Pepperell, Massachusetts – Ein Albtraum aus Fleisch und Blut
Die idyllische Kleinstadt Pepperell in Massachusetts, ein Ort von malerischer Ruhe und scheinbar unberührter Sicherheit, wurde zum Schauplatz eines der erschütterndsten Verbrechen der amerikanischen Kriminalgeschichte. Was als harmlose Séance zweier trauernder Schwestern begann, entpuppte sich als monatelanger Psychoterror, der in einem dreifachen Mord gipfelte. Der Täter: kein Dämon aus dem Jenseits, sondern ein 17-jähriger Jugendlicher, der sich in den Wänden seiner Opfer versteckte.

Im Dezember 1986 eskalierte eine neun Monate andauernde Serie unheimlicher Vorfälle im Haus der Familie Bowen in der Lawrence Street 93. Die 15-jährige Tina Bowen und ihre neunjährige Schwester Karen, die erst kürzlich ihre Mutter an Krebs verloren hatten, versuchten in ihrer Verzweiflung, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Sie hielten eine Séance im Keller ab.
Noch in derselben Nacht begann ein rhythmisches Klopfen in den Wänden ihres Schlafzimmers. Die Mädchen glaubten, den Geist ihrer Mutter heraufbeschworen zu haben.
Doch das Klopfen hörte nicht auf. Es wurde lauter, intensiver. Gegenstände verschwanden und tauchten an anderen Orten wieder auf.
Möbel wurden verschoben, ein Glas Milch leer getrunken, der Fernseher schaltete sich von allein ein. Die Mädchen waren überzeugt, einen bösartigen Dämon gerufen zu haben. Ihr Vater Frank, der alleinerziehend war, schenkte ihnen keinen Glauben.
Er hielt die Vorfälle für Ausdruck ihrer Trauer und suchte nach rationalen Erklärungen.
Der Höhepunkt des Terrors erreichte die Familie am 8. Dezember 1986. Die Mädchen hörten erneut Klopfgeräusche, diesmal aus Tinas Zimmer.
An der Wand prangte in blutroter Schrift die Botschaft: “Ich bin zurück.” Erneut flohen die Schwestern zu einem Nachbarn. Als Frank nach Hause kam, fand er das Haus in völligem Chaos vor.
Die Toilette war benutzt worden, obwohl seine Töchter seit Stunden beim Nachbarn waren. Endlich begriff er, dass seine Kinder nicht fantasierten.
Frank durchsuchte das Haus und betrat Tinas Zimmer. Dort stand eine weitere Nachricht an der Wand: “Heirate mich.” Als er sich umdrehte, erblickte er den Eindringling.
Er trug ein Kleid, Make-up und eine blonde Perücke von Franks verstorbener Frau. In der Hand hielt er eine Axt. Der Eindringling war ein Teenager.
Frank erkannte ihn: Es war Daniel LaPlante, ein 16-jähriger Junge, den Tina von einem Blinddate kannte.
Daniel befahl Frank, mit seinen Töchtern ins obere Schlafzimmer zu gehen. Frank gehorchte, verbarrikadierte die Tür und ließ Tina aus dem Fenster fliehen. Sie rannte zum Nachbarn und alarmierte die Polizei.
Als die Beamten eintrafen, war Daniel bereits verschwunden. Er hatte nur Chaos und Angst hinterlassen. Zwei Tage später kehrte Frank zum Haus zurück, um persönliche Dinge zu holen.
Im Fenster sah er ein Gesicht. Es war Daniel.
Frank rief sofort die Polizei. Als die Beamten das Haus betraten, fanden sie ein Messer in einem Familienfoto stecken. Darauf stand: “Ich bin immer noch hier.
Komm, finde mich.” An einer anderen Wand hing ein weiteres Foto mit einem Messer und der Nachricht: “Ich werde euch alle töten.” Die Polizei durchkämmte das Haus.
In einer dreieckigen Wandnische im Badezimmer, in der Wasserleitungen verliefen, entdeckten sie Daniel. Er hatte sich dort die ganze Zeit versteckt.
Daniel LaPlante wurde verhaftet. Er war kein Unbekannter in der Gemeinde. Bereits in frühen Teenagerjahren begann er mit Einbrüchen.
Er stahl nicht nur Wertsachen, sondern verrückte gezielt Gegenstände, um die Bewohner zu verunsichern. Er spielte Psychospielchen mit ihnen. Seine Obsession für Tina Bowen trieb ihn dazu, sich in ihrem Haus zu verstecken und sie monatelang zu terrorisieren.
Er gab vor, ein Dämon zu sein, um die Mädchen in Angst und Schrecken zu versetzen.
Doch Daniels Verbrechen eskalierten. Nur wenige Wochen nach seiner Festnahme wurde er gegen Kaution freigelassen. Seine Mutter nahm eine Hypothek auf ihr Haus auf, um die 50.
000 Dollar Kaution zu zahlen. Daniel kehrte umgehend in sein kriminelles Leben zurück. Am 1.
Dezember 1987 brach er in das Haus der Familie Gustavson ein. Was er dort tat, sprengte jede Vorstellungskraft.
Die Gustavsons waren eine Bilderbuchfamilie. Vater Andrew, ein junger Rechtsanwalt, Mutter Priscilla, eine 33-jährige Kindergärtnerin, und ihre beiden kleinen Kinder Abigail, sieben, und William, fünf. Priscilla war schwanger mit ihrem dritten Kind.
Andrew hatte an diesem Tag einen großen Deal abgeschlossen und wollte mit seiner Frau feiern. Er rief mehrmals zu Hause an, aber niemand nahm ab. Als er nach Hause kam, war das Haus dunkel und still.
Andrew fand seine Frau im Schlafzimmer. Sie lag leblos auf dem Bett, gefesselt, mit einem Kissen auf dem Kopf, in dem sich zwei Einschusslöcher befanden. Daniel hatte Priscilla aus nächster Nähe in den Kopf geschossen.
Das Kissen sollte die Schüsse dämpfen. Er hatte sie zuvor vergewaltigt. Neben dem Bett fanden die Ermittler Überreste eines Kondoms.
Im Küchenmülleimer lagen herausgerissene Seiten eines Pornohefts.
Doch Daniels Grausamkeit endete nicht dort. Er wandte sich den Kindern zu. Er trennte sie voneinander, um sie besser kontrollieren zu können.
William wurde in der Badewanne des Obergeschosses gefunden, Abigail in der des Untergeschosses. Beide waren ertrunken. Daniel hatte sie in den Badewannen ertränkt.
Andrew fand seine Kinder nicht selbst. Die Polizei entdeckte sie. Er hatte Angst, auch sie tot zu sehen.
Nach den Morden floh Daniel. Er feierte mit seiner Nichte deren Geburtstag, aß Kuchen und tollte mit ihr auf dem Sofa herum, als wäre nichts geschehen. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein.
Daniel brach erneut in ein Haus ein und nahm eine Geisel, Pamela Makila. Er bedrohte sie mit einer Waffe und zwang sie, nach Fitchburg zu fahren. Sie sprang aus dem Auto und entkam.
Daniel wurde schließlich in einem Müllcontainer gefunden.
Im Jahr 1988 wurde Daniel LaPlante der Prozess gemacht. Die Beweise waren erdrückend. Sein Blut stimmte mit Spuren am Tatort überein.
Die Tatwaffe wurde auf dem Grundstück seines Stiefvaters gefunden. Ein Haar der kleinen Abigail wurde auf seiner Socke entdeckt. Das Gericht verurteilte ihn zu dreimal lebenslänglich.
Für den Mord an Priscilla, an Abigail und an William. Er wurde in die Strafanstalt Norfolk in Massachusetts eingeliefert.
Doch selbst aus dem Gefängnis heraus terrorisierte Daniel weiter. Er wurde in Einzelhaft verlegt, aus Sicherheitsbedenken. Insassen, die Frauen und Kinder ermorden, sind in der Gefängnishierarchie ganz unten und Ziel von Übergriffen.
Daniel beschwerte sich, dass ihm pornografisches Material beschlagnahmt wurde. Er verklagte den Staat Massachusetts, weil ihm ätherische Öle, Kräuter und schwarzes Opium verweigert wurden, die er angeblich für religiöse Rituale brauchte.
Im Jahr 2017 stellte Daniel einen Antrag auf vorzeitige Entlassung. Er entschuldigte sich für seine Taten. “Worte können nicht annähernd beschreiben, was ich getan habe.
Ich habe drei unschuldige Menschen ermordet. Wegen mir wird ein fünfjähriger Junge niemals sein sechstes Lebensjahr erleben. Ein siebenjähriges Mädchen wird niemals ihr achtes Lebensjahr erleben.
Wegen mir wird eine Frau niemals ihr drittes Kind zur Welt bringen können. Mir fehlen die Worte, um meine tiefe Trauer auszudrücken. Es tut mir von ganzem Herzen leid.”
Doch ein psychiatrisches Gutachten zeigte, dass Daniel kaum Reue zeigte. Er manipulierte erneut. Sein Antrag wurde abgelehnt.
Er bleibt im Gefängnis. Andrew Gustavson, der Vater, heiratete erneut und zog zwei adoptierte Töchter groß. Er arbeitete für die Kirche und half Kindern und Jugendlichen.
Doch er litt bis zu seinem Tod im Jahr 2014 unter Albträumen. Er trug zwei Eheringe, einen für seine erste und einen für seine zweite Frau. Vergeben konnte er Daniel nie.
Der Fall Daniel LaPlante ist eine erschütternde Geschichte über die Abgründe der menschlichen Seele. Ein Junge, der selbst Opfer von Missbrauch war, wurde zum Täter. Er terrorisierte eine Familie, weil ein Mädchen nicht mit ihm ausgehen wollte.
Er ermordete eine schwangere Frau und zwei kleine Kinder. Er versteckte sich in den Wänden und spielte den Dämon. Die Wahrheit war viel schlimmer: Es war ein Mensch aus Fleisch und Blut.


