Der 43-jährige Taxifahrer Johannes Funke, von allen nur Hansi genannt, wurde in der Nacht zum 15. April 1994 auf einer einsamen Landstraße bei Höfelhof im Kreis Paderborn brutal ermordet. Mehr als drei Jahrzehnte später tappt die Polizei noch immer im Dunkeln, doch eine neu eingesetzte Cold-Case-Einheit in Bielefeld hat die Ermittlungen wieder aufgenommen und setzt auf modernste DNA-Technik, um den oder die Täter doch noch zu überführen.

Die Nacht, in der Hansi Funke starb, begann wie jede andere Nachtschicht. Der Familienvater, geschieden und Vater zweier Söhne, arbeitete als Taxifahrer, obwohl er diesen Job längst als zu gefährlich empfand. Sein Sohn Christian, damals 14 Jahre alt, erinnert sich noch genau an die Worte seines Vaters.
Er habe gesagt, er wolle den Job nicht mehr machen, weil er zu gefährlich sei. Doch der Wechsel kam zu spät. Gegen Mitternacht nahm Funke einen Anruf von der Taxizentrale entgegen, der ihn ins Stadtzentrum von Paderborn führte.
Von dort aus sollte er einen Fahrgast nach Höfelhof bringen, einem abgelegenen Ortsteil.
Was dann geschah, rekonstruierten die Ermittler aus den letzten Lebenszeichen des Opfers. Hansi Funke drückte den stillen Notruf in seinem Taxi, eine damals übliche Sicherheitsvorrichtung. Der Disponent in der Zentrale hörte daraufhin die Geräusche aus dem Fahrzeuginneren mit.
Er nahm ein starkes Stöhnen und andere beunruhigende Laute wahr, die ihn veranlassten, sofort die Polizei zu alarmieren. Die Beamten machten sich auf den Weg und fanden auf einer Landstraße bei Höfelhof eine grauenhafte Entdeckung. Im Scheinwerferlicht ihres Streifenwagens erkannten sie einen leblosen Körper, der mitten auf der Fahrbahn lag.
Es war Johannes Funke, 43 Jahre alt, tot. Sein Körper wies schwere Verletzungen auf, und große Blutlachen waren zu sehen. Von seinem Taxi fehlte jede Spur.
Die erste Vermutung der Polizei war ein Verkehrsunfall. Doch eine auffällige Spur am Fundort ließ die Ermittler schnell umdenken. Vom Körper aus zog sich eine Schleifspur über die Straße.
Sie war etwa 60 Zentimeter breit, durchgängig und wies leichte Schlenker auf. Die Vermutung lag nahe, dass Herr Funke von einem Fahrzeug, wahrscheinlich von seinem Taxi, mitgeschliffen worden war. Die Spur endete abrupt an einer Weggabelung, die zu einem abgelegenen Wohngebiet und einem Baggersee führte.
Die Polizei dokumentierte die Spurenlage 1994 noch mit einem Video, ein seltenes und wertvolles Beweismittel.
Kurz darauf fanden die Beamten das verschwundene Taxi auf einem Parkplatz im Süden Paderborns. Der Innenraum war übersät mit Blut. Hansi Funke musste Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein.
Bei der genauen Untersuchung des Fahrzeugs klärte sich auch die Herkunft der Schleifspur. Der Anschnallgurt hing aus dem Fahrzeug heraus und wies Schmutz- und Haftspuren auf. Für die Ermittler stand fest, dass der Gurt der Haltermechanismus war, mit dem Herr Funke absichtlich oder unabsichtlich hinter dem Fahrzeug hergezogen wurde.
Die Obduktion in der Rechtsmedizin brachte die grausame Wahrheit ans Licht: Der Taxifahrer wurde mit 20 Messerstichen getötet. Der Angriff erfolgte vermutlich von der Rückbank des Taxis aus und führte unmittelbar zum Tod.
Der Zustand des Fahrzeuginnenraums zeigte, wie unglaublich brutal der Täter vorgegangen sein muss. Der Dachhimmel war mit Messerstichen beschädigt, ebenso die Kopfstützen und Sicherheitsgurte. Der Täter muss mit unglaublicher Wut, Wucht und Massivität zugeschlagen haben.
Außerdem fehlte die Geldbörse mit den Tageseinnahmen, schätzungsweise wenige hundert Mark. Für die Polizei stand fest: Es handelte sich um einen Raubmord. Doch ein persönliches Motiv ließ sich nicht finden.
Die Ermittlungen im Umfeld des Opfers ergaben keine vielversprechenden Ansätze. Die Polizei und auch der Sohn Christian sind überzeugt, dass sein Vater ein Zufallsopfer war. Er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.
Der letzte Fahrgast, der in jener Nacht in Hansi Funkes Taxi stieg, ist für die Ermittler der Hauptverdächtige. Der Anruf kam aus einer Telefonzelle im Zentrum von Paderborn, die inzwischen abgebaut wurde. Leider gibt es keine Zeugen, die den Unbekannten gesehen haben.
Doch ein Mitarbeiter der Taxizentrale, der den Anruf entgegennahm, konnte eine wichtige Aussage machen. Der Anrufer sprach sehr leise, fehlerfrei und in Hochdeutsch. Das spätere Opfer nahm den Auftrag entgegen und funkte an die Zentrale zurück, dass eine Fahrt nach Höfelhof gehe.
Heute sind sich die Ermittler sicher: Das Taxi wurde nur angerufen, um den 43-Jährigen zu überfallen.
Den Tatort vermuten die Ermittler dort, wo die Schleifspur beginnt. Die Straße ist abgelegen, vielleicht wurde sie vom Täter bewusst angesteuert. Der Wagen muss angehalten haben.
Wahrscheinlich wurde Hansi Funke von hinten mit einem Messer angegriffen. Er schaffte es noch, den Notruf zu drücken. Bei der Rekonstruktion der Tat fiel der Polizei noch etwas Interessantes auf.
Auf der einen Seite gab es hohe planerische Anteile, wie das Telefonieren, aber dann in der unmittelbaren Tatausführungsphase sehr ungeplante, impulsive, aggressive Anteile. Das gibt Anlass zu der Annahme, dass möglicherweise zwei ganz unterschiedliche Täter gemeinsam agiert haben. Aber auch das ist aktuell nur eine Theorie.
Fest steht, der oder die Täter müssen die Geldbörse eingesteckt und ihr Opfer nach dem Angriff vom Fahrersitz gezogen haben. Hansi Funke war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Anschließend setzten sie sich selbst ans Steuer, um mit dem Taxi zu flüchten.
Tragischerweise blieb der Mann wohl dabei am Anschnallgurt hängen. Ihm dürfte bewusst gewesen sein, dass das Notrufsystem des Taxis ausgelöst hatte, und sie mussten mit Fahndungsmaßnahmen der Polizei rechnen. Daher eine eilige Flucht, in der nichts mehr kontrolliert werden konnte, und es nur darum ging, sich möglichst schnell räumlich vom Tatort zu entfernen.
Sie rasten mit dem Wagen davon. Nach knapp zwei Kilometern blieb der Tote auf der Landstraße liegen. Mit dem Auto fuhren sie zurück nach Paderborn und stellten es auf einem Parkplatz ab.
Auch hier gibt es keine Zeugen, die relevante Beobachtungen gemacht haben.
Die Aussage des Taxidisponenten liefert allerdings einen wichtigen Hinweis. Über das Notrufsystem konnte er die Geräusche aus dem Taxiinneren mithören. Es gibt mehrere Indizien dafür, dass der oder die Tatverdächtigen möglicherweise nicht autorisiert waren, ein Fahrzeug zu führen.
Zum einen sind es die akustischen Wahrnehmungen des Disponenten, der von einem unkontrollierten Hochjagen des Motors sprach. Zum anderen ist es die Auffindesituation des PKWs am Ende selbst, denn das Auto verpasste die große Parkplatzeinfahrt, fuhr stattdessen über einen Grünstreifen und rammte einen Bordstein. Ob das Abstellen des Taxis an dieser Stelle geplant oder Zufall war, ist ungewiss.
Mehr als 160 Spurenakten wurden ausgewertet, ohne Erfolg. 30 Jahre lang blieb der Raubmord an Johannes Funke ein Cold Case. 2024 entschied sich die Polizei Bielefeld dazu, den Fall neu aufzurollen.
Unmittelbar nach der Tat gab es nur rudimentäre Möglichkeiten der DNA-Analyse. Jetzt sollen alle Gegenstände und Spurenträger, die im Taxi sichergestellt wurden, mit modernen Techniken erneut überprüft werden. Darüber hinaus untersuchen die Ermittler jetzt auch Dinge, die seinerzeit noch gar nicht ausgewertet werden konnten, und haben dadurch möglicherweise noch einige Trümpfe in der Hand, um die Aufklärung in dieser Geschichte noch weiter voranzutreiben.
Welche Asservate konkret überprüft werden, dazu will sich der Kommissar aktuell noch nicht äußern.
Falls tatsächlich eine fremde DNA nachgewiesen werden kann, könnte sie mit den polizeilichen Datenbanken abgeglichen werden. Hier sind Fingerabdrücke und Speichelproben von bereits polizeibekannten Straftätern gespeichert. Weil der Raubmord so unglaublich brutal war, halten es die Ermittler für wahrscheinlich, dass die Täter auch in den Jahren danach Gewaltdelikte begangen haben.
Aber auch auf die Mithilfe der Öffentlichkeit ist die Polizei weiterhin angewiesen. Wir sind natürlich auch heute noch dankbar für jeden Hinweis, der uns in den Ermittlungen weiterbringen kann. Verdächtige Beobachtungen im Bereich des Auffindeortes des PKWs, flüchtende Personen, die möglicherweise blutige Kleidung getragen haben oder sich in anderer Weise dort verdächtig gemacht haben.
Dass nach 30 Jahren so viele Fragen unbeantwortet bleiben, ist für Christian Funke nur schwer zu ertragen. Der Wunsch, dass die aktuellen Ermittlungen endlich Licht ins Dunkel bringen, ist groß. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mir natürlich 100 Prozent erhoffen, dass der Täter gepackt wird.
Aber es gibt auch andere Möglichkeiten. Man ist natürlich euphorisch irgendwo und hofft wenigstens ein bisschen. Die Tat liegt zwar mittlerweile 30 Jahre zurück, aber trotzdem sind wir immer noch bemüht, hier am Ende einen Ermittlungserfolg zu erzielen und sind auch bereit, noch einmal anzusetzen und alles zu versuchen, damit auch dieses Tötungsdelikt noch geklärt werden kann.
Zeugen können sich bei der Polizei Bielefeld melden. Für sachdienliche Hinweise hat die Staatsanwaltschaft aktuell eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt.
Der Fall Johannes Funke ist einer von vielen ungelösten Mordfällen in Deutschland, die als Cold Cases in den Akten schlummern. Doch die Hoffnung der Ermittler und der Angehörigen stirbt zuletzt. Mit modernster Technik und der Unterstützung der Öffentlichkeit könnte der oder die Täter von damals endlich zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Polizei Bielefeld ist zuversichtlich, dass der Fall noch gelöst werden kann. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Tödliche Nachtschicht: Wer steckte hinter dem Mord an Familienvater Johannes Funke?
– Cold-Case-Ermittler rollen Fall nach 30 Jahren neu auf
Paderborn/Bielefeld – Es war eine Schicht, die er nicht mehr hatte fahren wollen. „Zu gefährlich“, hatte Johannes Funke, genannt Hansi, seinen Angehörigen gegenüber mehrfach betont. Doch der 43-jährige Taxifahrer und zweifache Vater konnte den Job nicht mehr rechtzeitig wechseln.
In der Nacht zum 15. April 1994 wurde er Opfer eines brutalen Raubmordes, der bis heute ungesühnt ist. Jetzt, 30 Jahre später, rollt die Ermittlungsgruppe Cold Case der Polizei Bielefeld den Fall wieder auf – mit modernster DNA-Technik und neuen Spuren.
Die Nacht des Verbrechens begann unspektakulär. Gegen Mitternacht nahm Funke einen Anruf aus einer Telefonzelle im Zentrum Paderborns an. Der Fahrgast wünschte eine Fahrt in den abgelegenen Ortsteil Höfelhof.
Es sollte Funkes letzte Fahrt sein. Als der Taxifahrer wenig später ein Notsignal aus seinem Wagen an die Zentrale sendete, hörte der Disponent entsetzte Geräusche mit: „Ein starkes Stöhnen“, erinnert sich der damalige Mitarbeiter. Er alarmierte sofort die Polizei.
Die Beamten fanden den leblosen Körper von Johannes Funke wenig später mitten auf einer Landstraße bei Höfelhof. Der 43-Jährige war augenscheinlich brutal zugerichtet, große Blutlachen zeugten von der Gewalt. Sein Taxi war verschwunden.
Eine Schleifspur, die sich vom Körper über die Straße zog, gab den Ermittlern zunächst Rätsel auf. Die Spur war durchgängig, etwa 60 Zentimeter breit und endete abrupt an einer Weggabelung.
Kurze Zeit später entdeckte die Polizei das Taxi auf einem Parkplatz im Süden Paderborns. Der Innenraum war ein Bild des Grauens: Überall Blut, der Dachhimmel von Messerstichen durchlöchert, Kopfstützen und Sicherheitsgurte zerfetzt. „Der Täter muss mit unglaublicher Wut, Wucht und Massivität vorgegangen sein“, sagt Markus Mertens, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der neuen Ermittlungen.
Die Obduktion ergab: Johannes Funke starb an 20 Messerstichen. Der Angriff erfolgte von der Rückbank aus. Die Geldbörse mit den Tageseinnahmen – wenige hundert Mark – fehlte.
Für die Ermittler steht fest: Es war ein Raubmord, das Opfer ein Zufallsopfer. „Er war zur falschen Zeit am falschen Ort“, ist auch sein Sohn Christian Funke überzeugt, der beim Tod des Vaters gerade 14 Jahre alt war.
Doch der Fall hat eine besondere Komplexität. Die Ermittler gehen inzwischen von einem oder mehreren Tätern aus, die unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. „Wir haben hohe planerische Anteile, wie das Telefonieren, aber dann in der Tatausführung ungeplante, impulsive, aggressive Anteile“, erklärt Mertens.
„Das gibt Anlass zu der Annahme, dass möglicherweise zwei ganz unterschiedliche Täter gemeinsam agiert haben. “ Auch die Flucht mit dem Taxi, bei der der Tote offenbar am Anschnallgurt hängen blieb und nach etwa zwei Kilometern auf der Straße zurückgelassen wurde, deutet auf Hektik und mangelnde Fahrpraxis hin. Der Disponent hörte ein unkontrolliertes Hochjagen des Motors, und das Taxi wurde schließlich über einen Grünstreifen und einen Bordstein auf dem Parkplatz abgestellt.
Mehr als 160 Spurenakten wurden in den vergangenen Jahrzehnten ausgewertet – ohne Erfolg. 2024 nun die Wende: Die Cold-Case-Ermittler in Bielefeld setzen auf moderne DNA-Analyse. Alle sichergestellten Gegenstände aus dem Taxi werden mit neuesten Methoden untersucht.
„Wir haben möglicherweise noch einige Trümpfe in der Hand“, so Mertens. Ein Abgleich mit der DNA-Datenbank des Bundeskriminalamts könnte den oder die Täter überführen.
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe. „Verdächtige Beobachtungen im Bereich des Auffindeortes des PKWs, flüchtende Personen, die möglicherweise blutige Kleidung trugen“, sind von besonderem Interesse. Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung von 5.
000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgelobt.
Für Christian Funke, der den Verlust seines Vaters bis heute nicht verarbeitet hat, ist die Wiederaufnahme des Falls ein Hoffnungsschimmer. „Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mir natürlich 100 Prozent erhoffen, dass der Täter gepackt wird“, sagt er. „Man ist euphorisch und hofft wenigstens ein bisschen.
“ Die Ermittler sind entschlossen: „Die Tat liegt zwar 30 Jahre zurück, aber wir sind bereit, alles zu versuchen, damit dieses Tötungsdelikt noch geklärt werden kann. “


