Heute wollte ich eigentlich nur kurz nach unseren Jungpflanzen schauen, doch dann stand ich plötzlich vor einer Wassermelone, die ich im Freiland überhaupt nicht erwartet hätte. Wir haben sie vor Monaten gesetzt, nur die Jungpflanzen gegossen, danach nichts mehr – und jetzt lag da diese dicke, grüne Kugel vor mir. Ich schnitt sie auf, und der Duft war sofort da. Als ich das erste Stück probierte, konnte ich es kaum glauben: süß, saftig, perfekt.

Im September. Im Norden. Ohne Gewächshaus, ohne Mulchfolie, komplett plastikfrei. Doch als wir danach über den Gemüseacker gingen, wurde die Stimmung schlagartig anders.
Die Flaschentomaten, die San Marzano, sahen von Weitem wunderschön aus – leuchtend rot, grün und braun zwischen dem Laub. Wir hatten eine ganze Kiste voll geerntet. Aber als ich genauer hinsah, wurde mir klar: Die Pflanzen waren ein einziges Desaster. Kraut- und Braunfäule hatte sie erwischt.
Blätter, Stiele, sogar die Früchte waren braun und krisselig. Ich wusste sofort, warum. Wir hatten sie einfach wachsen und wuchern lassen. Keine Stäbe, kein Anbinden, keine Luft.
Die Früchte lagen auf dem Boden, der Boden war feucht, es konnte nie richtig abtrocknen. Man sieht es hier so deutlich: Das ist die klassische Kraut- und Braunfäule – sie schlägt zu, wenn die Pflanzen keine Luft bekommen und nicht trocknen können. Ich hätte nicht gedacht, dass die Tomaten im Freiland überhaupt so weit kommen würden. Aber das hat mich auch neugierig gemacht.
Nächstes Jahr machen wir das wieder – aber dann binden wir sie an, ziehen sie als Stabtomaten nach oben. Sie sollen Luft bekommen, nicht auf dem Boden liegen. Dann wird das bestimmt ertragreich. Ich fragte mich, ob andere das auch schon mal erlebt haben.
Dieses Verhältnis von Freude über das, was wächst, und Enttäuschung über das, was man hätte besser machen können. Weiter hinten auf dem Feld sah es dann aber wieder richtig gut aus. Die Freilandpaprika, die rote Spitzpaprika, hing voll mit Früchten. Wir hatten schon einen ganzen Satz für Saatgut geerntet.
Die werden vollreif geerntet – biologische, samenfeste Schätze. Man braucht nicht mal ein Gewächshaus, wenn man zwei Pflanzen zusammensetzt, damit sie sich gegenseitig stabilisieren, gerade bei uns, wo es oft sehr windig ist. Ich kann euch nur motivieren, Paprika selbst anzubauen. Man kann sie füllen, roh essen, als Ofengemüse zubereiten – und wenn der Oktober noch schön sonnig wird, ernten wir bestimmt noch mehr.
Im Gemüsegarten standen die Kartoffeltonnen in sattem Grün. Dazwischen wuchsen Chinakohl, dessen Köpfe anfingen, sich zu schließen, später Blumenkohl, Brokkoli und Spitzkohl. Noch ein paar Wochen, dann können wir alles ernten. Ich habe dort auch die Herbstsalate entdeckt, alles aus unserem Biosaatgutkalender: Puntarelle, auch Vulkanspargel genannt – ein echtes Highlight.
Ein oder zwei Pflanzen hatten wir an die Rübenfliegen verloren, aber der Rest wuchs toll. Und der Zuckerhut sah einfach super aus. Dann die Cocktailtomate. Die war eine echte Freude.
Schön hochgebunden, voller süßer Früchte. Eine Traube nach der anderen hing schwer an den Pflanzen. Das ist eine tolle Snacktomate – selbst auf dem Balkon oder der Terrasse wächst sie gut. Und wenn ihr Kinder habt, die gerne naschen, dann ist diese Tomate der Wahnsinn.
Im Gemüsebeet hatten wir zusammen Salate gepflanzt, mit Gießrändern. Alle waren noch da. Daneben wuchsen Ringelbete und Winterporree, und eine Reihe weiter hatte ich Eiszapfen und Radieschen gesät. Die waren – wie der Asia-Salat – schon von der schnellen Sorte.
Bei dem Wetter ein echtes Vergnügen. In einem Beet, wo vorher Kartoffeln standen, hatte ich Ende August Spinat als Folgekultur gesät. Das funktionierte gut – die ersten Pflänzchen waren da, auch wenn man sie vorne kaum sah. Dort waren mehr Schnecken unterwegs, sie glitten über die jungen Blätter und fraßen sie ab.
Hier habe ich einen Tipp, mit dem ich mich wahrscheinlich sehr unbeliebt mache: Wer nächstes Jahr im Frühjahr ohne Schnecken-Depression durchstarten will, muss jetzt fleißig sein. Im Herbst regelmäßig absammeln, ein Holzbrettchen auslegen, unter dem sie sich sammeln, wenn die Erde feucht ist – und dann einfach wegsammeln. Regelmäßigkeit zahlt sich aus. Und wie Pippi Langstrumpf sagte: „Der Wind wird stärker, ich auch.
“ Wenn die Schnecken mehr werden, werden wir es auch. Wir haben uns Verstärkung geholt. Da hinten sieht man sie – drei Cayuga-Enten: Donald, Daisy und Gitti. Wir haben sie von der Arche, sie haben ein paar Zuchtfehler und die eine hatte einen Unfall, aber sie haben sich inzwischen gut berappelt.
Diese Enten lieben Schnecken. Und sie lieben Wasser. Wir bauen gerade einen Teich für sie. Bis dahin nutzen wir eine alte Teichschale aus unserem früheren Garten – ein Upcycling-Projekt, das sich endlich auszahlt.
Die Enten sind notorische Dreckspatzen. Das Wasser in der Sandkastenmuschel muss alle zwei, drei Tage erneuert werden. Und die Trinkschalen, mittlerweile mehrere, werden dreimal am Tag gefüllt, weil sie sonst zu schnell verdrecken. Enten sind etwas Besonderes, wenn man sie beim Fressen beobachtet: Eine Tomate oder eine Schnecke im Schnabel, dann durchs Wasser gezogen und genüsslich verzehrt – das ist ein richtig schönes Bild.
Wichtig war für uns auch: Enten und Hühner können nicht zusammen in einem Haus leben. Die Hühner und die Puten hüpfen problemlos eine Treppe hoch und schlafen sonst auch gerne im Baum. Die Enten aber brauchen einen ebenerdigen oder flachen Einstieg. Deshalb haben sie ihr eigenes Märchenhaus, mit einer flachen Brücke, die mit Heu ausgepolstert ist.
Ich schaute zurück auf den Garten, auf die Beete, die noch voll waren, auf die Enten, den bunten Herbst. Es wird morgens länger dunkel, die ersten Blätter fallen, und ich habe schon meine Stricknadeln ausgepackt. Jede Jahreszeit hat ihre Vorzüge – aber dieser Übergang, dieser Herbst, fühlt sich nach einem guten Abschluss an. Bald kommt der neue Biosaatgutkalender in den Shop, zusammen mit dem Adventskalender, der in kleiner Stückzahl von der Heidian NRW handgearbeitet wird.
Und ich habe vor, jeden Tag ein bisschen mehr zu dekorieren: eine Kerze, eine Nuss, eine Hagebutte. Dann wird das nach und nach ein richtig schönes Ensemble. Die Schnecken werden wir weiter sammeln, die Enten werden weiter fressen, und nächstes Jahr binden wir die Tomaten an. Ich hoffe, es hat euch Freude gemacht, mit mir durch den Garten zu gehen.
Macht eure Gärten richtig schön bunt – und plant schon fürs nächste Jahr.


