Es ist einer der erschütterndsten Serienmordfälle der deutschen Kriminalgeschichte, ein Fall, der die Berliner Nachtclubszene erschütterte und weit darüber hinaus für Entsetzen sorgte. Dirk P. , ein unscheinbarer Grundschullehrer aus Brandenburg, entpuppte sich als kaltblütiger Mörder, der mit der K.

-o. -Tropfen-Droge GHB mindestens drei junge Männer tötete und mehrere weitere Opfer vergiftete, beraubte und demütigte. Der Fall, der als der „Party-Killer“ von Berlin in die Annalen einging, begann im Mai 2012 mit einem leblosen Körper in einem Darkroom-Club und endete mit dem Suizid des Täters in der Untersuchungshaft.
Die Ermittler standen vor einem Rätsel, das erst durch den Zufall eines Überlebenden gelöst werden konnte.
Die Nacht des 5. Mai 2012 in Berlin-Friedrichshain. Im Club „Große Freiheit 114“, einem bekannten Treffpunkt der LGBTQ-Community, endete eine durchtanzte Nacht mit einem Albtraum.
Ein Mitarbeiter entdeckte bei seinem morgendlichen Rundgang einen nackten, reglosen Mann auf dem Boden. Zunächst dachte er an einen erschöpften Feiergast, der seinen Rausch ausschlief. Doch als er nach zehn Minuten zurückkehrte, war die Haut des Mannes blass, leblos.
Der 32-jährige Nicki war tot. Die erste Vermutung der Polizei: ein tragischer Unglücksfall durch eine Überdosis Drogen oder Alkohol.
Die Obduktion brachte zunächst keine Klarheit. Es gab keine sichtbaren Verletzungen, keine Abwehrspuren, nur den Hinweis auf einen Erstickungsmechanismus, der sich jedoch nicht eindeutig zuordnen ließ. Der Fall schien sich im Dunkeln zu verlieren, bis die Ermittler auf ein Detail stießen, das alles veränderte.
Nickis Kreditkarte war nach seinem Tod benutzt worden. Am Berliner Ostbahnhof, um 5:46 und 5:47 Uhr, hatte jemand versucht, ein Bahnticket nach Saarbrücken zu kaufen. Die Transaktion scheiterte, doch die Spur führte zu einem weiteren Namen: Miro.
Miro, ein junger Mann, war in derselben Nacht wie Nicki in Berlin unterwegs gewesen. Er erinnerte sich an eine harmlose Begegnung am Bahnsteig. Ein freundlicher Fremder, Anfang 30, hatte ihn angesprochen, ein Gespräch begonnen und ihm schließlich einen Schluck aus einer Flasche angeboten, nachdem Miro seinen eigenen Pfefferminzlikör nicht mochte.
Was folgte, war ein totaler Filmriss. Miro wachte Stunden später im Krankenhaus auf, ohne Erinnerung an das, was passiert war. Die Ärzte stellten eine Vergiftung mit GHB fest, einer gefährlichen Substanz, die als K.
-o. -Tropfen bekannt ist und in Kombination mit Alkohol tödlich wirken kann.
Miro hatte unglaubliches Glück. Er überlebte. Aber das Schicksal ereilte andere.
Die Ermittler, die nun den Zusammenhang zwischen Nickis Tod und Miros Vergiftung herstellten, ließen Nickis Leiche erneut untersuchen. Diesmal wurde GHB nachgewiesen, in einer tödlichen Dosis. Der Fall war kein Unfall mehr.
Es war Mord. Doch der Täter blieb im Verborgenen, bis die Fahndungsbilder der Überwachungskameras am Ostbahnhof veröffentlicht wurden. Die unscharfen Aufnahmen zeigten einen Mann mit kräftiger Statur, der mit einem Opfer vertraut wirkte, als ob sie sich lange kennen würden.
Die öffentliche Fahndung brachte einen entscheidenden Hinweis. Eine Familie aus dem Umfeld eines jungen Mannes namens Alexander meldete sich. Alexander war neun Tage vor Nicki tot in seiner Wohnung in Berlin gefunden worden, zugedeckt in seinem Bett, als ob er schliefe.
Auch bei ihm war zunächst ein natürlicher Tod oder ein Drogenunfall vermutet worden, aber seine Angehörigen glaubten nicht daran. Sie fanden die Parallelen zu Nickis Fall, die gleiche Todesursache, das Fehlen persönlicher Gegenstände, die unverschlossene Wohnungstür. Alexander war ebenfalls mit GHB vergiftet worden.
Die Ermittler richteten ihren Fokus nun auf die letzten Kontakte von Alexander. In seinem Handy fanden sie eine Nummer, die immer wieder auftauchte: Dirk. Dirk P.
, ein 38-jähriger Mann aus Brandenburg, der als Grundschullehrer arbeitete und ein bürgerliches Leben mit seinem Lebenspartner führte. Er wirkte harmlos, freundlich, gebildet. Doch als die Polizei ihn zu einer Zeugenvernehmung einlud, erkannte einer der Beamten sofort das Gesicht von den Überwachungskameras.
Dirk P. war der Mann auf den Bildern.
Die Vernehmungen waren ein Katz-und-Maus-Spiel. Dirk P. änderte seine Aussagen mehrfach, versuchte, die Taten als missglückte sexuelle Spiele oder spontane Diebstähle darzustellen.
Aber die Beweise waren erdrückend. In seiner Wohnung wurde eine Flasche „Feigling“ gefunden, die er selbst als Behälter für GHB bezeichnet hatte. Bei weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass Dirk P.
nicht Lehrer, sondern gelernter Krankenpfleger war. Er hatte präzises Wissen über die Wirkung von Substanzen, über Dosierungen und Risiken. Er wusste genau, was er tat.
Der Fall nahm eine noch dunklere Wendung, als die Ermittler auf einen dritten Toten stießen. Peter, ein 30-jähriger Berliner, war ebenfalls in seiner Wohnung tot aufgefunden worden, ebenfalls mit GHB im Blut, ebenfalls mit verschwundenen Wertgegenständen. Dirk P.
kannte alle drei Opfer aus Chatrooms oder flüchtigen Begegnungen. Er suchte sich seine Opfer gezielt in der schwulen Szene, gewann ihr Vertrauen, bot ihnen Getränke an, die mit GHB versetzt waren. Dann ließ er sie bewusstlos werden, nahm ihre Habseligkeiten und verschwand.
Im Prozess vor dem Landgericht Berlin im Februar 2013 legte Dirk P. ein vollumfängliches Geständnis ab. Er schilderte die Taten mit erschreckender Kälte und Distanz.
Er sprach von Alexander, der sich noch in der Küche abstützte und sagte, dass ihm schlecht sei, während Dirk P. seelenruhig die Wohnung durchsuchte. Er erzählte von Nicki, der im Darkroom lag und auf den er einfach zuging, um an sein Handy zu kommen.
Die Angehörigen der Opfer saßen im Gerichtssaal, fassungslos über die Präzision und die Gefühllosigkeit des Mörders.
Das Urteil war eindeutig: lebenslange Haft wegen dreifachen Mordes. Doch der Fall endete nicht mit dem Urteil. Nur neun Monate nach seiner Verhaftung, im März 2014, nahm sich Dirk P.
im Haftkrankenhaus das Leben. Er hinterließ keine Antworten auf die Fragen, die seine Taten aufgeworfen hatten. Warum wurde er zum Serienmörder?
Welche Rolle spielte seine schwierige Kindheit, die Ablehnung seiner Großmutter wegen seiner Homosexualität oder das Erbe seiner Großmutter, das er möglicherweise ebenfalls durch Mord erlangt hatte? Die Antworten starben mit ihm.
Die Familie von Alexander, die den Fall nie als Unfall akzeptiert hatte, sah sich bestätigt. Die Schwester von Nicki, Anka, kämpfte gegen das Klischee, dass ihr Bruder sich selbst in Gefahr gebracht hätte. Sie sagte: „Das kann dir in jeder Dorfkneipe passieren.
“ Die Berliner Clubszene, die für Freiheit und Unbeschwertheit stand, hatte einen tiefen Riss bekommen. Der „Party-Killer“ hatte gezeigt, wie verletzlich die Nacht sein kann, wenn ein Mensch ohne Skrupel und mit kaltem Kalkül zuschlägt.
Die Ermittler, die den Fall bearbeiteten, sprechen noch heute von einem Jahrhundertfall. Die Akten sind dick, die Spuren zahlreich, aber die letzte Wahrheit bleibt im Dunkeln. Dirk P.
war ein Chamäleon, das sich in der Menge verstecken konnte. Er suchte sich seine Opfer dort, wo sie sich am sichersten fühlten, in Clubs, in Chatrooms, in eigenen Wohnungen. Er nutzte ihr Vertrauen aus und zerstörte sie ohne Reue.
Sein Tod im Gefängnis ließ die Angehörigen mit der quälenden Frage zurück, warum so viel Leid geschehen musste.
Heute, mehr als ein Jahrzehnt nach den Taten, ist der Fall Dirk P. ein Mahnmal. Er erinnert an die Schattenseiten der Freiheit, an die Gefahr, die in der Anonymität der Großstadt lauert.
Er zeigt, dass ein Mörder nicht immer wie ein Monster aussieht, sondern wie ein netter Nachbar, ein freundlicher Passant, ein unauffälliger Lehrer. Die Berliner Nächte sind wieder hell, die Clubs sind wieder voll, aber die Erinnerung an die drei jungen Männer, die ein Leben mit so viel vor sich hatten, bleibt. Nicki, Alexander und Peter starben, weil ein Mann entschied, dass ihr Leben für seine dunklen Spiele nur Mittel zum Zweck war.


