Axel und ich sammeln zuerst alle Gemüsekisten vom Hof ein. Es ist Mitte November, der Himmel ist grau und es nieselt, aber für nächste Woche sind Nachtfröste bis minus sechs Grad angesagt. Bevor es so weit ist, müssen wir ernten, was noch im Garten steht. Unsere erste Station ist die Hauswand, wo in Kübeln noch einige Paprika wachsen.

Es sind nicht mehr viele, aber jede einzelne ist kostbar. Die Sorte ist der spanische Bratpaprika, der eigentlich grün geerntet wird – genau dieser Zustand ist klassisch für Tapas. Ein paar sind schon rot, die schmecken ebenfalls wunderbar. Alles wird abgeholt, denn Paprika steckt voller Vitamin C und schmeckt roh einfach großartig.
Ich zeige eine Paprika, die angefangen hat zu faulen, weil es einfach zu kalt und zu nass geworden ist. Die Zeit der Paprika ist jetzt endgültig vorbei, aber ich bin sehr zufrieden mit dieser letzten Ernte. Weiter geht es zum Kohlbeet. Der Blumenkohl sieht nicht mehr gut aus – er verträgt Frost nur schlecht, also lassen wir ihn größtenteils stehen.
Daneben steht der Brokkoli, unser Zauberbaum. Die Röschen sind bereit. Ich schneide die Hauptköpfe ab und entdecke dabei, dass die Pflanzen auch seitliche Röschen gebildet haben – eine tolle Sorte, die uns besonders viel schenkt. Sogar die Blätter sind essbar, das empfehle ich jedem mal auszuprobieren.
Direkt daneben wächst der Chinakohl. Ich habe in den letzten Tagen schon Kimchi gemacht und das Rezept geteilt. Jetzt ernten wir den ganzen Kohl. Sieht er von außen erstmal etwas armselig aus, zeigt sich nach dem Entfernen der äußeren Blätter ein wunderschöner, fester Kopf.
Die abgetrennten Blätter kommen zu den Hühnern, die sich riesig darüber freuen. Ein paar Pflanzen sind von unten her angefressen, die gehen ebenfalls an die Hühner. Auf dem Feld entdecken wir noch eine Reihe Spinat, den wir für den Frischverzehr stehen lassen können. Er verträgt leichte Fröste, nur bei Dauerfrost macht er schlapp.
Daneben ziehen wir eine Kiste Rettich – ein wunderbares Gemüse, besonders wenn man eine Erkältung hat. Die Rettiche lagern wir später in Sand ein, dann haben wir den ganzen Winter etwas davon. Der Regen wird stärker, die Kameras mögen das nicht. Wir machen eine kurze Pause, aber es geht gleich weiter.
Im Feldgarten stehen noch Rosenkohl- und Grünkohlpflanzen. Beide sind absolut frostresistent, sogar Schnee macht ihnen nichts aus. Wir lassen sie einfach stehen und freuen uns im tiefen Winter über die Ernte, wenn das Angebot auf dem Markt klein ist. Nur ab und zu pflücke ich mir ein paar Grünkohlblätter für gesunde Chips.
Im großen Gemüsegarten wartet der Zuckerhut auf uns. Der gehört nicht zu den frostfesten Sorten und steht im Bio-Saatgut-Kalender für 2025, den wir in unserem Shop verkaufen. Der Zuckerhut hat nichts mit Süße zu tun – der Name kommt von der Form, die an einen Zuckerhut erinnert. Wenn man ihn anschneidet und kurz ins Wasser stellt, wird er weniger bitter.
Ich schneide ihn in dicke Ringe, würze sie mit Salz und Öl und backe sie im Ofen. Das ist mein Lieblingsabendessen, wenn ich kohlenhydratarm essen möchte. Ein paar Pflanzen lasse ich im Beet stehen, um zu testen, wie viel Frost er wirklich verträgt. Hinter mir leuchtet zartgrüner Fenchel.
Der schmeckt nicht nur uns – auch unsere Hühner Mia und Lotti lieben das Grünzeug. Einen Teil ernten wir, einen Teil lasse ich für später stehen. Direkt daneben liegt der Knollensellerie. Der verträgt nur leichten Frost, sonst wird er matschig.
Wir holen ein paar Knollen raus, die wir später in Sand einlagern. Aus ihnen kann man wunderbar Suppe kochen oder sie als Schnitzel-Alternative zubereiten. Es gibt auch Wurzelgemüse, das wir theoretisch den ganzen Winter draußen lassen könnten: Pastinaken, Schwarzwurzeln und Haferwurzel. Sie sind robust und überstehen den Frost problemlos.
Aber die Wühlmäuse sind hier sehr aktiv, also sichern wir doch einen Teil. Neben ihnen wächst Rote Bete. Auch die ist nur bedingt frostfest, also ernten wir sie und schichten sie in Sand ein. Ein Teil davon geht sogar an die Pferde.
Dann kommt die größte Überraslierung des Tages: In unserem Gewächshaus wachsen tatsächlich noch Gurken! Sie sehen von außen vielleicht etwas ramponiert aus, aber wir finden noch ein paar frische Exemplare. Eine gelbe Gurke wandert zu den Hühnern, der Rest kommt mit. Dazu noch etwas Petersilie – das gibt heute Abend einen schönen Gurkensalat.
Zum Schluss sind wir ziemlich stolz auf das, was wir zusammengeerntet haben. Auch wenn das Wetter nicht mitspielt und es ungemütlich ist – der Garten hat uns auch im November noch so viel geschenkt. Neben allem, was wir heute geerntet haben, stehen auf den Beeten auch noch Herbstsalate und Radicchio, die wir gar nicht mehr geschafft haben zu zeigen. Bevor der Frost kommt, steht jetzt noch die Arbeit in der Küche an.
Das Erntegut muss geschnitten, eingefroren oder eingelagert werden. Ich werde euch auf Instagram mitnehmen, wenn ich die Vorräte für den Winter vorbereite – denn auch wenn der Garten langsam zur Ruhe kommt, ist die Arbeit noch lange nicht vorbei.


