„Weißt du, was ich heute im November aus der Erde gezogen habe? Nicht, was du denkst.“ Ich stand im Garten und hielt dieses seltsame, blasse Gewächs in der Hand. Mein Nachbar nannte es Unkraut,…

„Weißt du, was ich heute im November aus der Erde gezogen habe? Nicht, was du denkst.“ Ich stand im Garten und hielt dieses seltsame, blasse Gewächs in der Hand. Mein Nachbar nannte es Unkraut,...

Wir waren fast zwei Jahre lang ohne richtige Küche – nur eine Baustelle mit eineinhalb Herden. Endlich, im späten November, steht der Rohbau, und ich kann wieder kochen. Aber zuerst muss ich etwas ganz Besonderes aus dem Garten holen. Im Hochbeet, in einem Kartoffelkorb, wächst ein Gemüse, das auf den ersten Blick seltsam aussieht.

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Es ist frostempfindlich, also wird es jetzt Zeit, alles zu ernten. Ich schneide die Stängel unten ab und ziehe sie aus der Erde. Sie sehen wirklich lustig aus, diese kleinen, blassen Triebe mit ihren Schichten. Manche sind noch kurz, andere schon so hoch, dass sie in der Mitte aufblühen und hohl werden.

Zu groß sollten sie nicht werden, sonst verlieren sie ihren Geschmack. Aber wenn man sie klein erntet, kann man sie sogar im Ganzen zubereiten. Es gibt so viele Möglichkeiten. Drinnen in der Küche ist es wärmer.

Ich lege die Ernte auf den Tisch und erkläre, was wir vor uns haben. Man nennt dieses Gemüse auch Vulkan-Spargel – und wenn man sich diese kleinen Köpfe ansieht, versteht man sofort, warum. Es ist Puntarelle, ein bitterer Salat, verwandt mit Zichorien. Die Blätter sind ebenfalls leicht bitter, aber durchaus essbar – besonders gut für alle, die auf ihre Leber achten und sowieso schon Löwenzahn mögen.

Je nachdem, welchen Geschmack man mag, kann man sie einfach mitverwenden. Ich wasche die Puntarelle gründlich und lege sie bereit. Zwischendurch werfe ich einen Blick in meine alte Küche, die ich nach und nach wieder aufbaue. Unser Geld reichte nicht für eine neue Einrichtung, und eine Kooperation mit einem Partner habe ich nicht gefunden.

Deshalb habe ich vieles aus unserer früheren Küche mitgenommen. Das alte Kochfeld funktioniert noch einwandfrei, unser geliebter Küchenschrank hat den Umzug mitgemacht, und auch die fast zwanzig Jahre alte Küche, die wir mit dem Haus übernommen haben, haben wir mit neuen Füßen versehen und wieder aufgestellt. Es fehlen noch ein paar Türen und Oberschränke, aber nach und nach füge ich die alten wieder zusammen, damit alles ein Ganzes ergibt. Es ist harte Arbeit, Schritt für Schritt.

Aber wenn man ein paar Tipps hat, bin ich sehr offen dafür. Dann endlich zum Kochen. Ich zeige zwei meiner liebsten Varianten, eine davon kommt auf ein Blech, die andere in die Pfanne. Zuerst öle ich das Blech ein und lege die größeren Puntarelle hinein, wie einen kleinen Wald.

Dazu kommen Snackpaprika aus unserem Garten, die ich neben den Blättern verteile. Der Ofen übernimmt dann den Rest. Das Gemüse bekommt Salz und Öl, dazu etwas Knoblauch. Im Ofen werden die Paprika süß, und die Puntarelle verliert einen Teil ihrer Bitterkeit.

Kinder mögen sie so übrigens sehr gern. Ich schiebe das Blech in den Ofen und widme mich der Pfanne. Die restlichen, kleineren Puntarelle kommen hinein, damit sie gleichmäßig garen. Ich erhitze etwas Öl, brate eine Schalotte und Knoblauch darin an und gebe die Puntarelle dazu.

Die Kunst liegt in der Einfachheit: Wenn die Zutaten gut sind, kann nichts schiefgehen. Sogar Kinder, die selbst Gemüse anbauen, essen es lieber, wenn sie den Weg von der Pflanze zum Teller kennen. Ich lasse alles auf mittlerer Hitze braten. Die Puntarelle verfärbt sich langsam von zartem Grün zu einem dunkleren Ton.

Dann gebe ich etwas Wasser dazu und lösche den Bratensatz ab. Für die vegane Variante nehme ich Feto, fermentiertes Soja, das ich kurz anbrate, damit es nicht schmilzt, sondern leicht röstet. Dazu kommen gehackte Walnüsse und frische Petersilie aus dem Garten. Die Stängel der Petersilie hebe ich auf, zerkleinere sie und friere sie ein – so habe ich auch später noch etwas davon.

Beide Gerichte schmecken warm, aber auch kalt als Salat oder Vorspeise. Als das Blech aus dem Ofen kommt, sieht es wunderbar aus. Die Puntarelle im Ofen ist zart, das Gemüse mit den Röstkartoffeln vom Vortag ist fertig. Dann rufe ich die Familie an den Tisch.

Auch ein bisschen Ziegenkäse habe ich auf eine Seite gestreut – denn ganz ohne Tierisches geht es bei uns nicht. Jeder hat seinen eigenen Weg, und das ist in Ordnung. Das Essen ist fertig, und ich hoffe, es schmeckt so gut, wie es aussieht.

Vielleicht probiert ihr auch einmal Puntarelle aus dem eigenen Garten.