Mysterium nach der Kneipentour: DAS DÜSTERE GEHEIMNIS um das spurlose Verschwinden von Damien Nettles – Was geschah wirklich in dieser Schicksalsnacht? Ein absoluter Albtraum!

Mysterium nach der Kneipentour: DAS DÜSTERE GEHEIMNIS um das spurlose Verschwinden von Damien Nettles – Was geschah wirklich in dieser Schicksalsnacht? Ein absoluter Albtraum!

Der 16-jährige Damien Nettles verschwindet in der Nacht zum 3. November 1996 spurlos von der Isle of Wight. Nun, fast drei Jahrzehnte später, verdichten sich die Hinweise, dass der Jugendliche einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein könnte – und die Ermittler räumen schwere Versäumnisse ein.

Es ist ein Abend, der das Leben einer Familie für immer zerstören sollte. Der 2. November 1996 beginnt für Damien Nettles wie ein ganz normaler Samstag.

Der Teenager hat seine Mutter Valerie endlich davon überzeugen können, an diesem Abend bis Mitternacht unterwegs sein zu dürfen – eine kleine Party bei Freunden in East Cowes steht an. Es sind nicht mehr als zehn Leute, die Stimmung ist entspannt, doch Damien wird diese Party nie erreichen. Sein Weg führt ihn stattdessen über eine Fähre, durch eine belebte Einkaufsstraße und durch diverse Pubs – ein Weg, der in einer der mysteriösesten Vermisstenfälle Großbritanniens enden sollte.

Gegen 19 Uhr bringt Damians Vater seinen Sohn zu einem Freund. Die beiden Jugendlichen nehmen die Fähre von East Cowes nach West Cowes, eine Strecke, die Teil des öffentlichen Nahverkehrs auf der Insel ist. Zeugen beschreiben die beiden später als redselig, aber nicht betrunken – einfach zwei Jugendliche, die einen amüsanten Abend verbringen wollen.

Doch dann beginnt das seltsame Verhalten, das bis heute Rätsel aufgibt: Damien klappert Pub für Pub ab, nicht um zu trinken, sondern um nach seiner Schwester Sarah zu fragen. Das Problem: Sarah ist an diesem Wochenende gar nicht auf der Insel, sie weilt auf dem Festland in Portsmouth.

Die Überwachungskameras der High Street von Cowes zeichnen in dieser Nacht ein beunruhigendes Bild. Um 22 Uhr wird Damien im Pub Duke of York gesehen, nur wenige Minuten später filmt eine Kamera, wie er einen Imbiss betritt, einen Salzstreuer in die Hand nimmt, wieder abstellt und geht. Zeugen berichten von einem Jugendlichen, der zunehmend verwirrt wirkt, der Pommes isst, obwohl er kurz zuvor bereits welche gegessen hat, der versucht, Autotüren zu öffnen, die nicht ihm gehören.

Um 23:15 Uhr versucht er, in einen blauen Ford Fiesta einzusteigen – erfolglos. Ein Zeuge beschreibt ihn später als „berauscht“ und „neben sich“, ein anderer verwendet den Begriff „spaced out“.

Gegen 23:40 Uhr betritt Damien erneut den Imbiss Yorkies. Das Video dieser Aufnahme läuft mit Ton – und was man hört, ist alarmierend. Der Jugendliche bringt keinen geraden Satz heraus, hat offensichtliche Wortfindungsstörungen.

Der Mitarbeiter, der ihn bedient, ist sich später sicher: „Der Kerl war nicht betrunken, sondern auf Drogen. “ Es ist einer der letzten dokumentierten Momente im Leben von Damien Nettles. Um 0:06 Uhr nimmt eine Überwachungskamera den Jugendlichen ein letztes Mal auf der High Street auf – dann verliert sich seine Spur für immer.

Was in dieser Nacht wirklich geschah, beschäftigt Ermittler und Familie bis heute. Die Polizei vertrat lange Zeit die Theorie, Damien sei auf dem Heimweg entlang der Küste gestürzt und ertrunken. Doch der Hafenmeister von Cowes hat diese Theorie mit komplexen Berechnungen der Gezeitenströmungen widerlegt: Wäre Damien in jener Nacht ins Wasser gefallen, hätte die Strömung seinen Körper zurück ans Land gespült.

Doch der Leichnam des Jugendlichen wurde nie gefunden – weder im November 1996 noch in den folgenden Jahrzehnten.

Die Familie hat der Polizei von Beginn an schwere Versäumnisse vorgeworfen. Damians Mutter Valerie berichtet, dass die Beamten die Vermisstenanzeige zunächst nicht ernst genommen hätten. Es sei die Familie gewesen, die von Haustür zu Haustür gegangen sei und nach Zeugen gesucht habe – nicht die Polizei.

Eine Freundin der Familie, die in der Lokalpolitik aktiv war, musste sich selbst an die Ladenbesitzer entlang der High Street wenden, um an die Überwachungsaufnahmen zu gelangen. Und selbst diese Aufnahmen wurden zunächst nicht ausgewertet: Die fünf Männer, die im Imbiss mit Damien gesprochen hatten, wurden erst Jahre später befragt – als Erinnerungen längst verblasst waren.

Im Jahr 2002 kommt Bewegung in den Fall, als ein Informant sich bei den Ermittlern meldet. Er gibt an, in den 90er Jahren guten Kontakt zu einem Mann namens Nicki McNamara gehabt zu haben – einem lokalen Drogendealer, der vor allem auf der High Street von Cowes aktiv war. Genau dort, wo Damien zuletzt gesehen wurde.

Der Informant behauptet, McNamara habe Damien versehentlich im Streit um eine Cannabis-Schuld getötet. Der Leichnam sei für etwa drei Wochen in einem Drogenversteck aufbewahrt und dann an einem Fahrradweg vergraben worden. Doch McNamara ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot – er starb 2002 an einer Überdosis.

Eine „Deathbed Confession“, also ein Geständnis auf dem Totenbett, von dem Gerüchte kursieren, kann nicht bestätigt werden. Die Frau, in deren Haus McNamara starb, bestreitet, dass er vor seinem Tod irgendetwas zum Fall Nettles gesagt habe.

Ein Zeuge will McNamara am Abend von Damians Verschwinden auf der High Street gesehen haben, und am Nachmittag des darauffolgenden Tages soll der Dealer ein großes Feuer in einem alten Ölfass angezündet haben. Der Zeuge beschreibt, wie McNamara etwas hinter sich hergeschleift habe, das wie ein Ärmel oder ein Arm ausgesehen habe. Doch erst neun Jahre später, 2005, meldet sich dieser Zeuge bei der Polizei – und kann sich nicht mehr sicher sein, wann genau er diese Beobachtung gemacht hat.

Im Jahr 2011 kommt es dann zu einer Reihe von Verhaftungen, die Hoffnung auf Aufklärung machen: Fünf Männer werden im Mai wegen Mordverdachts in Gewahrsam genommen, im Juli ein weiterer Mann, im November noch ein Mann und eine Frau wegen Verschwörung zum Mord. Die Identitäten werden nie bekannt gegeben, und keine einzige Festnahme führt zu einer Anklage. Die Ermittlungen laufen ins Leere, der Fall bleibt ungelöst.

Ein weiteres Rätsel: Die letzten Überwachungsaufnahmen, die Damien lebend zeigen, sind aus dem Polizeigewahrsam verschwunden. Ebenso wie das Protokoll über Anrufe, die in der Nacht von Damians Verschwinden bei der Inselpolizei eingegangen sind, sowie diverse Polizeiberichte und Dienstpläne. Die Familie spricht von einer „Katastrophe“ und wirft der Polizei vor, Beweismittel vernichtet zu haben.

Damians Mutter Valerie hat die Isle of Wight vor Jahren verlassen und lebt heute in Dallas. Doch der Fall ihres Sohnes lässt sie nicht los. Sie hat seine Stofftiere aufbewahrt, seinen Weihnachtsstrumpf hängt noch immer jedes Jahr neben denen seiner Geschwister am Kamin.

„Ich denke einfach immer an ihn“, sagt sie. Die Polizei hat sich inzwischen für die Ermittlungsversäumnisse entschuldigt und eingeräumt, dass Damien höchstwahrscheinlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Doch das Schicksal des damals 16-Jährigen bleibt komplett ungeklärt.

Die Indizienkette in Richtung Nicki McNamara ist lang, aber viele Aussagen sind Hörensagen, das erst nach dem Tod des mutmaßlichen Täters ans Licht kam. Die Frage, warum sich so viele Zeugen erst meldeten, als McNamara nicht mehr lebte, bleibt unbeantwortet. War es Angst vor dem Dealer?

Oder waren doch mehr Leute in die Sache verwickelt, wie die Verhaftungen von 2011 vermuten lassen? Die Wahrheit darüber, was in jener stürmischen Novembernacht auf der Isle of Wight geschah, liegt offenbar noch immer im Verborgenen – und die Familie Nettles wartet seit fast 30 Jahren auf Antworten.