Zwei junge Männer tot in einem Maisfeld entdeckt, und niemand fühlt sich zuständig. Die Staatsanwaltschaft Münster hat die Ermittlungen eingestellt, die niederländischen Behörden lehnen eine Übernahme ab. Ein ungeklärter Fall, der Fragen zur internationalen Strafverfolgung aufwirft.

Am 8. September 2024 entdeckten zwei Spaziergängerinnen mit ihrem Hund die Leichen zweier junger Männer am Rand eines Maisfeldes in Gronau-Epe, einer Gemeinde im westlichen Münsterland. Der Hund hatte einen Stiefel ausgegraben, der zu einem der Toten gehörte.
Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab und suchte stundenlang mit Drohnen die umliegenden Felder ab.
Die Fundstelle war abgelegen, ein Feldweg in einer Sackgasse. Ein Anwohner erklärte, dass nur jemand, der sich sehr gut in der Gegend auskenne, diese Stelle finden könne. Die Polizei hielt es für unwahrscheinlich, dass jemand einfach an der nahen Bundesstraße B54 angehalten und die Leichen schnell abgeladen habe, da ein Zaun den Zugang versperrte.
Die beiden Männer, Anfang bis Mitte 20, waren etwa 1,90 Meter groß und 100 Kilo schwer, muskulös, mit rötlichem Bart. Einer trug ein auffälliges Tattoo: einen Frauenkopf in Dämonengestalt, einen sogenannten Succubus. Die Polizei veröffentlichte ein Foto der Tätowierung in der Hoffnung auf Hinweise aus der Bevölkerung.
Tatsächlich meldete sich die Mutter des jüngeren Mannes aus Danzig in Polen. Sie erkannte das Tattoo ihres Sohnes. Ihr Sohn hatte sich wenige Wochen vorher auf den Weg in die Niederlande gemacht, zusammen mit einem Kumpel, ebenfalls aus Danzig.
Die Spur führte ins Nachbarland, nur fünf Autominuten vom Fundort entfernt.
Die Rechtsmediziner untersuchten die Leichen, fanden aber keine äußeren Verletzungen. Keine Schrammen, keine Anzeichen von Gewalt. Auch toxikologische Untersuchungen brachten kein Ergebnis: Es wurden keine tödlichen Substanzen in den Körpern der Männer nachgewiesen.
Weder von innen noch von außen war der Tod offenbar absichtlich herbeigeführt worden.
Die Staatsanwaltschaft Münster, die den Fall übernommen hatte, stellte im Januar 2025 die Ermittlungen ein. In einer Mitteilung hieß es: „Im Rahmen der rechtsmedizinischen Untersuchung konnten keine sicheren Anhaltspunkte dafür gewonnen werden, dass die Verstorbenen durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen sind. Es lässt sich daher nicht ausschließen, dass durch ein, durch die Ermittlungen bislang nicht bekanntes Szenario der Tod versehentlich herbeigeführt worden war.
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Die Behörden gaben an, dass die beiden Männer sich vor ihrem Auffinden in den Niederlanden aufgehalten hätten. Man sei an die niederländischen Polizeibehörden herangetreten und habe angefragt, ob das Todesermittlungsverfahren dort übernommen werden könne. Doch die Niederlande lehnten ab, mit der Begründung, die Leichen seien in Deutschland gefunden worden, also sei es ein deutscher Fall.
Ein Experte für internationales Strafrecht, Damien Nippen, Dozent an der Universität Köln, erklärte, dass grundsätzlich sowohl Deutschland als auch die Niederlande zuständig sein könnten. „Ein Anfangsverdacht reicht aus, um ein Ermittlungsverfahren zu starten. Und ein solcher Anfangsverdacht liegt bereits dann vor, wenn es einfach nur möglich erscheint, dass irgendeine verfolgbare Straftat begangen worden ist“, sagte Nippen.
Zusätzlich könnte sogar Polen zuständig sein, da die beiden Männer polnische Staatsangehörige waren. „Das Strafrecht eines Landes ist anwendbar, wenn entweder der Geschädigte oder der Beschuldigte die Nationalität dieses Staates hat“, erklärte Nippen. Doch trotz dieser Möglichkeiten scheint sich niemand für den Fall zuständig zu fühlen.
Die Staatsanwaltschaft Münster stellte eine Hypothese auf: Die Männer könnten in die Produktion synthetischer Drogen involviert gewesen sein. An ihrer Kleidung und an ihren Körpern wurden minimale Spuren chemischer Stoffe gefunden, die zur Herstellung von synthetischen Drogen verwendet werden, sowie Spuren von Amphetamin und Kokain. Möglicherweise hätten sie giftige Gase eingeatmet, und der Unfall sei vertuscht worden.
Doch die Rechtsmediziner konnten nicht bestätigen, dass bestimmte Stoffe den Tod herbeigeführt hätten. Solche Stoffe könnten sich verflüchtigt haben und nicht mehr nachweisbar sein. Die beiden Männer waren polizeilich nicht registriert, was die Ermittlungen zusätzlich erschwerte.
Ein Journalist, der vor Ort recherchierte, entdeckte eine Handvoll Haare und Blutspuren am Fundort. Er meldete dies der Polizei, doch bis heute gibt es keine weiteren Informationen zu dieser Spur oder zu einem unbekannten Mann, den zwei Spaziergängerinnen wenige Tage vor dem Fund gesehen hatten. „Der sah sehr angsteinflößend aus, mit Arbeitssachen und Stiefeln, passte gar nicht hier in die Ortschaft rein“, berichtete eine der Frauen.
Die Polizei in den Niederlanden ist für Journalisten schwer zu erreichen. Ein Reporter versuchte mehrmals, Kontakt zu den Ermittlern in Enschede herzustellen, landete aber immer wieder in einem Callcenter in Rotterdam. Eine Anfrage blieb unbeantwortet, der Fall sei nicht im System zu finden.
Experte Nippen sieht darin ein grundsätzliches Problem der internationalen Strafverfolgung. „Wenn es nicht ganz klar ist, welches Land zuständig ist, müssen sich die Ermittlungsbehörden verständigen, wo es am effektivsten ist, die Ermittlungen durchzuführen. In diesem Fall hat man es nicht versucht“, kritisierte er.
Die Angehörigen der beiden Männer stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Die Mutter des jüngeren Mannes aus Danzig hat keine Antworten darauf, wie ihr Sohn zu Tode kam. „Was so ein ungeklärter Todesfall mit einer Familie wohl macht, das können wir uns an der Stelle nur fragen“, sagte der Journalist, der versuchte, Kontakt zu ihr herzustellen, aber scheiterte.
Die Staatsanwaltschaft Münster betonte, dass der Fall zwar zu den Akten gelegt worden sei, aber in dem Milieu, in dem sich die Täter mutmaßlich bewegt haben, werde ohnehin immer ermittelt. Man hoffe, dass eines Tages eine Spur zu möglichen Tätern führe und der Fall wieder aufgerollt werde.
Doch bis dahin bleiben die Fragen offen: Wer sind die beiden toten Männer, die nebeneinander in einem Maisfeld lagen? Warum starben sie? Und warum fühlt sich niemand zuständig, diese Fragen zu beantworten?
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Lücken in der internationalen Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung und lässt die Angehörigen im Ungewissen zurück.


