Ich stand an meinem Beet und dachte, ich hätte alles richtig gemacht. Dann kam der Mann von der Firma und sagte: „EM ist kein Dünger. Wer das glaubt, hat es nicht verstanden.“ Zehn Jahre lang…

Ich stand an meinem Beet und dachte, ich hätte alles richtig gemacht. Dann kam der Mann von der Firma und sagte: „EM ist kein Dünger. Wer das glaubt, hat es nicht verstanden.“ Zehn Jahre lang...

„EM ist kein Dünger. Wer das glaubt, wird enttäuscht. “ Mark sitzt mir gegenüber im Garten, die Stiefel noch leicht erdig, und grinst. Wir kennen uns seit Jahren, aber heute will ich es genau wissen: Was bringen uns diese effektiven Mikroorganismen wirklich – und was nicht?

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Mark kommt aus der Landwirtschaft. Mit acht Jahren hat er das erste Feld bestellt, damals musste er sich auf den Kupplungspedal stellen, um es überhaupt zu treten. Später studierte er Biologie mit Schwerpunkt Mikrobiologie, und seit 2016 arbeitet er bei der Firma, die EM herstellt. „Dein Weg war ja irgendwie vorbestimmt“, sage ich.

Er nickt. „Ja, vom Groben ins Detail. In die unsichtbaren Dinge des Bodens. “

Ich will es konkret wissen: Was kann ich mit EM in meinem Garten erreichen?

Mark wird deutlich. „Das Wichtigste zuerst: EM ist kein Dünger. Es belebt den Boden, aber nicht wie ein Düngemittel. Es lenkt das Milieu.

“ Ich muss kurz schlucken, weil ich das schon oft erklärt habe, aber heute will ich es genauer verstehen. Er erklärt es mir mit einem Bild, das ich nie vergessen werde: Im Winter, wenn der Boden blank daliegt oder umgegraben wurde, bildet sich auf der Oberfläche ein grünlicher Film aus Moosen und Algen. Die haben keine Wurzeln. Sie wachsen auf der Oberfläche, weil dort Nährstoffe austreten, die aus dem Boden ausgasen.

Das sind Verluste. „Das ist Fäulnis“, sagt Mark. „Fäulnis bedeutet immer Verluste. “ Und genau diese Verluste verdrängt EM.

Die Nährstoffe bleiben im Boden, werden so aufbereitet, dass die Pflanze sie besser aufnehmen kann. Ich erinnere mich an unseren eigenen Aha-Moment vor über zehn Jahren. Wir haben in unserem Garten immer mit Rasenschnitt gemulcht. Der fing irgendwann an zu schimmeln.

Nachdem wir mit EM gearbeitet und den Mulch angegossen hatten, war der Schimmel weg. Der Rasenschnitt zersetzte sich viel schneller, die Nährstoffe waren schneller verfügbar. Das war einer der Gründe, warum wir dabei geblieben sind. „Aber Moment“, sage ich und spiele den Kritiker.

„Wenn ich einen kaputten Boden habe, gieße ich dann einfach EM drauf und alles ist gut? “

Mark schüttelt den Kopf. „Da fängt es erst an. Wenn der Boden nichts findet, kann EM auch nichts bewirken.

Du brauchst organische Masse. Grünschnitt, Mist, Rasenschnitt, Mulch. Das sind die Futterquellen, die EM konserviert, damit die Nährstoffe nach und nach von den Mikroorganismen aufgenommen und mineralisiert werden können. “

Ich will wissen, wie oft ich das machen muss.

Mark sagt, in der Landwirtschaft macht man das bestenfalls zweimal pro Jahr, weil jede Überfahrt Geld kostet. Bei uns im Garten ist das anders: „Die Jungpflanzen werden bei uns immer mit EM angegossen, mit halber Dosis. Ansonsten haben wir das zwei- bis dreimal im Jahr gemacht. “ Ich werfe einen Blick zu meinem Mann, der kritisch nickt.

Ja, so ungefähr haben wir das auch gehandhabt. Mark rät bei der Anzucht, den Gartenbodenaktivator zu verwenden, weil der die organische Masse im Substrat konserviert und stabilisiert. Später, wenn die Pflanzen ins Beet gehen, sollte man mit dem vorhandenen Boden arbeiten. Ich frage nach: Warum nicht einfach Tonnen von Kompost von außen reinholen?

„Weil es um die Nährstoffbilanz geht“, sagt er. „Wenn ich ernte, entnehme ich dem System Nährstoffe. Nur das, was ich entnehme, sollte ich zurückbringen – nicht mehr. Der Grundsatz ‚Viel hilft viel‘ hat in der Düngung ausgedient.

Klassisch wurden nur Stickstoff, Phosphor und Kalium gedüngt, aber es gehören noch viele andere dazu: Bor, Mangan, Kupfer, Spurenelemente. Wenn ich Tonnen von Kompost in den Garten fahre, steigen vor allem Phosphor und Kalium an. Zu viel davon blockiert andere Nährstoffe. “

Ich will wissen, wie lange es dauert, bis man Effekte sieht.

Mark sagt: „Wenn man alles richtig macht, merkt man es in einer Wachstumsperiode. Man arbeitet zu Beginn des Jahres Grünschnitt ein, versetzt ihn mit dem Gartenbodenaktivator, und dann stellt man schnell eine besser werdende Bodengare fest. “ Ich muss ihn fragen, was Gare überhaupt ist. Er lacht.

„Stell dir vor, du hast einen Kuchenteig vor dem Backen: klebrig, pappt aneinander, bricht trocken wie Steine. Ein gare Boden ist wie der saftige, fertig gebackene Schokokuchen – mit kleinen runden Strukturen. Die Mikroorganismen haben die Ton- und Schluffteilchen mit organischen Verbindungen zusammengekittet. Der Boden lässt sich besser verarbeiten, speichert mehr Wasser, gibt mehr Nährstoffe frei.

Wir haben das damals auch gemacht: ein Beet mit, ein Beet ohne – zum Vergleich. Man sieht den Unterschied wirklich deutlich. Natürlich will ich auch wissen, was man falsch machen kann. Mark zählt auf: Frost vermeiden, nicht bei praller Sonne ausbringen, nicht bei 50 Grad im Gartenhäuschen lagern.

„Die Flasche ist ein lebendes Produkt. Pro Milliliter sind 30 Millionen Einheiten drin. Ein Esslöffel enthält fast 400 Millionen Individuen. “ Ich staune.

Das sind kleine Lebewesen, die in wässrigem Medium herumschwimmen, Nährstoffe wahrnehmen und sich dahin bewegen. Sie können sich vermehren, Speicherstoffe anlegen, Nahrung aufbrechen. Faszinierend. Und was passiert, wenn man zu viel düngt?

„Dann konserviert man zu viele Nährstoffe. Wenn man dauernd düngt, düngt, düngt – das ist der Fehler. “ Mark erklärt mir den Unterschied zwischen Kompost und Bokashi. Normaler Kompost ist ein thermophiler Prozess: Der wird richtig heiß, bis zu 70 Grad.

Dabei gehen wahnsinnig viele wertvolle Verbindungen verloren. Bis zu 16 Prozent Stickstoff gehen verloren, bis zu 65 Prozent Kohlenstoff. „Den Kohlenstoff will ich doch eigentlich in den Boden bringen, um Humus aufzubauen – und nicht in die Atmosphäre. “ Bokashi dagegen ist ein anaerober Prozess, wie Sauerkraut oder Silage.

Da fermentiert man den Grünschnitt, hat fast keine Nährstoffverluste und eine viel hochwertigere Nahrung für den Boden. Ich frage nach der Nährstoffqualität in den Erträgen. Bringt das Ganze überhaupt etwas für das Gemüse? Mark sagt klar: „Im Vorhinein kann das niemand wissen.

Aber ich empfehle immer eine Bodenanalyse, wie ein Blutbild beim Arzt. Nicht so eine alte Analyse, die nur Stickstoff, Phosphor, Kalium berücksichtigt, sondern eine hochwertige, die Spurenelemente mit abdeckt und die Nährstoffe ins Verhältnis setzt. “ Er seufzt. „Heutzutage wird Obst und Gemüse nicht qualitativ untersucht, bevor es in den Handel geht.

Es zählt nur Quantität, Homogenität, Lagerfähigkeit. Der größte Effekt auf die Qualität ist die Art der Düngung. Wenn man über Jahrzehnte einseitig düngt und erntet, dann leidet die Qualität. Die Nährstoffverluste in unseren Supermarktgemüsen sind drastisch.

Mit EM kann man den Kreislauf schließen, den Boden richtig einstellen und gesund machen. Dann ist der Boden in der Lage, auch die Spurenelemente verfügbar zu machen, die sonst vielleicht gar nicht da wären. “

Ich erzähle ihm von unseren eigenen Erfahrungen. Der Mulch-Effekt war nur der Anfang.

Am beeindruckendsten war die Geruchsbindung. Wir haben früher Pferdemist auf unsere Beete gebracht. Das hat ordentlich gerochen, wie man sich vorstellen kann. Nachdem wir den Mist mit EM eingesprüht hatten, war der Geruch sofort gedeckt.

Und er zersetzte sich schneller, war schneller verfügbar. Sogar im Hühnerstall: Wenn wir den Stall mitbehandelt haben, gab es keine Geruchsbildung mehr. Das waren für mich echte Wow-Momente. Mark hat noch mehr davon.

Die schönsten Erlebnisse sind für ihn, wenn neue Kunden einen Versuch machen: eine Kontrollparzelle ohne, eine mit Anwendung. „Man geht über die Fläche und merkt schon am Auftreten, dass der Boden anders geworden ist, dass er mehr federt. Wenn man dann eine Spatenprobe macht und der Boden schön auseinanderklappt, sieht man einen wahnsinnigen Unterschied. Das begeistert mich nach jeder Saison.

Ich frage ihn, wie das in der Landwirtschaft aussieht. Da ist es der gleiche Effekt: Fäulnisverdrängung, keine Ammoniak-Emissionen mehr. „Wenn man im Schafstall war und direkt an den Küchentisch gehen kann, ohne duschen zu müssen – das ist schon erstaunlich. Die Tiere nehmen diese Ammoniak-Dünste nicht mehr auf, bei Kälbern gehen die Lungenentzündungsraten zurück.

“ Auf dem Acker sieht man langfristig mehr Humus, besser verfügbare Nährstoffe. Aber interessant ist für ihn nicht die Ertragssteigerung an sich, sondern die Einsparung von anderen Düngemitteln. „Wir wollen nicht immer mehr Ertrag, sondern andere chemische Substanzen wieder einsparen können und den Betrieb wirtschaftlich gesünder machen. “

Am Ende verstehe ich es besser als je zuvor: EM ist kein Wundermittel, das man einmal draufkippt und dann ist alles gut.

Es ist ein System, eine langfristige Pflege. Man braucht Futter in Form von organischer Masse, man muss es regelmäßig anwenden, man sollte es nicht bei praller Sonne ausbringen, und man sollte seinen Boden kennen – am besten durch eine ordentliche Bodenanalyse. Und man kann sogar seinen Kompost damit veredeln, damit mehr von den wertvollen Nährstoffen erhalten bleibt. Mark packt seine Sachen zusammen.

Der Garten liegt in der Abendsonne. Ich weiß jetzt: Dieser Boden da draußen ist ein lebendiges System, das man füttern und pflegen kann. Und ich freue mich auf die nächste Saison.