Heute schauen wir gemeinsam ins Gewächshaus, denn unsere Aussaten haben sich seit dem letzten Mal ordentlich verändert. In der Anzuchtstation haben wir tagsüber die Plexiglasplatten abgenommen, damit die ersten Keimlinge frische Luft bekommen. Abends kommen sie wieder drauf, wenn es kühler wird. Bei der Paprika zeigen sich schon die ersten grünen Spitzen, die Wärmeplatte läuft weiter auf Hochtouren.

Aber unten in der untersten Etage stehen schon richtig große Pflanzen: Wintersalat und Kohl. Die sind stark genug für den nächsten Schritt. Sie dürfen jetzt ins kalte Gewächshaus umziehen und dort zwei bis drei Wochen bleiben, bevor sie ins Beet gepflanzt werden. Die Temperaturen sind tagsüber um die zehn Grad, nachts zwischen null und fünf Grad, und das ist für diese Pflanzen überhaupt kein Problem.
Sie sind abgehärtet und vertragen Kälte von Natur aus gut. Erst wenn es richtig frostig wird mit minus fünf Grad, tragen wir sie nachts wieder rein. Ich hole sie jetzt raus, dann gehen wir rüber ins große Gewächshaus. Aus der Nähe sehen die Pflanzen richtig kräftig aus.
Den Blumenkohl haben wir Anfang Januar gesät, also viel zu früh, aber genau deswegen könnt ihr schön sehen, wie er sich entwickelt. Die Blätter liegen noch unten, ein Blatt ist ein bisschen schlapp, aber die anderen sind kräftig und wunderbar. Das Wurzelwerk ist schön verteilt. Und der Wintersalat ist ein echtes Kunstwerk, jede Pflanze für sich selbst ein kleines Wunder.
Im großen Gewächshaus stelle ich die Pflanzen nicht auf die Regale, sondern direkt auf den Boden. Auf der Erde kommt noch die Erdwärme hoch, auf den Regalen würden sie schneller auskühlen – wie bei Brücken, die ja auch schneller vereisen. Falls es nochmal richtig kalt wird, können wir sie entweder schnell reintragen oder mit Fließ abdecken. Und dann kommt noch ein Experiment dazu.
Wir nehmen das kleine Anzucht-Gewächshaus und stellen es mit ins große Gewächshaus. Da hinein kommen Freilandpaprika, Snackpaprika und Auberginen. Normalerweise ziehen wir die warm auf der Fensterbank, aber wir wollen testen: Kann das auch funktionieren? Wie lange dauert es?
Der erste Versuch war schon spannend, der zweite wird es sicher auch. Ich habe die Schalen schon vorbereitet, die Samen sind gesät, und jetzt trage ich das kleine Gewächshaus zwischen die Spinatreihen. Es ist mild, aber windig. Auf dem Thermometer im Gewächshaus haben wir aktuell vier Grad, der tiefste Wert war minus zwei.
Das ist okay für die Pflanzen, die da stehen, aber es braucht eben Geduld. Ein wichtiges Thema noch, weil ihr so oft gefragt habt: Unser Saatgut ist biologisch und samenfest. Samenfest bedeutet, dass ich unter den Regeln der Saatgutvermehrung die gleichen Sorteneigenschaften wiederbekomme. Man muss aber wissen, dass diese Regeln sehr komplex und unterschiedlich sind.
Eine Tomate ist viel einfacher zu vermehren als eine Zwiebel. Beim Blumenkohl braucht man zum Beispiel mindestens zwanzig gesunde Pflanzen für die Vermehrung, mit passenden Abständen, damit sich nichts verkreuzt. Man muss aussäen, selektieren und weiterschauen. Klingt komplizierter als es ist.
Wenn ihr selbst Saatgut vermehren wollt, sind Tomaten der perfekte Einstieg. Das Schöne an samenfestem Saatgut ist, dass man unabhängig bleibt. Mit F1-Hybriden ist das nicht möglich, da bekommt man auf lange Sicht nicht die gleiche Qualität. Nun zu unseren kalten Aussaten.
Den roten Eichblattsalat und den Blumenkohl haben wir Anfang Januar gesät und sie keimen wunderbar. Noch etwa zwei Wochen, dann können wir pikieren. Der Unterschied zwischen den Pflanzen in der warmen Anzuchtstation mit Beleuchtung und denen hier im kalten Gewächshaus ist deutlich sichtbar, aber beide funktionieren. Die einen eignen sich für die frühe Ernte im geschützten Bereich, die anderen wachsen langsamer und werden später im Freiland geerntet.
Man muss nur wissen, was man will. Die Gemüsezwiebeln auf der Multitopfplatte sehen dagegen noch ziemlich leer aus. Ein paar zarte Keimlinge zeigen sich, aber die Wahrscheinlichkeit, dass daraus dicke Zwiebeln werden, ist gering. Das würden wir nicht als Erfolg bezeichnen.
Zwiebeln im Gewächshaus sind eher schwierig. Jetzt geht es zurück in die Anzuchtstation, denn wir legen mit den dicken Bohnen los. Das ist ein Unterschied: Die dicken Bohnen, Zuckererbsen und Markerbsen gehören zu den Wicken und vertragen mehr Kälte. Die klassischen Bohnen wie Buschbohnen, Kidneybohnen oder Stangenbohnen brauchen wärmere Temperaturen, die säen wir erst ab Mai, sie brauchen zum Keimen rund zwanzig Grad.
Die Zuckererbsen starten im April. Aber die dicken Bohnen können jetzt schon rein, und es macht sogar Sinn, so früh zu sein. Die schwarze Bohnenlaus kommt sonst an die Pflanzen – wenn die Bohnen früh ausreifen, haben wir eine sichere Ernte. Für die Aussaat nehme ich einzelne Töpfchen, fülle sie mit Erde, stecke jeweils eine dicke Bohne etwa vier bis fünf Zentimeter tief hinein und gieße an.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder direkt ins Gewächshaus stellen, dann dauert das Keimen länger. Oder wir machen den Trick: Die Töpfchen bleiben erstmal drinnen in der Anzuchtstation, bis die Keimlinge grün sind. Dann wandern sie sofort ins Gewächshaus. So haben wir einen Vorsprung, der sich bei dicken Bohnen richtig lohnt.
Warum nicht einfach eine Multitopfplatte? Wenn man direkt ins Gewächshaus aussät, macht das Sinn. Aber weil wir drinnen aussäen und mehrere Wannen haben, sind einzelne Töpfchen viel leichter zu sortieren. Sobald da was Grünes rausguckt, packe ich das Pöttchen und stelle es raus.
Es führen eben viele Wege zum Ziel. Ich hoffe, das hat euch ein bisschen motiviert und inspiriert. Gartenarbeit macht Spaß, es ist wie Yoga und tut einfach richtig gut. Wenn ihr gutes, biologisches und samenfestes Saatgut braucht, schaut bei uns im Sortiment vorbei.
Macht eure Anzuchten richtig schön bunt. Eure Jen.


