Ich bin Jen vom Garten-Gemüsekiosk, und heute geht es endlich wieder um das Thema Anzucht. Ihr habt uns so viele Fragen zu unseren Methoden geschickt, dass wir beschlossen haben, euch mitzunehmen und zu zeigen, wie wir bei uns aussäen, was sich bewährt hat und welche Tricks ihr ganz leicht zu Hause umsetzen könnt. Alles beginnt mit der richtigen Erde. Wir kaufen schon lange keine Aussaaterde mehr, das hat bei uns nie richtig funktioniert.

Stattdessen stellen wir sie selbst her, und das ist einfacher, als die meisten denken. Wir nehmen einfach alte Erde aus unseren Kübeln, zum Beispiel von Tomaten oder Paprika, sieben sie einmal gründlich durch, damit sie schön feinkrümelig wird, und dann wird sie gedämpft. Das Dämpfen ist das Wichtigste, denn so werden Schädlinge und Krankheitserreger zuverlässig abgetötet. Für große Mengen nutzen wir eine Dampfschubkarre, die sich bei uns über die Jahre wirklich bewährt hat.
Wenn ihr nur ein paar Schalen vorziehen wollt, reichen auch einfachere Methoden, die wir euch verlinkt haben. Oder ihr nutzt einen Erddämpftopf, den kann man sich vielleicht sogar mit Gärtnerfreunden teilen. Unterschätzt die Erde nicht. Sie ist das Fundament für alles, was danach kommt.
Und genauso wichtig ist ein fester Platz in der Wohnung, an dem eure Anzuchten stehen können. Gerade im Januar und Februar, wenn wir mit Zusatzbeleuchtung arbeiten, ist es viel angenehmer, eine feste Ecke zu haben, wo wir nicht ständig hin und her räumen müssen, sondern schnell einen Blick auf unsere Pflänzchen werfen können. Bevor wir aber richtig loslegen, möchte ich euch noch etwas sagen: Vielen Dank für eure vielen Bestellungen bei uns im Kiosk. Es freut uns riesig, dass ihr so begeistert seid.
Allerdings gab es bei manchen Bestellungen mit dem Speisemeister eine kleine Verzögerung. Der war kurzfristig nicht lieferbar, aber ab morgen gehen diese Bestellungen endlich auf die Reise, damit ihr euer Saatgut rechtzeitig in den Händen haltet. Und da ich gerade beim Thema bestellen bin, möchte ich euch einen kleinen Einblick geben, wie das bei uns hinter den Kulissen so läuft. Wenn ihr in unserem Shop bestellt, habt ihr verschiedene Zahlungsmöglichkeiten, am liebsten ist uns die Überweisung oder Vorkasse, das ist für uns am einfachsten.
Paypal und Klarna bieten wir natürlich auch an, aber dafür zahlen wir Gebühren, und in letzter Zeit gab es damit vermehrt Schwierigkeiten, die nicht an unserem Shop liegen, sondern an externen Prüfstellen. Falls es bei Paypal hakt, hilft es oft, ein anderes Gerät, einen anderen Browser oder einen anderen Zeitpunkt zu wählen. Und bei Klarna müssen wir Bestellungen leider manchmal stornieren, dann bekommt ihr von uns innerhalb von ein bis zwei Tagen eine E-Mail mit der Möglichkeit, auf Überweisung umzustellen. Schaut in so einem Fall auch gerne im Spam-Ordner nach.
Diese Hintergrundinfos sind mir wichtig, weil ihr so einen Einblick bekommt, wie es ist, einen kleinen Betrieb zu führen. Wir geben jedenfalls unser Bestes, damit alles schnell bei euch ankommt. Weiter geht’s mit der Anzuchtstation. Die Temperatur im Raum spielt eine große Rolle.
Bei uns liegt sie gerade bei circa 15 Grad, das schwankt immer ein bisschen. Wichtig ist, dass ihr die Temperatur bei euch im Raum kennt und wisst, welche Keimtemperaturen eure Pflanzen brauchen. Genauso wichtig ist die Beleuchtung. Wir arbeiten seit Jahren sehr erfolgreich mit LEDs.
In unserer großen Anzuchtstation, einer Fläche von etwa einem Quadratmeter, haben wir fünf Topfplatten unter zwei LED-Leuchten mit insgesamt 100 Watt. Diese Leuchten sind dimmbar, was ihr bei guten Leuchten unbedingt beachten solltet, denn das spart Energie und Kosten. Aktuell stehen bei uns erst wenige Schalen unter den Leuchten, und genau genommen guckt noch nichts Grünes raus, da braucht es noch gar kein Licht. Das haben wir nur für das Video mal so hingestellt.
Sobald aber die ersten grünen Zipfel durch die Erde schauen, ist Licht Pflicht. Wir kontrollieren das ganz einfach mit dem Smartphone, es gibt verschiedene Luxmeter-Apps. Da solltet ihr schon auf ungefähr 10. 000 Lux kommen, darunter solltet ihr nicht gehen.
Wenn nur eine Platte unter der Leuchte steht, könnt ihr den Abstand verringern und herunterdimmen, dann habt ihr schnell die richtige Beleuchtungsstärke. Wissenschaftlich ist das nicht, aber für den Hausgebrauch reicht es völlig. Und wie lange sollten wir die Pflanzen beleuchten? Wir empfehlen zwischen 10 und 16 Stunden am Stück, je nach Pflanzenart und Wachstumsphase.
Wichtig ist aber: Nicht einfach 24 Stunden durchleuchten. Pflanzen brauchen ihren Rhythmus, sie brauchen auch Dunkelheit, also eine Pause, um sich gut zu entwickeln. Jetzt zur Temperatur: Bei 15 Grad fühlen sich Kohl, Salatund Zwiebelgewächse wohl. Aber wenn ich in unseren Anzuchtkalender schaue und sehe, dass Chilis bis 25 Grad brauchen, und dass Tomaten und Paprika es ebenfalls gern wärmer haben, dann wird klar: Da muss ich nachhelfen.
Die Lösung sind Wärmematten, die wenig kosten, lange halten und nicht viel Strom verbrauchen. Wenn nur ein paar Schalen draufstehen, reicht das schon. Und den Effekt könnt ihr noch verstärken, indem ihr ein kleines Kindertreibhaus, ein sogenanntes Mini-Gewächshaus, über die Schalen stülpt, dann sammelt sich die Wärme und die Erde erreicht endlich die richtige Temperatur. Wir haben hier im Büro eine zweite Anzuchtstation, und die ist für die meisten von euch sicherlich von der Größenordnung her interessanter.
Es ist ein flexibles Regal, das wir dank Rollen hin und her schieben können, und die Böden lassen sich in der Höhe verstellen. Darunter hängt eine weitere, dimmbare Led-Leuchte mit 50 Watt. Hier habe ich meine Chilipflanzen stehen. Die Erde hat jetzt, gemessen mit dem Thermometer, angenehme 25 Grad, denn das Mini-Gewächshaus sammelt die Wärme der Leuchte und hält sie dort, wo sie gebraucht wird.
Die Heizmatte ist hier übrigens noch gar nicht angeschlossen. So sparen wir Energie, indem wir clever arbeiten: Die Wärme, die die Leuchte ohnehin abgibt, wird genutzt, statt zusätzlich zu heizen. Sobald die Pflänzchen bei dieser Wärme schön gekeimt sind und eine gewisse Größe erreicht haben, ziehen sie aber um, denn im Mini-Gewächshaus wird es ihnen sonst zu warm, und bei zu viel Wärme wachsen sie zwar schnell in die Höhe, aber sie werden nicht schön kompakt. Wir wollen ja kräftige, vitale Pflanzen.
Deswegen kommen sie dann in unseren kühleren Raum mit rund 15 Grad, wo sie zwischen 15 und 20 Grad ideal weiterwachsen, bevor sie nach draußen dürfen. Ein weiterer Tipp von mir: Wir haben auf der Rückseite des Regals eine silberne Folie angebracht, die als Reflektor dient. Damit nutzen wir das Licht viel besser aus, kennt ihr vielleicht aus der Fotografie. Das Mindeste sollte eine weiße Platte sein, um das Licht einzufangen.
Und wenn ihr ein Zimmer mit Südfenster habt, könnt ihr das Regal einfach davorrollen, den Reflektor dahinter, und euch die Beleuchtungszeit sparen, indem ihr zum Beispiel morgens vier Stunden und abends vier Stunden beleuchtet und zwischendurch das Tageslicht nutzt. Was die Fensterbänke angeht, da wird es oft kritisch. Ich habe hier mit dem Infrarot-Thermometer gemessen, und da kommen wir oft nur auf 16 bis 17 Grad. Das ist perfekt für Kohl und Salat, aber für wärmeliebende Pflanzen zu kühl.
Also immer erst die Bedingungen prüfen, dann die Pflanzen auswählen, oder eben nachhelfen. Wenn wir über erfolgreiche Anzucht sprechen, dürfen wir ein Thema nicht vergessen: Schädlinge. Ich habe hier eine Gelbtafel in der Hand, und ihr seht, da sind Trauermücken drauf, und das, obwohl ich gedämpfte Erde verwende. Wie kann das sein?
Ganz einfach: In unserem Büro stehen Zimmerpflanzen, und darüber haben sich die Trauermücken ihren Weg zu meinen Anzuchtschalen gebahnt. Die Fliegen selbst sind nicht das Hauptproblem, es sind ihre Larven, die sich über die Wurzeln unserer Pflänzchen hermachen. Deswegen gilt: Sobald ihr sie entdeckt, sofort handeln. Wir setzen dann Nematoden ein, ein- bis zweimal, und dann ist die Sache erledigt.
Genauso wichtig ist es, bei Überwinterungspflanzen wie Chilis, Physalis oder Peppino direkt zu reagieren, wenn ihr Blattläuse entdeckt, sonst kann das schnell eskalieren. Wir nehmen dann unser Pflanzenfit, ein natürliches und effektives Mittel, das wir auch im Shop haben. Und wichtig: Wenn wir mit Nematoden behandeln, behandeln wir alle Pflanzen im Raum, auch die Zimmerpflanzen, damit es wirklich wirksam ist. Und dann ist da noch das Thema Gießen.
Unsere Anzuchtschalen halten wir immer schön feucht, am besten mit einer Sprühflasche, besonders direkt nach der Aussaat. Bei größeren Pflänzchen gießen wir dann normal, lassen aber die Oberfläche zwischendurch antrocknen. Und wir lockern die Erde regelmäßig mit dem Pikierstäbchen auf, damit sie schön locker bleibt. Das reduziert die Verdunstung, Trauermückenlarven mögen es nicht so gern, und Schimmel haben wir dann auch nicht.
Wenn ihr doch mal Schimmel entdeckt, helfen pflanzenfit und Gartenbodenaktivator. Am besten gießt ihr größere Pflänzchen von unten, stellt sie in eine Wanne mit Wasser, wartet ungefähr eine Stunde, und gießt das überschüssige Wasser danach einfach wieder ab. Und jetzt verrate ich euch noch einen alten, bewährten Trick, um die Keimfähigkeit zu verbessern, besonders bei älterem oder geschenktem Saatgut: Wir machen einen schwachen Kamillentee, lassen ihn abkühlen, und legen das Saatgut dann für 24 Stunden hinein, damit es quellen kann. Das machen wir gerne bei Auberginen, Paprika und Tomaten.
Bei Salat, Kohl oder Möhren bringt das nichts, da haben wir andere Methoden. Aber schaden tut es auf keinen Fall, probiert es ruhig aus. Und dann ist da noch ein Thema, das mir am Herzen liegt: die effektiven Mikroorganismen, kurz EM. Manche halten das für Hokuspokus, andere schwören darauf.
Wir arbeiten seit Jahren damit, als Pflanzenschutz, als Dünger und als Bodenhilfsstoff. Macht euch einfach eure eigenen Erfahrungen, eine Flasche kostet nicht viel. Ich weiß, dass es kritische Stimmen gibt, und ich habe sogar Links zu Podcasts geschickt bekommen, die sich kritisch damit auseinandersetzen, was ich grundsätzlich gut finde. Aber was mich erschreckt hat: In einem dieser Podcasts wurde ein Ausschnitt aus einem älteren Video von uns verwendet, mit meiner Stimme, ohne dass mich jemand um Erlaubnis gefragt hätte.
Ich habe mich daraufhin gemeldet und um Stellungnahme gebeten, habe aber bis heute keine Antwort bekommen, und das, obwohl ich mehrmals nachgefragt habe. Das finde ich schon fragwürdig, und es zeigt mir, dass man sich immer seine eigene Meinung bilden sollte. Wenn ihr EM ausprobieren wollt: Seid konsequent, arbeitet eine ganze Saison damit, dann könnt ihr euch ein echtes Bild machen. Und nein, wir haben es nicht im Shop, weil wir uns eine goldene Nase davon verdienen wollen, sondern weil wir es selbst benutzen und überzeugt davon sind.
Unser Kern ist und bleibt das Saatgut, aber wir möchten euch nicht vorenthalten, womit wir arbeiten. Jetzt stellt sich natürlich die ganze Frage: Brauche ich das alles überhaupt? Diese ganzen frühen Aussaaten und die Zusatzbeleuchtung, der ganze Aufwand? Das hat doch früher auch ohne funktioniert.
Also, die ehrliche Antwort: Nein, du musst das nicht machen. Du bekommst auch ohne all das einen wunderschönen, bunten Gemüsegarten. Aber diese neuen Techniken eröffnen dir eben auch neue Möglichkeiten, besonders bei wärmeliebenden Pflanzen wie Paprika, Chili, Fisalis oder Auberginen. Und die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis muss jeder für sich selbst beantworten.
Schaut mal her: Hier oben steht eine Platte mit Blattsalat, der ist schon pikiert, und der steht jetzt bei uns im Gewächshaus. Hier ist es kühl, aber die Pflanzen wachsen trotzdem, nur eben langsamer. Über die Temperatur könnt ihr also regulieren, wie schnell eure Pflanzen wachsen. Ob ihr früher oder später aussät, hängt von euren Zielen ab.
Wenn ihr zum Beispiel richtig schöne, große Gemüsezwiebeln haben wollt, müsst ihr früh anfangen, und dann braucht ihr auch die Zusatzbeleuchtung. Wenn euch normale Zwiebeln reichen, könnt ihr auch Ende Februar starten, die ersten zwei Wochen brauchen die eh noch kein Licht. Bei den wärmeliebenden Pflanzen sieht es anders aus, da müsst ihr früh genug dabei sein, damit sie richtig schön, kompakt und kräftig werden, und da ist nicht nur das Licht wichtig, sondern auch die Beleuchtungsdauer und die Temperatur. Wenn ihr ein Südfenster habt mit viel Licht, könnt ihr auch Ende Februar anfangen, ohne künstliche Beleuchtung, aber nur,wenn die Temperaturen stimmen.
Wenn ihr nur ein Nord- oder Ostfenster habt, reicht das Licht im März einfach nicht aus, egal wie warm es ist. Es kommt also immer auf die Gesamtbedingungen an: Licht, Temperatur, und wie viel Zeit und Energie ihr investieren wollt. Und was ist, wenn ihr gar kein Gewächshaus habt und keine Möglichkeit vorzuziehen? Dann könnt ihr euren Garten trotzdem über die ganze Saison bunt halten, aber bei wärmeliebenden Pflanzen wie Paprika wird es schwierig, wenn ihr sie erst im späten Frühjahr aussät, die brauchen einfach ihre Zeit.
Dann würde ich euch eher empfehlen, euch Jungpflanzen zu besorgen, die Auswahl an Sorten ist dann vielleicht nicht ganz so groß, aber besser, als ganz darauf zu verzichten. Und noch eine Frage, die oft kommt: Brauche ich bei Tomaten unbedingt eine Zusatzbeleuchtung und muss ich sie im Haus vorziehen? Auch hier gilt: Es kommt darauf an. Wenn ich ein Gewächshaus oder einen geschützten Raum habe, macht es Sinn, früher vorzuziehen, dann kann ich früher pflanzen und früher ernten.
Wenn ich meine Pflanzen aber eh erst im Mai nach draußen setze, kann ich auch im März aussäen, und wenn ich dann noch ein Südfenster habe, spare ich mir die Beleuchtung komplett. Es gibt also ganz viele verschiedene Wege zum Ziel. Der Großteil von euch hat sicher schon eigene Erfahrungen gemacht, und ich hoffe, wir konnten euch ein bisschen weiterhelfen. Über ein Daumen nach oben freue ich mich sehr, und schreibt eure Fragen und Erfahrungen gerne in die Kommentare, wir beantworten die in den nächsten Videos.
Und wenn ihr noch ein bisschen stöbern wollt, findet ihr oben unsere Playlist mit den Workshop-Videos, die sich nach und nach füllt. Und für alle, die es bunt mögen, stellen wir unten regelmäßig unsere neuen Sorten vor, die es als Jungpflanze nicht unbedingt zu kaufen gibt. Also, macht eure Gärten bunt und bis zum nächsten Mal, eure Gen.


