Der Wachraum lag direkt neben dem Eingangstor, auf einem Gelände, das eigentlich uneinnehmbar wirken sollte. Doch als die Wachsoldaten am Morgen des 25. Juni 1989 nachsahen, lag Norbert Scholz tot auf dem Boden. Er war erst zwanzig Jahre alt.

Mehrere Messerstiche in die Brust hatten ihn getötet. Im Büro war es unordentlich, als hätte es einen Kampf gegeben. Die Außentür war verschlossen, es gab keine Aufbruchspuren, nichts war gestohlen worden. Nur das Telefonkabel war durchgeschnitten.
Norbert hatte kurz zuvor sein Abitur gemacht und wollte Versicherungskaufmann werden. Zuvor musste er seinen Wehrdienst ableisten. Er galt als zuverlässig, pflichtbewusst und gerechtigkeitsliebend. Ein schlichter, geselliger junger Mann, der nie provozierte.
An jenem Freitagabend übernahm er den nächtlichen Wachdienst im Kasernentrakt. Normalerweise arbeitete man dort allein, doch diesmal war ein Kamerad aus disziplinarischen Gründen über das Wochenende in der Kaserne geblieben. Er musste sich bei Norbert melden und einen Kontrollzettel abzeichnen lassen. Gegen 21:30 Uhr rief Norbert seinen Kameraden an, weil dessen Freundin am Apparat war.
Während des Gesprächs hörte das spätere Opfer ein Geräusch. Eine Tür schlug zu. Norbert fragte nach, doch der andere sagte nur: „Das kann nicht sein, hier ist niemand außer uns. “ Norbert kontrollierte daraufhin das Erdgeschoss, fand aber niemanden.
Um 22 Uhr gab es noch einmal Kontakt zwischen den beiden. Es ging um den Kontrollzettel, den der Kamerad in bestimmten Abständen abzeichnen lassen musste. Man vereinbarte, dass der Zettel in der Wachstube blieb und Norbert die Zeiten notierte. Irgendwann in dieser Nacht verschaffte sich der Täter Zutritt zur Kaserne und zum Wachraum.
Es kam zum Kampf, dann zu den tödlichen Stichen. Eine Tatwaffe wurde nie gefunden. Die Ermittler stellten fest, dass die Tür zum Wachraum beim Auffinden nicht verschlossen war. Normalerweise schloss Norbert immer ab.
Hatte er vergessen, die Tür zu sichern? Oder öffnete er seinem Mörder selbst die Tür, weil er ihn kannte? Norberts älterer Bruder Manfred erinnert sich noch genau an den Tag, als die Polizei ihn informierte. Seine Eltern waren verreist.
Er fuhr selbst zur Kaserne und erhielt dort die Nachricht von der Bluttat. Seine Eltern mussten aus dem Urlaub geholt werden. Nach der Beerdigung blieb eine Art Schockstarre. Immer wieder kamen die Tränen, immer wieder der Gedanke: Was hätte Norbert heute gemacht?
Die beiden Brüder hatten ein enges Verhältnis. Sie tauschten sich über alles aus. Doch über mögliche Konflikte in der Kaserne hatte Norbert nie gesprochen. Er war immer ausgleichend, nie provozierend.
Für Manfred ist bis heute unbegreiflich, warum sein Bruder sterben musste. Die Ermittler fanden am Tatort Fremdspuren, insbesondere DNA-Spuren. Zudem entdeckten sie im Zaun des Geländes zwei Löcher. Es gab einen äußeren und einen inneren Zaun, beide waren durchgeschnitten gewesen.
Allerdings stellten die Spurensicherer Flugrost an den Schnittkanten fest. Die Löcher mussten schon vor der Tat entstanden sein. Wenige Stunden vor der Tat hatten zwei Soldaten beobachtet, dass im Gebäude, in dem sich später alles abspielte, eine Kellertür offen stand. Außerdem war nicht weit vom Wachraum entfernt ein Fenster geöffnet.
War der Täter durch die Kellertür eingedrungen? Und war das Fenster sein Fluchtweg? Oder sollte es nur einen Fluchtweg vortäuschen? In der Mordnacht hielten sich in mindestens drei weiteren Gebäuden der Kaserne Soldaten auf, ebenfalls im Wachdienst.
Der Kamerad, der im selben Gebäude geschlafen hatte, geriet kurzzeitig in den Fokus der Ermittler, wurde aber schnell ausgeschlossen. Es fehlte ein Motiv. Die Kripo durchleuchtete Norberts privates Umfeld und fand nichts. Auch innerhalb der Bundeswehr gab es keine Hinweise auf ernsthafte Konflikte.
Alle Soldaten der Kompanie wurden vernommen, Alibis überprüft. Niemand machte sich verdächtig. Über dreißig Jahre lang gab es keine neuen Ermittlungsansätze. Erst 2022 wurde eine Cold-Case-Gruppe ins Leben gerufen, die alte Fälle neu aufrollte.
Die Beamten sahen sich die Akten genau an und ermittelten erneut die Soldaten von damals. Neue Hoffnung machten die noch vorhandenen Sicherungsfolien von der Leiche. Sie wurden mit modernsten Methoden auf DNA-Spuren untersucht. Das ergab ein komplexes Spurenbild.
Daraufhin wurden etwa sechzig ehemalige Soldaten vorgeladen, die 1989 in der Kaserne Dienst hatten. Sie mussten Speichelproben abgeben. Ihre DNA wird mit den gesicherten Spuren verglichen. Ein Ergebnis steht noch aus.
Im März 2025 wandte sich die Polizei an die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Nach der Ausstrahlung gingen zahlreiche Hinweise ein, aber eine heiße Spur war nicht dabei. Norberts Bruder hofft weiterhin auf eine Klärung. „Ich habe die Hoffnung, dass ich eine Erklärung bekomme, warum mein Bruder sterben musste“, sagt er.
„Und dass der Täter eine gerechte Strafe bekommt. Er wird davon nicht mehr lebendig, das ist uns bewusst. Aber dann könnte ich den Todesfall vielleicht abschließen. “
Für die Ermittler bleibt der Fall besonders wegen der Örtlichkeit.
Dass jemand in einem gesicherten Militärgelände in einem Wachraum getötet wird, ist außergewöhnlich. Kriminalhauptkommissar Markus Weber, der die Cold-Case-Gruppe leitet, möchte den Fall unbedingt noch lösen. Auch, weil er bald in den Ruhestand geht. Norbert Scholz hatte noch sein ganzes Leben vor sich.
Es endete mit zwanzig Jahren in einer Bundewehrkaserne. Wie genau, ist bis heute unklar. In Braunschweig, im Oktober 2007, liegt eine Frau blutüberströmt in ihrer Wohnung. Stella S.
, die dort als Prostituierte gearbeitet hat, wurde erschlagen. Ihre Tochter entdeckt die Leiche, nachdem die Mutter tagelang nicht erreichbar war. Die Ermittler finden viele Spuren, aber keine, die eindeutig auf den Täter hindeuten. Prostituiertenwohnungen sind schwierig: Es gibt viele DNA-Spuren, viele Gegenstände, viele mögliche Kontakte.
Die Frage ist, welche Spur wirklich mit der Tat zu tun hat. Die Rechtsmedizin kann den Todeszeitpunkt auf etwa 21 Uhr eingrenzen. Ein Haustechniker weist die Polizei auf eine Überwachungskamera im Eingangsbereich hin. Die Aufnahmen zeigen einen Mann, der zur Tatzeit klingelt und etwa zwanzig Minuten später wieder geht.
Eine Zeugin hört, wie er an der Gegensprechanlage fragt, ob die Dame frei sei. Ein Phantombild wird erstellt. Wenige Tage nach der Veröffentlichung meldet sich eine Frau, die den Mann erkennt. Sie arbeitet ebenfalls als Prostituierte und war zeitweise mit ihm liiert.
Der Mann heißt Gregor S. und ist auf dem Handy des Opfers als „Masseur“ gespeichert. Gregor S. hat Verbindungen zu mehreren Prostituierten der Stadt.
Doch niemand weiß, wo er sich aufhält. Die Polizei überwacht seine Telefonnummer und seine E-Mail-Adresse. Achtzehn Tage nach der Tat wird er in Hannover in einer Spielothek festgenommen. Er lässt sich widerstandslos festnehmen und räumt sofort ein, die Frau erschlagen zu haben.
Sein Motiv: Er habe sie 45 Minuten lang massiert, dann seine Bezahlung verlangt. Sie habe ihm signalisiert, dass er nichts wert sei. Das habe ihn tief gekränkt. In der Erregung habe er zugeschlagen.
Doch die Spurenlage widerspricht seiner Darstellung. Es gab keinen Kampf, keine DNA-Spuren des Täters am Opfer. Die Ermittler rekonstruieren: Gregor S. täuschte vor, Sex zu wollen, wollte aber ausrauben.
Als Stella ihm den Rücken zudrehte, schlug er mit einem Aschenbecher auf ihren Kopf. Sie versuchte sich zu schützen, aber er schlug weiter. Danach nahm er das Geld und verwischte seine Spuren. Ein Umschlag mit 25.
000 Euro fehlte, ein anderer mit 4. 000 Euro blieb bewusst liegen. Er wollte den Eindruck erwecken, es habe keinen Raub gegeben. Er nahm ein Handtuch mit, das er angefasst hatte, und die Tatwaffe.
Nach der Tat führte er ein entspanntes Leben in Hannover. Er kaufte sich neue Kleidung, ein neues Handy, bezahlte Bordellbesuche mit dem Geld des Opfers. Die Kleidung, die er bei der Tat getragen hatte, beseitigte er vollständig. Doch er machte einen Fehler.
Seine Armbanduhr behielt er. Auf ihr fanden die Laborspezialisten Blutspuren des Opfers. Das war der einzige forensische Beweis, der den Kontakt zwischen Täter und Opfer belegte. Gregor S.
wurde wegen Raubmordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 12. April 2024, um 21:14 Uhr, geht bei der Feuerwehr in Hamburg ein Notruf ein. In einem Mehrfamilienhaus brennt eine Wohnung.
Die Feuerwehr findet einen Mann leblos auf dem Boden. Er hat Stichverletzungen im Halsbereich, eine große Blutlache um den Kopf. Er ist nicht an den Folgen des Brandes gestorben. Der Tote ist der 59-jährige Norbert F.
, ein schwer alkoholkranker Mann, der zurückgezogen lebte. In der Wohnung finden die Ermittler mehrere Brandherde. Im Backofen liegt ein Portemonnaie mit seinem Personalausweis, der Backofen war angestellt. Die Rauchmelder wurden abmontiert.
Ein Mann namens Ranjit S. meldet sich bei der Polizei. Er erzählt, vier Jugendliche seien in die Wohnung eingedrungen, hätten den Mann erstochen und angezündet. Die Geschichte wirkt konstruiert.
Ranjit S. gerät ins Visier der Ermittler. Ranjit S. und Norbert F.
kannten sich aus einer Entzugsklinik. Sie trafen sich immer wieder zum gemeinsamen Alkoholkonsum. Auch am Tattag waren sie zusammen. Die Handydaten von Ranjit S.
zeigen, dass er sich am Abend zur Wohnung des Opfers begeben hat. Bei seiner Vernehmung räumt Ranjit S. die Tat ein. Er erzählt, dass Norbert F.
in alkoholisiertem Zustand gesagt habe, er würde gerne einmal eine Dreijährige missbrauchen. Ranjit S. selbst war im Alter von acht Jahren Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Für ihn stand sofort fest: „Den bringe ich jetzt um.
Er hat sein Recht auf Leben verwirkt. “
Dass Norbert F. wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft war, wusste er nicht. Für Ranjit S.
war es ein Akt der Selbstjustiz, eine Rache für das, was ihm selbst angetan worden war. Doch das Gericht erkennt keine Affekttat. Wer so plant, so handelt und danach das Feuer legt, um Spuren zu verwischen, handelt bewusst. Ranjit S.
ging in die Küche, suchte ein Messer, brachte sein Opfer zu Boden, um es handlungsunfähig zu machen, und stach dann zu. Er legte Feuer, nahm zwei Gläser aus der Wohnung mit und steckte das Portemonnaie in den Backofen. Diese Verdeckungshandlungen sprechen deutlich gegen einen Affekt. Zudem hat Ranjit S.
eine Vorgeschichte. Er hat eine Freundin mit Benzin übergossen und sie anzünden wollen. Passanten konnten ihn stoppen. Dafür erhielt er eine Bewährungsstrafe.
Durch einen DNA-Treffer konnte ihm auch ein versuchter Brandanschlag auf eine Tankstelle aus dem Jahr 2021 nachgewiesen werden. Das Gericht kommt zu dem Ergebnis, dass Ranjit S. dissoziale Persönlichkeitstendenzen hat. Menschen mit solchen Tendenzen neigen zu Gewalt bei geringfügigen Anlässen.
Er projiziert Wut und Frustration auf beliebige Opfer oder Gegenstände. Ranjit S. wurde wegen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung zu lebenslanger Haft verurteilt. Berlin, 3.
November 2008. Mehrere Zeugen hören Schüsse im Bereich der Fischerinsel. Die Beamten finden einen Mann leblos am Boden. Er wurde von hinten erschossen, einmal in den Rücken, zweimal gezielt.
Es wirkt wie eine Hinrichtung. Dieser Mann war gerade am Telefon, als die Schüsse fielen. Sein Gesprächspartner hörte noch Schmerzensschreie, dann brach die Verbindung ab. So konnte der Todeszeitpunkt auf 19:23 Uhr bestimmt werden.
Der Tote ist Friedhelm S. , 59 Jahre alt, Geschäftsführer einer Immobilienfirma. Er verwaltete das Berliner Geschäft eines dänischen Großkonzerns. Er galt als unsympathisch, distanzlos und übergriffig.
Selbst Freunde nannten ihn einen Kotzbrocken. Doch er war auch der Mann, den seine Vorgesetzten schickten, wenn es unangenehm wurde. Friedhelm S. entdeckte Unregelmäßigkeiten in den Abrechnungen einer Baufirma, die Wohnungen für den Konzern sanierte.
Die Firma von David L. und Vito L. hatte systematisch falsch abgerechnet: Altbaupauschalen für Neubauten, Abriss von Kachelöfen, die es nie gab. Der Schaden belief sich auf etwa eine halbe Million Euro.
Die Unternehmer sollten das Geld zurückzahlen. Das hätte ihre Firma in den Ruin getrieben. Es ging um ihr wirtschaftliches Überleben. Wochenlange Verhandlungen folgten, bei denen Friedhelm S.
die beiden Männer immer wieder verbal attackierte. Ein Zeuge meldet sich bei der Polizei und berichtet, jemand habe ihm gestanden, den Mord an Friedhelm S. begangen zu haben – im Auftrag der beiden Firmeninhaber. Vito L.
und David L. werden vernommen. Vito L. räumt schnell ein, auch weil er selbst unter Druck stand.
Er belastet seinen Geschäftspartner. David L. wird bei seiner Rückkehr aus dem Urlaub am Flughafen festgenommen und gesteht ebenfalls. Sie nennen den Mörder: Adam P.
, 41 Jahre alt, polnischer Staatsbürger, ehemaliger Fremdenlegionär. Er arbeitete als Hilfsarbeiter auf ihrer Baustelle. Vito L. wusste von Adams Vergangenheit und dachte, er könne ihn nutzen.
Er beauftragte ihn, Friedhelm S. „für eine Zeit lang aus dem Verkehr zu ziehen“. Doch Adam P. verstand den Auftrag anders.
Für ihn ging es um Mord. Als Vito L. versuchte, einen Rückzieher zu machen, ließ Adam P. nicht mehr locker: „Jetzt bleiben wir dabei.
Der wird beseitigt, und ihr hängt mit drin. “
Adam P. unternahm zuerst einen Mordversuch mit einer Armbrust. Der Pfeil verfehlte sein Ziel.
Dann lauerte er Friedhelm S. an der Fischerinsel auf und schoss aus nächster Nähe drei Mal auf ihn. Nach der Tat floh Adam P. nach Indien.
Die Ermittler schrieben ihn international zur Fahndung aus. Doch er machte einen Fehler: Er erzählte einem Bekannten in Indien, dass er in Berlin einen Menschen getötet habe. Der Bekannte wandte sich an die deutsche Botschaft. Vier Monate nach dem Mord wurde Adam P.
in Indien festgenommen. Die Auslieferung nach Deutschland dauerte zwei Jahre. Das Landgericht Berlin verurteilte David L. und Vito L.
wegen Anstiftung zum Mord und versuchtem Mord zu lebenslanger Haft. Adam P. wurde wegen Mordes ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt, bei ihm wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Dänemark, 19.
Dezember 2004, fünf Tage vor Weihnachten. Der 45-jährige Vietnamese Nut betreibt mit seiner Frau ein Schnellrestaurant in Bogense. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und gilt als friedliebend. In der kalten Nacht verlässt er mit seiner Frau das Restaurant und steigt in seinen Ford Galaxy.
Als er losfährt, nähern sich zwei maskierte Männer dem Auto. Einer schießt viermal. Zwei Kugeln durchschlagen die Windschutzscheibe, eine trifft Nut direkt ins Herz. Er stirbt sofort, doch das Auto rollt noch 150 Meter weiter, bevor es stehen bleibt.
Seine Frau kann keine genaue Beschreibung der Täter geben. Es war dunkel, die Männer waren maskiert. Die Polizei findet vier Patronenhülsen und die Kugel in Nuts Körper. Es gibt forensische Beweise, aber keine heiße Spur.
Die Ermittler befragen mehr als 800 Menschen, verfolgen alle möglichen Theorien. Organisiertes Verbrechen? Eheprobleme? Eifersucht?
Nichts führt zur Lösung. Ein dunkelblauer BMW mit deutschem Kennzeichen wurde gesehen, aber man ist sich nicht sicher, ob er etwas mit der Tat zu tun hat. Vier Jahre vergehen. Dann erhalten die Ermittler einen Hinweis aus kriminellen Kreisen: Sie sollen sich einen deutschen Mann ansehen.
Harald T. , Mitglied der Rockergang Bandidos. Ein riesiger, kahlgeschorener, tätowierter Mann, der genau so aussieht, wie man sich einen Rocker vorstellt. Die Polizei findet den BMW, der in der Mordnacht gesehen wurde.
Er wurde in einem Hafenbecken versenkt. Er gehört Harald T. Die Beamten überwachen seine Telefonate. Als Harald von dem Fund erfährt, sagt er etwas Unbedachtes: „Sie hätten das schon längst herausfinden müssen, als wir damit rumgefahren sind.
“
Das reicht für seine Festnahme. Harald gibt an, mit seinem Schwager einen Überfall verübt zu haben, der aus dem Ruder lief. Nuts Tod sei ein Unfall gewesen. Er verrät, wo die Tatwaffe liegt: in einem See in Jütland.
Die Pistole wird gefunden. Das Gericht verurteilt Harald T. wegen Mordes zu 16 Jahren Haft. Es war keine versehentliche Tötung.
Nut wurde ermordet, weil er Harald T. Geld schuldete. Für Kriminalhauptkommissar Bent Isager Nielsen ist die Aufklärung von Mordfällen nie nur eine Frage der Strafe. Es geht vor allem darum, den Angehörigen Antworten zu geben und ihnen die Chance auf ein neues Leben zu ermöglichen.
Der Fall Emilie ist einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle Dänemarks. Am 10. Juli 2016 feiert die 17-jährige Emilie mit Freundinnen. Gegen 4 Uhr morgens kommt sie mit dem Zug in ihrem Heimatort an.
Sie ist verärgert, will nicht ins Taxi steigen, sondern zu Fuß nach Hause laufen, um frische Luft zu schnappen. Ihre Freunde bitten sie, mitzukommen. Sie geht trotzdem allein. Eine Überwachungskamera zeigt, wie sie den Bahnhof verlässt.
Danach ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Zunächst beginnt es wie ein normaler Vermisstenfall. Viele kritisieren später die Polizei, sie hätte zu langsam eine Mordermittlung eingeleitet. Bent Isager Nielsen ist sich von Anfang an sicher, dass etwas Schlimmes passiert sein muss.
Sechs Monate später, an Weihnachten 2016, wird Emilias Leiche in einem Teich gefunden, 65 Kilometer entfernt. Der Täter hat Gewichte an den Körper gebunden, doch die Leiche ist an die Oberfläche gestiegen. Emilie hat Klebeband um Mund und Gesicht. In ihren Haaren steckt eine kleine Spielzeugbürste.
Ein Detail, das die Ermittler irritiert. Die forensische Psychologin Charlotte Kappel sieht zwei Möglichkeiten: Entweder hat jemand gezielt nach einem Opfer gesucht, oder jemand ist zu weit gegangen. Es sind zwei sehr unterschiedlich motivierte Täter. Die Polizei veröffentlicht ein schlechtes Überwachungsfoto vom Bahnhof, auf dem in der Nähe ein Auto vorbeifährt.
Ein Experte identifiziert es als einen Hyundai. Hunderte Fahrer dieses Typs werden befragt. Ohne Erfolg. Unter den Befragten ist auch Emilias Mörder, aber er verhält sich unauffällig.
Zwei Jahre vergehen. Bent Isager Nielsen befürchtet, dass der Mörder neue Opfer sucht. Und tatsächlich: 2018 versucht ein Unbekannter, ein 15-jähriges Mädchen zu kidnappen. Sie telefoniert mit ihrer Mutter und wird in der Dunkelheit attackiert.
Die Mutter hört ihre Tochter um Hilfe schreien, dann wird es still. Das Mädchen kann entkommen. An ihrer Kleidung wird eine männliche DNA-Spur gesichert, aber es gibt keinen Treffer in der Datenbank. 2023 schlägt der Täter wieder zu.
Ein 13-jähriges Mädchen fährt mit dem Fahrrad Zeitungen aus und verschwindet. Die Polizei reagiert sofort. Das Fahrrad, das Handy und die Zeitungen werden in der Nähe ihres Zuhauses gefunden. Autofahrer mit Dashcams melden sich.
Eines der Autos gehört dem 33-jährigen Manager Philip W. Jahre zuvor wurde er im Fall Emilie befragt, weil er damals einen Hyundai fuhr. Die Polizei stürmt sein Haus und findet das 13-jährige Mädchen lebend. Es ist gefesselt und hat Schreckliches erlitten.
Er hatte es mehr als 24 Stunden gefangen gehalten. Nun fügen sich die Puzzleteile. Die Spielzeugbürste aus Emilias Haaren passt zu Dingen, die man auf Philips Computer findet. Er hatte nach solchen Bürsten gesucht, hatte Interesse an Kinderhaaren.
Eine Rolle Klebeband aus seinem Haus passt exakt zu dem Streifen, mit dem Emilies Mund verklebt war. Philip W. war ein normal aussehender Mann, den niemand verdächtigte. Er lebte in seiner eigenen Fantasiewelt, die er perfekt verbarg.
Seine DNA passt zu der Spur am Kleid der 15-Jährigen. Er hat Emilie getötet, das ist bewiesen. Und er hätte weitergemacht. Davon ist Bent Isager Nielsen überzeugt: Wäre das 15-jährige Mädchen nicht entkommen und das 13-jährige Mädchen nicht gerettet worden, hätte er wieder getötet.
Philip W. hat nie etwas zur Sache ausgesagt. Niemand weiß, wie lange er Emilie in seiner Gewalt hielt, bevor er sie ermordete.
Eine schreckliche Ungewissheit für ihre Familie.


