Als ich im Hotel frühstücken wollte, hat mich der Hoteldirektor zur Seite genommen: „Dein Bruder ist heute Nacht ums Leben gekommen.“ Ich habe sofort an mein Handy gegriffen und meine Eltern…

Als ich im Hotel frühstücken wollte, hat mich der Hoteldirektor zur Seite genommen: „Dein Bruder ist heute Nacht ums Leben gekommen.“ Ich habe sofort an mein Handy gegriffen und meine Eltern...

Es ist noch früh am Morgen, als Philip sich auf den Weg zum Frühstück macht. Viele im Hotel in Palma, direkt an der Partymeile gelegen, schlafen noch. Im Gegensatz zu vielen von ihnen ist Philip am Abend zuvor früh schlafen gegangen und nicht feiern gewesen. Es ist der erste richtige Urlaubstag auf Mallorca, und den will er zusammen mit seinem Bruder Andreas und dessen Freund in vollen Zügen genießen.

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Er ahnt nicht, dass sich nur wenige Minuten später der wohlverdiente Urlaub in einen Horror verwandelt. Der schlimmste Tag seines Lebens, der ihn auch mehr als zehn Jahre später noch verfolgt. Es ist der Sommer 2012, eine stressige Zeit in der Metalltechnikfirma der Familie Kletzel im oberösterreichischen Mattighofen. Auch die beiden Söhne Andreas und Philip sind im Unternehmen angestellt.

Sie machen Überstunden, arbeiten fleißig, und vor allem der 17-jährige Andreas, der gerade im zweiten Lehrjahr ist, blüht seit seiner Ausbildung bei seinen Eltern auf. Er liebt den Job, engagiert sich im Unternehmen, und in seiner Freizeit treibt er viel Sport oder verbringt Zeit mit seinem Freundeskreis. Als Dank für die harte Arbeit und ihren Einsatz der letzten Zeit hat Andreas’ Vater etwas ganz Besonderes für ihn, seinen besten Freund und Arbeitskollegen Daniel und seinen Bruder geplant. Damit sie von den stressigen Arbeitstagen der letzten Zeit ausspannen können, will er ihnen eine Freude machen: einen Urlaub auf Mallorca.

Eigentlich hatten die drei vorgehabt, einen Roadtrip nach Italien zu machen, doch ihr Vater ist dagegen. Er hat Angst, dass es zu gefährlich sein könnte. Eine Entscheidung, die er bis heute bereut. Am 16.

August 2012 beginnt endlich die Reise, die die beiden Brüder und ihr Arbeitskollege schon lange herbeigesehnt haben. Ihre Eltern Hanne-Lore und Heinrich bringen sie zum Flughafen nach Salzburg. Auch wenn ihnen der Abschied schwerfällt, freuen sie sich für Andreas und Philip und ihr gemeinsames Abenteuer. Niemand kann ahnen, dass sie nur einen ihrer Söhne wieder in die Arme schließen können.

Andreas, sein 25-jähriger Bruder und Andreas’ bester Freund Daniel checken im Hotel Río Playero Park ein, als sie gegen 20 Uhr in Palma angekommen sind. Zwei Stunden später klingelt das Handy von Hanne-Lore Kletzel. Ihre beiden Söhne sind am anderen Ende und geben Bescheid, dass sie gut gelandet sind. Die drei sind gut gelaunt und erzählen, dass sie noch etwas die Gegend erkunden wollen.

Doch Andreas’ Bruder Philip ist geschafft vom Flug und der Anreise, weshalb Andreas und sein Freund gegen 24 Uhr alleine losgehen. Sie gehen in den Club Paradiso, wo sie ein Bier trinken und einen anderen Urlauber aus Köln kennenlernen, mit dem sie weiterziehen in den Bierkönig. Gegen 3 Uhr wollen sie den Bierkönig verlassen. Es ist voll auf der Schinkenstraße, der Vergnügungsmeile in Palma.

Auch mitten in der Nacht pulsiert das Leben. Die Clubs und Kneipen reihen sich aneinander, und hunderte Menschen sind auf der Straße. In diesem nächtlichen Trubel verlieren sich Daniel und Andreas aus den Augen. Daniel sucht nach seinem Freund, doch er kann den 17-Jährigen nicht mehr finden.

Er geht davon aus, dass Andreas, während er sucht, bereits zum Hotel zurückgegangen ist und schneller war als er selbst. Philip, Daniel und Andreas haben Einzelzimmer auf unterschiedlichen Etagen. Während die beiden schlafen und glauben, dass Andreas ebenfalls in seinem Zimmer ist, bemerken sie nicht, dass es der 17-Jährige nicht zurück ins Hotel geschafft hat. Was mit Andreas auf der Schinkenstraße passiert ist und ob er dort jemanden kennengelernt hat, ist bis heute das große Rätsel.

Seine Spur verliert sich, als Daniel und er unfreiwillig auf der Partymeile getrennt werden. Statt ins Río Playero Parkhotel zu gehen, wird Andreas Kletzel um 4:51 Uhr dabei aufgenommen, wie er das Hotel Obelisco betritt. Ein anderes als das, in dem sein Bruder, sein Freund und er eigentlich wohnen. Der Nachtportier wird später sagen, dass ihm Andreas aufgefallen ist, weil er ihn fröhlich begrüßt hat und zielstrebig die Treppe hinaufgegangen ist, weshalb er ihn für einen Hotelgast gehalten hat.

Doch woher kannte Andreas das Hotel und wo wollte er hin? Hat er auf der Schinkenstraße andere Leute getroffen, die ihn noch zu sich ins Hotel eingeladen haben? Wo hat er sich zwischen 3 Uhr, als Daniel und er den Bierkönig verlassen haben, und 4:51 Uhr, als er das andere Hotel betreten hat, aufgehalten? War er in einem anderen Club oder am Strand?

Und wenn ja, mit wem? Mit dem deutschen Urlauber, den die beiden Jugendlichen vorher getroffen haben, oder einer anderen Zufallsbekanntschaft? Doch die alles entscheidende Frage ist, zu wem ist Andreas ins Hotel gegangen und was hat er dort bis 6:18 Uhr gemacht? Um 6:18 Uhr geht ein Anruf beim Portier des Obelisco Hotels ein.

Zwei Nürnberger aus der zweiten Etage sind am anderen Ende. Sie haben bis eben auf dem Balkon gesessen und plötzlich einen lauten Knall gehört. Als sie ans Geländer getreten sind, haben sie gesehen, dass unten im Innenhof ein Mensch liegt, halb nackt und mit schwersten Kopfverletzungen. Drei Stunden später und nur wenige hundert Meter entfernt geht gegen 9 Uhr Philip Kletzel zum Frühstück im Río Playero Parkhotel.

Doch weit kommt er nicht. Er wird vom Hoteldirektor abgefangen, der ihn in sein Büro bittet. Philip denkt sich nichts dabei, vermutet, dass es nur Probleme mit den Dokumenten geben könnte, und ahnt nicht, welche grausame Nachricht ihm mitgeteilt wird. Sein Bruder Andreas ist in der Nacht bei einem tödlichen Unfall im nahegelegenen Obelisco Hotel verstorben.

Nur wenige Minuten später klingelt das Telefon bei der Familie Kletzel in Österreich. Philip ist am anderen Ende, der weinend seinen Eltern und seiner Schwester die schreckliche Botschaft mitteilen muss. Aber niemand hat eine Antwort, was überhaupt passiert sein soll. Aus Panik, dass es sich nur um eine grausame Verwechslung handeln muss, ruft Andreas’ Schwester auf dessen Handy an.

Es wird abgehoben, sie hört Stimmen und einen Fernseher, bis aufgelegt wird. Kurze Zeit später melden sich die spanischen Reiseveranstalter bei dem Ehepaar Kletzel in Österreich. Eine umfassende Erklärung für den plötzlichen Tod ihres Sohnes haben sie nicht. Der Siebzehnjährige habe im Alkoholrausch das Hotel verwechselt und sei an der Feuertreppe des Hotels geklettert, wo er tödlich gestürzt ist.

Einer von vielen dutzenden Todesfällen, die sich jährlich am Ballermann durch Alkohol und Übermut ereignen. Sie haben nur eine Frage an die trauernden Eltern, die nicht begreifen können, was sich auf Mallorca abgespielt haben soll: „Sollen wir Andreas in einer Urne oder einem Sarg nach Hause transportieren? “

Noch am selben Tag steigen Andreas’ Eltern in den Flieger nach Palma. Sie können nicht glauben, dass ihr Sohn betrunken verunglückt sein soll, und wollen Antworten auf ihre vielen Fragen.

Fragen, die sich auch Philip und Daniel vor Ort stellen. Auch sie können sich nicht erklären, was passiert ist. Doch vor allem glauben sie nicht an die Version, die ihnen die Behörden mitteilen. Sie fühlen sich von der spanischen Polizei im Stich gelassen.

Sie werden lediglich von den Behörden gefragt, ob sie die Sachen des 17-Jährigen behalten wollen oder die Polizei sie gleich entsorgen soll. Außerdem teilen sie der Familie Kletzel gleich mit, dass es keine Ermittlung im Tod von Andreas geben wird. Jedes Jahr verunglücken siebzig Jugendliche und junge Erwachsene bei Balkonsprüngen und waghalsigen Mutproben im alkoholisierten Leichtsinn. Andreas Kletzel sei laut ihnen einer dieser tragischen Unglücke.

Doch die Familie kann es nicht glauben, und die vielen Ungereimtheiten stützen ihre Theorie, dass Andreas’ Tod kein tragischer Unfall war. Die Obduktion, die nur von der Familie und nicht von den spanischen Behörden in Auftrag gegeben wurde, bestätigt, was Daniel bereits beteuert hat: Sie haben am Abend ihrer Ankunft kaum getrunken. Ihr Bier im Bierkönig haben sie sogar stehen gelassen, weil sie müde waren und schnell ins Bett wollten. Der Alkoholspiegel in Andreas’ Blut ist gering.

Er war nicht betrunken, als er tödlich stürzte. Und auch, dass er aus Versehen über die Brüstung der Feuerleiter im Hotel Obelisco gefallen sein soll, scheint für seine Eltern unwahrscheinlich. Die Mauer ist 1,30 m hoch. Wie soll jemand aus Versehen darüber fallen?

Ist Andreas überhaupt wirklich über die Mauer der Feuertreppe gefallen, wie die spanische Polizei festgestellt hat? Viel der 17-Jährige vielleicht von einem der Balkone oder wurde dort heruntergestoßen? Eine spätere Fallwinkelbestimmung, die die Eltern in Auftrag geben, bestätigt ihre Vermutung. Es ist wahrscheinlich, dass Andreas vom Balkon im sechsten Stock in die Tiefe gestürzt ist und nicht, wie anfangs angenommen, von der Feuerleiter.

Doch ist er wirklich aus Versehen gefallen oder wurde er gestoßen? Die Obduktion ergibt, dass der Körper des 17-Jährigen mit Wunden übersät ist. Doch nicht alle Wunden passen zum Sturz. Er hat Schnitt- und Schürfverletzungen, die auf einen vorherigen Kampf hindeuten.

Und am Gesicht hat er Überreste von Lippenstift. Vor allem an seinen Fingern finden sich zahlreiche Verletzungen, so als hätte sich Andreas an einer scharfkantigen Balkonbrüstung des Hotels festgehalten. Rätsel bergen auch die gefundenen Kleidungsstücke von Andreas, die verteilt über mehrere Stockwerke im Hotel gefunden wurden. Im ersten Stock in einem Personalgang werden die Schuhe des Jugendlichen gefunden.

Sie stehen ordentlich nebeneinander, allerdings seitenverkehrt und sind durchweicht. In einem der Schuhe ist eine schwarze Socke. Die andere Socke wurde nie gefunden. Im sechsten Stock auf der Feuertreppe wird Andreas’ Mütze gefunden.

Weiter unten im dritten Stockwerk seine Jeans. Sie ist ebenfalls bis zu den Knien nass. In der Tasche der Hose findet die Polizei sein Portemonnaie. In ihm sind nur noch ein 5-Euro-Schein und 4,83 Euro in Kleingeld.

Etwa 450 Euro fehlen. Andreas’ Vater hat den drei Urlaubern am Flughafen jeweils 500 Euro als Taschengeld zugesteckt. Am Abend nach ihrer Ankunft hat Andreas das Geld in seinem Portemonnaie behalten und lediglich ein paar Getränke gekauft. Wo ist also der Rest?

Wo ist auch Andreas’ Handy? Bis heute konnte es nicht gefunden werden, und niemand weiß, wer es nach dem tödlichen Sturz des 17-Jährigen bei sich hatte. Schließlich ist jemand nur wenige Stunden nach Andreas’ Tod, als seine Schwester ihn angerufen hat, ans Handy gegangen. Und von Andreas’ Handy wurde noch Tage nach seinem Tod für insgesamt 3.

600 Euro ins Ausland telefoniert. Mit ihren vielen Fragen fühlt sich die Familie Kletzel allein gelassen. Den österreichischen Behörden sind bei Ermittlungen im Ausland die Hände gebunden, und die spanische Polizei bleibt bei ihrer Unfallversion: Andreas ist in der Nacht vom 16. auf den 17.

August 2012 betrunken ins falsche Hotel gegangen und durch die Gänge geirrt, wo er sich ausgezogen hat. In der sechsten Etage ist er dann auf der Feuertreppe eingeschlafen. Als er wieder aufgewacht ist, ist er orientierungslos über die Mauer in den Tod gestürzt. Fünf Jahre versuchen seine Eltern und seine Geschwister eigenständig Leute zu finden, die ihnen mehr über die fatale Todesnacht in Palma sagen können.

Oft fliegen sie nach Mallorca, hängen Plakate für Hinweise auf, versuchen Zeugen und Zeuginnen zu finden und lassen Gutachten zum Sturz und der Falllinie von Andreas’ Körper anfertigen, die die Theorie der Polizei nicht stützen. Erst nach fünf Jahren wird der Druck auf die spanische Polizei zu groß, und die Mordkommission in Palma wird mit dem Fall beauftragt. Aber bis heute gibt es keine Ergebnisse der Ermittlung. Der wohl wichtigste Hinweis wäre, wer in der Nacht des Todes in dem Hotelzimmer gewohnt hat, von dessen Balkon Andreas mutmaßlich in den Tod gestoßen wurde.

Aber bis heute wurde dies nicht ermittelt, und die betreffenden Personen haben sich nie freiwillig bei der Polizei gemeldet. Andreas’ Familie vermutet, dass sich dort, in jenem Zimmer des sechsten Stocks des Obelisco Hotels, die Antwort auf viele ihrer Fragen verbirgt. Dort haben vermutlich die Menschen gewohnt, die Andreas noch in der Nacht auf der Schinkenstraße kennengelernt hat, die ihn vermutlich ins Hotel eingeladen haben und die mutmaßlich als einzige wissen, ob Andreas Kletzels Tod wirklich ein tragischer Unfall war oder doch Mord. Es ist stürmisch draußen, und der Regen peitscht gegen die Scheiben der luxuriösen Villa Buena Vista.

Von dem Sonnenschein, der nur wenige Stunden vorher über der costa-ricanischen Hauptstadt San José gestrahlt hat, ist nichts mehr zu sehen. So hat sich Carla ihren letzten Urlaubstag nicht vorgestellt. Eigentlich wollte sie ausgehen und nicht nur das Ende ihres Urlaubs genießen, sondern auch in ihren 36. Geburtstag hineinfeiern.

Doch nun muss sie in ihrer Unterkunft bleiben und verbringt ihre Zeit am Handy. Sie chattet über WhatsApp mit ihrer Familie, facetimet mit ihrer Freundin und hofft, dass das Wetter endlich besser wird. Doch stattdessen fällt auch noch der Strom aus. Carla sitzt fest, ohne Essen, ohne Wasser, bis auch noch ihr Handy ausgeht und für immer verstummt.

Carla ist aufgeregt, als sie am 22. November 2018 in ihrer Heimat Miami das Flugzeug in Richtung Costa Rica betritt. Sie ist schon oft gereist, hat viel von der Welt gesehen. Doch diese Reise soll etwas ganz Besonderes werden: Carla wird während des Urlaubs ihren 36.

Geburtstag feiern. Zusammen mit April, der Freundin ihres Bruders, tritt sie ihre Reise an. April und Carla sind wie Schwestern. Sie sind beste Freundinnen, und ihr Bruder scherzt oft, dass April manchmal mehr Zeit mit seiner Schwester verbringt als mit ihm.

Eine Woche reisen die beiden durch Costa Rica. Sie liegen am Strand, trinken Cocktails, gehen schick essen, machen Instagram-Stories bei ihren Ausflügen oder schießen Bilder am Pool, die sie auf ihren Social-Media-Accounts hochladen. Unter ihr letztes Foto auf Instagram, das Carla am Pool zeigt, schreibt sie: „Ich werde diesen Ort vermissen. Ich liebe Costa Rica.

“ Für die Freundinnen ist es ein unvergesslicher Trip, bis dieser abrupt endet. April muss wegen eines Notfalls den Urlaub früher als geplant abbrechen. Sie muss bereits am 27. November zurück in die USA fliegen, ausgerechnet einen Tag vor Carlas Geburtstag, an dem die beiden zusammen in Costa Rica feiern wollten.

Doch Carla, die schon oft allein gereist ist, macht das nichts aus. Sie will allein zurückbleiben, am geplanten Tag ihren Flieger nehmen und in Costa Rica ihren Geburtstag feiern, bevor sie zurückkehrt. Doch sie weiß nicht, dass sie ihren 36. Geburtstag nicht erleben wird.

Am 27. November reisen Carla und April in die Hauptstadt San José. Eigentlich wollten sie hier gemeinsam ihre letzte Nacht verbringen. Nun bleibt Carla alleine zurück.

Sie bringt April noch zum Flughafen und gibt dort bereits den Leihwagen ab, mit dem die Freundinnen zuvor die Gegend erkundet haben. Gegen 12:30 Uhr nimmt Carla ein Uber. Für ihren letzten Tag und Carlas Geburtstag hatten die beiden sich bei Airbnb bereits im Vorfeld die Villa Buena Vista gemietet, ein schickes Apartment mit eigenem Pool. Das Apartment liegt zwar außerhalb und nicht in der besten Gegend, aber dafür war die luxuriöse Unterkunft für die beiden erschwinglich.

Eine halbe Stunde dauert die Uber-Fahrt bis zum Apartment. Währenddessen kommt Carla mit dem Fahrer ins Gespräch. Als gebürtige Venezolanerin spricht sie fließend Spanisch. Die beiden verstehen sich gut, und er bietet ihr an, sie nach dem Einchecken für eine Stadtrundfahrt abzuholen.

Carla nimmt das Angebot, von einem Einheimischen die schönsten Ecken der Stadt gezeigt zu bekommen, dankbar an. Knapp drei Stunden fährt er sie durch die Stadt, während Carla Fotos an ihre Familie und ihren Freundeskreis schickt und ihnen schreibt, dass sie auf einem Markt eine Handtasche und Ohrringe gekauft hat. Am Nachmittag setzt der Fahrer Carla wieder in ihrem Apartment ab, und die beiden verabreden sich, dass er sie am nächsten Tag, dem Tag der Abreise und ihres Geburtstags, zum Flughafen fährt, bevor sich die beiden verabschieden. Eigentlich hat Carla vor, sich nicht von der frühen Abreise ihrer Freundin runterziehen zu lassen.

Sie will alleine in einem Jazzclub feiern. Doch Carla kann sich nicht aufraffen. Sie ist müde, schreibt und telefoniert über den Abend hinweg mit mehreren Freundinnen und schickt ihnen Fotos aus dem Apartment. Gegen 19 Uhr scheint ihr dann das Wetter die Entscheidung abzunehmen, ob sie noch ausgehen wird oder nicht.

Es beginnt heftig zu regnen, so stark, dass zwischenzeitlich sogar der Strom ausfällt. Einer Freundin schreibt sie: „Es ist super merkwürdig hier. “ Ob sie es nur auf den plötzlichen Regen bezieht oder bereits geahnt hat, in welcher Tragödie dieser Abend enden wird, beschäftigt ihre Familie bis heute. Während Carla mit einer Freundin facetimet, fällt ihr auf, welche Folgen der Stromausfall hat.

Sie hat vergessen, Trinkwasser zu kaufen, und das Leitungswasser im Apartment muss sie erst abkochen, was nur noch nicht mehr geht. Um 21 Uhr geht schließlich auch der Akku von Carlas Handy aus. Und der FaceTime-Anruf mit ihrer Freundin findet ein abruptes Ende. Kurz davor hat Carla ihr noch gesagt, dass sie sich irgendwo Wasser besorgen muss und beim Mitarbeiter des Apartmentkomplexes nachfragen will.

Es ist der Morgen des 28. November 2018, Carlas Geburtstag. Ihr Freundeskreis und ihre Familie versuchen bereits in der Früh, sie zu erreichen, um ihr zu gratulieren. Doch Carlas Handy ist immer noch aus.

Sie vermuten, dass in San José immer noch Stromausfall ist und sie ihr Handy noch nicht laden konnte. Sie wissen nicht, dass der Starkschauer längst vorbei und der Strom zurück ist. Doch ihre Liebsten sind nicht die einzigen, die auf Carla warten. Seit 8:30 Uhr steht ein Uber-Fahrer vor der Villa Buena Vista.

Es ist der Fahrer, der Carla bereits am Tag zuvor durch San José gefahren hat. Die beiden haben sich für 8:30 Uhr verabredet, damit er die amerikanische Touristin sicher zum Flughafen bringen kann. Doch die Minuten vergehen, und Carla taucht nicht auf. Als er schließlich im Hotel nachfragt, bekommt er eine seltsame Antwort: Carla sei seit Stunden ausgecheckt und längst zum Flughafen gefahren, und das, obwohl sie sich am Tag zuvor noch für die Fahrt verabredet haben.

Stunden später stehen auch Carlas Angehörigen ungeduldig am Flughafen in Miami, die das Geburtstagskind empfangen wollen. Doch Carla kommt nicht im Flieger. Ihre Familie kommt das sofort seltsam vor. Wenn Carla ihren Flug verpasst hätte, hätte sie sich gemeldet.

Doch stattdessen ist ihr Handy immer noch aus, und keine einzige Glückwunschnachricht hat sie gelesen. Noch am selben Abend melden ihre Eltern Carla Stefaniak als vermisst, und ihr Bruder nimmt den nächsten Flieger nach San José, während ihr Freundeskreis in den USA aktiv wird. Sie gründen die Facebook-Seite „Find Carla“, auf der sie Fotos der jungen Frau teilen und verzweifelt nach Hinweisen suchen. Nur einen Tag später bestimmt das Verschwinden der amerikanischen Touristin die Presse in Costa Rica, was vor allem die Polizei unter Druck setzt.

Nicht nur, weil sie das Verschwinden von Carla aufklären wollen. Sie fürchten auch, dass die Schlagzeile einer vermissten Urlauberin den Tourismus im Land einbrechen lassen könnte. Costa Rica gilt als das sicherste Land in Mittelamerika, und dank des guten Rufs boomt die Tourismusbranche. Während in San José schon bald jeder das Gesicht von Carla von Suchplakaten kennt, beginnt die Polizei ihre Ermittlung.

Sie können den Uber-Fahrer ausfindig machen, der ebenfalls schockiert über Carlas Verschwinden ist. Er ist sofort kooperativ und kann beweisen, dass er Carla nach ihrer gemeinsamen Stadtrundfahrt nicht noch einmal gesehen hat. Es werden die Handydaten von Carla gesichert. Die Polizei liest die Nachrichten vom Vorabend, die sie mit ihren Freundinnen und ihrer Familie ausgetauscht hat.

Sie lesen, dass Carla zu müde war, um noch auszugehen, und wie der starke Regen plötzlich zum Stromausfall führte. Doch die Polizei sieht noch etwas: Obwohl Carla seit Stunden ihr Handy nicht mehr genutzt hatte, hat es sich um 0:17 Uhr noch einmal für kurze Zeit mit dem Internet verbunden. Auch die Angestellten des Villa-Buena-Vista-Resorts werden befragt. Der Sicherheitsmitarbeiter sagt gegenüber den Ermittlern aus, dass Carla tatsächlich am Tag ihrer Abreise gesehen worden sei.

Gegen 5 Uhr soll sie ausgecheckt und in ein unbekanntes Fahrzeug gestiegen sein. Auch Carlas Bruder hört die Schilderung des Sicherheitsmitarbeiters gegenüber der Polizei und glaubt ihm kein Wort. Er kennt seine Schwester wie kaum ein anderer und weiß, dass Carla niemals so früh aufstehen würde, schon gar nicht im Urlaub, und erst recht nicht, wenn sie eigentlich vorhatte, noch am Abend zuvor in ihren Geburtstag hineinzufeiern. Was sollte Carla außerdem acht Stunden allein am Flughafen vorhaben?

Schließlich ging der Flieger, den sie gebucht hatte, erst um 13:30 Uhr. Auch ihre Kreditkarteninformationen säen Zweifel an der Aussage des Hotelangestellten. Seit ihrer Stadtrundfahrt hat sie diese nicht mehr benutzt. Es gibt außerdem keine Überwachungsaufnahmen im Apartmentkomplex, die die Aussage des Pförtners bestätigen könnten.

Während der Befragung beginnen bereits Einsatzkräfte, das Apartment, das Carla bewohnte, zu durchsuchen. Auf den ersten Eindruck sieht es gereinigt aus. Doch ein genauerer Blick offenbart das Schlimmste: Es ist ein Tatort. Während ihre Familie bis dahin noch geglaubt hat, dass Carla auf dem Weg zum Flughafen möglicherweise entführt wurde, schwindet nun ihre Hoffnung, dass Carla noch leben könnte.

Zahlreiche Blutflecke sind in ihrem Apartment zu finden, die Grausames erahnen lassen. Vermutlich hat Carla Stefaniak die Villa Buena Vista niemals lebend verlassen. Mittlerweile haben sich zahlreiche Kamerateams vor dem Tor und den hohen Mauern der Villa Buena Vista versammelt, die alle Schritte der Polizei verfolgen. Am 3.

Dezember geht durch die Medien, dass die Ermittler mit Leichenspürhunden auf dem Grundstück ausgerückt sind. Nur kurze Zeit später erreicht Carlas Familie eine schreckliche Nachricht: Es wurde eine tote Frau nur wenige hundert Meter entfernt im angrenzenden Waldgrundstück gefunden, halb verbuddelt, halb in Plastiktüten versteckt. Carlas Eltern müssen kurze Zeit später ihre schwerste Reise antreten. Während ihr Bruder bereits in Costa Rica die Ermittlung unterstützt hat und ihre Eltern in den USA die Suche angetrieben haben, müssen sie nun nach San José fliegen, um die tote Frau zu identifizieren und Gewissheit zu haben.

Es ist ihre Tochter Carla. Es ist ein Bild, das ihre Eltern nie wieder vergessen können. Der tote Körper ist aufgrund der Hitze bereits stark verwest, weshalb die Todesursache zuerst gar nicht bestimmt werden kann. Carla hat eine starke Kopfverletzung, weshalb die Ermittler anfangs davon ausgehen, dass das die Todesursache war.

Bei der ausführlichen Autopsie erkennen sie dann erst die vielen Stichverletzungen, an denen die Urlauberin gestorben ist. Sie hat auch eine Stichverletzung an ihrer Hand. Carla hat sich heftig gegen ihren Angreifer gewehrt, bevor er sie erstochen hat. Schnell hat die Polizei den ersten Verdächtigen: den Mann, der bereits in seiner Vernehmung durch Widersprüchlichkeiten aufgefallen ist, den Hotelangestellten und Pförtner der Villa Buena Vista, Bismarck Espinosa Martínez.

Als dieser verhaftet wird, fallen den Ermittlern erst die Kratzer und blauen Flecken an seinem Körper auf, die mutmaßen lassen, woher er sie hat. Es sind die Spuren vom Todeskampf von Carla, die sie an ihrem Mörder hinterlassen hat. Doch noch etwas fällt auf: Bismarck Espinosa Martínez lebt illegal in Costa Rica und ist erst ein halbes Jahr zuvor aus Nicaragua ins Land gekommen. Dementsprechend hat er keine Arbeitserlaubnis und hätte gar nicht in der Hotelanlage arbeiten dürfen.

Das wiederum bringt den Betreiber der Villa Buena Vista und somit auch Airbnb in Verruf, die scheinbar nicht kontrolliert haben, wer am Urlaubsort, der auf Airbnb angepriesen wurde, arbeitet. In einem Statement kurz nach dem Verschwinden von Carla Stefaniak schreibt Airbnb: „Unsere Herzen sind erschüttert, und wir hoffen für Carlas Familie, Freunde und Angehörige. Wir versuchen, sie in dieser unvorstellbar schwierigen Zeit zu unterstützen. Wir stehen auch in Kontakt mit den Strafverfolgungsbehörden in Costa Rica und den USA.

Wir stehen bereit, um ihre Ermittlung zu unterstützen, damit der Gerechtigkeit schnell Genüge getan werden kann. “ Außerdem entfernen sie die Villa Buena Vista umgehend vom Portal. Bismarck Espinosa Martínez schweigt zu den Vorwürfen, weshalb die Behörden nur mutmaßen können, was sich in der Nacht vor Carlas Geburtstag ereignet hat und warum die Urlauberin sterben musste. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Carla den Sicherheitsmitarbeiter nach Wasser gefragt hat, so wie sie es ihrer Freundin am Telefon erzählte.

Er ist vermutlich der letzte, der Carla lebend gesehen hat, und mutmaßlich auch ihr Mörder. Er hat gesehen, dass Carla allein reist, und als sie ihn abends während des Stromausfalls nach Wasser gefragt hat, sei in ihm der Gedanke gereift, die Urlauberin zu vergewaltigen. Bismarck, der als Sicherheitsmitarbeiter die Schlüssel zu allen Apartments hat, habe kurz nach Carlas Anruf ihre Ferienwohnung überfallen, um sie zu vergewaltigen. Carlas Vater ist sicher, dass seine geliebte Tochter sterben musste, weil sie sich gegen ihren Angreifer gewehrt hat, was auch die Obduktion bestätigt.

Im Anschluss soll der Sicherheitsmitarbeiter dann den toten Körper der Urlauberin hinter dem Hotelkomplex versteckt und das Apartment gereinigt haben. Als der Prozess Anfang 2020 gegen Bismarck Espinosa Martínez beginnt, steht er wegen Mordes zweiten Grades vor Gericht. Die Beweise sind nicht ausreichend, um ihm nachzuweisen, dass er in der Nacht von Carlas Geburtstag vorhatte, die junge Frau zu töten, oder ob es eine Affekttat war, nachdem sich Carla gegen die Vergewaltigung zur Wehr gesetzt hat. Obwohl Aussagen vor Gericht gehört werden, dass Bismarck Espinosa Martínez’ Verwandte den Mord an der US-amerikanischen Urlauberin gestanden haben, bleibt er bei seiner Version.

Er sei unschuldig. Doch das Gericht glaubt ihm nicht. Am Ende des Prozesses wird er zu zehn Jahren Haft verurteilt, und Carlas Familie wird eine Schadensersatzzahlung von Airbnb von umgerechnet 53. 000 Dollar zugesprochen.

Die vielen Fragen, die Carlas Familie nach ihrem Tod beschäftigt haben, bleiben für sie trotz des Prozesses unbeantwortet. Warum musste Carla sterben? Und vor allem: War Bismarck Espinosa Martínez wirklich ein Einzeltäter? Schließlich soll er es innerhalb weniger Stunden geschafft haben, ungesehen Carlas Körper zu verstecken und ihr Apartment komplett zu reinigen.

Schafft das wirklich ein Mensch alleine, oder hat er Komplizen? Wussten vielleicht mehr Menschen, die im Apartmentkomplex gearbeitet haben, vom grausamen Mord und haben ihren Kollegen gedeckt? Die Verurteilung ist nur ein schwacher Trost für Carlas Angehörige. Einer ihrer Freunde sagt gegenüber der Presse nach dem Urteilsspruch: „Wir sind sehr enttäuscht.

Wir denken nicht, dass zehn Jahre Haft genügen, während wir einen wundervollen Menschen verloren haben. Nicht einmal annähernd. Es war einfach ein absolut unvergesslicher Mensch. Es ist so traurig, dass jemand, dem sie vertraut hat, sie getötet hat.

“ Auch auf der Seite „Find Carla“ postet ihr Freundeskreis ein Statement: „Worte können den Schmerz ihrer Familie und ihrer Freunde nicht ausdrücken. Wir möchten, dass die Welt weiß, dass wir Carla nie vergessen werden. Wir werden uns immer an die Freude erinnern, die sie in unser Leben gebracht hat. Wir werden immer bei ihr sein, und wir wissen, dass sie immer bei uns ist.

Voller Vorfreude betritt Ellie das Flugzeug. In wenigen Stunden wird sie ihre Heimat Melbourne hinter sich lassen und sechs Wochen in Mosambik verbringen. Schon lange sehnt sie sich nach der großen Freiheit und nach Reisen, um andere Länder zu erkunden. Bevor sie bald mit dem Studium beginnt, will Ellie noch ein Abenteuer erleben.

Doch es wird eine Reise ohne Rückkehr und ein Mysterium, das ihre Eltern bis heute verzweifeln lässt. Für Ellie Warren ist das Leben vor allem eines: ein riesiges Abenteuer. Schon früh müssen ihre Eltern feststellen, dass sie kein Mensch ist, der ihr Leben an einem Ort verbringen wird. Auch wenn sich die beiden kurz nach der Geburt ihrer Tochter getrennt haben, ist das Verhältnis zwischen ihnen eng, und sie ziehen Ellie abwechselnd in der australischen Metropole Melbourne auf.

Schon früh packte Ellie das Reisefieber. Sie sehnt sich danach, die Welt zu bereisen. Sie ist aufgeschlossen und scheut sich nicht, auf fremde Menschen zuzugehen. Mit ihrem Vater Paul teilt sie eine Leidenschaft: das Meer.

Schon als Kind nimmt er Ellie mit auf seine Segeltrips. Sie angeln und tauchen zusammen. Deshalb steht für Ellie bereits in jungen Jahren fest, dass sie Meeresbiologin werden will. Mit fünfzehn Jahren nimmt ihre Mutter sie das erste Mal mit auf eine Afrikareise.

Ellie ist sofort fasziniert von dem Kontinent, den Tieren und den Menschen. Viermal reist sie in den folgenden Jahren durch verschiedene afrikanische Länder, und ihr Wunsch steht fest: Eines Tages will sie Australien den Rücken kehren, um nach Afrika zu gehen. Bevor ihr Meeresbiologiestudium in Melbourne beginnt, will Ellie ihre Zeit mit Reisen verbringen, noch einmal fremde Länder entdecken, bevor sie die nächsten Jahre mit Lernen und Nebenjobs verbringen muss. Sie hat „Africa Underwater“ entdeckt, ein Forschungsunternehmen für Meeresbiologie, das Trips für Freiwillige organisiert und vor der Küste Mosambiks die Korallenriffe erforscht.

Ellie ist sofort begeistert. Dort kann sie ihre beiden Leidenschaften, das Reisen und das Meer, verbinden und sammelt bereits Erfahrung für ihr Studium. Weniger erfreut ist dagegen ihr Vater Paul. Er hat kein gutes Gefühl, dass seine Tochter sechs Wochen allein in Mosambik verbringen soll, einem Land, in dem seit Jahren Bürgerkrieg herrscht, in dem islamische Milizen gegen die Regierung kämpfen, hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat fliehen mussten und das einer der ärmsten Staaten der Welt ist.

Doch er weiß, dass er seine Tochter nicht abhalten kann. Was sie sich in den Kopf gesetzt hat, zieht die 20-Jährige durch. Sie freut sich darauf, jeden Tag zu tauchen, und ist begeistert vom malerischen Tofo Beach, wo „Africa Underwater“ forscht und der trotz der schlecht ausgebauten Tourismusbranche Mosambiks jedes Jahr zahlreiche Backpacker anzieht. Ende September 2016 ist es endlich so weit.

Ellie verabschiedet sich von ihren Eltern, bevor ihr Freund Luke sie zum Flughafen fährt, wo sie in den Flieger nach Mosambik steigt. Hinein in ihr nächstes Abenteuer, ohne zu wissen, dass es ihre letzte Reise sein wird. Über Social Media bleibt Ellie mit ihren Liebsten in der Heimat in Verbindung. Täglich postet sie auf Facebook von ihren Erlebnissen, lädt Fotos hoch, die sie am Strand, auf dem Boot oder beim Tauchen zeigen.

Während ihrer Zeit in Mosambik lebt sie in einem Bungalow des Casa Barry Beach Resorts am Tofo Beach, einer Hotelanlage, die bei europäischen, amerikanischen und australischen Reisenden beliebt ist. In ihrer Forschungsgruppe hat sie schnell Anschluss gefunden. Sie liebt es, mit Menschen aus der ganzen Welt zusammenzukommen. Sie erkunden zusammen das Land und verbringen ihre Tage am Strand.

Besonders hat sie sich darauf gefreut, Walhaie zu sehen. Stolz postet sie eines Tages auf Facebook ein Bild von sich beim Tauchen, neben ihr ein Walhai. Auch ihre Eltern und ihr Freund verfolgen gespannt die Erlebnisse von Ellie. Ihre Sorge scheint unbegründet zu sein.

Die 20-Jährige hat Spaß und eine gute Zeit in Mosambik. Sechs Wochen ihrer Forschungsreise sind mittlerweile vergangen, und am 8. November 2016 ist der letzte Tag bei „Africa Underwater“. In wenigen Tagen wird Ellie wieder im Flieger sitzen in Richtung Melbourne, ihre Liebsten in die Arme schließen und ihr Studium beginnen.

Doch einen ihrer letzten Abende wollen Ellie und ihre neugewonnenen Freundinnen feiern. Sie sitzen zusammen auf einer Terrasse der Bungalows. Während die anderen Bier trinken, steht vor Ellie eine Wasserflasche. Einer aus der Gruppe schießt ein Foto der jungen Frauen, unwissend, dass es das letzte Bild sein wird, das Ellie Warren lebend zeigt.

Was sonst an diesem 8. November geschah, darüber gibt es verschiedene Aussagen. Es gibt Berichte, dass Ellie in einem anderen Backpacker-Hotel, dem Wani Parango, eingecheckt und ihr Gepäck dort abgestellt hätte. Möglicherweise endete an diesem Tag die Forschungsreise und somit auch die Unterbringung im Casa Barry Beach Resort.

Doch der Manager des Hotels Wani Parango sagte aus, dass Ellie nie in diesem Hotel gesehen wurde. Trotzdem werden später ihr Pass und ihre Habseligkeiten dort gefunden. Am Abend werden Ellie und ihre Freundinnen am Marktplatz nahe des Strandes gesehen. Gegen 23 Uhr betritt Ellie die Victors Bar, die am Marktplatz liegt.

Der Besitzer Victor kennt die 20-Jährige bereits. In den sechs Wochen haben sie und ihre Forschungsgruppe oft die Abende hier verbracht. Wenige Stunden zuvor waren Ellie und ihre Freundinnen bereits bei Victor und haben Bier gekauft, um zu einer Party zu gehen. Doch nun ist Ellie allein und erzählt ihm, dass sie ihre Freundinnen sucht.

Sie unterhält sich einige Zeit mit einem Backpackerpaar aus Israel, bevor Ellie gegen 2 Uhr gesehen wird, wie sie allein wieder in Richtung Strand läuft. Am nächsten Tag klingelt das Telefon ihres Vaters. Es ist seine andere Tochter Chrissy. Sie weint und schluchzt, bevor sie den Satz über die Lippen bringt: „Dad, Ellie wurde ermordet.

Was mit Ellie Warren passiert ist, dringt nur spärlich an ihre Familie in Australien. Zunächst teilt man ihnen mit, dass eine getötete australische Reisende am Strand von Tofo gefunden wurde. Sie liegt auf dem Bauch neben einer öffentlichen Toilette, ist voller Dreck, ihre Hose ist heruntergezogen. Es ist ein schreckliches Bild, wie ein Fischer sie am frühen Morgen gegen 5 Uhr vorfindet, der sofort die Behörden informiert und von Angestellten des Casa Barry Beach Resorts identifiziert wird.

Doch nur wenige Tage später revidiert die mosambikanische Polizei ihre Aussage: Warren sei eines natürlichen Todes gestorben, und es gäbe keine Anzeichen einer Vergewaltigung oder eines Mordes. Der Polizeisprecher sagte in einem öffentlichen Statement: „Es sieht nach einem plötzlichen Tod aus. Sie hatte keine Kratzer, keine Prellungen oder andere Anzeichen, die auf Gewalt oder eine Vergewaltigung hindeuten. Das garantiere ich.

Ich habe absolutes Vertrauen in unsere Ermittlung, die bestätigt, dass sie nicht vergewaltigt wurde. Die Gemeinschaft hier ist schockiert. Solch einen Todesfall gab es hier noch nie, und alle wollen wissen, was passiert ist. “ Eine Erklärung, was angeblich passiert sein soll, hat die mosambikanische Polizei auch schnell: Sie hätten Drogen in Ellis Blut gefunden.

Die australische Urlauberin sei unter Drogeneinfluss hingefallen, mit dem Gesicht voran, und habe über Stunden Sand eingeatmet, woran sie schließlich erstickt ist. Auch dass sie mit heruntergezogener Hose aufgefunden wurde, dementieren die Behörden plötzlich. Für die mosambikanischen Behörden ist der Fall innerhalb weniger Tage abgeschlossen. Doch für Ellis Familie beginnt erst hier ihr Kampf um Gerechtigkeit.

Sie vertraut den mosambikanischen Behörden nicht, weshalb der tote Körper in Johannesburg obduziert wird – mit einem eindeutigen Ergebnis: Ellie Warren wurde ermordet. Zwar können keine Hinweise auf eine Vergewaltigung festgestellt werden, doch ihr Körper weist bereits auf den ersten Blick Spuren eines Kampfes um Leben und Tod auf. Während der Polizeisprecher in Mosambik behauptet hat, dass Ellis Körper unversehrt sei, stellt die Autopsie in Johannesburg zahlreiche Blutergüsse, Kratzer und Schrammen vor allem am Hals und am Mund fest. Es ist eindeutig, dass die 20-Jährige vor ihrem Tod angegriffen wurde.

Auch die Theorie, dass Ellie unter Drogeneinfluss starb, kann widerlegt werden. In ihrem Blut sind keinerlei Rückstände von Drogen, Medikamenten oder Alkohol. Die Obduktion stellt fest, dass Ellie Warren erstickt ist. Doch die Menge an Sand, die in ihren Lungen gefunden wurde, kann nicht durch Einatmen erklärt werden.

Es wirkt vielmehr so, als hätte jemand gewaltsam Sand in ihren Mund eingeführt oder minutenlang ihren Kopf in den Sand gedrückt, um sie zu töten, was auch mit den Verletzungen am Mund übereinstimmen würde. Außerdem ist der Sand in Ellis Lungen hell, so wie er am Tofo Beach ist. Am Fundort neben der öffentlichen Toilette ist hingegen schwarzer Sand. Es wirkt daher so, als sei Ellie am Strand getötet und ihr Körper dann am Toilettenhaus abgelegt worden.

Möglicherweise wurde ihr dann die Hose heruntergezogen, um den Mord wie ein Sexualdelikt aussehen zu lassen. Für Ellis Hinterbliebene ist die Obduktion ein Schock. Wer hat die 20-Jährige ermordet? Und vor allem: Warum haben die mosambikanischen Behörden versucht, den Mord zu vertuschen?

Wieso haben sie einen offensichtlichen Mord als einen Unfalltod abgetan? Ist es Inkompetenz oder Korruption? Wissen die Behörden vielleicht sogar, wer hinter dem Mord steckt, und versuchen, denjenigen zu schützen? Wochen nach dem Mord müssen ihr Vater und ihr Freund Luke ihre schwerste Reise antreten.

Sie fliegen nach Südafrika, um den toten Körper von Ellie zu überführen. Bei ihrer Beerdigung in Melbourne nehmen hunderte Menschen teil, die alle nur eine Frage beschäftigt: Was ist mit der 20-Jährigen passiert? Ein halbes Jahr werden die Hinterbliebenen von den mosambikanischen Behörden vertröstet, bis der Tod der australischen Reisenden überhaupt erst als Mord eingestuft wird. Doch die Ermittlungen bleiben immer noch aus.

Ellis Familie startet eine Petition, und sie protestieren vor den australischen Behörden, dass diese den Fall übernehmen und Druck auf die Polizei in Mosambik ausüben. Doch auch ihnen sind die Hände gebunden. Die mosambikanische Staatsanwaltschaft muss bestätigen, dass die australische Bundespolizei ebenfalls im Mordfall ermitteln darf – und darauf warten sie bis heute. Ob die Polizei in Mosambik überhaupt ermittelt, bezweifeln die Hinterbliebenen.

Die Kommunikation verläuft schleppend. Auf ihre vielen Fragen hat vor Ort niemand Antworten, und ein Ermittlungserfolg gibt es auch Monate später nicht. Aus seiner Verzweiflung heraus fliegt ihr Vater mit einem Übersetzer und einem Kamerateam selbst nach Tofo, um eigenständig zu ermitteln. In Mosambik angekommen, bestätigt sich das, was Ellis Familie längst vermutet hat: Die Polizei scheint wenig Interesse am Mord der australischen Urlauberin zu haben, und sie haben noch nicht einmal die Menschen in Tofo befragt.

Ihr Vater hängt Suchplakate nach Zeugenaussagen auf und ist überwältigt von der Resonanz. Auch die Menschen in Tofo scheint der Mord immer noch zu beschäftigen, und sie äußern heftige Kritik an den Ermittlungsbehörden, die bislang niemanden in der kleinen Ortschaft befragt haben. Innerhalb kürzester Zeit melden sich Zeugen und Zeuginnen beim verzweifelten Vater, die hoffen, den Mord, der ihren Ort überschattet, endlich aufzuklären. Ein Mann zeigt ihm ein Foto von der toten Ellie, wie sie am frühen Morgen des 9.

November 2016 vor der öffentlichen Toilette aufgefunden wurde. Man sieht sofort, dass Ellie ermordet wurde und dass der Fundort nicht der Tatort gewesen sein kann. Außerdem trägt sie darauf ein schwarzes T-Shirt, das von der Polizei nie als Beweisstück sichergestellt wurde und bis heute verschwunden ist. Doch noch mehr schockiert ihren Vater, dass der Mann ihm sagt, dass die Polizei sich nie für das Foto interessiert hat und ihn nie befragt hat.

Und das, obwohl das Foto beweist, dass Ellis Position sogar am Tatort noch mal verändert wurde. Paul befragt auch die Mitarbeitenden des Casa Barry Beach Resorts, die Ellie identifiziert haben. Sie sind schockiert, als sie das Foto sehen, das die tote Urlauberin vor der öffentlichen Toilette zeigt, denn als sie eine Stunde später am Fundort waren, lag der tote Körper ganz anders. Paul und die Menschen in Tofo sind sicher, dass nur die Polizeikräfte den toten Körper bewegt haben können.

Niemand von den anderen Anwesenden hat sich dem Fundort genähert, geschweige denn die Tote angefasst. Doch warum hat die Polizei das getan? Ihr Vater ist sicher, dass bereits vor Ort die Vertuschung begann. Es soll so aussehen, dass die unter Drogen stehende Ellie zur Toilette gegangen und davor zusammengebrochen sei.

Die Theorien, wer für den Mord verantwortlich ist und warum die Polizei den Fall versucht zu vertuschen, beantwortet die Reise nach Mosambik nicht. Doch Paul weiß nun, dass auch die Menschen in Tofo den Mord nicht vergessen haben und sie sich genauso wie Ellis Familie fragen, warum die Urlauberin am Strand sterben musste. Zusammen mit Einheimischen errichtet er am Fundort seiner Tochter eine Gedenktafel und hängt Suchplakate mit Belohnung für Hinweise zu Ellis Mörder auf, auch wenn er sich sicher ist, dass die Behörden längst wissen, wer für den Mord verantwortlich ist und ihn decken. Er steigt ins Flugzeug nach Melbourne, ohne dass viele seiner Fragen beantwortet werden konnten.

Auch Jahre später wissen ihre Eltern nicht, warum Ellie sterben musste. Eine Vergewaltigung kann ausgeschlossen werden. Doch was ist dann in der Nacht am Tofo Beach passiert? War es ein Raubüberfall, der schief gegangen ist?

Hat sie etwas gesehen, was sie nicht sehen sollte, und musste deshalb sterben? Vertuschen die Behörden den Mord einer Urlauberin, um den wenigen Tourismus, den Mosambik nur dank des Tofo Beaches hat, nicht zu gefährden? Oder steckt sogar ein Polizist hinter dem Mord? 2018 wendet sich die schottische Urlauberin Sarah Herrick an die britische Presse.

Sie hat ihre eigene Geschichte mit der mosambikanischen Polizei und glaubt, dass Ähnliches auch mit Ellie passiert sein könnte. Bereits 2010, sechs Jahre vor Ellie, ist sie zum Tofo Beach gereist. Nur wenige Meter vom Fundort von Ellie entfernt hat ein Mann sie mit einer Waffe bedroht und versucht, sie zum Sex zu zwingen. Andere Urlauber haben die Situation gesehen und sind dazwischengegangen, bevor der Mann geflüchtet ist.

Sie sind es auch, die Sarah überreden, eine Anzeige zu erstatten und sie zur Polizeistation zu begleiten. Doch dort erlebt sie den nächsten Schock: Sie steht plötzlich ihrem Angreifer gegenüber. Er ist Polizist. Mit seiner Waffe auf die Gruppe gerichtet, bestreitet er die Anschuldigung.

Stattdessen verlangt er Geld von ihnen, weil er Sarah sonst wegen angeblichen Drogenbesitzes festnehmen würde. Während die anderen Urlauber zahlen, kann Sarah flüchten und informiert die britischen Behörden. Doch diese können nur wenig für sie tun. Die Ermittlungen zur versuchten Vergewaltigung verlaufen schleppend.

Sie fühlt sich allein gelassen, und auch das Reiseunternehmen, für das sie ehrenamtlich arbeitet, scheint wenig gegen die Mauer des Schweigens der mosambikanischen Polizei unternehmen zu können. Sarah verdrängt den Vorfall, bis sie acht Jahre später eine Doku über den Tod von Ellie Warren sieht und sicher ist, dass der 20-Jährigen Ähnliches passiert sein könnte und vielleicht sogar Polizeibeamte hinter dem Mord stecken. Gegenüber der britischen Presse sagt sie: „Als ich von Ellis Mord hörte, wurde mir schlecht. Ich bekam plötzlich Flashbacks.

Ich habe eine Dokumentation gesehen, in der Tatortfotos von Ellie zu sehen waren, die tot am Strand lag. Das hätte genauso gut ich sein können, und es könnte meine Mutter im Fernsehen sein, die versucht, die Regierung einzubeziehen. “

Auch Jahre nach dem Mord an ihrer Tochter haben ihre Eltern keine neuen Erkenntnisse. Sie sind enttäuscht von den australischen Behörden, die bis heute keine weiteren Maßnahmen ergriffen haben, in Mosambik zu ermitteln oder die Akte über Ellis Tod anzufordern.

Scheinbar überlassen sie stattdessen der Polizei vor Ort den Fall, obwohl sie wissen, dass dort Korruption und Vertuschung vorherrschen. Dabei wünschen sich ihre Eltern nichts mehr als Antworten und einen Abschluss der Ermittlung. Seit dem Tod ihrer Tochter leiden sie psychisch unter den Folgen, auch weil sie bis heute nicht wissen, was in den letzten Stunden im Leben ihrer Tochter passiert ist. In einem Interview sagt ihre Mutter Nicole: „Ellis Tod ist der erste Gedanke am Morgen, den ich habe, und der letzte vor dem Einschlafen.

Mit der Zeit, die vergeht, wird es nur noch schwerer für uns. Nicht nur, dass ich sie jeden Tag schmerzlich vermisse. Es ist zu wissen, dass dort draußen ein Mensch ist, der für ihren Mord verantwortlich ist, und nichts getan wird, um ihn zu finden.