Ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht, als ich im Februar die dicken Bohnen vorzog, um die Mäuse im Garten zu überlisten. Doch dann entdeckte ich es: Meine Kopfsalat-Aussaat war verpatzt,…

Ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht, als ich im Februar die dicken Bohnen vorzog, um die Mäuse im Garten zu überlisten. Doch dann entdeckte ich es: Meine Kopfsalat-Aussaat war verpatzt,...

„Hier ist es richtig voll geworden“, sage ich und schiebe die Tür zur Anzuchtstation auf. Überall stehen Platten, Töpfchen und Schälchen, und die ersten Pflanzen recken sich dem Licht entgegen. Keine Sorge, in ein bis zwei Wochen wird es wieder leerer, sobald das Wetter mitspielt und die ersten Pflanzen in den geschützten Bereich draußen umziehen dürfen. Auf der unteren Etage stehen die pikierten Salate in ihren Multitopfplatten.

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Ich arbeite mit Fingerspitzengefühl, setze sie nicht zu tief – und nach einer Woche haben sie sich aufgerichtet und wachsen fröhlich weiter. Dahinter stehen die Kohlpflänzchen, darunter auch unser neuer Lila Kohlrabi. Eigentlich nehmen wir für Kohl normalerweise größere Töpfchen, aber beim Kohlrabi reichen die kleinen hier völlig aus. Eine Etage höher warten die Chili-Pflanzen, die wir im Januar ausgesät und pikiert haben.

Sie sind schon richtig gut dabei. Daneben stehen die Paprika aus der Keimprobe, und die sind inzwischen viel zu groß geworden. Es ist ein Experiment, ich kann sie einfach nicht wegwerfen. Im März werden wir sie umtopfen und schauen, ob wir noch einen Platz finden.

In den Aussatschälchen entdecke ich Sommerporree, Blumenkohl und verschiedene Salate. Der Kopfsalat ist nicht so schön aufgelaufen, weil ich wohl zu viel Erde in der Mitte platziert habe. Das war ein Anwenderfehler, da arbeite ich beim nächsten Mal sauberer. Der Rest der Salate geht später an Freunde und Bekannte.

Dazu steht ein Schälchen mit Fenchel – endlich ist er gekeimt, das hat ungefähr drei Wochen gedauert. Neben den Resten vom Pepino-Saatgut, das ähnlich lange braucht wie Physalis oder Andenbeere, wächst hier alles in seinem eigenen Tempo. In der oberen Etage, wo es wärmer ist, stehen unsere Aussaten von letzter Woche. Die Physalis keimt gerade erst, und bei den drei blauen Schälchen mit den Auberginen sind die ersten Keimlinge zu sehen.

Daneben steht wieder eine Platte Salat aus der kalten Anzucht von Dezember. Wenn wir sie so stehen lassen würden, hätten wir guten Blattsalat. Aber wir wollen schöne Köpfe, also pikieren wir die Platte noch einmal, damit jede Pflanze genug Platz hat. Im zweiten Anzuchtregal zwiebelt es ordentlich.

Die Gemüsezwiebeln aus zwei Platten können wir nächste Woche vereinzeln, damit nur noch eine Pflanze pro Töpfchen bleibt. Daneben wachsen die normalen Zwiebeln, die brauchen einfach Zeit. Und die Lauchzwiebeln stehen so schön grün und gerade, die wachsen ein bisschen schräg Richtung Licht. Deshalb rotieren wir die Platten regelmäßig durch, damit alle mal an einer anderen Position stehen.

In den unteren Regalen stehen die pikierten Salate und Kohlpflanzen. Der rote Lollo fängt schon an, seine Blätter zu färben und hat sich vom Pikieren erholt. Beim Kohl sieht man schön, dass die größeren Töpfchen bekommen haben: Spitzkohl, Blumenkohl, Batavia-Salat und der frühe Wirsing, der sich wunderbar als Rohkost eignet. Insgesamt sind wir mit unseren Anzuchten sehr zufrieden, auch wenn der Kopfsalat besser hätte sein können.

Und weil wir gerade vom Aussäen sprechen: Wir zeigen euch heute eine Kultur, die ganz ohne LED-Beleuchtung auskommt und trotzdem eine große Ernte bringt – im Jahr sogar zweimal. Die dicken Bohnen. Die Saatguttütchen sind inzwischen etwas größer, mit 25 Pflanzen pro Packung. Der Pflanzabstand beträgt zehn Zentimeter, also brauche ich für einen Meter Beet etwa zehn Pflanzen.

Eigentlich könnte man die Bohnen jetzt direkt draußen in die Erde setzen, wenn das Beet vorbereitet ist. Aber wenn ihr Mäuse im Garten habt, buddeln die die feuchten, keimenden Bohnen gerne aus – und zack, habt ihr Lücken im Beet. Das wollen wir vermeiden. Außerdem können wir durch das Vorziehen im Innenraum früher pflanzen, früher ernten und so zweimal im Jahr anbauen.

Wir verwenden dafür einfache Gemüsekisten mit Löchern im Boden. Die Keimtemperatur der dicken Bohne liegt zwischen acht und fünfzehn Grad. Wir lassen die gefüllten Töpfchen in der Anzuchtstation bei fünfzehn Grad stehen, damit sie schneller keimen. Wer will, kann die Kisten auch ins Gewächshaus oder nach draußen stellen, dann dauert es eben länger.

Wichtig ist, regelmäßig zu kontrollieren, denn sobald ein grüner Zipfel rausschaut, braucht die Pflanze Licht. Wir füllen jetzt die Töpfchen mit Anzuchterde, in jedes kommt eine Bohne, fünf bis acht Zentimeter tief. Danach wird angegossen – das kann auch kaltes Wasser sein, die dicke Bohne ist anspruchslos. Wir stellen kurz vor der Tür an und bringen die Kisten dann wieder rein.

Die frühe Anzucht hat noch einen Vorteil: Die schwarze Bohnenlaus geht gerne auf die Pflanzen, aber wenn die schon groß und gut entwickelt sind, kann sie keinen großen Schaden mehr anrichten. Drei Kisten haben wir jetzt gefüllt. Sobald die ersten Wipfel rausschauen, sortieren wir die Töpfchen aus und stellen sie ins Gewächshaus. Wenn sie hier drinnen bei zu warmen Temperaturen bleiben würden, könnten sie vergeilen, zu schnell hochwachsen und instabil werden.

Die Methode eignet sich super bis Ende Februar, danach kann man die Bohnen direkt draußen setzen. Als Nächstes kümmern wir uns um den Kopfsalat. Die Pflänzchen, die doch noch gekeimt sind, pikieren wir in eine frische Platte. Ich suche mir die größten und schönsten Pflanzen aus, selektiere direkt.

Es fühlt sich immer ein bisschen wackelig an, so zart wie die sind. Aber ich habe aus meiner verpatzten Kopfsalat-Aussaat immerhin noch eine Platte gerettet – ganz vorsichtig angegossen und ins Anzuchtregal gestellt. Da bleibt sie noch zwei bis drei Wochen, bis sie ins Gewächshaus umziehen darf. Bei null oder minus ein Grad ist das für den Salat kein Problem, wenn er sich regeneriert hat.

Aber bei einem richtigen Kälteeinbruch mit minus fünf bis minus zehn Grad müssen wir sie wieder reinholen. Man kann natürlich auch direkt in die Multitopfplatte aussäen, wie bei unserer Platte aus der kalten Anzucht von Dezember. Aber dann muss ich mir überlegen, was mein Ziel ist: Wenn ich sie so weiterwachsen lasse, ernte ich Blattsalat. Ich will aber, dass sie schöne Köpfe ausbilden.

Also pikieren wir die Platte noch einmal, sodass in jedem Töpfchen nur noch eine Pflanze steht. Ich werde jetzt eine weitere Platte mit Erde füllen, die Pflänzchen rausselektieren und die schönsten weitersetzen. Die Pflanzen, die ich nicht brauche, wasche ich einmal durch – und die kommen als Topping in die Küche. Man kann sie aber auch wieder in die Erde geben und so dem Kreislauf zuführen.

Unsere beiden Salatplatten bleiben jetzt noch ein bis zwei Wochen in der Anzuchtstation, dann dürfen sie ins Gewächshaus. In den künstlichen Bedingungen müssen wir mehr auf die Pflanzen achten: Es regnet nicht von oben, es ist trockener. Also besprühen wir sie zwischendurch mit einer einfachen Sprühflasche, präventiv mit einem Kräuterauszug aus Chili und Knoblauch gegen Pilzerkrankungen. Düngen müssen wir die Salate als Schwachzehrer sowieso nicht.

Der Kohl sieht auch super aus, da ist noch keine Anzeige nötig. Man muss die Pflanzen einfach immer im Blick haben, pflegen und ihnen Aufmerksamkeit geben, dann wachsen sie schön. Im Februar gibt es noch einiges zu tun: Nächste Woche säen wir Paprika und Wurzelgemüse aus. Und wenn ihr Lust habt, die dicke Bohne bei euch auszuprobieren und den ganzen Verlauf von der Aussaat bis zur Ernte sehen wollt, findet ihr in unserer Serie der Anbauvideos auch eins dazu.

Macht eure Anzuchtstation bunt und eure Erntekörbchen voll – bis zum nächsten Mal.