Ich stand im Garten und wollte nur meine Zwiebeln pflanzen, da hielt ich plötzlich eine in der Hand, die sich weich und matschig anfühlte – obwohl sie nicht ausgetrieben war. Ich drückte fester,…

Ich stand im Garten und wollte nur meine Zwiebeln pflanzen, da hielt ich plötzlich eine in der Hand, die sich weich und matschig anfühlte – obwohl sie nicht ausgetrieben war. Ich drückte fester,...

Die jungen Bohnenpflanzen standen schon bereit, als ich das Gewächshaus öffnete. Sie hatten sich akklimatisiert und warteten nur noch darauf, endlich in die Erde zu kommen. Dahinter, auf der Heukarre, lagen die Gemüsezwiebeln – ein ganzer Korb voller Erinnerungen an die letzte Saison. „Heute wird gepflanzt”, sagte ich zu mir selbst und griff zur Hacke.

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Das Beet war zehn Meter lang, schon vorbereitet und vorgewässert. Ich zog zwei Rillen, setzte die dicken Bohnen im Abstand von zehn bis zwanzig Zentimetern hinein und drückte sie etwas tiefer als üblich. Der Boden war noch feucht, das Wetter versprach eine trockene Periode. Perfekte Bedingungen.

Als die Reihe fertig war, stand ich auf und betrachtete stolz das Ergebnis. Zehn Meter Bohnen, genug für uns und den Gefrierschrank. Wir lieben sie als lauwarmen Salat mit Paprika. Dann kamen die Zwiebeln dran.

„Was habt ihr denn damit vor? “, höre ich die Leute oft fragen. Die Antwort ist einfach: Saatgut. Wir wollen unsere eigenen Samen gewinnen, und dafür brauchen wir viele Pflanzen.

Diese Zwiebeln hatte ich letztes Jahr geerntet und schon aussortiert – die kleinen, die weichen, die unschönen, die waren direkt in die Küche gewandert. Was jetzt vor mir lag, war die nächste Selektion. Ich nahm eine Zwiebel in die Hand, drückte vorsichtig darauf. Fest.

Gut. Die kam ins Beet. Die nächste fühlte sich pappig an, weich, matschig – kein Wunder, wenn man genau hinschaute, war sie schon am Keimen. Das Grün konnte ich noch für die Küche retten, aber ins Beet kam sie nicht mehr.

„Die muss fest sein”, murmelte ich und legte sie beiseite. Die Regeln der Saatgutvermehrung sind streng. Samenfest heißt nicht, dass man einfach irgendeine Zwiebel einpflanzen kann. Für die Gemüsezwiebel brauchen wir mindestens zwanzig Exemplare, damit die genetische Vielfalt erhalten bleibt.

Nur so können die Insekten ihre Arbeit machen, bestäuben und am Ende gutes Saatgut entstehen lassen. Ich zog eine neue Rille, setzte die schönsten Zwiebeln hälftig in die Erde. Der Boden war feucht genug, kein Angießen nötig. Zwei Reihen, aber nicht ganz voll – wir hatten wohl doch zu viele davon gegessen.

Kein Problem, die Lücken fülle ich später mit Nachzüglern aus dem Gewächshaus. Die werden zwar nicht blühen, aber das ist egal. Ein paar Zwiebeln hatten schon ausgetrieben. Bei denen, die noch nicht durchgebrochen waren, nahm ich die Schere und schnitt die Spitzen ab.

„Damit die Pflanze leichter austreiben kann”, erklärte ich, während ich die trockenen Hüllen entfernte. „Manche schaffen es von alleine, andere brauchen ein bisschen Hilfe. ”

Im Juni oder Juli, je nach Wetter, würden sie blühen. Danach folgt die Samenbildung, die Ernte dann im August oder September – vorausgesetzt, es bleibt trocken.

Zu viel Feuchtigkeit wäre ein Problem, dann müsste man nachtrocknen. Als die Zwiebeln versorgt waren, ging es weiter zur Anzuchtstation. Drei Platten standen bereit: Oregano, Majoran und Bohnenkraut. Alle drei sind Lichtkeimer, das feine Saatgut wird nur oberflächlich verteilt und mit der Sprühflasche angegossen.

„Wollt ihr wissen, was Pfefferkraut ist? “, fragte ich lachend in die Kamera. „Bohnenkraut. Hab ich neulich in einem alten Rezept gelesen.

Beim Bohnenkraut muss man aufpassen. Zur Keimung braucht es Wärme, aber danach will es kühler stehen, sonst schießt es zu schnell in die Blüte. Oregano ist robuster, man hat länger was davon. Majoran und Bohnenkraut sind einjährig, verteilen sich aber wunderbar über den ganzen Garten – zwischen dem Gemüse, im Kräuterbeet, und die Blüten sind obendrein essbar.

Sieht hübsch aus im Salat. Die Platten wanderten ins Gewächshaus, wo sie genug Wärme zum Keimen bekommen. Immer wieder schaue ich mir den Garten an und denke: Es könnte noch bunter sein, noch vielfältiger. Wir träumen von gemauerten Hochbeeten, passend zum Stein des Hauses.

Die Steine liegen schon da, der Platz auch – nur Zeit und Umsetzung fehlen noch. „Drückt uns die Daumen”, sagte ich zum Abschluss, „dass wir das irgendwann angehen können. ”

Der Garten duftet nach Frühling. Der Bärlauch ist entdeckt, die Wildkräuter sprießen, das Leben geht wieder los.

Und ich bin mittendrin.