Mein Mann stand neben mir, als er den Anruf von der Zeitung bekam. „Wir haben gehört, du baust ein Haus auf einem Anhänger? Das müssen wir sehen.“ Ich wusste in diesem Moment: Nichts würde mehr so…

Mein Mann stand neben mir, als er den Anruf von der Zeitung bekam. „Wir haben gehört, du baust ein Haus auf einem Anhänger? Das müssen wir sehen.“ Ich wusste in diesem Moment: Nichts würde mehr so...

Der Geruch von Holz und Farbe liegt in der Werkstatt, als Maike Wachholz und Kai die ersten Pläne für ihr neuestes Projekt ausbreiten. Es soll wieder eines ihrer windschiefen Märchenhäuser werden, ein Haus, das aussieht, als hätte es sich ein Kind aus einer Geschichte gedacht. Auf dem Hof des Gartengemüsekiosks wächst es langsam in den Himmel, und jeder, der vorbeikommt, bleibt stehen. „Wir bauen märchenhafte Holzhäuser“, sagt Maike und grinst.

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„Schief wie verrückt, aber immer märchenhaft und zum Träumen schön. “

Seit 2011 tun die beiden das. Mal kleinere Hundehütten, mal große Ferienwohnungen. Und manchmal ein Entenhaus, wie jetzt gerade.

Die neuen Enten auf dem Hof brauchen schließlich ein Zuhause mit Stil. Das Haus ist eine Zusammenarbeit geworden, ein „Casa Cayensis“ in der Sonderanfertigung „Kaju-Typ“, weil dort die Kaju-Enten einziehen sollen. Rund 250 Einzelteile wurden in der eigenen Werkstatt gefertigt, jede einzelne mit Nummer versehen, damit die Kunden es später selbst zusammensetzen können. Aber wie kommt man überhaupt dazu, solche Häuser zu bauen?

Die Antwort beginnt nicht in einer Schreinerei, sondern in einem ganz anderen Leben. Maike war früher Zahntechnikerin. Kai, der ruhig neben ihr steht, erzählt: 2008 baute er das erste Tiny House Europas, angelehnt an den amerikanischen Hausguru Jay Shafer. Er wohnte zwei Jahre darin.

„Diese zwei Jahre haben mein Leben völlig auf den Kopf gestellt“, sagt er. Maike kam dazu, sie wohnte mit ihm in dem winzigen Haus. Es war klein, aber schön, und es veränderte alles. Doch noch etwas anderes musste sich ändern.

Kai erinnert sich an eine Montagnacht in der Firma, kurz vor 2010. „Ich hatte einen hochroten Kopf, war im Stress“, sagt er. „Da stand Maike plötzlich in der Tür und sagte: ‚Kai, wenn du so weitermachst, dann bist du bald durchgedreht. “ Er hielt inne und beschloss, sein Leben umzustellen.

Er kündigte, kaufte sich einen kleinen Wohnwagen, fand ihn aber hässlich. Also baute er auf einem Trailer ein winziges Haus. Die Zeitung erfuhr davon und kam vorbei. „Sie sagten: ‚Wir haben gehört, du hast etwas Abgefahrenes gebaut.

Können wir mal kommen? ‘“, erzählt er. 14 Tage später stand das Fernsehen vor der Tür. In dem Moment wusste er: Das ist der Weg.

Obwohl sie mit den Tiny Houses begannen, haben sich Maike und Kai längst davon entfernt. „Tiny Houses sind zu gerade, die Idee ist mittlerweile verwässert“, sagt Kai. Seine Kreativität brauche Bewegung, ständige Entwicklung. Fluch und Segen zugleich, wie er zugibt.

Sein Kopf arbeite immer weiter, immer neue Ideen, „eine Synapsenparty“, wie es die Gastgeberin später nennt. Die Vielfalt ihrer Häuser ist groß. Es gibt kleinere Spielhäuser, größere Modelle mit Anbauten bis in Ferienhausgröße. Und dann das viktorianische Haus mit Walmdach, der schwierigsten Dachform, die es gibt.

Die meisten Häuser haben jedoch Steildächer, weil sie einfach gut aussehen. Nichts ist gerade, alles windschief. Jedes Haus bekommt damit einen eigenen Charakter, einen eigenen Geist. Die Kunden haben dabei viele Möglichkeiten.

Sie können einen Bausatz bestellen – alle Teile gesägt, nummeriert und mit einem Handbuch von über 100 Seiten und über 200 Fotos. „Dazu gibt es keinen Inbusschlüssel“, sagt Kai lakonisch. „Und keine Inbusschrauben. “ Aber der Aufbau klappt trotzdem, dank der detaillierten Anleitung.

Oder man lässt alles komplett von Maike und Kai machen. Die Farben kann jeder selbst wählen. Anbauten, Dachgauben, ein Erkerfenster auf der Rückseite – fast alles ist möglich. Wie lange so ein Haus hält, hängt nicht nur von der Konstruktion ab, sondern auch vom Material.

Kai greift nach einer rotbraunen Holzschindel. „Das ist kanadische Rotzeder“, erklärt er. „45 Zentimeter lang, konisch geschnitten. Unten breiter, oben spitzer.

“ Jede Schindel wird einzeln genagelt, vier Nägel pro Stück, mit kleinem Abstand. „Bei Trockenheit schüsseln sie sich etwas, bei Regen gehen sie wieder auseinander. “ Werden sie zu dicht verlegt, können sie sich gegenseitig aufreiben und spalten. Bei Steildächern wie diesem geschieht fast nichts.

Blätter fallen von selbst ab. Kein Streichen, kein Ölen, keine Pflege nötig. „Rotzeder enthält eigene Öle und Schutzstoffe“, sagt Kai. Nach etwa einem halben Jahr beginnt das Holz langsam zu versilbern, eine natürliche Patina entsteht.

„Unbehandelt hält das Dach 30, 40, vielleicht sogar 50 Jahre. “ Bei Flachdächern oder anderen Holzarten wie Fichte oder Lärche müsste man dagegen regelmäßig nachölen. Aber die Rotzeder ist etwas ganz anderes, hochwertiger. Als das Häuschen schließlich fertig ist, wirkt es wie ein Märchen aus Holz und Farbe.

Die Gastgeberin staunt, wie groß es geworden ist. Der untere Bereich ist für die Enten, die Diele abgetrennt, eine kleine Stiege führt hinauf ins Loft mit weitem Ausblick. Das Haus wird nicht nur als Entenhaus dienen, sondern auch als Kulisse für Videos, vielleicht sogar als Büro. „Wenn das Internet bis hierher reicht, schreibe ich den Newsletter hier oben“, sagt sie lachend.

Die Nachfrage ist groß, aber Maike und Kai arbeiten weiter mit derselben Hingabe. Jedes Haus entwickelt sich weiter, es gibt immer Wandlungen, Ideen. Die Arbeit hat auch etwas Gelassenes: „Bei uns zu Hause war es genauso wie hier, nur viel kleiner“, sagt Maike. „Dieser Garten hier ist ein Platz der Ruhe und des Friedens.

“ Selbst das Gemüse habe geschmeckt, gibt sie zu, obwohl sie sonst kein Gemüse-Fan sei. „Ein Traum. “

Am Ende, als das Haus steht, plant das Team schon das nächste Projekt. Dazu gibt es ein Gewinnspiel: Wer bei Instagram mitmacht, kann einen Bausatz-Kasten und Saatgut gewinnen.

Ein bisschen Malen, ein bisschen Rätseln. Und wer das Entenhaus selbst bewundern möchte, bekommt alle Links unter dem Video. Maike und Kai haben längst ihre Berufung gefunden.

Aus einer unglücklichen Montagnacht und zwei Jahren im winzigsten Haus Europas wurde ein Leben voller schiefer Dächer, knalliger Farben und Träume aus Holz.