Ich habe den Mann gesehen, den ganz Deutschland jagte, und ich habe ihn nicht erkannt. Er stand da an diesem Teich im Wald, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, ein Fernglas um den Hals. Ich wollte…

Ich habe den Mann gesehen, den ganz Deutschland jagte, und ich habe ihn nicht erkannt. Er stand da an diesem Teich im Wald, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, ein Fernglas um den Hals. Ich wollte...

Der 24. Oktober 1989 begann für Edeltraut wie jeder andere Tag. Die 51-Jährige wollte in ihrem Garten Tulpen pflanzen, bevor der erste Frost kommen würde. Nichts deutete auf die Gefahr hin, die sich ihr näherte.

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Ein Nachbar beobachtete, wie ein großer Mann etwas Gelbes, Eingewickeltes über einen Zaun schleppte. Als er den Fremden ansprach, floh dieser sofort. Zurück blieb eine zugeschnürte gelbe Decke. Die Nachbarn öffneten sie und fanden Edeltraut.

Sie war tot – mit massiven Verletzungen an Kopf und Körper, gewürgt und nach ihrem Tod sexuell missbraucht. Die Ermittler fanden am Tatort einen Schuhabdruck. Größe 49. Eine Sondergröße, die von Angehörigen der Staatsicherheit, Polizisten oder Soldaten getragen wurde.

Ein Mann von etwa 1,90 Metern, athletisch, mit strohblondem Haar und einem blauen Schlosseranzug wurde gesucht. Doch der Verdacht fiel zunächst auf Edeltrauts Ehemann. Die Dorfbewohner tuschelten, zeigten mit Fingern auf ihn, obwohl er um seine Frau trauerte. Er hielt den Druck nicht aus und nahm sich das Leben.

Ein zweites Opfer, obwohl er unschuldig war. Die Ermittler standen ohne heiße Spur da. Erst Monate später, am 25. Mai 1990, wurde auf einer Müllhalde in Ferch die Leiche von Christa gefunden.

Auch sie war gewürgt und nach dem Tod vergewaltigt worden. Am Tatort entdeckte man rosafarbene Frauenwäsche, die nicht ihr gehörte. Im März 1991 verschwand die 34-jährige Inge nach einem Spaziergang durch den Wald. Fünf Tage später fand die Polizei ihre Leiche, sorgfältig unter Moos versteckt.

Sie war durch einen Stich in die Halsschlagader verblutet. Auch an ihr hatte sich der Täter vergangen. Immer mehr Frauenunterwäsche wurde in Wäldern gefunden. Die Ermittler standen vor einem Rätsel, bis sie erkannten, dass sie es mit einem Serientäter zu tun hatten.

Die Presse gab ihm einen Namen: den Rosa Riesen. Am 22. März 1991 schlug er erneut zu. Die 44-jährige Tamara, eine russische Offiziersfrau, wurde im Wald erdrosselt und vergewaltigt.

Neben ihr lag ihr drei Monate alter Sohn, sein Schädel an einer Baumwurzel zerschmettert. Der Mörder wollte das schreiende Baby zum Schweigen bringen. Zwei Wochen später griff er in Sputendorf zwei zwölfjährige Mädchen an. Eine konnte fliehen, die andere überlebte schwer verletzt – ein Stich hatte knapp ihr Herz verfehlt.

Die Mädchen überlebten und lieferten eine Beschreibung: ein großer Mann mit Schnauzbart, schmalem Gesicht und einer Kittelschürze über dem Jogginganzug. Ein Phantombild wurde veröffentlicht. Doch der Täter machte weiter. Am 5.

April 1991 fand der Neffe der 66-jährigen Talita ihre stark verweste Leiche in ihrem Schlafzimmer. Auch sie war gewürgt und nach dem Tod missbraucht worden. Die Fallabstände wurden immer kürzer. Im Juli 1991 stieß ein Jogger namens Mike in einem Wald bei Schmerzke auf ein seltsames, in die Erde gegrabenes Zelt.

Darin lagen Messer, daneben Frauenunterwäsche, die an Bäumen hing. Die Polizei stellte sich tagelang auf die Lauer, doch der Täter kam nicht zurück. Mike entschloss sich, selbst zu handeln. Mit einem Freund durchstreifte er den Wald.

Da entdeckten sie einen riesigen Mann mit Mütze und Fernglas an einem Teich. Über seiner Armeejacke trug er einen BH. Mike bewahrte Ruhe und rief: „Du komm mal her, wir sind von der Forst. Der Förster hat sich aufgeregt, du hast den ganzen Wald versaut.

Das musst du zusammenräumen. ”

Der Mann ließ sich tatsächlich täuschen und stieg auf die Ladefläche ihres Autos. Sie fuhren zur Polizei. „Ich glaube, wir haben ihn”, sagte Mike.

Mit gezogenen Waffen nahmen die Beamten den Rosa Riesen fest. Der Fall war gelöst. Der Mörder war der 24-jährige Wolfgang Schmidt. Wolfgang war ein unauffälliger Mann gewesen.

Er arbeitete als Kranführer, war verlobt mit der 19-jährigen Christina, die schwanger von ihm war. Doch hinter der Fassade verbarg sich ein Monster. Schon als Sechsjähriger trug er heimlich die Unterwäsche seiner Mutter. Mit der Pubertät bekam diese Neigung eine sexuelle Komponente.

Er wurde mehrfach dabei erwischt, aber nie wirklich gestoppt. Er war sogar Mitglied der Volkspolizei, bis er unehrenhaft entlassen wurde, weil er mit Kollegen Hitlers 100. Geburtstag gefeiert hatte. Sein Spint war voller Damenunterwäsche.

Doch niemand sah in ihm den Mörder. Im Prozess schilderte Wolfgang seine Taten ohne jede Reue. Er sprach von „Fantasien” und davon, dass er die Frauen „zur Ruhe bringen” musste, weil sie schrien. Den Mord an dem Baby erwähnte er kalt.

Die Beweislast war erdrückend. 1992 wurde er wegen sechsfachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft und anschließender Unterbringung in der Forensik verurteilt. 1992 outete sich Wolfgang als Frau und nannte sich fortan Beate. Sie lebt bis heute in der forensischen Klinik, umgeben von Puppen, Kuscheltieren und Blümchenbettwäsche.

2010 wurde sie beschuldigt, eine andere Transfrau vergewaltigt zu haben, doch die Ermittlungen wurden wegen fehlender Beweise eingestellt. Seine Verlobte Christina wurde von der Presse gnadenlos verfolgt. Man nannte sie „die Braut der Bestie”, veröffentlichte Nacktfotos und ihre Adresse. Sie ließ das Kind abtreiben und verschwand aus dem Dorf.

Die Justiz hält Beate Schmidt bis heute in Haft. Die Hoffnung auf Freiheit ist erloschen. Doch die Erinnerung an die Opfer bleibt: an Edeltraut, die Tulpen pflanzen wollte, an Christa, an Inge, an Tamara und ihren kleinen Sohn, an Talita.

Und an all die Familien, deren Leben für immer zerstört wurden.