„Kein Kompost, kein Mist, keine Gülle“, stand da in Rot auf unserer Bodenanalyse, und ich starrte es an, als hätte mir jemand das Gärtnern verboten. Ich fand heraus, dass mein Gartenboden vor…

„Kein Kompost, kein Mist, keine Gülle“, stand da in Rot auf unserer Bodenanalyse, und ich starrte es an, als hätte mir jemand das Gärtnern verboten. Ich fand heraus, dass mein Gartenboden vor...

Im Folientunnel liegt ein A4-Blatt auf dem Tisch, und ich bin selbst überrascht, wie viele Zahlen mich auf einmal fordern. „Hier ist eine Tabelle, die zeigt, wie viele Nährstoffe unser Gemüse im Vergleich zu früher verloren hat“, sage ich und schiebe David das Blatt hin. „Brokkoli zum Beispiel: 68 Prozent weniger Kalzium als noch 1985. “

David nickt.

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Er ist Ökosystemmanager und kennt das Phänomen. „Das nennt man Hidden Hunger. Man isst und isst, aber der Körper bekommt nicht mehr, was er braucht. Deshalb entstehen Heißhungerattacken.

“ Ich denke an all die Menschen, die Nahrungsergänzungsmittel schlucken. Vielleicht liegt es gar nicht an ihnen, sondern am Boden. Unsere eigene Bodenanalyse liegt vor uns. Toniger Lehm, Kühlschrankwert 20,61.

Ich muss grinsen, als David den Begriff erklärt. „Stell dir vor, der Boden hat einen Kühlschrank. Je größer der Wert, desto mehr Nährstoffe kann er speichern. Ein reiner Sandboden hat kaum Platz – da rieselt alles durch.

“ Das leuchtet ein. Ein Kühlschrank nützt aber nur etwas, wenn er auch vernünftig gefüllt ist. Dann kommen wir zu den Verhältnissen. „Calcium macht den Boden lockerer, Magnesium fester“, sagt David.

„Bei uns im Garten ist das Calcium-Magnesium-Verhältnis aus dem Gleichgewicht: 8,3 zu 1 statt 6,9 zu 1. Zu viel Calcium, zu wenig Magnesium. Deshalb steht hier: kein Calcium düngen, aber Magnesiumsulfat. “ Ich staune, wie konkret die Analyse wird.

Vorher hätte ich einfach blind gekalkt und alles noch schlimmer gemacht. Ein roter Hinweis fällt mir sofort ins Auge. „Hier steht: keinen Kompost, keinen Mist, keine Gülle. Unser Phosphor ist viel zu hoch.

“ David erklärt: „Das passiert auf Flächen, wo jahrzehntelang Tiere gehalten wurden. Da war in diesem Garten wohl Schweinehaltung. “ Früher hätten die Leute einfach draufgegeben – „viel hilft viel“. Heute wissen wir es besser.

Trotzdem muss ich schlucken, weil ich sonst immer stolz auf meinen Kompost war. Der Boden ist träge, das merke ich. Manche Werte wie Schwefel und Magnesium sind so niedrig, dass die Düngung auf zwei Jahre aufgeteilt wird. „Sonst kann der Boden das gar nicht verarbeiten“, sagt David.

Und der pH-Wert? Sieben, neutral. „Wissenschaftlich ist das der negative dekadische Logarithmus der H+-Ionenkonzentration“, erklärt er. Ich lache.

„Ganz toll. Und was bedeutet das? “ Er holt eine Grafik hervor. „Stell dir einen Türsteher vor, der vor dem Kühlschrank steht.

Ist der Boden zu sauer oder zu basisch, lässt er die Pflanze nicht dran. Ideal ist ein Wert zwischen 6 und 6,5. “

Erst jetzt verstehe ich, dass all die einzelnen Werte wie Teilnehmer an einer Tischrunde sind. Calcium und Magnesium beeinflussen die Struktur, Kalium ist zu niedrig, Natrium reicht aus.

Und dann kommen die Spurennährstoffe, die in normalen Analysen oft fehlen. Kupfer zum Beispiel: ungenügend. „Kupfer stärkt die Zellwände der Pflanzen“, sagt David. „Gerade bei Pilzdruck hilft es, die Pflanze vom Boden aus zu versorgen, statt Fungizide zu sprühen.

Ich blättere weiter und bleibe an einer Flasche hängen. „Meine Tante würde sagen: Das ist teures Wasser. “ David lacht und stellt klar: „Das ist flüssiges Molybdän. Die Pflanze braucht davon so wenig, dass man es in Pulverform gar nicht dosieren könnte.

Deshalb ist es gelöst – 9,8 Milliliter pro Quadratmeter. “ Nach all den Zahlen wird mir klar: Das System nimmt mich an die Hand. Jeder Nährstoff hat einen Namen, eine Angabe, eine Empfehlung. Die Analyse dient uns aber nicht nur für den Garten.

Wenn ich weiß, was der Boden braucht, kann ich nährstoffdichtes Gemüse anbauen und das sogar mit einer soliden Basis belegen. „Dann heißt es nicht nur regional und saisonal, sondern auch nährstoffdicht“, sagt David. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. “ Seine eigene Solawi hat nämlich mit denselben Prinzipien zu tun.

Zum Abschluss blicken wir noch einmal auf die Zusammenfassung. „Der Boden ist ein Kreislauf“, sage ich. „Wenn wir ihn pflegen, pflegt er uns. “ David fasst es in einen Satz, der hängen bleibt: „Gesunder Boden, gesunde Pflanze, gesunder Mensch.

“ Ich schaue auf den Folientunnel, in dem unser Gemüse wächst. Es ist Zeit, anzufangen – mit dem ersten Schritt, mit den wichtigsten Düngergaben, mit Geduld für einen Boden, der nicht von heute auf morgen zu ändern ist, aber messbar besser werden kann. In drei Jahren machen wir die nächste Analyse und sehen, was passiert ist.