Ich habe gesehen, wie zwei Freundinnen lächelnd ein Selfie machten. Ein paar Stunden später lag eine von ihnen tot am Stadtrand. Ohne Schuhe. Neben ihr ein Gürtel. Die Polizei suchte wochenlang –…

Ich habe gesehen, wie zwei Freundinnen lächelnd ein Selfie machten. Ein paar Stunden später lag eine von ihnen tot am Stadtrand. Ohne Schuhe. Neben ihr ein Gürtel. Die Polizei suchte wochenlang –...

Sie hatten sich für den Abend zurechtgemacht. Zwei junge Frauen, geschminkt, gestylt, ein Selfie für die Erinnerung. Ein paar Stunden später lag eine von ihnen leblos am Stadtrand von Saskatoon. Niemand ahnte, dass ausgerechnet dieses eine Foto am Ende alles verändern würde.

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Die 18-jährige Britney Gangel lebte 2015 mit ihrem Vater, ihrer Stiefmutter und ihren drei Stiefschwestern in Saskatoon. Die Familie war eng verbunden, unternahm Wanderungen, Campingausflüge und Bootstouren. Britney galt als fröhlich, abenteuerlustig und familienbezogen. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie im Deutsch-Kanadischen Kulturzentrum und jobbte nebenbei in einer Pizzeria.

Sie träumte von einem BWL-Studium und einer besseren Zukunft. Zu ihren engsten Vertrauten gehörte ihre beste Freundin Cheyenne Rose Antoine. Am 24. März verabredeten sich die beiden zu einem Partyabend.

Sie tranken, rauchten Cannabis und wollten später noch durch die Bars ziehen. Cheyenne erzählte später, dass sie in einer Bar einen unbekannten Mann kennengelernt hatte, mit dem sie sich unterhielt. Als sie nach Hause wollte, blieb Britney allein mit ihm zurück. Doch Britney kam in dieser Nacht nie nach Hause.

Am nächsten Morgen war ihr Zimmer leer. Es passte nicht zu ihr, sie meldete sich sonst immer. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte ein Autofahrer am Straßenrand nahe eines Industriegebiets den Körper einer jungen Frau. Die Ermittler fanden Britney auf dem Rücken liegend, ohne Schuhe, tot und bereits kalt.

Neben ihr lag ein Gürtel. Die Obduktion ergab, dass sie geschlagen und mit diesem Gürtel erdrosselt worden war. Ihr Tod trat zwischen halb eins und zwei Uhr nachts ein. Während die Polizei Spuren sicherte, meldeten Familie und Freunde Britney als vermisst.

Auf ihrem Facebook-Profil war kurz nach Mitternacht ein neues Bild aufgetaucht. Ein Selfie, das die beiden Frauen wenige Stunden zuvor aufgenommen hatten. Es zeigte sie lächelnd und für die Nacht gestylt. Sogar Cheyenne kommentierte am nächsten Tag auf Britneys Profil: Sie hoffe, ihre Freundin sei gut nach Hause gekommen, sie solle sich melden.

In Vernehmungen beschrieb Cheyenne den Abend als harmonisch. Sie hätten Alkohol getrunken, gekifft und seien in Bars gewesen. Dort hätten sie den unbekannten Mann kennengelernt, bei dem Britney geblieben sei. Die Polizei machte sich auf die Suche nach diesem Mann.

Doch auf den Überwachungsaufnahmen der genannten Bars sah man weder die Frauen noch einen Mann, der auf die Beschreibung passte. Cheyennes Handydaten verrieten, dass sie in der Nacht in einem ganz anderen Viertel gewesen war als angegeben. Sie erklärte das mit einem Treffen mit ihrem Onkel, der ihre Aussage bestätigte und ihr damit ein Alibi gab. Die Ermittlungen stagnierten.

Wochenlang gab es keine neuen Spuren. Dann meldeten sich zwei Zeugen, die behaupteten, Cheyenne habe betrunken gestanden, Britney geschlagen und erdrosselt zu haben. Eine weitere Freundin sagte aus, Cheyenne habe aufgelöst zu ihr gesagt, sie habe gerade jemanden getötet. Cheyenne bestritt alles und blieb bei ihrer Geschichte.

Die Polizei suchte nach einem Beweis, fand aber nichts Belastbares. Auch die Familie litt unter der Ungewissheit. Sie ahnten nicht, dass die entscheidende Spur die ganze Zeit direkt vor ihnen lag. Die Ermittler arbeiteten sich durch die Social-Media-Profile der beiden Frauen und sahen sich immer wieder das Selfie an.

Auf den ersten Blick wirkte es ganz normal. Doch dann entdeckten sie ein Detail im unteren Bildbereich: Cheyenne trug einen Gürtel. Form und Muster passten exakt zu dem Gürtel, der neben Britneys Leiche gelegen hatte und als Tatwaffe galt. Er war nicht komplett sichtbar, aber deutlich genug, um ihn wiederzuerkennen.

Als man Cheyenne auf den Gürtel ansprach, gab sie sofort zu, dass er ihr gehört. Aber sie habe mit der Tat nichts zu tun und wisse nicht, wie ihr Gürtel zum Fundort gelangt sei. Zusammen mit ihren widersprüchlichen Aussagen und den gescheiterten Alibis verdichtete sich der Verdacht. Unter dem Druck begann ihr Alibi zu bröckeln.

Ihr Onkel nahm seine Aussage zurück und gestand, für seine Nichte gelogen zu haben. Cheyenne habe ihn darum gebeten, sie nicht im Stich zu lassen. Für die Polizei war das der Durchbruch. Zwei Jahre nach der Tat erhoben die Behörden Anklage.

2018 begann der Prozess. Britneys Familie hoffte auf Antworten. Cheyenne, inzwischen 21, legte über ihre Anwältin ein Geständnis ab und bekannte sich schuldig. Doch sie behauptete, sich nicht an den genauen Ablauf der Tatnacht erinnern zu können.

Ihre Verteidigung führte starke Alkoholisierung und Drogenkonsum an. Sie wisse nur noch, dass sie zusammen unterwegs gewesen seien und in einen Streit geraten seien. Spuren in Cheyennes Auto deuteten auf eine Auseinandersetzung im Fahrzeug hin. Britney hatte ihr vermutlich das Handy weggenommen – das könnte der Auslöser gewesen sein.

Ein klares Motiv konnte die Staatsanwaltschaft nicht finden. Vor Gericht schilderten Britneys Angehörige ihren Schmerz. Ihre Stiefmutter sagte, sie denke jeden Tag an Britney. Ihre jüngeren Schwestern könnten nicht verstehen, dass ihre große Schwester nie zurückkommen werde.

Sie warf Cheyenne vor, einen besonderen Menschen aus dieser Welt genommen zu haben. Cheyenne ließ über ihre Anwältin erklären, sie werde sich das nie verzeihen. Nichts, was sie sage oder tue, könne Britney zurückbringen. Es tue ihr leid, es hätte nie soweit kommen dürfen.

Sie blieb dabei, sich an die Tat nicht erinnern zu können. Das Gericht verurteilte sie zu sieben Jahren Haft wegen Totschlags. Das Strafmaß fiel wegen ihres jungen Alters, ihres Geständnisses und der Alkoholisierung in der Tatnacht milder aus. Für Britneys Familie war das ein schwerer Schlag.

Eine 18-jährige Frau war getötet und am Straßenrand zurückgelassen worden – und zusätzlich hatte Cheyenne versucht, sich mit falschen Aussagen ein Alibi zu verschaffen. Viele hielten das Urteil für zu niedrig. Nach ihrer Verurteilung wurde Cheyenne bald aus der Haft entlassen. 2024 widerrief die kanadische Bewährungskommission ihre gesetzliche Entlassung, weil sie im Zusammenhang mit einem gestohlenen Fahrzeug und einer Verfolgungsfahrt unter Drogeneinfluss angeklagt wurde.

Sie hatte weiterhin Drogen konsumiert und ihre Auflagen verletzt. Die Kommission sah in ihr eine Gefahr für die Allgemeinheit – sie kam wieder in Haft. Für Britneys Familie war ihre frühe Entlassung ein Schlag ins Gesicht. Sie mussten zusehen, wie die Frau, die ihre Tochter getötet hatte, immer wieder Chancen bekam, ihr Leben fortzuführen, während Britney nie erwachsen werden würde, nie eine eigene Familie haben und nie ihre Träume verwirklichen konnte.

Am schmerzhaftesten war die Gewissheit, dass vieles im Dunkeln blieb. Nur eine Person wusste, was in jener Nacht wirklich passiert war – und sie würden die Wahrheit wohl nie erfahren. Ein winziges Detail auf einem Foto hatte Cheyenne schließlich überführt.

Doch für viele fühlte sich das Urteil nicht wie Gerechtigkeit an.