„Ich bin tot. Nein, ich bin wirklich tot. Du bist tot durch mein Schwert“, stand in Filzstift an der Wand des Hauses, das ich im August 2023 streichen sollte. Dazu drei Grabsteine mit Namen meiner…

„Ich bin tot. Nein, ich bin wirklich tot. Du bist tot durch mein Schwert“, stand in Filzstift an der Wand des Hauses, das ich im August 2023 streichen sollte. Dazu drei Grabsteine mit Namen meiner...

„Jesus, die Wand. Die ist voll mit Drohungen“, dachte sich Matthew Rickley, als er im August 2023 in dem Haus in Leongatha in Australien die Wand betrachtete, die er streichen sollte. Was er dort mit Filzstift geschrieben sah, ließ ihn innehalten. „Ich bin tot“, stand da.

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„Nein, ich bin wirklich tot. Du bist tot durch mein Schwert. Du hast nicht lang zu leben. Genau eine Stunde.

“ Darunter waren drei Grabsteine gemalt, beschriftet mit „Grandma Rip“, „Rip“ und „I Rip“. Rickley fand das so verstörend, dass er ein Foto machte – ein Bild, das nur wenig später mit einem spektakulären Mordkomplott in Verbindung gebracht werden sollte. Am 16. Juli 2023 saß Aaron Patterson mit ihren beiden Kindern in der Kirchenbank und lauschte der Predigt von Pastor Ian Wilkinson.

Ian war der angeheiratete Großonkel der Kinder, verheiratet mit Heather, der Schwester von Aarons Ex-Schwiegermutter Gale. Aarons Ehe mit Simon Patterson war zwar geschieden, aber man pflegte einen engen Familienkontakt. Deshalb lud Aaron nach dem Gottesdienst alle zum Essen ein: ihren Ex-Mann Simon, dessen Eltern Don und Gale sowie Heather und Ian. Sie kündigte an, dass sie ihnen etwas mitteilen müsse – es gehe um medizinische Probleme.

Heather und Ian waren überrascht, denn sie waren noch nie bei Aaron zu Hause eingeladen gewesen. Aaron und Simon hatten sich 2004 kennengelernt, geheiratet und mit dem Erbe von Aarons Großmutter ein Haus im Westen Australiens gekauft, wo Aaron einen Second-Hand-Buchladen führte. Als das zweite Kind unterwegs war, zogen sie nach Victoria, um in der Nähe von Simons Eltern zu sein. Doch die Beziehung wurde brüchig, und 2015 trennten sie sich endgültig.

Trotzdem blieben sie sich nah, teilten sich das Sorgerecht und fuhren gemeinsam in den Urlaub. Aaron hatte keine lebenden Verwandten mehr, ihre Eltern waren gestorben. Umso wichtiger war ihr die Familie ihres Ex-Mannes. Einen Tag vor dem geplanten Essen schrieb Simon ihr eine SMS: „Tut mir leid, aber ich fühle mich nicht wohl damit, morgen mit dir, Mom, Dad, Heather und Ian zu Mittag zu essen.

Wir können aber gerne über deine Gesundheit reden. “ Aaron war enttäuscht, denn schon Wochen zuvor hatte Simon kurzfristig abgesagt. Sie schrieb zurück: „Ich habe viele Stunden damit verbracht, das Mittagessen vorzubereiten, was angesichts meiner Probleme echt anstrengend war. Ich habe ein kleines Vermögen für das Rinderfilet ausgegeben, um Beef Wellington zu machen.

Ich hoffe, du überlegst es dir noch mal. “ Simon ließ sich nicht umstimmen und ging stattdessen mit den Kindern ins Kino. So standen am 29. Juli 2023 nur Don und Gale Petterson sowie Ian und Heather Wilkinson vor Aarons Tür.

Nach einem kurzen Rundgang durchs Haus setzten sie sich zum Essen. Aaron richtete das Beef Wellington auf großen grauen Tellern an, dazu Kartoffelpüree und grüne Bohnen. Noch bevor jemand den ersten Bissen nahm, platzte die Bombe: Aaron eröffnete, dass sie an Krebs erkrankt sei, und bat darum, gemeinsam zu beten. Man beratschlagte, wie man es den Kindern beibringen solle.

Ein paar Stunden später ging es allen vier Gästen schlecht – so schlecht, dass sie noch am selben Abend mit dem Verdacht auf eine schwere Magen-Darm-Infektion ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Auch Aaron klagte über Unwohlsein und Durchfall, fuhr aber trotzdem ihren Sohn zum Training. An einer Raststätte wurde sie von einer Überwachungskamera gefilmt, wie sie in neun Sekunden die Toiletten verließ und danach seelenruhig Snacks kaufte. Im Krankenhaus verschlechterte sich der Zustand der vier Patienten rapide.

Keine Behandlung schlug an. Als herauskam, dass Aaron die Gastgeberin war, schrillten bei den Ärzten alle Alarmglocken. Dr. Webster wollte von Aaron wissen, welche Zutaten sie verwendet hatte, besonders ob Pilze dabei waren.

Aaron behauptete, die Pilze ganz normal bei Woolworth und in einem Asia-Supermarkt gekauft zu haben. Nach nur fünf Minuten verließ sie das Krankenhaus wieder, obwohl man sie drängte, sich behandeln zu lassen. Der Arzt meldete sich bei der Polizei, denn bei allen vier Patienten begann die Leber zu versagen. Ein Polizeibeamter schaute bei Aaron vorbei und wollte eine Probe des Essens.

Aaron präsentierte die Reste im Biomüll und erzählte, sie habe ihren Kindern gerade eine Portion aufgewärmt – die es ihnen blendend gehe, weil sie die Pilzschicht abgeschabt habe, da ihre Kinder keine Pilze mögen. Aaron und die Kinder wurden zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht, aber nach nicht einmal 24 Stunden wieder entlassen. Alle Werte waren normal. Bei den anderen vier Gästen nicht.

Sie lagen auf der Intensivstation. Am 4. August starben Heather Wilkinson und Gale Patterson. Einen Tag später starb auch Don Patterson, trotz einer Lebertransplantation.

Ian Wilkinson überlebte als Einziger, lag aber im Koma. Die Mordkommission übernahm. Die Symptome wiesen auf den Grünen Knollenblätterpilz hin – den „Deathcap Mushroom“, der für 90 Prozent aller Todesfälle durch Pilzvergiftungen verantwortlich ist. Im übrig gebliebenen Beef Wellington fanden die Labore genau diesen Pilz.

Aaron wurde zur Hauptverdächtigen. Am Tag nach dem Tod von Don Patterson entstand das legendäre Interview, in dem Aaron vor Journalisten weinend sagte: „Ich bin am Boden zerstört. Ich kann nicht glauben, dass das passiert ist. Es tut mir so leid, dass sie ihr Leben verloren haben.

“ Auf die Frage, woher die Pilze stammten, antwortete sie ausweichend. Das Gesundheitsamt wollte wissen, wo sie die Zutaten gekauft hatte, um weitere Vergiftungen zu verhindern. Aaron vertröstete sie, sie habe gerade keine Zeit. Ende August bot sie ihr Haus zum Verkauf an – das Haus, in dem Matthew Rickley die verstörenden Wandkritzeleien entdeckte.

Vier Schichten Grundierung und zwei Schichten Farbe später war nichts mehr davon zu sehen. Das Haus wurde für 350. 000 australische Dollar verkauft. Ian Wilkinson verließ Ende September 2023 nach fast zwei Monaten das Krankenhaus.

Erst am 4. Oktober konnte seine Frau Heather beigesetzt werden. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren und trugen am 2. November 2023 Früchte: Aaron Patterson wurde festgenommen – wegen Mordes in drei Fällen und versuchten Mordes in einem Fall.

Den Ermittlern kamen auch frühere Vorfälle unter: Schon 2021 und 2022 soll Aaron versucht haben, ihren Ex-Mann Simon zu vergiften – mit einem Nudelgericht, einem Gemüsegericht und einem Hähnchencurry. Nach dem Verzehr war Simon dreimal schwer krank geworden. Nach einem Campingurlaub im Mai 2022 brach er zu Hause zusammen und wurde für 16 Tage in ein künstliches Koma gelegt. Er hatte drei Operationen, und seine Familie wurde zweimal gebeten, sich zu verabschieden, weil man nicht glaubte, dass er überlebt.

Die Ärzte fanden heraus, dass seine Symptome zu Rattengift passten. Simon hatte Aaron damals sogar verdächtigt, aber es nicht beweisen können. Er begann, seine Mahlzeiten zu dokumentieren. Diese drei Anklagen wegen versuchten Mordes wurden später jedoch aus dem Prozess gestrichen und fallen gelassen.

Im Prozess ab dem 29. April 2025 beharrte Aaron auf ihrer Unschuld. Der Tod von Gale, Don und Heather sei ein schrecklicher Unfall gewesen, kein geplanter Mord. Die Verteidigung berief nur eine einzige Zeugin: Aaron selbst.

Sie schilderte ihre schwierige Kindheit, die kontrollierende Mutter, Essstörungen und geringes Selbstwertgefühl. Sie erzählte, sie habe sich im Frühjahr 2023 verletzt gefühlt, weil sie erst spät zu Gales 70. Geburtstag eingeladen worden sei. In Chats mit Online-Freundinnen habe sie über Sims „nutzlose und faule Familie“ gelästert.

Simon sagte aus, die Situation sei eskaliert, als ein Steuerberater ihn fälschlicherweise als Single angegeben hatte. Aaron habe daraufhin einen Antrag auf Unterhaltszahlung gestellt, obwohl sie durch Erbschaften sehr wohlhabend war. Als die Behörden Simon rieten, die Schulgebühren und Arztrechnungen der Kinder nicht mehr zu zahlen, und Simon das befolgte, sei Aaron erzürnt gewesen. Aaron gab zu, ihre Schwiegerfamilie bezüglich ihrer Krebsdiagnose angelogen zu haben – in Wahrheit habe sie sich einer Magenbypass-Operation zur Gewichtsreduktion unterzogen und sich dafür geschämt.

Mit einem Vorwand, um die Familie zum Essen zu locken, habe die Lüge nichts zu tun gehabt. Ian, der einzige Überlebende, erinnerte sich, dass alle außer Aaron von grauen Tellern gegessen hatten. Aaron habe von einem orangefarbenen Teller gegessen. Aaron widersprach, sie besitze gar keine grauen Teller, sondern schwarze, weiße und rote.

Außerdem habe sie nach dem Nachtisch – zwei großen Stücken Kuchen, die Gale gebacken hatte – erbrechen müssen. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass das Beef Wellington von Aaron selbst gar nicht vergiftet war, wohl aber die Portionen der Gäste. Und wäre es nach Aaron gegangen, hätte auch Simon am Tisch gesessen, um von dem vergifteten Essen zu essen. Die Jury sprach Aaron Patterson des dreifachen Mordes und des versuchten Mordes in einem Fall schuldig.

Für jedes Mordurteil bekam sie eine lebenslange Freiheitsstrafe plus 25 Jahre. Theoretisch könnte sie 2056 einen Bewährungsantrag stellen. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen: Aaron legte Revision ein, und im November 2025 wurde dem Antrag stattgegeben, sodass ein Berufungsprozess möglich ist. Ian Wilkinson trauert noch immer um seine Frau.

Seine Leberwerte haben sich nie erholt. Dennoch hat er Aaron öffentlich vergeben. Was es mit den Wandkritzeleien in Aarons Haus auf sich hatte, wurde nie bekannt gegeben. Die Kinder waren damals schon im Teenageralter, eigentlich zu alt für solche Schmierereien.

Man nimmt an, dass die Zeichnungen älter waren und erst im Nachhinein so verstörend wirkten – angesichts dessen, was am 29. Juli 2023 in diesem Haus geschah.