Der Wagen stand rückwärts gegen die Wand einer verlassenen Scheune, die Hinterreifen in der Luft, die Fahrertür unverschlossen. Im Inneren lagen persönliche Gegenstände verstreut. Aber von Brianna Mland fehlte jede Spur. Brianna wuchs mit ihrem älteren Bruder auf der abgelegenen Farm ihrer Familie in East Franklin auf, nahe der kanadischen Grenze.

Sie liebte die Natur, las gerne und trainierte Jiu-Jitsu. Trotz der engen Bindung zu ihrer Familie fühlte sie sich in der Abgeschiedenheit zunehmend eingeengt. Mit 16 zog sie von zu Hause aus, um selbstständiger zu werden. Sie zog nach Sheldon, etwa 40 Minuten entfernt, und arbeitete hart in zwei Jobs, als Küchenhilfe und Bedienung im Black Lantern Inn und zusätzlich im K.
G. Steiner in St. Albans. Sie galt als verantwortungsbewusst und ehrgeizig.
Am 19. März 2004 bestand sie ihren GED-Test und spielte mit dem Gedanken, ein Studium zu beginnen. Einige Wochen zuvor, am 27. Februar, wurde sie auf einer Party von der 17-jährigen Kayla LeClair brutal angegriffen.
Brianna saß im Auto eines Freundes, als Kayla an das Fenster klopfte. Als Brianna das Fenster herunterließ, schlug Kayla ihr mehrfach ins Gesicht. Andere Gäste griffen ein, aber Brianna erlitt zwei blaue Augen, eine gebrochene Nase und eine Gehirnerschütterung. Der Grund war offenbar Eifersucht, weil Brianna sich zuvor mit Kaylas Freund unterhalten hatte.
Drei Tage später erstattete Brianna Anzeige wegen Körperverletzung. Doch bevor es zu einer Anklage kam, verschwand sie. Am Mittag des 19. März traf sich Brianna mit ihrer Mutter Kelly.
Sie war gut gelaunt, sprach über das College und ihre bestandene Prüfung. Beim Einkaufen wirkte sie unbeschwert, doch an der Kasse schaute sie plötzlich aus dem Fenster und war angespannt. Sie bat ihre Mutter, schon mal vorzugehen. Auf dem Parkplatz trafen sie sich wieder, und Brianna war verändert.
Auf der Rückfahrt redete sie kaum, zitterte und wirkte ängstlich. Auf Nachfragen reagierte sie nicht. Gegen 15:30 Uhr setzte ihre Mutter sie vor ihrer Wohnung ab. Brianna duschte und machte sich für ihre Arbeit fertig.
Für ihre Mitbewohnerin Jillian hinterließ sie eine Notiz: Sie habe Spätschicht und würde danach direkt nach Hause kommen. Am Abend fuhr sie zum Black Lantern Inn, etwa 25 Kilometer entfernt. Ihre Kollegen beschrieben sie als völlig normal. Nichts deutete auf Sorge oder Angst hin.
Gegen 23 Uhr endete ihre Schicht. Kollegen fragten, ob sie noch mitessen wolle, aber sie lehnte ab: Sie sei müde und müsse früh aufstehen. Drei Kollegen sahen, wie sie kurz vor 23:30 Uhr allein losfuhr. Am nächsten Morgen meldeten Autofahrer ein verlassenes Fahrzeug an der Route 118.
Es stand vor dem Old Dutchburn House, einer verlassenen Scheune. Der hellgrüne Oldsmobile Sedan war rückwärts gegen die Wand gefahren, die Hinterräder in der Luft. Der Wagen war unverschlossen, eine Sperrholzplatte lag auf dem Kofferraum. Es war Brianas Auto.
Im Inneren lagen mehrere persönliche Gegenstände. Davor lagen eine Fleecejacke, Kleingeld, eine Wasserflasche und ungerauchte Zigaretten. Die Polizei ging zunächst von einem Unfall aus, vielleicht mit Alkohol im Spiel. Ohne weitere Ermittlungen schleppten sie das Auto ab.
Am Samstag dachte niemand Schlimmes, als Brianna nicht zur Arbeit erschien. Ihre Mitbewohnerin Jillian war das Wochenende bei ihrem Freund. Erst am Montag fiel ihr auf, dass Brianna verschwunden war. Die Notiz lag noch an ihrem Platz, das Bett war unbenutzt.
Jillian informierte sofort Brianas Eltern. Bruce Mland begann sofort mit der Suche, dachte aber nicht an ein Verbrechen. Am Dienstag meldete Kelly ihre Tochter als vermisst. Ein Polizist erkannte sie sofort – er hatte den Wagen am Samstagmorgen gefunden.
Die Familie war entsetzt. Das Auto war auf Kelly zugelassen, und doch hatte niemand sie informiert. Die Polizei rekonstruierte Brianas letzte Bewegung. Ihr Weg vom Black Lantern Inn bis zum Fundort ihres Wagens betrug nur etwa 1,6 Kilometer.
Was auf diesem kurzen Stück passierte, blieb unklar. Vielleicht hatte sie etwas bemerkt und angehalten, oder sie hatte dort eine Verabredung. Die Ermittler sprachen mit Freunden. Der Angriff durch Kayla wurde bekannt, aber man glaubte nicht, dass er mit dem Verschwinden zusammenhing.
Andere Bekannte berichteten, Brianna habe mehrfach gesagt, sie wolle in eine größere Stadt ziehen. Die Polizei prüfte ein freiwilliges Verschwinden, hielt es aber angesichts der zurückgelassenen Gegenstände für unwahrscheinlich. Es wurden Plakate verteilt und eine Belohnung von 20. 000 Dollar ausgesetzt.
Doch Hinweise blieben aus. Erst am 30. März, elf Tage nach dem Verschwinden, untersuchte die Spurensicherung den Wagen. Es wurden keine Kampfspuren festgestellt, aber eine Spur entdeckt, die nicht weiter erklärt wurde.
Es wurde spekuliert, dass es sich um DNA handeln könnte. Die Gegenstände rund um das Auto konnten keiner Person zugeordnet werden, und wie lange sie dort lagen, blieb offen. Spürhunde wurden eingesetzt, fanden aber keine weiteren Spuren. Anfang Mai meldete sich Fred Murray, der Vater der ebenfalls verschwundenen Maura Murray, bei Brianas Familie.
Die Fälle ähnelten sich: Beide Frauen verschwanden nachts, ließen ihr Auto zurück, und die Orte lagen nur etwa 150 Kilometer auseinander. Die Polizei prüfte diese Theorie, verwarf sie aber später offiziell. Zwei Monate später bot die Class Kids Foundation Unterstützung an. Etwa 500 Freiwillige durchkämmten eine Woche lang das Gebiet rund um den Fundort des Wagens.
Die Aktion blieb ohne Ergebnis. Im Zuge der medialen Aufmerksamkeit meldeten sich Zeugen, die Brianas Auto in der Nacht vom 19. auf den 20. März gesehen haben wollten.
Ein Mann gab an, das Fahrzeug zwischen 23 Uhr und Mitternacht mit eingeschaltetem Licht vor der Scheune gesehen zu haben. Ein zweiter behauptete, das Auto um 0:30 Uhr ohne Licht bemerkt zu haben. Ein dritter Zeuge berichtete, gegen 4 Uhr morgens an dem Wagen vorbeigefahren zu sein. „Ich habe niemanden im oder um das Fahrzeug gesehen“, sagte er.
Trotz dieser Hinweise ergaben sich keine konkreten Ansätze. Schließlich meldete sich ein anonymer Anrufer bei der Polizei. Er behauptete, genau zu wissen, was mit Brianna geschehen sei. Demnach sei sie in der Nacht ihres Verschwindens entführt und in die etwa 20 Minuten entfernte Stadt Berkshire gebracht worden.
Dort sei sie eine Woche lang von zwei Männern festgehalten und schließlich getötet worden. Die mutmaßlichen Täter: Raymond Reins und Nathaniel Charles Jackson, bekannte Drogendealer aus New York, die sich damals in einem Haus in Berkshire aufgehalten hätten. Die Polizei ging dem Hinweis nach. Beide Männer wurden an der Adresse angetroffen und aufs Revier gebracht.
Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Beamten Utensilien zum Drogenkonsum und eine größere Menge Kokain. Jede Spur von Brianna fehlte jedoch. Auch Leichenspürhunde schlugen nicht an. Es konnte bestätigt werden, dass Brianna beide Männer kannte – in der Region waren sie bekannt, viele Jugendliche hatten Kontakt mit ihnen.
Ob Brianna selbst Drogen konsumierte oder in deren Kreise verwickelt war, blieb unklar. Beweise für ihre Anwesenheit im Haus oder eine direkte Verbindung gab es nicht. Acht Monate nach Brianas Verschwinden meldete sich eine Frau bei der Polizei. Sie gab an, von den beiden Männern gehört zu haben, dass Brianna nach einem Streit um Geld getötet worden sei.
Angeblich hätten die Männer sie eine Woche in einem Keller festgehalten, bevor sie ihre Leiche zerstückelten und auf einer Schweinefarm entsorgten. Die Frau bot an, eine eidesstattliche Erklärung abzugeben, zog diese jedoch zurück, als sie keine konkreten Ortsangaben machen konnte. Die Ermittlungen führten erneut ins Leere. Zwei Jahre nach dem Verschwinden tauchten Videoaufnahmen aus dem Caesars Palace Casino in Atlantic City auf.
Darauf war eine junge Frau zu sehen, die Brianna Mland zum Verwechseln ähnlich sah. Sie war in Begleitung eines Mannes. Brianas Eltern erkannten die Ähnlichkeit, doch die Aufnahmen waren unscharf. Die Identität der Frau und des Mannes konnte nie ermittelt werden.
Im Jahr 2022 kündigte die Polizei an, die Ermittlungen neu aufzurollen. Personen galten als von Interesse, ihre DNA wurde mit der im Wagen gefundenen Spur verglichen. Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht. Zum 20.
Jahrestag ihres Verschwindens im März 2024 erhöhte das FBI die Belohnung auf 40. 000 Dollar. Die Polizei betonte, dass es sich nicht um einen Cold Case handle, sondern weiterhin aktiv ermittelt werde. Brianas Vater Bruce gründete eine eigene Stiftung zur Unterstützung von Familien Vermisster.
Er arbeitete mit ehemaligen Polizisten zusammen und setzte sich aktiv für Aufklärung ein. Die Familie betreibt außerdem eine Facebook-Seite, auf der regelmäßig über neue Entwicklungen berichtet wird. Trotz aller Bemühungen ist bis heute unklar, was in der Nacht des 19. März 2004 mit Brianna Mland geschah.
Sie bleibt vermisst, ohne eindeutige Hinweise auf ihren Verbleib. Ihre Eltern hoffen weiterhin, dass das Verschwinden ihrer Tochter eines Tages aufgeklärt wird.

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