Der erste Fall, der mir bis heute nicht aus dem Kopf geht, begann mit einer Villa, wie man sie in Wien selten sieht. Eine Architektenvilla in Neustift, in einer Nobelgegend. Normalerweise kommt die Mordkommission zu Tatorten in heruntergekommenen Wohnungen, vermüllten Unterkünften. Aber hier war alles anders.

Hier saß die 55-jährige Architektenwitwe Margareta W. in ihrem Sessel im Wohnzimmer, dort, wo sie am Abend ferngesehen und gelesen hatte. Sie war von zahlreichen Schüssen getroffen worden. Insgesamt wurden 27 Schüsse von außen auf die Villa abgegeben, von mehreren Seiten, durch die Terrassentür und durch Fenster.
Im Nebenzimmer machten die Beamten eine grausame Entdeckung. Der Hund von Margareta lag ebenfalls tot da, mit zwei Schüssen umgebracht. Und er war zugedeckt. Das war bemerkenswert.
Warum macht sich ein Täter die Mühe, den Hund zuzudecken? Wir hatten eher das Gefühl, das könnte jemand sein, der den Hund kannte. Bei der Durchsuchung stellten wir fest, dass aus der Villa Gegenstände fehlten, aber nicht die wertvollsten. Vier Bilder waren aus den Rahmen geschnitten worden.
Zusammen mit einem Videorecorder wurden sie in einem Koffer abtransportiert. Andere Werte blieben zurück. Es war eine völlig unübliche Einbruchsmethode. Normalerweise versucht ein Einbrecher zuzuschlagen, wenn niemand zu Hause ist.
Aber hier hatte der Täter die Frau offenbar gesehen, wie sie hell erleuchtet im Zimmer saß. Wir ermittelten im Umfeld des Opfers. Bizarr war, dass die Tochter, die ihre Mutter ermordet aufgefunden hatte, am Abend desselben Tages im Theater die Hauptrolle in einem Stück spielte, das davon handelte, dass Kinder planen, ihre Eltern umzubringen, um an das Erbe zu kommen. Doch wir fanden keinerlei Anhaltspunkte für eine Beziehungstat.
Dann entdeckten wir ähnliche Fälle in Villengegenden der Nachbarbezirke. Dort waren auf teure Villen Schüsse abgegeben worden, ohne dass jemand verletzt wurde. Die Alarmanlagen waren zerschossen worden. Wenig später wurde es noch merkwürdiger.
Auf dem Friedhof gegenüber dem Tatort fanden wir hinter einem Grab einen vergrabenen Koffer. Sein Inhalt: fast alle gestohlenen Gegenstände aus der Villa. Auf einem Bild war ein Fingerabdruck. Wir waren zunächst glücklich.
Der Abdruck gehörte einem vorbestraften Restaurator. Wir glaubten, jetzt fahren wir raus und sperren ihn ein. Doch als wir ihn überprüften, stellte sich heraus: Der Mann war seit einigen Jahren tot. Der Fingerabdruck war zehn Jahre zuvor bei einer Restaurierung des Bildes hinterlassen worden und hatte sich so lange gehalten.
Wir standen wieder am Anfang. Der Druck der Öffentlichkeit stieg. Wir beschlossen, dem Täter eine Falle zu stellen. Wir verschwiegen den Fund des Koffers und vergruben ihn samt Videorecorder wieder.
Dann machten wir eine Pressekonferenz und sagten, auf dem Videoband seien Aufnahmen einer Überwachungsanlage, auf denen der Täter zu sehen sein müsse. Die Zeitungen und Fernsehsender brachten es. Wir hofften, der Täter würde kommen, um die Bänder zu holen. Wir überwachten den Friedhof mit Observations- und Zugriffskräften.
Am fünften Tag kam der Täter. Der Zugriff missglückte. Er war schneller, hechtete über die zwei Meter hohe Friedhofsmauer und war weg. Wir waren die Blamierten.
Uns blieb nur eine Videoaufnahme, aber die Observationstechnik war damals nicht fortgeschritten. Unsere Lichtquelle war eine Grabkerze. Auf dem Video sahen wir nur eine schemenhafte Gestalt. Die Technische Universität Graz wurde beauftragt, das Video aufzubereiten.
Viel besser wurde es nicht. Trotzdem veröffentlichten wir es und bekamen heftigen Gegenwind. Alle sagten, das sei nur eine Gestalt im Nebel. Mehr als dreieinhalb Jahre vergingen.
Der Mord wurde zum Cold Case. Dann gab es eine neue Serie von Einbrüchen in Wiener Villen. Ich erhielt einen Anruf von einer Außenstelle der Kriminalpolizei. Sie hatten eine Einbrecherbande festgenommen, und einer wollte etwas zum Villenmord sagen.
Er machte ein Angebot: Wenn er halbwegs gut aus der Sache aussteigen könne, erzähle er uns, wer der Täter ist. Der festgenommene Einbrecher kam aus Ungarn. Er beschuldigte einen Landsmann: Tibor V. Dessen damalige Freundin hatte das Video zuerst gesehen und ihn anhand seiner Bewegungen erkannt.
Auch andere waren überzeugt, dass er es war. Tibor V. war auf der Flucht. Er war ein Fremdenlegionär, sehr groß und durchtrainiert.
Als er erfuhr, dass wir nach ihm suchten, wollte er wieder zur Legion, um sich der Verhaftung zu entziehen. Er fuhr mit dem Zug von Budapest nach Frankreich. Am Grenzübergang in Österreich konnten wir ihn festnehmen. Er gab die Tat zu.
Er ließ sich nicht auf Details ein. Er konnte nicht erklären, warum er so oft geschossen hatte. Aber er gab zu, ein Berufseinbrecher zu sein. Wir gehen davon aus, dass er in der Tatnacht in die Villa einbrechen wollte und die Alarmanlage mit einem Schuss funktionsuntüchtig machen wollte.
Als er Margareta durch das Terrassenfenster sah, fürchtete er, sie würde die Polizei rufen. Er tötete sie mit vier Schüssen. Auch auf ihren Hund schoss er. Weil der stark blutete, warf er später eine Decke über ihn.
Den Koffer vergrub er auf dem Friedhof. Die Tatwaffe, eine ungarische FEG-Pistole mit Schalldämpfer, konnte die Polizei sicherstellen. 1999 wurde Tibor V. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Ein anderer Fall führte mich nach Braunschweig. Am 1. Dezember 1995 wurde der Architekt Bernt H. in seinem Kellerbüro erschossen aufgefunden.
Ein Schuss musste von außen durch eine terrassenartige Kellertür gekommen sein. Der Schuss traf ihn linksseitig in den Hals, er war sofort tot. Es gab nur einen einzigen Schuss. Bernt lag vor seinem Computer, der noch eingeschaltet war.
Anhand des Computers konnten wir den Tatzeitpunkt bestimmen: kurz nach Mitternacht. Ein privates Tatmotiv war nicht ersichtlich. Bernt war ein unbescholtener Bürger, aber er besaß verschiedene Immobilien. Eine davon fiel uns auf: Er war an einer Diskothek in Haldensleben beteiligt.
Es gab Streitigkeiten um die Nutzung der Immobilie und verschiedene Gerichtsverfahren. Das Tatmotiv lag nahe. Wir fuhren nach Haldensleben. Dort tauchte eine Person auf: Harald E.
, der den Sicherheitsdienst der Großdiskothek leitete. Gleichzeitig befragten wir Anwohner in der Nähe des Tatorts. Ein Mann sagte aus, er habe in der Tatnacht ein fremdes Auto am Haus von Bernt gesehen und sich das Kennzeichen notiert. Es war ein Kennzeichen aus Haldensleben.
Der Halter war ein Busunternehmer. Er erklärte, er habe Harald E. nach Braunschweig gefahren und dort abgesetzt. Harald E.
sei kurz ausgestiegen und wenig später zurückgekommen. Der Verdacht erhärtete sich. Harald E. war eine schillernde Persönlichkeit, es gab Gerüchte über Beziehungen zum Ministerium für Staatssicherheit.
Er galt als gewalttätig und waffennah. Bei der Obduktion wurde das tödliche Projektil gesichert. Es war ein Projektil Kaliber . 45 mit extrem seltenen Laufmerkmalen.
Harald E. bestritt, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Aber wir vermuteten, dass er den Lauf seiner Waffe ausgetauscht hatte, um nicht identifiziert zu werden. Wir fanden heraus, dass er regelmäßig auf einem Schießstand in Magdeburg geübt hatte.
Dort befanden sich elf Tonnen gepresster Altkleiderballen als Kugelfang. Wir beschlagnahmten den Schießstand und zerlegten die Ballen. Wir sicherten 47 Eimer mit Projektilen. Nach tagelanger Arbeit sortierten wir 447 Projektile Kaliber .
45 mit übereinstimmender Breite der Züge und Felder aus. Sie wurden zum Bundeskriminalamt transportiert. Dort gab es einen Treffer: mehrere Projektile passten exakt zur Tatmunition. Wir fuhren in die JVA und konfrontierten Harald E.
mit dem Ergebnis. Zum ersten und einzigen Mal verlor er seine Haltung. Er wurde blass, stand auf und rutschte an der Wand herunter. Er war überführt.
Bernt H. hatte herausgefunden, dass der Mitinhaber der Diskothek finanzielle Manipulationen bei den Gewinnen begangen hatte. Er wollte zur Polizei gehen. Daraufhin wurde er beauftragt getötet.
Harald E. war der Auftragsmörder. Im Sommer 1997 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch der Auftraggeber wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Dieser Fall war einer der wenigen in der deutschen Kriminalgeschichte, in dem es einen Auftragsmörder und einen Auftraggeber gab. Der dritte Fall betraf einen Mord, der über 30 Jahre unaufgeklärt blieb. Am Freitag, den 13. März 1992, blieb das kleine Blumengeschäft am Hamburger Hauptbahnhof geschlossen.
Angehörige machten sich Sorgen und fanden den Betreiber Karlheinz R. tot in seiner Wohnung im Stadtteil Horn. Er war übel zugerichtet. Er hatte schwere Verletzungen im Gesicht, war unter anderem mit einer leeren Bacardi-Flasche geschlagen worden, gefesselt und erdrosselt.
Ein Teil seiner Oberkieferprothese lag sichtbar auf seinem Oberkörper. Das Opfer war 60 Jahre alt. Karlheinz hatte sich als junger Mann als homosexuell geoutet. In den Jahren vor seinem Tod hatte er eher wechselnde, kurzfristige Beziehungen, teilweise aus dem Strichermilieu am Hauptbahnhof.
Hatte er sich Sex erkauft und sich dabei seinen Mörder ins Haus geholt? Die Ermittler überprüften zwei Männer, mit denen er vor seinem Tod gesehen worden war. Es wurden DNA-Proben genommen, aber es gab keinen Nachweis. Die Ermittlungen wurden eingestellt.
Der Fall wurde zum Cold Case. Die Akten und Asservate wurden über Jahrzehnte aufbewahrt. Die Polizeiarbeit wurde moderner. Es entstanden international vernetzte DNA-Datenbanken.
Im Mai 2023 gab es einen Treffer. Sechs Jahre zuvor war in Italien einem Mann DNA-Material abgenommen worden, der Parfüm gestohlen hatte. Der Mann konnte in Großbritannien gefunden und nach Deutschland ausgeliefert werden. Auf der Anklagebank saß der gebürtige Rumäne Nelu P.
, mittlerweile 53 Jahre alt, zum Tatzeitpunkt 20. Er hatte sich 1992 für etwa sechs Wochen auf einem Wohnschiff in Hamburg aufgehalten und einen Asylantrag gestellt. Dann verließ er das Land. Am 9.
September 2024 begann der Prozess. Der Tathergang ließ sich dank vieler Blutspuren noch gut rekonstruieren. Wir konnten uns ziemlich klar vorstellen, wo das Ganze begann und wo es endete. Die Staatsanwaltschaft ging von Mord aus Habgier aus.
Beide tranken zusammen Alkohol, bis es zu einer Auseinandersetzung kam. Der Angeklagte soll dem Opfer mehrmals mit einer Glasflasche gegen den Kopf geschlagen haben, um dessen Tageseinnahmen zu entwenden. Dann habe er ihn gefesselt, geknebelt und erdrosselt. Nelu P.
bestritt die Tat. Wir ließen das alte Bettlaken und Fesselungsmaterial, das über 30 Jahre bei der Polizei asserviert war, erneut untersuchen. Auch dort wurden DNA-Spuren des Angeklagten gefunden. Es gab DNA-Spuren auf einem Glas in der Wohnung.
Es gab eine Spermaspur im Analbereich des Opfers, die dem Angeklagten zweifelsfrei zuzuordnen war. Die Rechtsmedizin stellte fest, dass die Spermaspuren unmittelbar vor dem Tod entstanden sein müssen. Das Gericht war überzeugt, dass Nelu P. den Blumenhändler getötet hat.
Aber das Warum konnte nicht geklärt werden. Wir wissen nicht, ob der Streit um sexuelle Praktiken ging oder um andere Dinge. Das Opfer wurde geschlagen, gefesselt, wahrscheinlich im bewusstlosen Zustand, und dann erdrosselt. Um ein Mordmerkmal anzunehmen, müssen wir sehr sicher wissen, aus welchem Motiv der Täter tötet.
Hier waren zahlreiche Motive denkbar. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Wohnung nach Geld durchsucht worden war. Am 18. Dezember 2024 wurde der Angeklagte freigesprochen, weil der Totschlag zu diesem Zeitpunkt über 32 Jahre her und damit verjährt war.
Wir Richter sind an Recht und Gesetz gebunden. Nelu P. verließ das Gericht als freier Mann. Die Schwester des Getöteten war als Nebenklägerin dabei und wollte wissen, wie ihr Bruder zu Tode gekommen war.
Sie weiß es jetzt, auch wenn sie das Motiv nicht kennt. Der vierte Fall begann mit einem Brand. Am 26. März 2020 rückte die Feuerwehr zu einem Brand in der Bahnhofstraße aus.
In der Dachgeschosswohnung wurde eine männliche Leiche gefunden, mit erheblicher Kopfverletzung. Der Leichnam war von vielen Bettdecken geschützt und trotz des Brandes gut erhalten. Das Opfer war nicht durch die Flammen gestorben. Es war Wesi Akpina, 49 Jahre alt, ursprünglich aus der Türkei.
Er hatte ein kleines Bistro verkauft und war 2018 nach Nordrhein-Westfalen gezogen, um neu anzufangen. Er hatte sich eine Immobilie gekauft, im Erdgeschoss ein Imbiss, darüber zwei Mietwohnungen. Er selbst wohnte im Dachgeschoss. Bei der Untersuchung der Leiche sahen wir sofort, dass der Tote nicht an dem Abend getötet worden sein konnte.
Die Leiche wies Verwesungserscheinungen auf. Die Gerichtsmedizin bestätigte: Er wurde zwei bis drei Tage vorher getötet. Der Täter war später noch einmal zurückgekehrt, um Feuer zu legen und Spuren zu beseitigen. Es wurden zwei unterschiedliche Brandbeschleuniger nachgewiesen.
Die Obduktion ergab, dass Wesi Akpina mit einem stumpfen Gegenstand, vermutlich einem größeren Hammer, im Schlaf erschlagen wurde. Es gab keine Einbruchsspuren. Er kannte seinen Mörder wahrscheinlich. Wesi Akpina hatte zum Zeitpunkt seines Todes deutlich über zwei Promille im Blut.
Seine Familie sagte, Alkohol habe nie eine Rolle gespielt. In seiner Wohnung fanden sich keine hochprozentigen Flaschen. Es war Coronazeit, alle Gaststätten waren zu. Wir wissen bis heute nicht, wo er den Alkohol getrunken hat.
Kurz vor seinem Tod hob er insgesamt 14. 000 Euro ab, vermutlich um eine neue Heizung zu bezahlen. Das Bargeld wurde nie gefunden. Die Heizungsreparatur wurde nicht durchgeführt.
Das einzige mögliche Tatmotiv war der Bargeldbetrag. Ein Nachbar meldete sich bei der Mordkommission. Er hatte vor dem Haus einen silbernen Kombi gesehen und eine Person, die einen Karton in den Kofferraum trug. Das Kennzeichen konnte er nicht erkennen.
Ein Jahr später wandte sich der Kommissar in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ an die Öffentlichkeit. Es wurden auch sogenannte Mantrailer-Hunde eingesetzt. Sie nahmen eine Witterung auf, die vom Täter stammen könnte, und folgten ihr rund sieben Kilometer, bis sich die Spur verlor. Bis heute gibt es keinen konkreten Hinweis auf den Täter.
Der fünfte Fall begann mit dem Fund eines Fußes. Am 13. Januar 2024 verbrachte ein Hobbyangler am Marchfeldkanal bei Wien gemütliche Stunden. Statt eines Fisches zog er einen abgetrennten menschlichen Fuß aus dem Wasser.
Er war entsprechend schockiert. Wir mussten davon ausgehen, dass im Gewässer weitere Leichenteile verborgen sind. Polizeitaucher der EKO Cobra durchsuchten das Wasser und fanden einige Tage später den Kopf, Teile des Torsos und Rippenteile. Etwa ein Viertel des Leichnams wurde geborgen.
Der Rest blieb verschwunden. Der Fuß war mit einem scharfkantigen Instrument, vermutlich einer Hacke, abgetrennt worden. Der Kopf wies mehrere stumpfe Verletzungen auf. Das Opfer wurde mit einem stumpfkantigen Gegenstand erschlagen.
Anhand des Gesichts konnte das Opfer identifiziert werden: Payman N. , ein 45-jähriger iranischer Staatsbürger, der seit einigen Jahren in Wien lebte. Er war seit dem 15. November 2023 spurlos verschwunden.
Seine Familie bemerkte, dass er nicht mehr telefonisch erreichbar war. Das war völlig unüblich. Danach kommunizierte er nur noch per SMS oder Chat mit der Familie, was nicht seinen Gewohnheiten entsprach. Wir durchsuchten seine Wohnung.
Es gab keine Kampfspuren, keine Spuren von Gewaltanwendung. Er wurde aus seiner Wohnung gelockt und an einem anderen Ort umgebracht. Die Angehörigen machten uns auf einen Freund aufmerksam, der sich nach dem Verschwinden merkwürdig verhalten hatte. Er wollte die Gründe für das Verschwinden kleinreden und immer natürliche Gründe schildern.
Dadurch machte er sich bei der Familie verdächtig. Es war Sinan K. , 39 Jahre alt. Sie hatten sich in der iranischen Community in Wien kennengelernt.
Die Finanzermittlungen spielten eine große Rolle. Vom Konto des Mordopfers wurden insgesamt 21. 000 Euro an Sinan K. überwiesen.
Er hatte Payman vorgemacht, gemeinsam ein Transportunternehmen gründen zu wollen. Er kaufte ein Fahrzeug von dem Geld, aber das angebliche Geschäftsmodell löste sich in Luft auf. Er hatte das Geld für seinen eigenen Lebensstil verbraucht, teure Hotels, teure Mietwagen. Die Handydaten vom Tag des Verschwindens zeigten eindeutige Überschneidungen zwischen der Wohnung des Opfers und den Kontaktadressen des Tatverdächtigen.
Sinan K. wurde festgenommen. Er gab zu, Payman um das Geld betrogen zu haben. Er gab auch zu, sich am 15.
November mit ihm getroffen zu haben. Es sei um das gezahlte Geld gegangen, ein Streit sei eskaliert. Aber wir glaubten ihm nicht. Wir fanden heraus, dass er am Tag des Treffens in einem Baumarkt einen Latthammer gekauft hatte.
Er hatte die Tatwaffe bereits zum Treffen mitgenommen. Das Treffen fand mit dem Vorsatz statt, das Opfer zu töten. Sinan K. leugnete weiter, vorsätzlich gehandelt zu haben.
Aber er verriet uns, dass er den Hammer nach der Tat in einem Baustellenfahrzeug entsorgt hatte. Der LKW war tatsächlich noch unbenutzt. Wir fanden die Tatwaffe auf der Ladefläche. Nach dem Geständnis wurde die Wohnung von Payman noch einmal komplett untersucht.
Im Vorzimmer fanden wir nun doch großflächige Blutanhaftungen und mikroskopisch kleine Blutspuren. Der Täter hatte das Opfer ins Badezimmer in die Badewanne verbracht und dort die Zerteilung durchgeführt. Danach hatte er versucht, sich selbst und sein Werkzeug im Waschbecken zu reinigen. Die Blutspuren wurden im Luminolverfahren sichtbar.
Sinan K. bestritt, die Leiche zerteilt zu haben. Er behauptete, die Tat sei von der albanischen Mafia beauftragt worden und auch die Zerstückelung sei deren Werk gewesen. Aber es gab keinerlei Hinweise auf Mittäter.
Das Gericht glaubte ihm nicht. Er wurde zu 20 Jahren unbedingter Haft verurteilt. Der sechste Fall war der Raub der 100-Kilogramm-Goldmünze. Am 27.
März 2017 entdeckte ein Wachmann einen Einbruch im Bode-Museum in Berlin. Unbekannte Täter hatten die 100 Kilogramm schwere Maple-Leaf-Goldmünze gestohlen. Die Münze war eine Leihgabe eines Sammlers und hatte einen extrem hohen Reinheitsgrad. Es gab nur fünf Münzen dieser Art.
Der Wachmann drehte nachts seine letzte Kontrollrunde. Er schaltete die innere Alarmsicherung ab. Als er zurückkam, standen einige Türen offen, sie waren mit Keilen gegen Zufallen gesichert. Die Münze war weg.
Es war erstaunlich, wie die Täter die Münze aus der besonders gesicherten Vitrine holen und aus dem Museum bringen konnten. Am Tatort fanden wir eine zerbrochene Axt, Türkeile, ein Rollbrett und eine Leiter. Die Täter hatten mit absoluter Brachialgewalt auf die Vitrine eingeschlagen. Die Ermittlungsgruppe „Taler“ wurde gegründet.
Wir überprüften die gesamte Wachmannschaft. Der Wachmann, der zur Tatzeit Dienst hatte, war erst kurz auf dieser Position. Es war einer seiner ersten Rundgänge allein durchs Museum. Er sagte, er habe sich zum Zeitpunkt der Tat in einem entfernten Bereich befunden und nichts mitbekommen.
Wir konnten seine Aussage verifizieren und ihn als Mittäter ausschließen. Die Auswertung der Überwachungskameras brachte erste Erkenntnisse. Die Täter waren vom S-Bahnhof Hackescher Markt über das Gleisbett in Richtung Museum gegangen. Sie nutzten eine Leiter, die sie vorab unterhalb eines Fensters deponiert hatten.
Sie kletterten auf ein Vordach und verschafften sich über ein Fenster in den Umkleideraum Zutritt. An diesem Fenster hatte es mehrere Fehlauslösungen gegeben, und das Museum hatte es aus dem Alarmkreislauf genommen. Die Täter hatten Insiderinformationen. Im Museum bewegten sie sich zielgerichtet zur Goldmünze.
Nachdem die Vitrine den Axtschlägen nachgab, transportierten sie die Münze mit dem Rollbrett. Über das offene Fenster brachten sie sie hinaus und transportierten sie mit einer vorab deponierten Schubkarre weiter. Alles war haarklein vorbereitet. Die Münze fiel ihnen beim Abseilen herunter und schlug auf dem Boden auf.
Trotzdem waren sie erfolgreich. Die zurückgelassenen Gegenstände waren von einer bestimmten deutschen Baumarktkette. Aber dieser Ermittlungsansatz führte zu nichts. Dann erhielten wir einen Hinweis aus Polizeikreisen.
Ein Wachmann war bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen. In seinem Fahrzeug fanden die Kollegen Pläne des Bode-Museums. Er gab an, dort im Sicherheitsbereich tätig zu sein. Als der Einbruch passierte, erinnerten sich die Kollegen daran.
Es war Dennis W. Er hatte Insiderwissen weitergegeben. An den zurückgelassenen Tatwerkzeugen wurden DNA-Spuren gefunden, die Mitgliedern eines berüchtigten Berliner Clans zugeordnet werden konnten. Wir suchten nach Verbindungen zwischen dem Wachmann Dennis W.
und den Clanmitgliedern Ahmed R. und Wissam R. Sie waren auf dieselbe Schule gegangen und zusammen polizeilich in Erscheinung getreten. Dennis W.
war ein direkter Kontaktmann zu Ahmed R. Wir fuhren umfangreiche Überwachungsmaßnahmen: Observationen, Auswertung von Telefondaten, Telefonüberwachungen. Der Wachmann verfügte nach der Tat offenbar über sehr viel Geld. Aber von der Münze selbst fanden wir nie wieder ein Partikel.
Die Vermutung lautet, sie wurde eingeschmolzen. Beweise dafür gab es nicht. Aber die Beweise gegen die Tatverdächtigen reichten aus. Dennis W.
wurde wegen der Insiderinformationen zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Wissam und Ahmed R. zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Ihre DNA-Spuren an den Tatwerkzeugen haben sie zweifelsfrei überführt.
Diese Fälle zeigen: Auch wenn sie zunächst aussichtslos aussehen, lassen sie sich mit großem Engagement, einem großartigen Team und Sachverstand aufklären. Die Täter glaubten, alles akribisch geplant zu haben. Doch eines unterschätzten sie: das kriminalistische Know-how der Ermittler.


