Was geschah mit den deutschen Feldmarschällen nach dem Zweiten Weltkrieg?

Was geschah mit den deutschen Feldmarschällen nach dem Zweiten Weltkrieg?

Die deutschen Generalfeldmarschälle, die einst die mächtigsten Militärführer des Dritten Reiches waren, erlebten nach der Kapitulation 1945 ein dramatisches Schicksal, das von Selbstmord, Hinrichtung, Gefangenschaft und jahrelanger Haft geprägt war. Die einst gefeierten Strategen, die Adolf Hitler persönlich für ihre Verdienste auf dem Schlachtfeld ausgezeichnet hatte, sahen sich plötzlich als Kriegsverbrecher vor Gericht oder in der Isolation wieder.

Hermann Göring, der ranghöchste der Marschälle, wurde von den Alliierten gefangen genommen. Er entzog sich der Hinrichtung durch Selbstmord, bevor die Nürnberger Prozesse ihr Urteil fällen konnten. Wilhelm Keitel dagegen wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet, ein Symbol für die militärische Führung, die den Vernichtungskrieg der Nazis ermöglicht hatte.

Erwin Rommel, der legendäre Wüstenfuchs, wählte den Freitod, um seine Familie vor der Schande eines Prozesses zu bewahren, und hinterließ eine ambivalente Legende.

Doch das Schicksal vieler anderer Feldmarschälle war weniger bekannt, aber ebenso tragisch. Walter von Brauchitsch, einst Oberbefehlshaber des Heeres, erlebte den tiefsten Fall. Nach der verheerenden Niederlage vor Moskau 1941 entließ Hitler ihn wütend und machte ihn für das Scheitern der Operation Barbarossa verantwortlich.

Brauchitsch zog sich auf sein Anwesen bei Berlin zurück, wo er den Zusammenbruch des Reiches aus der Ferne beobachtete. Seine Gesundheit, bereits durch einen Herzinfarkt geschwächt, verschlechterte sich rapide. Nach der Kapitulation wurde er von britischen Truppen gefangen genommen und in ein Kriegsgefangenenlager in Südwales gebracht.

Dort wartete er auf seinen Prozess in Nürnberg, doch sein Körper gab nach. Eine Lungenentzündung, die unter den geschwächten Bedingungen tödlich war, beendete sein Leben am 18. Oktober 1948 in einem Militärkrankenhaus in Hamburg.

Sein Tod wurde von vielen als gerechtes Ende für einen Mann gesehen, der die strategischen Fehler des Nazi-Regimes verkörperte.

Wilhelm Ritter von Leeb, der die Heeresgruppe Nord bei der Belagerung Leningrads befehligte, erlebte ein anderes Ende. Die Belagerung, die fast 900 Tage dauerte und über eine Million sowjetische Zivilisten das Leben kostete, wurde zu einem Symbol für die Brutalität des Krieges. Nachdem Hitler die Offensive stoppte und sich für eine Blockade entschied, verlor Leeb die operative Kontrolle.

Nach dem Krieg wurde er von den Amerikanern verhaftet und wegen seiner Rolle bei der Umsetzung des Barbarossa-Dekrets angeklagt, das grausame Taten gegen Zivilisten erleichterte. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Haft, die aufgrund der Untersuchungshaft als verbüßt galten. Leeb zog sich nach Bayern zurück, wo er in relativer Ruhe lebte, bis er 1956 starb.

Seine Beerdigung auf dem Waldfriedhof Solln blieb weitgehend unbemerkt, ein stilles Ende für einen Mann, dessen Taktiken von Kontroversen überschattet waren.

Gerd von Rundstedt, einer der angesehensten Marschälle, wurde nach dem Krieg von den Alliierten gefangen genommen. Trotz seiner Rolle bei der Ardennenoffensive, die er selbst für undurchführbar hielt, entging er einer Anklage. Die Briten ließen ihn 1949 aus gesundheitlichen Gründen frei.

Rundstedt zog nach Hannover, wo er in einer kleinen Wohnung über einem Schuhgeschäft lebte, ein krasser Gegensatz zu seinem früheren Status. Der Tod seiner Frau und seines Sohnes stürzte ihn in tiefe Trauer. Er starb 1953, und seine Beerdigung war eine schlichte Zeremonie ohne militärische Ehren.

Der Sarg wurde auf einem einfachen Karren transportiert, und die wenigen anwesenden Offiziere trugen Zylinder statt Militärmützen.

Maximilian von Weichs, der den Rückzug der deutschen Truppen aus Jugoslawien überwachte, wurde von den Amerikanern gefangen genommen. Seine Rolle bei den brutalen Repressalien gegen Partisanen auf dem Balkan führte zu Anklagen, doch sein schlechter Gesundheitszustand verhinderte ein Urteil. Er wurde aus der Haft entlassen und zog sich nach Bonn zurück, wo er 1954 starb.

Sein Erbe blieb umstritten, zwischen taktischer Fähigkeit und Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen.

Georg von Küchler, der die Belagerung Leningrads fortsetzte, wurde 1948 wegen Kriegsverbrechen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Nach etwa sieben Jahren wurde er aus gesundheitlichen Gründen freigelassen und lebte diskret in Garmisch-Partenkirchen. Er starb 1968, ohne öffentliche Stellungnahmen zu seiner Vergangenheit abzugeben.

Wilhelm List, der für die Besatzung in Jugoslawien und Griechenland verantwortlich war, wurde im Geiselprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach vier Jahren wurde er aus humanitären Gründen entlassen, doch sein Ruf war unwiderruflich beschädigt. Er starb 1971 im Alter von 91 Jahren.

Paul von Kleist, ein Panzerkommandant, wurde nach der Kapitulation von den Amerikanern gefangen genommen. Er wurde nach Jugoslawien und dann an die Sowjetunion ausgeliefert, wo er zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. Im Zentralgefängnis von Wladimir starb er 1954 an Herzversagen, ohne jemals vor Gericht gestellt worden zu sein.

Erhard Milch, der Luftwaffenchef, wurde von britischen Truppen gefangen genommen und von einem Offizier mit seinem eigenen Marschallstab geschlagen. 1947 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, die später auf 15 Jahre reduziert wurde. 1955 wurde er gegen Kaution entlassen und lebte zurückgezogen bis zu seinem Tod 1972.

Die Geschichten dieser Männer zeigen, wie der höchste militärische Rang des Dritten Reiches nach dem Krieg zu einem Fluch wurde. Einige starben durch eigene Hand, andere durch die Hand der Justiz, viele in Vergessenheit. Ihre Schicksale sind ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte, das die Verbindung zwischen militärischem Ruhm und moralischem Versagen offenbart.