Ich stand in 4000 Metern Höhe, völlig untrainiert, und lief stundenlang am Ufer des Titicacasees entlang. In der Hand hielt ich Fotos von einem Tatort, den niemand je gefunden hatte. Die…

Ich stand in 4000 Metern Höhe, völlig untrainiert, und lief stundenlang am Ufer des Titicacasees entlang. In der Hand hielt ich Fotos von einem Tatort, den niemand je gefunden hatte. Die...

Sommer 2010. Ein Serienmörder hält die Polizei in Hessen und Baden-Württemberg in Atem. Auf unbeleuchteten Parkplätzen tötet er zwei Menschen, schießt seinen Opfern kaltblütig von hinten in den Kopf. Heiko Falter leitet damals die Sonderkommission.

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Es ist der 8. Mai 2010, als auf einem Parkplatz im Hölzertal die Leiche eines Mannes entdeckt wird. Es ist Heiko S. , ein ehemaliger Bundeswehrsoldat.

Ihm wurde von hinten in den Kopf geschossen. Falter ist noch in der Nacht am Tatort. Der 30-Jährige war in seiner Stammkneipe gewesen, hatte mit einem Freund telefoniert. Dann fuhr er auf einen unbeleuchteten Parkplatz am Waldrand, nur wenige hundert Meter von seinem Heimatort entfernt.

Er saß in seinem hellgrünen Peugeot 106, als er vom Mörder angesprochen und erschossen wurde. Möglicherweise unterhielten sich die beiden kurz. Dann zog der Angreifer eine Pistole und schoss Heiko von hinten in den Kopf. Der Mörder zog sich Einweghandschuhe an und zerrt die Leiche aus dem Auto.

Im Fahrzeuginneren findet sich sehr viel Blut. Doch der Täter wird gestört. Ein Ehepaar fährt auf den Parkplatz, hält aber nicht an – es ist ihnen zu unheimlich. Der Täter flieht überstürzt und hinterlässt wichtige Spuren: eine Zigarettenkippe direkt neben der Leiche, einen Einweghandschuh und eine einzelne Patronenhülse.

Als Tatwaffe kommt nur eine Sportpistole infrage. Noch in der Mordnacht wird ein Mann in der Nähe festgenommen, der sich in Widersprüche verwickelt. Doch dann geschieht ein zweiter Mord, und der Mann hat ein Alibi. Acht Wochen später wird an einem Parkplatz an der A5 ein Rentner gefunden, ebenfalls mit einem einzelnen Schuss in den Kopf getötet.

Das Geschoss stammt aus derselben Waffe. Die Ermittler sind sich sicher: Es handelt sich um einen Serientäter. Alle Ermittlungen laufen ins Leere, bis ein Anruf aus Freudenstadt kommt. Die DNA des Mörders wurde nach einem Überfall auf einen belgischen Touristen gesichert.

Der Tourist Jack W. saß bei herrlichem Wetter in einem Café auf dem Marktplatz. Als er kurz zum Auto geht, wartet der Täter bereits auf ihn. Er springt ins Fahrzeug und bedroht ihn mit einem Messer.

Jack W. wehrt sich, greift in die Klinge, entreißt dem Täter das Messer und flieht schwer blutend. Zeugen nehmen die Verfolgung auf. Die Polizei rekonstruiert den Fluchtweg des Täters und findet auf Fotos einen dunklen BMW.

Der Halter wird ermittelt: Detlef S. , ein ehemaliger Postbeamter, der mit seiner Frau in einer Dachgeschosswohnung in Esslingen lebt. Die Sonderkommission fährt zu seiner Wohnung. Gerade als sie mit der Durchsuchung beginnen wollen, fährt er vor.

Er wird festgenommen. Im Kofferraum finden die Beamten die Pistole, die für die Morde benutzt wurde – geladen und griffbereit. In der Wohnung werden weitere Waffen gefunden. Die Frau des Täters steht unter Schock, sie wusste von nichts.

Detlef S. wird zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Motiv bleibt im Dunkeln, der Serienmörder schweigt. 4.

Mai 2015, in der Nähe von Hamburg: Einem Spaziergänger fällt am Elbufer ein blauer Müllsack auf. Darin finden die Beamten eine Frauenleiche. Es ist Anne A. , 36 Jahre alt, Mutter zweier Kinder.

Einen Monat zuvor war sie als vermisst gemeldet worden. Konfrontiert mit dem Tod seiner Frau, gesteht Axel A. , seine Frau mit einem Hammer erschlagen zu haben. Der psychiatrische Sachverständige Dr.

Christoph Lenk soll die Schuldfähigkeit des Mannes klären. Er schaut sich die Vorgeschichte genau an. Axel A. war ein fleißiger Handwerker, der viel im Haushalt und bei den Kindern half, während seine Frau eher kiffte und wenig tat.

Es kam zu Konflikten, die nie richtig gelöst wurden. Am Tattag reparierte Axel sein Auto in einer Garage. Seine Frau erschien mit den Kindern und verlangte, dass er nach Hause komme, um zu kochen und mit den Kindern zu spielen. Der Streit eskalierte.

Im Schlafzimmer lag ein Hammer, den Axel für eine Reparatur benötigt hatte. Während des Streits wurde er von seiner Frau geschlagen, fiel nach hinten, seine Hand landete neben dem Hammer. Er ergriff ihn und erschlug seine Frau. Der Hammer lag zufällig dort – das spricht für eine Affekttat.

Doch was danach passiert, spricht für etwas anderes. Axel rollte seine Frau in einen Teppich, entsorgte sie an der Elbe – und die Kinder waren während der Fahrt im Auto. Später meldete er seine Frau als vermisst. Der Gutachter muss diese Widersprüche bewerten.

Axel erklärt, er wollte nicht, dass die Kinder ihre tote Mutter sehen. Das Gericht verurteilt ihn wegen Totschlags im Affekt zu vier Jahren Haft. Am 14. Februar 1981 verschwindet die 22-jährige Doris M.

aus Finenburg spurlos. Nur einen Tag später wird ihre Leiche an einem Teich gefunden. Sie wurde brutal ermordet. Doris wollte in eine Diskothek nach Goslar.

Sie suchte eine Mitfahrgelegenheit, niemand fuhr, also ging sie zur Bushaltestelle am Ortsausgang. Dort wurde sie zum letzten Mal gesehen. Ein Jäger findet ihre Leiche abseits der Straße. Der Tatort zeigt Blutspuren und zertrampelten Schnee – es muss einen Kampf gegeben haben.

Die Ermittler vermuten einen sexuellen Hintergrund. Ein Ehepaar meldet sich und berichtet von einem Fahrzeug, das in den Feldweg abbog – ein eckiger, kastenförmiger PKW, etwa ein Audi 80. Die Polizei ermittelt ein Jahr lang vergeblich. 24 Jahre später landet der Fall auf dem Schreibtisch von Markus Lütke.

Er durchforstet die alten Akten und wird auf eine Zigarettenkippe aufmerksam, die damals im Schnee lag. Speichel von Doris und einer unbekannten männlichen Person wurde daran entdeckt. Lütke schickt die Zigarette erneut zur Untersuchung. Nach drei Monaten kommt der Volltreffer: Die DNA gehört Manfred M.

, einem brutalen Räuber aus Finenburg. Zur Tatzeit saß er allerdings in Haft – doch Lütke findet heraus, dass er genau an dem Wochenende Freigang hatte. Manfred M. wurde inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Er hat kein Interesse, mit der Polizei zu kooperieren. Lütke entwickelt einen außergewöhnlichen Plan: Er will den Verbrecher an die Orte der Mordnacht bringen und die Szene nachstellen. Er organisiert einen Audi 80 in der gleichen Farbe, eine Polizistin spielt das Opfer. Manfred M.

wird aus dem Gefängnis geholt. Die Fahrt geht zur Bushaltestelle, wo die Kollegin mit dem Daumen raussteht. Manfred M. wird nervös.

Am Tatort angekommen, hat er weiche Knie, er taumelt, ihm ist anzusehen, wie unangenehm ihm die Gegend ist. Im Präsidium konfrontiert Lütke ihn mit der Zigarette und der DNA. Manfred M. gibt zu, mit Doris am Tatort gewesen zu sein – aber vom Mord will er nichts wissen.

Er erzählt eine Geschichte von einem freiwilligen Sexangebot. Erst später räumt er ein, dass Doris sich geweigert hat. Am dritten Vernehmungstag kommt seine Mutter ins Präsidium. Sie hatte Lütke versprochen bekommen, ihren Sohn besuchen zu dürfen.

Sie ist wütend, schlägt ihm eine Ohrfeige und droht, ihn zu enterben. „Wenn du jetzt nicht die Wahrheit sagst, bin ich nicht mehr deine Mutter“, sagt sie. Da bricht er zusammen. „Wenn ich die Wahrheit sage, hast du mich dann noch lieb, Mutti?

“ Er schluchzt, seine Mutter hält ihn im Arm – und dann kommt das Geständnis. Manfred M. gibt zu, Doris mehrfach mit dem Kopf auf den gefrorenen Boden geschlagen zu haben, aus Angst, sie könnte zur Polizei gehen. Er gesteht sogar noch einen weiteren ungeklärten Mord.

27. November 1987: Die neunjährige Christina S. aus Osnabrück ist morgens auf dem Weg zur Schule. Doch dort kommt sie nie an.

Kurze Zeit später wird ihre Leiche gefunden – entfernt von einem Trampelpfad, der durch ein verwildertes Schrebergartengelände führt. Das Kind wurde Opfer eines Sexualdelikts, mit ihrem eigenen Schal erstickt. Die Polizei spricht mit Christinas Freunden. Sie erzählen, dass Christina allein weitergelaufen ist.

Ihnen sei ein junger Mann mit roten gelockten Haaren und einem Norweger-Pullover begegnet. Ein Imbissbesitzer glaubt, in der Beschreibung einen Gast zu erkennen: Thomas O. , 19 Jahre alt, wohnt in einem Jugendheim in der Nähe. Die Ermittler befragen ihn.

Er sagt, er habe verschlafen und sei zu spät in die Berufsschule gekommen. Seine Aussage ist nachvollziehbar, er verhält sich ruhig. Es gibt keine Verdachtsmomente. Der Fall wird zum Cold Case.

Erst 2012 wird er komplett neu aufgerollt. Die Klebefolien, mit denen die Opferbekleidung abgeklebt wurde, werden erneut untersucht. Nach der Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ meldet sich eine Zeugin – wieder weist sie auf Thomas O. hin.

Dann kommt der Durchbruch: An den Folien lassen sich Hautschuppen einer männlichen Person nachweisen. Die DNA gehört Thomas O. Er wird festgenommen und vernommen. Er weist jede Schuld von sich.

Doch die Beweise sind erdrückend. Hubert Feldkamp redet ihm ins Gewissen: Man werde sein ganzes Leben auf den Kopf stellen, alle Freunde, Bekannten, auch seine Frau intensiv befragen. Da stürzt er. „Okay, ich war’s“, sagt er.

Thomas O. gesteht: Er sei früh aufgestanden und gejoggt, auf dem Rückweg durch den Heckengang gelaufen. Als ihm Christina entgegenkam, packte er das Kind spontan. Er wollte sie vergewaltigen, als das nicht gelingt, lässt er von ihr ab.

Das Mädchen sagt: „Ich gehe jetzt nach Hause und erzähle alles meiner Mama. “ Da ergreift ihn Panik. Er erstickt sie. Er wird wegen Mordes zu acht Jahren Haft verurteilt, nach Jugendstrafrecht.

Der Fall bleibt tragisch: Wenn Christina nur etwas früher oder später gegangen wäre, wäre die Tat nie geschehen. Bad Hersfeld, 9. September 1976: Die 15-jährige Petra H. ist spurlos verschwunden.

Sie wollte sich mit ihrer Freundin an einer Autobahnunterführung treffen, um für eine Mathearbeit zu lernen. Doch sie kommt nie an. Am nächsten Tag wird ihre Leiche in einem Gebüsch entdeckt. Sie wurde mit einem Holzknüppel schwer verletzt, erdrosselt und nach dem Tod sexuell missbraucht.

Die Ermittler glauben, der Täter muss in der Nähe leben – das Versteck ist nur über einen Feldweg erreichbar. Ein Fingerabdruck an der Regenjacke des Opfers wird gefunden, doch er führt zu nichts. 1983 werden die Ermittlungen eingestellt. 1999 nimmt Kommissar Wilan Schmidt den Fall wieder auf.

Beim Studium der Akte stellt er fest: Er kannte Petra flüchtig, sie wuchsen im selben Ort auf. Er spricht mit den Eltern, sieht das unverarbeitete Leid. Das gibt ihm Motivation. Er lässt die Hose des Opfers erneut untersuchen.

Auf der Hose finden sich Spermaspuren, kleinste DNA-Spuren können sichtbar gemacht werden. Alle Männer aus Petras Umfeld werden angeschrieben, etwa 140 Speichelproben werden genommen. Dann der Anruf: Die Spur 125 ist ein Treffer. Die DNA gehört Jürgen W.

, damals 19, Küchenhelfer in der US-Kaserne in der Nähe. Er lebt inzwischen in Kassel. Er hat nie eine Freundin gehabt, während seine Kumpels damit prahlten. Der Frust war riesig.

Bei der Vernehmung ist er zunächst nicht gesprächig. Erst als die Rede auf seine Familie kommt, öffnet er sich – besonders über seine jüngere Schwester, zu der er eine gute Beziehung hat. Dann berichtet er, was am 9. September 1976 passierte: Er sei wütend gewesen, weil er einen Freund nicht getroffen hatte.

Ziellos sei er den Feldweg entlanggegangen, habe einen Holzstiel gefunden und damit auf Büsche geschlagen. Dann sah er Petra den Trampelpfad herunterkommen. Er versteckte sich, ließ sie vorbeigehen, folgte ihr kurz und schlug sie von hinten mit dem Stiel nieder. Er schleifte das bewusstlose Mädchen ins Gebüsch.

Sie kam immer wieder zu sich, er schlug erneut auf sie ein. Sie schaute ihn an, und er sagte wörtlich: „Sie soll nicht mehr gucken. “ 20 Minuten kämpfte Petra um ihr Leben. Dann bedeckte er die Leiche mit Stroh und entfernte sich.

Vor Gericht sagt er: „Ich wollte mal eine flach legen. “ Das war das Motiv. Er wird zu zehn Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt. Im Schlusswort bereut er die Tat, doch für Schmidt klingt es monoton, ohne Emotionen, nicht glaubhaft.

Im Dezember 2008 verschwindet die 59-jährige O. H. aus Karlsruhe spurlos während eines Aufenthalts in Südamerika. Sie lebte in einer Feriensiedlung am Titicacasee und unterstützte Hilfsprogramme in Peru.

Als der Kontakt abreist und eine unbekannte weibliche Leiche entdeckt wird, schaltet die Familie die Mordkommission ein. Wolfgang Metzger übernimmt die Ermittlungen. Der Ex-Mann hat die Vollmacht für ihre Bankkonten – und stellt fest: Das Geld ist weg. Zwischen Dezember und März gab es etwa 160 Abhebungen auf peruanischem Boden.

Jemand hat ihre gestohlenen Karten benutzt. Die deutsche Botschaft erhält die alten Ermittlungsakten der bolivianischen Polizei. Fotos zeigen den Tatort: Das Opfer liegt zwischen dicken Steinen am Ufer, ein zerrissener Brustbeutel auf dem Körper. Sämtliche Bankkarten sind verschwunden.

Der Schädel wurde eingeschlagen. Metzger ist klar: Sie starb eines gewaltsamen Todes. Die Familie erzählt ihm von einem Freund: Holguin, ein einfacher Schneider von einer Insel im Titicacasee. Er war vor seinem Verschwinden zu viel Geld gekommen – direkt nach dem Mord.

In einer E-Mail bestreitet er, O. H. vor ihrem Tod gesehen zu haben. Doch die Nachbarn in Copacabana berichten, dass beide am Abend vor dem Leichenfund zusammen im Haus waren.

Metzger fliegt nach Bolivien, um den Tatort zu finden. Stundenlang läuft er am Ufer entlang, in 4000 Metern Höhe, unvorbereitet. Dann findet er die Stelle – den Steinhaufen, an dem die Leiche lag. Der Tatstein liegt noch da.

Ein Trampelpfad führt von O. H. s Haus direkt hierher. Metzger lässt den Brustbeutel und Schuhe von Holguin untersuchen.

An beiden Gegenständen wird DNA des Schneider sichergestellt, an den Schuhen Blut des Opfers. Es ergeht ein internationaler Haftbefehl – doch Holguin ist bis heute verschwunden. Für Metzger haben sich die Ermittlungen trotzdem gelohnt: Die Familie hat Gewissheit. Die Leiche von O.

H. wird eingeäschert und nach Deutschland gebracht, auf dem Friedhof in ihrem Geburtsort Heidelberg findet sie die letzte Ruhe.