Lukas Berger starrte aus dem Fenster des Flugzeugs, während die Lichter der fremden Stadt unter ihm näherkamen. Er war achtunddreißig und besaß mehr Geld, als er je ausgeben könnte, doch in diesem Augenblick fühlte er sich leer. Die Reise galt einem Vertrag, der sein Unternehmen noch größer machen würde, aber alles, was er wirklich wollte, war einen Moment Ruhe, in dem niemand etwas von ihm erwartete. Als das Flugzeug landete, drängten die Menschen nach vorne, doch Lukas blieb sitzen, bis der Gang leer war.

Er war es gewohnt, dass jemand auf ihn wartete, ein Fahrer, ein Assistent, jemand, der alles organisierte. Heute war es nicht anders, und doch fühlte es sich an, als würde er eine Rolle spielen, die ihm nicht mehr passte. Im Auto ließ er die Straßen vorbeiziehen und fragte sich, wie es wäre, einfach einer von ihnen zu sein. Sein Fahrer redete, aber Lukas hörte nur halb zu.
In seinem Kopf arbeitete etwas, das er seit Jahren erfolgreich ignorierte. Im Hotel wurde er sofort erkannt. Die Rezeptionistin sprach ihn mit Namen an, sein Gepäck wurde ihm abgenommen. Das Zimmer war groß und elegant, aber die Stille machte ihm bewusst, wie allein er war.
Es gab viele Menschen in seinem Leben, doch kaum jemand kannte ihn wirklich. Am nächsten Abend ließ er sich in ein kleines Restaurant treiben, weit weg von den Orten, an denen er normalerweise aß. Eine Kellnerin kam an seinen Tisch, und als sie aufblickte, erstarrte sie. Er auch.
Anna Weber. All die Jahre hatte er geglaubt, sie hätte ihn vergessen, und sie hatte genau dasselbe über ihn gedacht. Sie stellte das Glas Wasser ab, ihre Hand zitterte leicht. „Es ist seltsam“, sagte sie leise.
„Als hätten wir all die Jahre übersprungen. “
Lukas sah sie an, und für einen Moment war da nichts anderes mehr. Kein Vertrag, keine Verpflichtungen, nur sie. Er wollte etwas sagen, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken.
Anna stand da, näher als in all den Momenten zuvor, und doch schien eine unsichtbare Wand zwischen ihnen zu liegen. „Ich habe dich nie vergessen“, sagte sie schließlich. „Aber ich habe auch nie verstanden, warum du damals einfach gegangen bist. “
Er hatte eine Antwort parat, eine Entschuldigung, die er seit Jahren vorbereitet hatte.
Doch als er ihren Blick sah, wusste er, dass Worte nicht reichten. Bevor er antworten konnte, klingelte sein Handy. Der Anruf, auf den er gewartet hatte, der den Vertrag besiegeln würde. Lukas starrte auf das Display, dann wieder auf Anna.
Sie lächelte traurig. „Dein Leben ruft. “
Da begriff er, dass dieser eine Moment alles verändern würde, wenn er es nur zuließ.
Aber er wusste noch nicht, ob er stark genug war, um sich zu entscheiden.


