Unsere Gartenböden waren ausgetrocknet wie Ziegelsteine. Ich stand mit David von der Emiko zwischen den harten Klumpen und wusste sofort: Wenn wir hier Gemüse anbauen wollen, müssen wir der Sache auf den Grund gehen. „Das ist ein Tonboden, ein sogenannter Tonkopf“, sagte David und hielt einen der festen Brocken hoch. „Ziegelsteine werden aus Ton gemacht.

Und genau so hart wird dieser Boden, wenn ihm das Wasser fehlt. “
Ich kannte das Problem nur zu gut. Jeden Frühling kämpfte ich mit denselben verhärteten Flächen. Aber ich hatte keine Ahnung, dass die Lösung so tief in der Erde lag.
David erklärte mir, dass Boden aus Gestein entsteht. Über Jahrtausende verwittern Steine durch Wasser, Wind und Frost. Übrig bleiben winzige Partikel. Je nach Größe dieser Partikel sprechen wir von Ton, Schluff oder Sand.
Ton sind die feinsten Teilchen, die fest zusammenkleben. Sand rieselt einfach durch die Finger. Und die Mischung aus allen dreien nennt sich Lehm. „Im Boden stecken etwa 45 Prozent mineralische Bestandteile, fünf Prozent Humus und die Hälfte sind Wasser und Luft“, sagte David.
„Deshalb ist ein guter Boden wie ein Schwamm, der atmet. “
Ich hatte mir schon oft die Frage gestellt, warum manche Böden so unterschiedlich sind. David erklärte es mir: In Deutschland hat die Eiszeit viel durcheinandergeworfen. Dazu kommen verschiedene Ausgangsgesteine.
Kalkstein ergibt einen anderen Boden als Sandstein. Deshalb gibt es keine allgemeingültige Empfehlung für alle Gärten. Wir gruben weiter. Auf einer Gründüngungsfläche holten wir einen Erdklumpen heraus, der ganz anders aussah.
Er war krümelig, voller kleiner Aggregate. Direkt daneben lag ein Stück Boden von einer Fläche ohne Gründüngung – kompakt und leblos. „Gründüngung bedeutet, dass Pflanzen bewusst angebaut werden, um den Boden zu verbessern“, erklärte David. „Die Wurzeln brechen den Boden auf, strukturieren ihn und reichern ihn an.
“
Ich verglich die beiden Proben in meinen Händen. Der Unterschied war enorm. Der bearbeitete Boden war locker und lebendig, der andere hart und verschlossen. Mir wurde klar: Es kommt darauf an, was ich mit meinem Boden mache.
Manche Böden kann ich schnell zu viel bearbeiten, bis nur noch Staub übrig ist. Andere brauchen die Bearbeitung, um überhaupt durchlässig zu werden. „Jeder Gärtner sollte zuerst seine Basis kennen“, sagte David. „Was habe ich für einen Boden?
Was braucht er? “
Um das genauer zu wissen, empfiehlt er eine Bodenprobe. Ungefähr alle drei Jahre sollte man sie machen lassen. So sieht man genau, welche Nährstoffe vorhanden sind und was der Boden noch braucht.
„Der Boden ist wie der Darm der Pflanze“, sagte ich. David nickte. Ohne Boden kann die Wurzel nicht existieren und andersrum. Pflanzen geben über ihre Wurzelausscheidungen auch Nährstoffe an den Boden ab.
Es ist ein Kreislauf des Gebens und Nehmens. Wir kamen auf eine Studie zu sprechen, die mich wirklich betroffen machte. Die Nährwerte von Gemüse und Obst sind seit 1985 deutlich gesunken. „Man muss heute teilweise acht Stücke Gemüse essen, um die gleichen Nährstoffe zu bekommen wie damals von einem einzigen Stück“, sagte David.
Das erklärte für mich so einiges. Auch im eigenen Garten gilt: Wer den Boden nicht pflegt und seine Inhaltsstoffe nicht kennt, bekommt am Ende Gemüse mit weniger Nährstoffen. Geschmack und Gesundheit hängen direkt mit der Bodenqualität zusammen. David brachte noch ein Thema zur Sprache, das mir völlig neu war: den pH-Wert des Bodens.
Er zeigt an, ob der Boden sauer, neutral oder basisch ist. „Der optimale Bereich für Gemüse liegt bei sechs bis 6,5“, sagte er. „Dann können die meisten Pflanzen ihre Nährstoffe gut aufnehmen. “
Ich erzählte ihm von meinen eigenen Erfahrungen mit pH-Tests über den Urin.
Wenn ich gesund gegessen hatte, war alles im Lot. Aber nach einer Cola oder Alkohol auf einer Feier kippte der Wert sofort ins Saure. Auch zu viel Kaffee an stressigen Tagen zeigte Wirkung. „Das ist die gleiche Logik wie beim Boden“, sagte David.
„Der pH-Wert ist wie ein Türsteher. Er entscheidet, ob die Pflanze an die Nährstoffe rankommt oder nicht. “
Dann kam der Begriff, den ich mir merken musste: die Kationenaustauschkapazität, kurz KAK. David benutzte dafür ein Bild, das ich nie wieder vergessen werde: den Kühlschrank.
„Die KAK beschreibt die Fähigkeit des Bodens, Nährstoffe bereitzuhalten“, erklärte er. „Stell dir vor, der Boden ist ein Kühlschrank. Ein Sandboden hat nur einen kleinen Kühlschrank, weil das Wasser einfach durchrieselt und nichts gespeichert wird. Ein Tonboden hat einen großen Kühlschrank, wenn er in gutem Zustand ist.
Und ein Lehmboden hat von Natur aus die beste Größe. “
Der pH-Wert ist dann der Türsteher, der davorsteht und entscheidet, was herausgegeben wird. Wenn der Boden zu sauer ist, bleiben manche Nährstoffe verschlossen. Zuletzt sprachen wir über Humus.
Ich wusste nur, dass Humus gut für den Boden ist. David erklärte mir, dass Humus die organischen Verbindungen im Boden sind – alles von abgestorbenen und lebenden Pflanzen. Aber das eigentlich Erstaunliche kommt noch: Pflanzen geben bis zu 60 Prozent der Energie, die sie durch Fotosynthese gewinnen, an den Boden ab. Sie ernähren den Boden mit Zucker, also Kohlenstoffverbindungen.
„Und dieser Kohlenstoff wird zu Humus“, sagte David. „Humus ist der Dreh- und Angelpunkt für alles Leben im Boden. Er ist der Lebensort für Bakterien, Pilze und Mikroorganismen. Er speichert Wasser und Nährstoffe und macht den Boden locker und fluffig.
“
Wer schon einmal durch einen Wald gelaufen ist, kennt das Gefühl: Der Waldboden federt, riecht nach Leben. Genau dorthin sollten wir mit unseren Gartenböden hinarbeiten. Ein lebendiger Boden erzeugt gesundes Gemüse, das unseren Körper ernährt. Als wir die Erdhaufen wieder zurück in den Garten brachten, spürte ich, wie viel ich in dieser einen Stunde gelernt hatte.
Es geht nicht darum, einfach nur Samen in die Erde zu stecken. Es geht darum, den Boden zu verstehen, zu pflegen und zu fördern. Lebendigkeit über dem Boden schafft Lebendigkeit unter dem Boden.
Und die schafft Lebendigkeit in unserer Nahrung und letztendlich in uns selbst.


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