wurde die Einbruchsgeschichte.

Die Schrotflinte gehörte Nick selbst. Der Eindringling hätte also unbewaffnet ins Haus kommen müssen. Nick hatte nur eine oberflächliche Wunde am Bein. Heidi war durch einen gezielten Schuss in den Rücken sofort getötet worden.

Ein Nachbar erinnerte sich später, vor den Schüssen einen Streit gehört zu haben. Nick ließ ein Phantombild des angeblichen Einbrechers anfertigen. Doch niemand passte auf diese Beschreibung. Die Ermittler wollten ihn erneut befragen, doch er lehnte ab.

Die Ermittlungen verliefen im Sande. Jahr für Jahr veröffentlichte die Polizei das Phantombild erneut, in der Hoffnung auf einen Zeugen. Doch niemand meldete sich. Nick baute sich ein neues Leben auf.

2011 lernte er Rachel Watson kennen. Nur ein Jahr später heirateten sie und bekamen in den nächsten Jahren drei Kinder. Sie zogen in ein Haus, das Nicks Eltern für sie gekauft hatten. Nick sollte sich um Steuern und Zahlungen kümmern.

Doch schon bald tauchten die ersten Briefe vom Finanzamt auf. Rachel erfuhr, dass die Grundsteuer nicht gezahlt worden war. Das Haus stand erneut vor der Zwangsvollstreckung. Die Geschichte begann sich zu wiederholen.

Doch diesmal war etwas anders. Rachel entdeckte eine Zwangsvollstreckungsbenachrichtigung, versteckt in Nicks Sockenschublade. Nick hatte sie immer wieder über Ausgaben und scheinbare Kleinigkeiten belogen. Nun fragte sie sich, ob er vielleicht auch über Größeres gelogen hatte – zum Beispiel über den Tod seiner ersten Frau.

Rachel begann, Gespräche mit ihm heimlich aufzunehmen. In einer Aufnahme sagte sie zu ihm: „Ich könnte damit leben, wenn es nur die Lügen wären, aber es geht um Heidi. “ Sie erklärte ihm, dass sein Verhalten ihr Vertrauen zerstört habe. Sie sei sich nicht mehr sicher, ob sie ihm überhaupt noch etwas glauben könne.

2018 ließ sie sich scheiden. Rachels Zweifel blieben nicht folgenlos. 2019 übernahm Sergeant Nicole Cypes den Fall. Sie ging alle Akten noch einmal durch und ließ die alten Notrufaufnahmen technisch analysieren.

Das Ergebnis: Keine weitere Stimme war im Hintergrund zu hören. Nichts deutete auf einen dritten Anwesenden oder einen Kampf hin. Auch das FBI wurde hinzugezogen. Ballistische Untersuchungen und ein 3D-Modell des Tatorts ergaben, dass der Schuss, der Heidi traf, aus Schulterhöhe und mit klarer Zielrichtung abgegeben worden war.

Die These eines versehentlichen Abdrückens während eines Kampfes wurde immer unwahrscheinlicher. Nick hatte behauptet, der Täter habe Handschuhe getragen und deshalb keine DNA hinterlassen. Doch diese Erklärung überzeugte niemanden mehr. Die Ermittler vermuteten inzwischen, dass Nick bewusst ein Einbruchsszenario inszeniert hatte, um zu verschleiern, was wirklich geschehen war.

Im Mai 2021 wurde Nick Firkus verhaftet. Die Staatsanwaltschaft war überzeugt: Er hatte Heidi erschossen, weil sie kurz davor war, alles herauszufinden. Einen Tag später hätte die Zwangsräumung stattgefunden. Heidi hätte erfahren, dass sie nicht Opfer eines Identitätsdiebstahls war, sondern dass ihr Ehemann sie seit Jahren belogen hatte.

Nick wollte um jeden Preis verhindern, dass sein mühsam aufgebautes Bild als liebevoller Ehemann, engagiertes Kirchenmitglied und hilfsbereiter Freund zerstört wurde. Also erschoss er Heidi und inszenierte einen Einbruch. Der Tatort sprach für sich. Die Tür wies zwar Beschädigungen auf, aber nicht genug, um sie zu öffnen.

Das Haus war unordentlich, aber nicht durchwühlt. Aus Sicht des FBI deutete alles auf einen gezielten Schuss hin. Auch Nicks Version, Heidi sei voraus in die Garage gelaufen, während er mit einem geladenen Gewehr hinter ihr herlief, war nicht logisch. Im Notruf klang Heidi angespannt, aber nicht panisch – obwohl Nick laut seiner eigenen Version zu diesem Zeitpunkt mit dem Eindringling um die Waffe kämpfte.

Die Ermittler wiesen zudem darauf hin, dass Nick durch seinen Beruf in der Teppich- und Polsterreinigung gelernt hatte, wie man Spuren beseitigt. Nichts an diesem Tatort deutete auf einen Zufall hin. Im Januar 2023 begann der Prozess gegen Nick. Er war zunächst wegen Mordes zweiten, schließlich wegen Mordes ersten Grades angeklagt.

Die Verteidigung blieb bei der Geschichte vom Einbruch. Sie behauptete, Heidi habe von der bevorstehenden Zwangsräumung gewusst und sich keine Sorgen gemacht. Die Schuld liege bei einem unbekannten Täter. Doch die Jury sah das anders.

Nach elf Verhandlungstagen wurde Nick Firkus am 10. Februar 2023 schuldig gesprochen. Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe ohne die Chance auf Bewährung verurteilt. Bei der Urteilsverkündung beteuerte Nick erneut seine Unschuld.

„Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug meine Unschuld an diesem Verbrechen bezeugen“, sagte er. Auch seine Familie stellte sich öffentlich hinter ihn. Sie glaubten weiterhin, dass er zu Unrecht verurteilt worden war. Doch für die Geschworenen, die Ermittler, die Staatsanwaltschaft und vor allem für Heidis Familie war der Fall klar.

Nach über 13 Jahren Ermittlung saß ihrer Meinung nach nun endlich Heidys Mörder im Gefängnis. Wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit – auch wenn das den Schmerz über Heidis Verlust nicht lindern konnte.