„Schaut euch das an – hier sind schon die ersten Blütenansätze dran“, sage ich und halte die Kamera auf die kräftigen Pflanzen, die aus unserer Dezember-Aussaat stammen. Draußen ist es eiskalt im Februar, aber in unserer Anzuchtstation hier im Garten-Gemüsekiosk geht die Arbeit weiter. Heute steht das Vereinzeln der Gemüsezwiebeln an, und danach sehen wir uns die Paprika-Aussaat an. Die Anzuchtregale sind inzwischen rappelvoll.

Überall sprießen die jungen Pflänzchen, und ich frage mich langsam, wohin mit all den neuen Pflanzen. Eigentlich müsste einiges pikiert werden, aber solange es nachts noch so kalt ist, müssen die Salate und Kohlpflanzen hier drin bleiben. Sobald es im Gewächshaus nicht mehr unter null Grad fällt, ziehen sie um – dann wird hier Platz frei. Ich zeige euch kurz, wie sich alles entwickelt hat.
Der lila Kohlrabi steht neben dem hellen Kohlrabi, dahinter wächst der Eichblattsalat, links der Eissalat. Man sieht schon jetzt die Unterschiede zwischen den Sorten – in der Form, im Wuchs. Eine Etage höher habe ich die pikierten Salatplatten stehen, und in einer Schale wächst der helle Lollo, den ich bei der letzten Runde glatt vergessen hatte. Ganz vorne, noch winzig klein, sind die pikierten Pepino-Pflänzchen aus meinen alten Samentüten.
Die brauchen einfach viel Geduld. Daneben stehen Sommerporree und Blumenkohl, der bald pikiert werden darf, und dahinter Jalapeños und Chilis. In der oberen Etage ist es eine wahre Freude: lauter kleine Schälchen – wir nehmen übrigens ganz normale Recycling-Schälchen, Hauptsache, sie haben Löcher unten. Da sind Auberginen, vor zwei Wochen ausgesät, und Ananaskirschen.
An der Seite wachsen die Physalis. Wenn ich das so sehe, bekomme ich richtig Lust auf die neue Saison. Und dann habe ich noch eine Überraschung: Wir haben Post bekommen, ganz unverhofft, von Susanne aus Bonn. Liebe Susanne, dein Päckchen ist angekommen – vielen lieben Dank!
Die Stulpen für die kleine Gärtnerin und die für die große Gärtnerin sind total super und angenehm zu tragen. Und der Schal für meinen Mann, den Gärtner, ist auch sehr schön. Solche unverhofften Geschenke sind eine persönliche Wertschätzung, die ich gerne weitergebe. Vielen Dank!
Jetzt aber zu unserer heutigen Aufgabe: den Gemüsezwiebeln. Sie stehen direkt neben mir und sind inzwischen zwanzig bis fünfundzwanzig Zentimeter groß. In jedem Pöttchen soll am Ende nur eine Pflanze stehen, also heißt es: vereinzeln. Bevor wir loslegen, zeige ich euch noch einen wichtigen Unterschied.
Diese Platte hier hat nicht direkt das volle Licht bekommen – die Pflanzen außen sind ein bisschen wabbelig und liegen teilweise um. Diese Platte dagegen stand im kompletten Licht: Die Zwiebeln stehen alle aufrecht, sind fest und kompakt. Wenn eure Pflänzchen also schlapp und weich sind, kann das durchaus ein Zeichen für zu wenig Licht sein. Ich hole eine zweite und eine dritte Platte und beginne mit dem Vereinzeln.
Dafür nehme ich das Pflänzchenbündel vorsichtig aus der Erde, lockere die Wurzeln etwas auf – ein bisschen Vibrieren hilft, dann lösen sie sich leichter. Wenn ich die Pflanzen herausgenommen habe, entscheide ich, welche ich behalte. Die kräftigsten, größten setze ich um, die kleinen zarten kommen weg. So habe ich hinterher ein gleichmäßiges Wachstum.
Ein wichtiger Tipp: Wenn ihr pikieren wollt, gießt die Pflanzen am besten ein paar Tage vorher nicht mehr. Mit trockenerer Erde lassen sie sich viel leichter entnehmen. Ist die Erde patschnass, klebt alles zusammen und das Vereinzeln wird zur Fummelei. Dieses eine Mal hier waren drei Pflanzen in einem Pöttchen, also nehme ich zwei heraus.
Die ausgemusterten Kleinen wandern in die Küche – die kommen später aufs Brot. Die schönen überzähligen Pflanzen gebe ich meiner Freundin, die sich darüber freut. Wenn man die Pflänzchen dann hat, stellt sich die Frage: Wie tief setze ich sie? Am besten genauso tief, wie sie vorher gestanden haben.
Bis zum weißen Bereich der Pflanze ist okay, aber nicht höher – sonst verträgt die Zwiebel das nicht gut. Dann drücke ich die Erde leicht an, damit die Pflanze stabil steht, und am Ende gieße ich alles mit einer halben Dosis Gartenbodenaktivator an. Danach kommen die vier Platten unters Licht. Wir müssen ein bisschen clever sortieren: Die Pflanzen mit dem etwas weicheren Wuchs stellen wir erstmal in die volle Beleuchtung, die kräftigeren dürfen eher an den Rand.
Bei unseren sechs Regalböden kriegen wir das schon hin. Ein kleiner Tipp: Wenn ihr schon so viel Mühe in eure Anzucht steckt, achtet darauf, dass wirklich alle Pflanzen genügend Licht bekommen. Wer keine Lust auf die ganze Anzucht hat, kann natürlich auch Steckzwiebeln nehmen – die gibt es bei uns im Kiosk, in Rot und Goldgelb. Und dann hätten wir noch die Steckschalotten.
Die funktionieren aber etwas anders: Eine gesetzte große Schalotte teilt sich in sechs bis acht einzelne Zwiebeln, eine kleinere in zwei bis vier. Deshalb sind in der Tüte weniger, aber größere Zwiebeln drin. Schalotten haben ein ganz eigenes, besonderes Aroma. Jetzt geht’s weiter mit den Aussaten, und wie angekündigt: Paprika ist das Thema.
In unserem Bio-Saatgutkalender für dieses Jahr steht im Februar die Bratpaprika – genau die, die wir letztes Jahr schon gegessen haben. Die Aussaat kann im Januar oder eben jetzt im Februar passieren. Neu in diesem Jahr sind übrigens die Rezepte auf der Rückseite. Alles ist bio und samenfest.
Wir haben beim Paprika-Gemüse jede Menge Vielfalt: Die Bratpaprika habe ich mit siebzehn zum ersten Mal in Spanien gegessen – die Erinnerung sitzt bis heute. Dazu haben wir die Spitzpaprika in Orange, eine wunderschöne Frucht, die man auch einfach so snacken kann wie einen Apfel. Das klappt auch mit unserer Blockpaprika, die gibt’s nicht nur in Rot, sondern auch in Orange. Die Snackpaprika in Orange ist leider schon ausverkauft – die Newsletter-Abonnenten waren schneller.
Wichtig zu wissen: Unsere längliche rote Spitzpaprika heißt ab jetzt Freilandpaprika, weil sie einfach so gut im Freien wächst. Dazu gibt es die klassische Paprika, und wer es etwas schärfer mag, nimmt die Bio-Gewürzpaprika. Ich zeige euch jetzt exemplarisch die Aussaat an der Bratpaprika – für alle Sorten läuft es gleich ab. Dafür nehme ich ein Anzuchtschälchen mit Aussaaterde, die ich vorher leicht andrücke.
Wichtig ist, dass die Erde nicht eiskalt ist – sie soll sich an die Raumtemperatur angleichen. Auch das Gießwasser sollte nicht eiskalt sein. In einem Tütchen sind in der Regel zwölf Körner, neun Pflanzen sollten es auf jeden Fall werden. Ich nehme zwei Tütchen und forme mit einem Stäbchen vierundzwanzig kleine Löcher vor – wir wollen einfach ein paar mehr Pflanzen für den Garten.
Die Keimtemperatur sollte bei 20 bis 25 Grad liegen. Achtet darauf, dass das die Bodentemperatur ist, nicht die Raumtemperatur – in der Erde ist es meist etwas kühler. Gerade bei Paprika ist das entscheidend. Bei der Keimung sind die Pflanzen nicht alle gleich schnell.
Die einen sind schon nach zwei Wochen da, andere brauchen ihre Zeit. Eine Blockpaprika kann manchmal drei oder vier Wochen brauchen, bis sie keimt. In dieser Zeit müsst ihr die Erde feucht halten und die Temperatur stabil lassen. Und: Beschriftet eure Schälchen!
Die Saattiefe beträgt maximal einen Zentimeter. Ihr seht, in unseren Anzuchtregalen wird es langsam richtig voll. Da unten stehen jetzt die Zwiebeln, Salate und Kohlrabi, und es warten noch Auberginen und Paprika darauf, pikiert zu werden. Bald kommen auch die Tomaten dazu.
Sobald es draußen etwas milder wird, ziehen die Kohl- und Salatpflanzen ins Gewächshaus um – nachts sollte es dort aber nicht unter null Grad haben. Zum Thema Beleuchtung gab es verständlicherweise einige Fragen. Wir haben hier auf einem Quadratmeter fünf Multitopfplatten stehen und beleuchten sie mit zweimal hundert Watt. Eine Leuchte reicht für etwa drei Platten, wenn man sie clever platziert.
Es lohnt sich, mit einer App zu prüfen, ob die Beleuchtung ausreicht, oder ob man den Abstand verringern muss. Zu wenig Licht wäre schade bei der ganzen Mühe. Und warum arbeiten wir nicht mehr mit den rot-blauen LEDs? Früher dachte man, der grüne Anteil sei unnötig.
Aber die Wissenschaft ist weiter: Die Pflanzen wachsen unter Vollspektrum-Lampen einfach kompakter, vitaler und kräftiger. Wenn sie später abgehärtet werden und nach draußen kommen, sind sie widerstandsfähiger gegen Sonnenbrand. Wer die Möglichkeit hat, auf eine weiße Vollspektrum-Lampe umzusteigen, ist da auf jeden Fall gut beraten. Noch eine Sache zur Größenordnung, damit ihr nicht erschrocken seid: Diese Mengen hier brauchen wir, weil wir Saatgut produzieren.
Da haben wir pro Sorte sechzig, siebzig Pflanzen. Für einen normalen Hobbygarten zu Hause reicht erfahrungsgemäß eine, vielleicht zwei Etagen völlig aus. Ihr müsst also nicht mit diesen Ausmaßen rechnen. Ich hoffe, euch hat dieser Workshop wieder gefallen.
Schreibt uns gerne in die Kommentare, was euch am meisten motiviert, und gebt dem Video einen Daumen nach oben. Wenn ihr den Newsletter haben wollt, findet ihr den Eintrag auf unserer Startseite. Nächstes Mal geht es mit den Wurzelgemüse-Aussaten weiter, und im März sind dann endlich die Tomaten dran.
Bis zum nächsten Mal, eure J.


