4 Gründe, warum Sie Ihre Stauden diesen Juni zurückschneiden sollten (auch wenn es sich falsch anfühlt)

Manchmal mache ich im Garten gern Dinge, die auf den ersten Blick völlig widersinnig erscheinen.

Ich lasse den Hahnenfuß wachsen, anstatt ihn auszureißen, weil er für frühe Bestäuber eine wertvolle Nahrungsquelle ist. Ich freue mich über das Moos zwischen den Pflastersteinen, weil es eine faszinierende kleine Welt für sich bildet. Und manche Stauden schneide ich im Juni zurück – obwohl die üblichen Gartenratschläge behaupten, dass man die Gartenschere zwischen Frühling und Herbst am besten gar nicht erst anschauen sollte.

Salbei im Hochsommer zurückschneiden, um eine bessere Blüte anzuregen

Ein Rückschnitt im Juni wird nicht besonders häufig empfohlen. Das liegt vor allem daran, dass er längst nicht für so viele Gartenpflanzen geeignet ist wie der klassische Frühjahrsschnitt. Dennoch habe ich festgestellt, dass es einige Situationen gibt, in denen ein Rückschnitt im Juni durchaus sinnvoll ist.

Hier sind vier Gründe, warum du deinen Pflanzen in diesem Juni einen kleinen Schnitt gönnen könntest – und welche Stauden du dabei besonders im Auge behalten solltest.

Ein wichtiger Hinweis vorab

Dieser Bestand an Schwarzäugiger Susanne ist bereits gut eingewachsen. Deshalb kann ich die Triebspitzen abknipsen, damit später doppelt so viele Blüten entstehen.

Meine Ratschläge eignen sich vor allem für ausgewachsene Pflanzen, die bereits seit mehreren Jahren fest in deinem Garten etabliert sind. Ist deine Staude noch jung, solltest du von Fall zu Fall entscheiden. Bei einer Pflanze, die erst zwei Jahre alt ist, könnten die Ergebnisse weniger deutlich ausfallen. Ist sie noch jünger, solltest du ihr zunächst Zeit geben, richtig anzuwachsen, bevor du sie im Hochsommer zurückschneidest.

Vielleicht fällt dir auch auf, dass einige Pflanzen in den folgenden Listen mehrfach vorkommen. Das ist ein Hinweis darauf, dass es für ihren Rückschnitt im Juni gleich mehrere gute Gründe geben kann.

1. Im Juni zurückschneiden, damit die Pflanzen erneut blühen

So sehen meine mehrjährigen, winterharten Storchschnäbel Mitte Juni aus. Wir hatten einen warmen Frühling, deshalb haben sie früher als gewöhnlich geblüht und beginnen jetzt bereits, Samen zu bilden.

Nach der Blüte sehen meine winterharten Storchschnäbel ziemlich schlaff aus.

Im Juni wirken viele früh blühende Stauden bereits etwas kraftlos und hängen auseinander. Glücklicherweise kann ein Rückschnitt einen neuen Blütenschub anregen.

Durch den Rückschnitt signalisieren wir der Pflanze, dass sie keine Energie darauf verwenden muss, aus den ersten Blüten Samen zu bilden. Daraufhin versucht sie erneut, Samen zu produzieren – und für uns zeigt sich dieser Versuch in Form einer weiteren Blütenrunde.

Bedenke jedoch, dass es bis zu sechs Wochen dauern kann, bevor die Pflanze erneut blüht. Gerate also nicht gleich in Panik, wenn zunächst nichts passiert.

Ich schneide die Pflanzen nicht bis zum Boden zurück, entferne aber mindestens ein Blattpaar.

Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte ich noch etwas erwähnen: Auch wenn die Stauden erneut blühen, wird die zweite Blütenrunde wahrscheinlich kleiner ausfallen als die erste. Das ist vollkommen normal und bedeutet nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.

Bei den folgenden Stauden konnte ich durch einen Rückschnitt im Juni erfolgreich eine zweite Blüte anregen:

  • Oregano
  • Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
  • Mehrjährige Storchschnäbel – nicht zu verwechseln mit Pelargonien, die als einjährige Pflanzen kultiviert werden
  • Katzenminze (Nepeta cataria)
  • Löwenmäulchen (Antirrhinum)
  • Akelei (Aquilegia)
  • Indianernessel (Monarda)
  • Anis-Ysop (Agastache)
  • Früh blühende Astern

Dieser Oregano wurde Anfang Juni zurückgeschnitten und blüht Mitte August bereits erneut.

Bei den Löwenmäulchen sind schon neue Knospen zu erkennen.

Früh blühende Astern können ein zweites Mal blühen, wenn du sie im Juni zurückschneidest.

2. Im Juni zurückschneiden, um die spätere Blüte zu verbessern

Ein Rückschnitt im Hochsommer kann auch bei Pflanzen sinnvoll sein, die noch nicht geblüht haben, ihre Blüten aber im Spätsommer oder Herbst zeigen werden.

Wenn wir jetzt einen kleinen Rückschnitt wagen, können wir etwa sechs Wochen später mit einer üppigeren Blüte belohnt werden. Dafür müssen lediglich die sich bildenden Hauptknospen abgeschnitten oder mit den Fingern ausgeknipst werden.

Schneide direkt oberhalb einer Blattachsel – also an der Stelle, an der die Blattknospen aus dem Stängel wachsen. Dadurch wird die Pflanze dazu angeregt, die verlorene Knospe durch zwei neue zu ersetzen. Auf diese Weise kann sich die Zahl der Blüten praktisch verdoppeln.

Es ist dasselbe Prinzip, das wir beim Ausgeizen beziehungsweise Entspitzen von Basilikum anwenden, damit die Pflanze buschiger wächst.

Ich habe dieses Eisenkraut direkt oberhalb eines Blattknotens zurückgeschnitten. Der Stängel hat sich verzweigt und wird dadurch noch mehr Blüten hervorbringen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Stauden kompakter, buschiger und kräftiger wachsen. Dadurch besteht eine geringere Gefahr, dass sie bei einem Regenschauer unter dem Gewicht ihrer eigenen Blüten umknicken.

Beachte allerdings, dass sich der Beginn der Blüte um einige Wochen verzögern wird. Die Pflanzen benötigen schließlich Zeit, um neue Knospen zu bilden. Betrachte es einfach als eine Lektion in Geduld und aufgeschobener Belohnung.

Diese Methode eignet sich unter anderem für folgende Stauden:

  • Schwarzäugige Susanne (Rudbeckia)
  • Sonnenhut (Echinacea)
  • Mädchenauge (Coreopsis)
  • Patagonisches Eisenkraut (Verbena bonariensis)
  • Astern
  • Clematis der Schnittgruppe zwei
  • Hoher Staudenphlox (Phlox paniculata)
  • Dahlien – die abgeknipsten Triebe kannst du versuchsweise bewurzeln und zur Vermehrung verwenden
  • Salbei (Salvia officinalis)
  • Mehrjährige Sonnenblume (Helianthus angustifolius)
  • Hohe Fetthenne, beispielsweise die beliebte Sorte „Herbstfreude“ (Hylotelephium)
  • Goldrute (Solidago)
  • Sonnenbraut (Helenium)
  • Glockenblume (Campanula)
  • Anis-Ysop (Agastache)

Wage jetzt den Rückschnitt einer gut etablierten Fetthenne der Sorte „Herbstfreude“, und du wirst im Herbst mit mehr Blüten belohnt.

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3. Im Juni zurückschneiden, um die Höhe zu begrenzen

Die Staude, die mir die Notwendigkeit eines Rückschnitts Mitte Juni besonders deutlich vor Augen geführt hat, ist das Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis).

Diese Pflanze wächst wirklich majestätisch. Als ich sie jedoch an einem Zaun in meinem kleinen Hinterhof pflanzte, streckte sie sich so stark dem Sonnenlicht entgegen, dass sie die gesamte zweite Hälfte der Gartensaison flach auf dem Boden lag.

Je nach Standort kann das Patagonische Eisenkraut leicht auseinanderfallen und umkippen.

Glücklicherweise gelang es mir im darauffolgenden Jahr, die Pflanze vor diesem Schicksal zu bewahren, indem ich ihre Höhe frühzeitig reduzierte. Ich schneide sie nicht bis zum Boden zurück, sondern kürze sie – abhängig von ihrer Wuchskraft – um etwa ein Drittel oder die Hälfte. Dabei setze ich den Schnitt immer oberhalb eines Blattknotens.

Ein Rückschnitt zu diesem Zeitpunkt verhindert, dass die Pflanzen bis zum Ende des Sommers zu lang und instabil werden.

Außerdem kann ich mir dadurch eine Gartenarbeit ersparen, die ich als ausgesprochen lästig empfinde: das Abstützen und Anbinden. Ich muss dann nicht Ende Juli nach Bambusstäben oder Holzspalieren suchen und überlegen, wie ich eine hohe Staude an windigen Tagen sicher befestigen kann.

Zu den hohen Pflanzen, die von einem Frühsommerschnitt zur Begrenzung ihrer Höhe profitieren können, gehören:

  • Hohe Fetthenne (Hylotelephium)
  • Riesen-Sonnenhut (Rudbeckia maxima)
  • Wasserdost (Eutrochium)
  • Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum)
  • Indianernessel (Monarda)
  • Bartfaden (Penstemon)
  • Patagonisches Eisenkraut (Verbena bonariensis)
  • Hoher Staudenphlox (Phlox paniculata)
  • Kugeldistel (Echinops)
  • Edeldistel beziehungsweise Mannstreu (Eryngium)
  • Mehrjährige Sonnenblume (Helianthus angustifolius)

Auch die Durchwachsene Silphie ist eine hohe Staude, die leicht zum Umkippen neigt.

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4. Im Juni zurückschneiden, um Selbstaussaat zu verhindern

Eine weitere Lektion verdanke ich einem anderen meiner Gartenlieblinge: dem Echten Eisenkraut (Verbena officinalis), einer Heilpflanze, die nicht mit dem bereits erwähnten Patagonischen Eisenkraut verwechselt werden sollte.

Es gedeiht besonders gut in feuchtem Boden und an halbschattigen Standorten. Ist die Erde rund um die Pflanze unbedeckt, sät es sich mit erstaunlicher Begeisterung selbst aus.

Im ersten Jahr war das eine großartige Nachricht, denn ich erntete die Pflanze so häufig, dass ich ihre Ausbreitung problemlos kontrollieren konnte. Im dritten Jahr sah die Sache jedoch ganz anders aus: Das Eisenkraut hatte sich explosionsartig im Garten verbreitet.

Deshalb musste ich sehr genau darauf achten, die Blütenstände abzuschneiden, bevor sich Samen entwickeln konnten. Da das Echte Eisenkraut in meinem Garten außerdem sehr hoch wächst, entfernte ich nicht nur die verblühten Blüten. Ich kürzte die gesamte Pflanze im oberen Bereich um etwa ein Drittel bis zur Hälfte.

Dieses Exemplar von Verbena officinalis muss ich rechtzeitig erwischen, bevor es Samen bildet.

Natürlich ist die Liste der Pflanzen, auf die dieser Punkt zutrifft, sehr individuell. Eine Pflanze, die sich in einem Garten begeistert selbst aussät, kann in einem anderen Garten möglicherweise überhaupt nicht keimen. Ich wünschte zum Beispiel, Fingerhut würde sich in meinem Garten von selbst vermehren.

Wenn du jedoch in den vergangenen Jahren festgestellt hast, dass einige deiner im Mai oder Juni blühenden Pflanzen begonnen haben, den Garten regelrecht zu erobern, solltest du dir vornehmen, sie rechtzeitig zurückzuschneiden – noch bevor sie Samen bilden können.

Ich weiß, dass es nicht leicht ist, jemanden von einem Rückschnitt im Juni zu überzeugen. Wer wäre schon verrückt genug, die Spitzen vollkommen gesunder, prächtig aussehender Pflanzen abzuschneiden, die gerade erst richtig in Fahrt kommen?

Wenn du Angst hast, dabei etwas falsch zu machen, ist das vollkommen verständlich. Probiere es in diesem Sommer zunächst nur bei ein oder zwei deiner Stauden aus und beobachte anschließend das Ergebnis.

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