Die ersten Ermittlungen deuteten auf einen ganz gewöhnlichen Vermisstenfall hin – bis die Beamten feststellten, dass die verschwundene Frau schwanger war und nur wenige Tage zuvor geheiratet hatte. Bianca F. , erst 21 Jahre alt, hatte am 8. Juni 2000 in Detmold die gemeinsame Wohnung verlassen, angeblich nach einem Streit mit ihrem Ehemann Alexander.

Ihre Mutter hatte sich Sorgen gemacht, weil die junge Frau den Mutterpass und sogar ihren geliebten Hund zurückgelassen hatte – Dinge, die sie niemals freiwillig zurückgelassen hätte. Die Polizei suchte mit Leichenhunden danach, stieß dabei aber nur auf Anzeichen, dass in dem Bereich einmal etwas gelegen haben könnte. Die Ermittlungen der Mordkommission wurden schließlich eingestellt. Doch der Fall ließ die Ermittler nicht los.
Jahre später, als Bern Flage die Leitung der Kripo übernahm, bat ihn sein Vorgänger um einen Gefallen: Er solle sich um den ungeklärten Fall der jungen Frau aus Augustdorf kümmern. Flage stimmte zu und rief eine neue Mordkommission ins Leben. Kriminalhauptkommissar Achim Tiez forderte die alten Akten an und recherchierte, was aus Alexander F. und seinem besten Freund Mehmet A.
geworden war. Die Suche führte sie nach Leer in Ostfriesland, wo Alexander F. wegen eines Drogendelikts polizeilich aufgefallen war. Als die Ermittler die Lichtbilder der Akte sahen, staunten sie: Die auf den Fotos abgebildete Person war nicht Alexander F.
, sondern tatsächlich Mehmet A. Mehmet A. lebte seit Jahren unter der falschen Identität seines Freundes. Nach mehreren Straftaten war er in die Türkei abgeschoben worden, doch mit dem Pass von Alexander F.
war er in Deutschland geblieben. Die Ermittler observierten ihn. Dabei fiel ihnen auf, dass Mehmet A. immer wieder Geld aus England erhielt.
Über die Konten stießen sie auf den wahren Alexander F. , der in London lebte und die Konten besaß. Beide Männer wurden festgenommen. Die Beamten vermuteten, dass Mehmet A.
damals Alexander F. ein falsches Alibi verschafft hatte – und als Belohnung dessen Identität und finanzielle Zuwendungen bekam. Doch beide schwiegen zu Biancas Verschwinden. Während der Untersuchungshaft kam es zur entscheidenden Wende: Ein Mithäftling von Mehmet A.
offenbarte einem Beamten, dass Mehmet A. von einem Mord an einer schwangeren Frau erzählt hatte. Der Zeuge berichtete, dass der Ehemann Bianca getötet habe und die Leiche so gut versteckt sei, dass die Polizei sie niemals finden würde. Trotz einer Durchsuchung der ehemaligen Wohnung und sogar Leichensuchen auf einem Truppenübungsplatz blieb die Leiche verschwunden.
Doch die Indizien reichten dem Gericht: Alexander F. hatte sich offenbar massiv gegen die frühe Heirat und die Vaterschaft gesträubt. Im Jahr 2002 hatte er einen Kredit aufgenommen und 10. 000 Euro abgehoben – offenbar die Zahlung an Mehmet A.
für das Alibi. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde Alexander F. zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Leiche wurde nie gefunden.
Ganz anders lag der Fall, mit dem Hauptkommissar Gerhard Bene in Magdeburg konfrontiert wurde. Im März 1997 fanden Bauarbeiter bei Sanierungsarbeiten in einem Altbau im Keller einen alten Teppich. Als sie ihn anhoben, sahen sie einen Schädel hervorstehen. In einem Abstellkeller lag eine teilweise skelettierte Leiche, verpackt in einem Bettbezug.
Die Rechtsmediziner unter der Leitung von Dr. Norbert Beck standen vor einer schwierigen Aufgabe. Weichteildefekte im Hals- und Leistenbereich deuteten auf Gewalteinwirkung hin. In der verrotteten Kleidung fanden die Spezialisten ein Taschentuch.
Die Pollenanalyse ergab, dass die Frau höchstwahrscheinlich zwischen November und Dezember gestorben war. Kommissar Bene befragte alle Hausbewohner, auch die, die ausgezogen waren. Dabei stieß er auf die Familie L. , deren Mutter Katrin seit dem Auszug der Familie im Jahr 1995 verschwunden war.
Der Ehemann Detlef L. bestritt nicht nur, etwas zu wissen, sondern behauptete, keine Ahnung zu haben, wo seine Frau stecke – vielleicht sei sie ins Ausland oder im Gefängnis. Mithilfe des Superimpositionsverfahrens, bei dem ein Schädelfoto mit einem Foto der Vermissten übereinandergelegt wurde, identifizierten die Gerichtsmediziner die Tote eindeutig als Katrin L. Detlef L.
geriet ins Visier der Ermittler. Die Ehe war keine Bilderbuchehe gewesen – es hatte Schlägereien und Trennungsabsichten gegeben. Bene konfrontierte den Verdächtigen auf dem Präsidium spontan mit dessen Onkel und Tante, die großen Einfluss auf ihn hatten. Vor diesem Konflikt brach Detlef L.
zusammen und gestand: Während eines Eifersuchtsstreits habe er seine Frau so heftig geschlagen, dass sie sich nicht mehr bewegte. Das Landgericht Magdeburg verurteilte ihn zu zwölf Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags. Der Bundesgerichtshof verkürzte die Strafe auf sechs Jahre und acht Monate. Längst war Detlef L.
wieder auf freiem Fuß, als der Fall abgeschlossen wurde. Ein anderer Fall beschäftigte die Hamburger Justiz. Am 8. November 2010 brachen Bauarbeiter in einem abbruchreifen Haus in Hamburg-Lurup die Tür zum Heizungskeller auf.
Hinter einem Öltank lag ein toter Mann – Uwe D. , 58 Jahre alt, der ehemalige Eigentümer. Ein Seil lag um seinen Hals, zwischen den Beinen eine Plastiktüte. Zunächst sah alles nach Suizid aus.
Doch die Obduktion ergab etwas anderes: keinerlei Strangulationsmarken, das Seilende fehlte, stattdessen schwerste Kopfverletzungen. Uwe D. war erschlagen worden und an eingeatmetem Blut erstickt. Der Täter hatte den Mord wie einen Suizid inszeniert – nur nicht clever genug.
Die Ermittler fanden heraus, dass das Haus kurz zuvor für 125. 000 Euro verkauft worden war. Uwe D. hing sehr an seinem Elternhaus und lebte dort zurückgezogen und bescheiden.
Ein langjähriger Bekannter, Werner P. , geriet ins Visier. Der spielsüchtige, ständig verschuldete Mann hatte mit einem gefälschten Ausweis den Notartermin für den Hausverkauf wahrgenommen und sich 45. 000 Euro vorab unter den Nagel gerissen.
Auch Konten der verstorbenen Mutter des Opfers hatte er abgeräumt. Als der wahre Käufer in das Haus drängte und Uwe D. von dem Verkauf nichts wusste, geriet Werner P. unter Druck.
Er hätte den Betrug offenlegen müssen – stattdessen beseitigte er das Opfer. Bei einer langen Vernehmung verriet er sich schließlich selbst: Er behauptete, beim Auffinden der Leiche eine Plastiktüte um den Kopf des Opfers gespürt zu haben – doch die Tüte lag zwischen den Beinen. Nur der Täter konnte wissen, dass sie über den Kopf gestülpt gewesen war. Das Gericht verurteilte Werner P.
wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein. Jessica M. und Miroslav P.
hatten sich mit ihren beiden Töchtern ein neues Leben aufgebaut. Doch dann holte Jessica M. einen früheren Bekannten aus dem Hamburger Rotlichtmilieu, Yasar S. , als Mitarbeiter auf den Hof.
Er zog ein. Am 21. April 2017 verschwand Miroslav P. Seine Frau meldete ihn als vermisst und mutmaßte, er sei ausgewandert – er habe Pläne gehabt.
Zwei Jahre später, im Januar 2019, erschien ein junger Mann auf der Polizeidienststelle und gab an, Angaben zu einem Tötungsdelikt machen zu können. Er war der damalige Freund der ältesten Tochter von Jessica M. und Miroslav P. Die Tochter hatte ihm anvertraut, dass ihre Mutter und Yasar S.
ihren Vater umgebracht hätten. Zwei Jahre hatte er mit diesem Wissen gelebt, bis er es nicht mehr aushielt. Die Ermittler durchsuchten den Resthof mit einem großen Aufgebot. In der Reithalle fanden sie eine Bodenveränderung – ein Rechteck von zwei mal einem Meter.
Unter einem Brandkalkbett stießen sie auf den Torso eines Leichnams. Arme, Beine und Kopf fehlten. Polizeitaucher suchten daraufhin den Entwässerungsgraben ab und bargen Betonklötze, in denen die Extremitäten und der Kopf eingelassen waren. Dank der Tätowierungen an den Armen konnte der Tote als Miroslav P.
identifiziert werden. Im Schädel fanden sich zwei Projektile – er war von hinten erschossen worden, was auf Heimtücke hindeutete. Die Tochter des Opfers, damals gerade 14 Jahre alt, hatte ihren Vater und ihre Mutter gemeinsam in eine Falle gelockt. Eine WhatsApp-Nachricht an ihren Freund lautete: „Morgen bringen wir meinen Vater um.
“ Am 11. Februar 2020 wurden Yasar S. und Jessica M. wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.
Die Tochter erhielt wegen Beihilfe durch Unterlassen eine Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Am Ende hatten alle verloren. In Berlin-Kreuzberg wurde im September 2007 die Leiche des 65-jährigen Lutz F. in seiner Wohnung gefunden.
Er lag abgedeckt mit Tischdecken und Bettzeug im Schlafzimmer, erschlagen. Schubladen waren durchwühlt, Schmuck und Uhren fehlten – ein Raubmord schien naheliegend. An einem Armband und an einem Laken mit Wischspuren sicherten die Ermittler bislang unbekannte DNA. Die Befragung der Nachbarschaft ergab: In letzter Zeit hatte Lutz F.
Kontakt zu zwei „Serben“, die er auf einem Automarkt kennengelernt hatte. In der Wohnung fanden die Ermittler einen Zettel mit zwei Namen und einer Handynummer – registriert auf einen Namen, den es nicht gab. Die Mordkommission überwachte den Anschluss, doch zunächst tat sich nichts. Ein Nachbar hatte in der Tatnacht gegen 0:40 Uhr ein mächtiges Poltern und Hilfeschreie gehört.
Als plötzlich das Handy benutzt wurde, meldete sich eine Kinderstimme: „Papi, kannst du mich abholen? Ich bin jetzt heute früher von der Schule fertig. “ Die Ermittler konnten den Standort des Handys lokalisieren und die Schule eingrenzen. In dem Umkreis gab es nur wenige Mädchen mit Namen Sabine in diesem Alter – eines davon war die Tochter von Luca L.
, einem 33-jährigen Familienvater. Luca L. und sein älterer Bruder Milan K. hatten Lutz F.
auf dem Automarkt kennengelernt und ihn mehrfach besucht. Milan K. hatte Schulden – und genau am Morgen nach der Tatnacht konnte er diese begleichen. Im Keller von Milan K.
fanden die Beamten einen Teil der Beute, und ein Pfandleihhaus bestätigte, dass er dort Uhren und Schmuck des Opfers zu Geld gemacht hatte. Eine DNA-Analyse brachte schließlich die Gewissheit. Die Brüder hatten Lutz F. mit Bier und Schnaps betrunken machen wollen, um ihn zu bestehlen.
Doch der war nicht so betrunken, wie sie annahmen, folgte dem älteren Bruder ins Schlafzimmer und erwischte ihn beim Stehlen. Es kam zu einem Kampf. Lutz F. schrie um Hilfe; Milan K.
stieß ihn gegen eine Schrankwand und wirkte dann auf ihn ein. Milan K. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Fall, der über zwei Jahrzehnte ungelöst blieb, wurde durch neue DNA-Spuren wieder aufgerollt.
Am 10. November 2003 wurde der 29-jährige Tino Werner als vermisst gemeldet, 36 Stunden später war er tot – erdrosselt in seiner Wohnung in Brakel. Die Kellnergeldbörse mit 150 Euro fehlte, das Auto wurde in der Nähe der Innenstadt aufgefunden, der Schlüssel nie. Keine Einbruchsspuren – Tino hatte den Täter hereingelassen.
Tino war offen lebend homosexuell, auf der Suche nach einem Partner. Die Ermittlungen in der Szene brachten nichts. Doch an seiner Leiche wurde eine fragmentierte DNA-Spur gefunden, die damals keiner zugeordnet werden konnte. Eine Reihenanalyse mit rund 100 Personen blieb ohne Treffer – die Akten wurden geschlossen.
2023 gründete die Polizei Bielefeld eine Cold-Case-Einheit. Mit fortschrittlichen forensischen Methoden gelang es nun, die DNA zu entschlüsseln. Eine erneute Reihenanalyse unter 120 Kontaktpersonen brachte den Durchbruch: Die DNA eines ehemaligen Nachbarn von Tino stimmte überein. Der 57-jährige Mann wurde an seinem Arbeitsplatz festgenommen und sitzt seither wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.
Für die Angehörigen war die Festnahme nach über 20 Jahren eine große Erleichterung. Ein weiterer ungelöster Fall beschäftigte das LKA Hessen. Am 1. Juli 1996 wurde die Leiche des 13-jährigen Sebastian M.
in einem Waldstück bei Darmstadt gefunden. Todesursache: Gewalteinwirkung auf den Hals. Der Junge hatte an diesem Tag an einem Sommerfest seines Fußballvereins teilgenommen, war nach Hause gefahren, um den Schlüssel seines Bruders zu holen, und dann wieder losgeradelt – um den Bruder abzuholen. Er kam nie an.
Bei der Untersuchung seiner Kleidung fanden die Experten des LKA massive Spermaspuren und Fremdfasern – auch auf der Innenseite seiner Unterhose. In der Nähe des Fundortes entdeckte eine Frau ein Dreimannzelt in einem Holzstapel. In dem Zelt fanden sich eine Decke mit Blut- und Spermaspuren des Jungen. Sebastian wurde dort sexuell missbraucht und ermordet.
Eine spektakuläre Reihenuntersuchung an 1387 Personen brachte keinen Treffer. Doch 1998 wurde in Deutschland die DNA-Analysedatei eingeführt – und der Abgleich der damals gespeicherten Täterspur mit der Datenbank führte schließlich zu Andreas T. , einem Einbrecher aus Berlin, der wegen eines anderen Delikts festgenommen worden war. Andreas T.
war zur Tatzeit Freigänger in einer Haftanstalt in der Nähe des Tatorts und benutzte das Zelt als Rückzugsort. Andreas T. gestand, Sebastian in das Zelt gelockt, gefesselt und geknebelt zu haben – er habe geglaubt, der Junge sei durch das Knebeln erstickt. Doch zum Prozess kam es nie: Andreas T.
wurde erhängt in seiner Zelle aufgefunden. In einem Abschiedsbrief entschuldigte er sich bei den Eltern von Sebastian – Details zum Mord verriet er nicht. Es war der erste Mordfall in Hessen, der mithilfe der DNA-Datenbank gelöst wurde. Ein letzter Fall führte nach Tornesch in Schleswig-Holstein.
Im August 2010 wurde die 39-jährige Regina B. vermisst – ihre Quelleshop am Bahnhof blieb geschlossen. Als die Polizei die Wohnung betrat, bot sich ein schreckliches Bild: Regina B. lag leblos im Bett, durch 33 Stich- und Schnittverletzungen getötet.
Das Messer steckte noch im Brustkorb. Daneben lagen Patronenhülsen einer Schreckschusswaffe. Der Lebensgefährte Günther K. erschien am Abend mit dem Fahrrad am Tatort und gab sich unwissend.
Er gab an, mit Regina am Vorabend gemeinsam gegessen zu haben und am nächsten Morgen um 5 Uhr zur Arbeit gefahren zu sein – zu diesem Zeitpunkt habe sie noch gelebt. Doch bei der Obduktion fiel Kommissar Marco Klein ein Detail auf: Der Mageninhalt des Opfers ähnelte optisch den Essensresten in der Bratpfanne in der Küche. Die Analyse ergab, dass Regina etwa zwei bis drei Stunden nach dem Essen gestorben sein musste – und Günther K. hatte zugegeben, dass er die Nacht allein mit ihr verbracht hatte.
Die Ermittlungen ergaben zudem, dass Regina sich offenbar von Günther trennen wollte. Er war eifersüchtig. Im Computer fanden die Ermittler Hinweise, dass Regina kurz vor der Tat unter Druck dreimal ein falsches Passwort eingegeben hatte, bevor sie ihr E-Mail-Konto öffnete – in dem sich Nachrichten über eine Schwärmerei befanden. Günther K.
hatte sie offenbar unter Vorhalt der Schreckschusswaffe dazu gezwungen. Er wurde wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt.


