Der Regen hatte endlich eingesetzt, als Marlene Becker das Gemeindehaus verließ, doch der wahre Sturm hatte sich bereits in den Blicken ihres Sohnes entladen. Die 65-jährige Witwe hatte soeben eine emotionale und finanzielle Abrechnung vollzogen, die ihresgleichen sucht. Was als Tag der Trauer begann, endete in einer spektakulären Enthüllung, die das Leben ihres Sohnes Karsten und seiner Frau Sabine für immer verändern wird.
Die Erde war noch dumpf auf den Sarg ihres Mannes Klaus gefallen, als Karsten bereits mit kalten, berechnenden Blicken auf seine Mutter zukam. Die Luft auf dem Friedhof war drückend, schwer von der Feuchtigkeit eines nahenden Sommergewitters. Doch was Marlene wirklich zu ersticken drohte, war nicht das Wetter, sondern die berechnenden Blicke ihres Sohnes und seiner Frau Sabine.
Beim Kaffeetrinken nach der Beisetzung klirrten Kaffeetassen auf Untertassen, während die Verwandtschaft ihr Beileid bekundete. Marlene hielt sich in der Nähe des Fensters auf, starrte in den grauen Himmel und hielt die Hände fest über ihrem schwarzen Mantel verschränkt. Sie weinte nicht.
Ihre Tränen für Klaus hatte sie im Stillen vergossen, in den endlos langen Nächten am Krankenhausbett, nicht hier vor Publikum.
Karsten kam auf sie zu, ein Glas Wasser in der Hand. Sabine blieb einen Schritt hinter ihm, die Arme verschränkt, eine steife Haltung, die sie immer dann einnahm, wenn sie glaubte, die absolute Kontrolle zu haben. Er musterte seine Mutter von oben bis unten.
Da war kein Funken Mitgefühl in seinen Augen, nur eine Art kalter, kalkulierter Triumph. Für ihn war sie nur eine 65-jährige Witwe, pleite und ihm völlig ausgeliefert. „Tja“, seufzte Karsten und rückte seine dunkle Krawatte zurecht.
„Ich schätze, das war’s dann wohl mit

