Ich habe versucht, sie anzurufen, aber es kam kein Kontakt zustande. Meine Tochter war auf einer Wanderung im Schwarzwald verschwunden, und niemand wusste, was mit ihr passiert war. Die letzte…

Ich habe versucht, sie anzurufen, aber es kam kein Kontakt zustande. Meine Tochter war auf einer Wanderung im Schwarzwald verschwunden, und niemand wusste, was mit ihr passiert war. Die letzte...

Der Anruf kam von ihrer Freundin Vanessa aus Mainz. Sie fragte, warum Scarlet nicht käme – oder wann sie denn endlich käme. Scarlets Vater Ralf versuchte, seine Tochter anzurufen, doch es kam kein Kontakt zustande. Scarlet Zillich, damals 26 Jahre alt, war auf einer Wanderung im Schwarzwald spurlos verschwunden.

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Die junge Frau aus Pattlippsringe in Nordrhein-Westfalen war eine abenteuerlustige Studentin, die oft allein unterwegs war. Sie hatte geplant, den Schluchtensteig, einen knapp 120 Kilometer langen Wanderweg von Stühlingen nach Wehr, ohne Begleitung zu gehen. Anschließend wollte sie ihre Freundin Vanessa in Mainz besuchen. In einer Sprachnachricht kündigte sie ihren Besuch an – doch sie kam nie an.

Am 9. September 2020 erreichte Scarlet Todtmoos. Sie schrieb Vanessa, dass sie nach der letzten Wanderetappe am nächsten Tag zu ihr kommen wolle. Doch als sie in Mainz nicht auftauchte und ihr Handy keine Nachrichten mehr empfing, schlug die Freundin Alarm.

Einen Tag später meldete die Familie Scarlet als vermisst. Die Polizei begann sofort zu ermitteln. Mehrere Tage lang durchsuchten rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bergwacht und THW das unwegsame Gelände. Drohnen und Hubschrauber waren im Einsatz, doch von der jungen Frau fehlte jede Spur.

Das Gebiet war gefährlich, voller steiler Hänge und Felswände. Doch Scarlet schien wie vom Erdboden verschluckt. Weil sich keine konkreten Anhaltspunkte ergaben, stellte die Polizei die Suche nach zwei Wochen vorerst ein. Doch die Familie gab nicht auf.

In sozialen Medien baten sie um Mithilfe, und Menschen aus der Region gründeten eine private Suchinitiative. Andreas Asal aus Schönau, etwa 30 Minuten von Todtmoos entfernt, war von Beginn an dabei. Er arbeitete in der Automobilbranche, doch das Leid der Familie motivierte ihn, weiterzumachen. Zusammen mit seinen Mitstreitern leistete er Detektivarbeit.

Eine wichtige Frage beschäftigte die Ermittler: Wollte Scarlet die letzte Etappe des Schluchtensteigs vielleicht gar nicht gehen? In einem Supermarkt entstanden die letzten Bilder von ihr. Auf den Überwachungsaufnahmen war sie in voller Wandermontur zu sehen – mit Rucksack und Wanderschuhen. Sie hatte Wasser, Kekse und das Übliche für die Wanderung gekauft.

Aufgrund dieser Dinge ging man davon aus, dass sie die Tour tatsächlich antreten wollte. Um zum Einstieg des Wanderwegs zu gelangen, hätte Scarlet am Kurpark in Todtmoos vorbeilaufen müssen. Die Familie gab dem Suchtrupp die Zugangsdaten zu ihrem Google-Konto. Die Handydaten bestätigten: Scarlet war tatsächlich hier gewesen.

Ihre letzte Aktivität war ein Chat mit ihrem Freund in China im Kurpark, im keltischen Steinlabyrinth. Danach wählte sich ihr Telefon nie wieder ins Mobilfunknetz ein. Der Freund gab an, Scarlet habe auf ihn bedrückt gewirkt. Könnte sich die lebensfrohe Studentin etwas angetan haben?

Andreas Asal wertete alle Text- und Sprachnachrichten an Familie und Freunde aus. Sein Eindruck war klar: „Wir hatten immer den Eindruck, dass es ihr gut ging. Sie war glücklich auf der Tour, auch in den Gesprächen mit der Familie. Wir glauben nicht, dass sie auf einmal einen Suizid begehen könnte.

“ Auch die Polizei hielt diese Theorie für unwahrscheinlich. Zwei Monate später wurde die Suche offiziell wieder aufgenommen. Der Wald war nicht mehr so dicht wie im September, und die Ermittler konzentrierten sich auf den letzten Streckenabschnitt des Wanderwegs. Auch der private Suchtrupp fokussierte sich auf diese 20 Kilometer.

Scarlets Vater Ralf begleitete die Gruppe ins Gelände. Er war tief beeindruckt vom Engagement der Freiwilligen, die über einen so langen Zeitraum alles gaben. Die Gruppe ging an Stellen, an die sonst niemand wollte – in die Hänge, durchs Unterholz. Sie suchten steile Stellen, die schwer zu erreichen waren, und mussten aufpassen, selbst nicht zu verunglücken.

Trotz allem blieb Scarlet spurlos verschwunden. Im September 2021 leitete die Staatsanwaltschaft ein Todesermittlungsverfahren ein, ausgelöst durch eine anonyme Anzeige, nach der Scarlet Opfer eines Verbrechens geworden sei. Die Suche ging weiter. Das Team charterte sogar ein Flugzeug, um bereits abgesuchte Bereiche von oben zu überprüfen.

Sie durchkämmten fast jeden Ort, auch abseits des Wanderwegs. Bei der Analyse von Scarlets Social-Media-Profil stellte das Team fest, dass sie viel in der Natur war – auf einem Selfie saß sie auf einem Felsvorsprung. Hatte sie ihr Leben für ein Foto riskiert? Ihr Vater Ralf glaubte das nicht: „Sie war eine erfahrene Wanderin und außerdem sehr besonnen.

Man kann nichts ausschließen, aber sie riskierte nicht um jeden Preis alles. “

Mehr als 100 Einsätze hatte der Suchtrupp inzwischen unternommen, ohne Ergebnis. Andreas Asal bezweifelte mittlerweile die Unfalltheorie: „Es gibt auf der letzten Etappe nicht viele Absturzstellen. Diese wurden abgesucht.

Da hätte man nach all der Zeit etwas finden müssen. “ Bei den Recherchen stieß die Gruppe zwar immer wieder auf Gegenstände, doch nichts davon gehörte Scarlet. Auch ihr markanter roter Rucksack blieb verschwunden. Dann gab es eine neue Spur.

Eine Zeugin wollte Scarlet am Tag ihres Verschwindens auf einem Parkplatz gesehen haben, etwa auf der Hälfte der letzten Etappe. Sie beschrieb eine blonde, jüngere Frau, die an einem großen Stein Pause gemacht hatte. Die Personenbeschreibung passte, und Scarlet hatte ein türkises Handtuch bei sich gehabt, das sie auf dem Stein ausgebreitet hatte. Das Suchteam organisierte eine private Hundestaffel, und die Tiere zeigten tatsächlich auffälliges Verhalten an dem Stein.

Sie waren unruhig und wollten nicht weiter auf den Wanderweg, sondern kehrten zum Parkplatz zurück. War Scarlet hier in ein Auto gestiegen? War es freiwillig oder wurde sie entführt? Bis heute ist ungeklärt, was mit Scarlet im September 2020 passiert ist.

Die Staatsanwaltschaft stellte das Todesermittlungsverfahren schließlich ein, wollte aber neuen Hinweisen nachgehen. Für Andreas Asal kam Aufgeben nicht infrage: „Sie muss irgendwo sein. Sie kann nicht einfach vom Erdboden verschluckt sein. Wir werden weitermachen, damit diese grausame Ungewissheit endlich ein Ende hat.

Ralf Zillich wünschte sich insgeheim, dass seine Tochter freiwillig untergetaucht wäre und woanders ein neues Leben begonnen hätte. Doch glauben konnte er daran nicht. Solange er nicht wusste, was seiner Tochter zugestoßen war, würde er weitersuchen. „Ich möchte sie finden und ihr Schicksal klären.

Ich kann nicht akzeptieren, dass meine Tochter verschwunden ist und keiner etwas von ihr hört. Ein Kind darf keine Erinnerung werden. Das ist falsch.