Es ist wieder so weit: Die Jungpflanzen im Folientunnel drängen förmlich darauf, endlich in die Erde zu kommen. Allen voran der Fenchel, der mit seiner kräftigen Farbe schon deutlich macht: „Pflanz mich jetzt ein. “ Und genau das tun wir heute. Mit dem Rillenzieher und den Schaufeln geht es in den großen Gemüsegarten.

Ich habe ein Pöttchen mit drei kleinen Fenchelpflänzchen dabei. Vorsichtig, mit Gefühl, nehme ich sie auseinander. Sie sollen mit etwa dreißig Zentimetern Abstand in die Erde. Mein Mann hilft mir dabei, und nach kurzer Zeit sind alle gesetzt.
Wichtig ist, dass der Fenchel nur so tief in die Erde kommt, wie vorher der Ansatz der Knolle war. Danach drücken wir ringsherum einen kleinen Gießrand und gießen alles schön an. Wer jetzt keinen Frühfenchel mehr bekommt, für den ist die Zeit dafür vorbei. Aber wir haben im Kiosk auch den späten Fenchel im Sortiment, den kann man ab Juni oder Juli wieder aussäen.
Jetzt, wo es wärmer wird, ist auch das Thema Blattläuse wieder aktuell. Fenchel ist da ein typischer Kandidat. Wir arbeiten lieber präventiv und haben dafür seit Jahren unser bewährtes Pflanzenfit, das wir auch im Sortiment führen. Es besteht aus einer Rezeptur mit Chili, Knoblauch und weiteren Pflanzenextrakten plus effektiven Mikroorganismen.
Eine Flasche reicht für die ganze Saison. Normalerweise nimmt man fünf Milliliter auf einen Liter Wasser. Bei den jungen Pflänzchen nehmen wir nur die Hälfte, geben alles in eine Sprühflasche und besprühen die Pflanzen regelmäßig. Wir achten darauf, das nicht in der prallen Mittagssonne zu machen, sondern eher abends.
Besprüht werden können auch Salate, das funktioniert genauso gut. Für uns heißt regelmäßig: einmal pro Woche. Es hilft nicht nur bei Blattläusen, sondern auch bei ersten Anzeichen von Pilzerkrankungen oder bei stechenden und beißenden Insekten. Und es ist lebensmittelecht, man kann es also bis kurz vor der Ernte bedenkenlos verwenden.
Wenn ich Salat damit besprüht habe, wasche ich ihn vor dem Essen vielleicht nochmal ab, sonst schmeckt er leicht scharf. Als nächstes kümmern wir uns um die Aussaat. Ich habe mehrere Platten und Kisten mit vorbereiteten Pöttchen vor mir, gefüllt mit ganz normaler Erde. Darin werden wir jetzt Zuckermais aussäen.
Auf den Feldern wird Mais zwar meist direkt gesät, aber im Hobbygarten lohnt es sich, ihn vorzuziehen. Mais ist manchmal ein bisschen divenhaft, und wir wollen wirklich, dass jedes Korn keimt. Und ich habe ein Experiment mitgebracht, zu dem ich euch gerne einladen möchte. In Südamerika wird Mais nicht in einer langen Reihe angebaut, sondern in Blöcken, in mindestens zwei oder drei Reihen nebeneinander, am besten in Quadraten.
So stehen die Pflanzen enger zusammen, können sich besser gegenseitig bestäuben, und am Ende habt ihr einfach mehr Ernte. Wir legen die Pöttchen im Horst an, in einem Abstand von ungefähr fünfzig Zentimetern. In jedes Pöttchen kommen fünf Körner Zuckermais. Wenn dann die Erntezeit da ist, können wir sehen, wie das Experiment bei euch und bei uns funktioniert hat.
Der Zuckermais schmeckt übrigens fantastisch, wir haben noch welchen im Froster. Er ist zuckersüß, eignet sich für den Grill und für den Backofen. Bei uns im Sortiment gibt es nicht nur Zuckermais, sondern auch Popcornmais und Speisemais. Das werden wir ebenfalls testen.
Jetzt nehme ich mir ein blaues Schälchen zur Hand. Darin wird ein Winterkohl ausgesät, der Grünkohl. Der Ablauf ist derselbe wie bei den anderen Kohlsaaten: Mit dem Pikierstab machen wir kleine Löcher, legen jeweils ein Saatkorn hinein, schließen die Löcher, gießen an und beschriften alles. Der Grünkohl ist gesetzt.
Während er keimen darf, kümmern wir uns um den Rosenkohl, den wir vor etwa drei Wochen in einem Workshop ausgesät haben. Weil wir damals die Abstände eingehalten haben, lassen sich die Pflänzchen jetzt ganz leicht einzeln herauslösen. Diesmal haben wir eine besondere Variante: unseren lila Rosenkohl. Den pikieren wir jetzt ebenfalls um.
Wer Rosenkohl aussäen möchte, sollte das spätestens Anfang Mai machen, sonst bilden sich die Röschen nicht richtig aus. Einige von euch haben uns geschrieben, dass sie gerade einen Garten bekommen haben und sich fragen, ob jetzt schon alles vorbei ist. Nein, ist es nicht. Bei Tomaten, Physalis und Paprika lohnt sich die Aussaat zwar nicht mehr, da sollte man lieber Jungpflanzen holen.
Aber es gibt noch so viel anderes. Bei uns wird das ganze Jahr über ausgesät, manche Monate mehr, manche weniger. Im Mai ist richtig viel dabei. Beim Blattgemüse könnt ihr jetzt Blattsalate draußen aussäen.
Fenchel und Mangold werden im Mai gesät. Beim Kohl habt ihr die Wahl zwischen Weißkohl, Rotkohl, Rosenkohl, Grünkohl, Palmkohl, Brokkoli und Winterwirsing – sofern der Standort passt. Beim Zwiebelgemüse ist es für den Winterporree die letzte Chance, am besten Anfang Mai. Beim Wurzelgemüse gibt es Möhren, Rote Bete, Pastinaken, Schwarzwurzeln, Haferwurzeln, Steckrüben und Wurzelpetersilie.
Dazu kommen Erbsen, Zuckererbsen, Markerbsen und Bohnen wie Edamame, Buschbohnen, Stangenbohnen oder Trockenbohnen. Auch Mais können wir jetzt säen. Bei Kürbis, Zucchini und Gurken solltet ihr noch einen Moment warten, die wachsen später umso schneller und wollen es noch draußen nicht unbedingt haben. Bei Kräutern und Sommerblumen ist jetzt die komplette Vielfalt möglich.
Als Tipp für alle neuen Zuschauer: Unser Aussaatskalender lässt sich jedes Jahr wieder verwenden. Ihr könnt aufschreiben, wann ihr was gesät habt und es im nächsten Jahr vergleichen. Auf der Rückseite stehen alle wichtigen Angaben wie Sähtiefe, Abstände und ob pikiert werden muss oder nicht. Dazu gibt es QR-Codes mit passenden Videos.
Jetzt geht es auf den Acker für die Freilandaussaat. Unser Ackerstück war vorher mit Gründünger bewachsen. Zuerst stand Klee darauf, dann wurde Phacelia eingearbeitet, und zuletzt wuchsen dort Roggen und Wintererbsen. Alles wurde abgemulcht und nur ganz flach eingearbeitet, dabei haben wir mit effektiven Mikroorganismen gearbeitet.
Jetzt liegt da ein wunderschönes Stück Land bereit, das geradezu danach ruft, bepflanzt zu werden. Wir starten mit einem alten, fast vergessenen Gemüse: der Steckrübe. In der modernen Küche erlebt sie gerade ein Comeback, man kann viele neue Rezepte mit ihr ausprobieren oder alte Varianten wieder aufleben lassen. Hier auf dem Acker machen wir eine Direktsaat, bis Ende Juni kann man sie problemlos noch säen.
Wer im Garten säen möchte, dem empfehlen wir, die Steckrübe vorzuziehen, denn hier auf dem Acker gibt es kaum Schnecken. Das ist im Gemüsegarten ein anderes Thema. Wir legen die Saatkörner mit etwa zwei Zentimetern Abstand in zwei Reihen aus, gießen alles an und sind fertig. Inzwischen haben wir sogar eine Wasserversorgung zum zweiten Tunnel hin verlegt.
Auf dem Acker wird es noch richtig bunt. Wir bauen zwischen den Gemüsen immer wieder Kräuter und Blumen an und arbeiten viel mit Mischkultur. Am Anfang des Videos war übrigens viel Grün zu sehen: Das war unser Roggen, genauer gesagt Backroggen, eines unserer Experimente. Wir haben einen hohen Gras- und Grünbedarf, allein unsere vierbeinigen Mädels hier, die wollen ständig auf die Wiese.
Ab und zu wurden wir gefragt, ob wir Grassamen ins Sortiment aufnehmen. Das ist nicht unser Gebiet. Aber wir haben Alternativen: Mais gehört botanisch zum Gras, und auch Roggen findet ihr bei uns in den Gründüngern. Hinter mir seht ihr gerade viele gelbe Punkte, das ist Raps.
Er duftet zwar schön, sollte hier aber eigentlich nicht mehr stehen. Auf dem hinteren Bereich wird er noch abgemulcht, auf der Wiese vorne gezupft und gezogen. Die Flächen, die ihr seht, sind bereits für den biologischen Anbau vorbereitet. Wir bringen Gründüngung aus, wie Zottelwicke oder Wintererbsen, damit wir längerfristig biologisch konstruktiv arbeiten können.
Unser Experiment mit dem Backroggen finde ich persönlich sehr spannend. Wir hoffen, unsere Selbstversorgung irgendwann mit eigenem Getreide ergänzen zu können, vielleicht probieren wir nächstes Jahr auch Dinkel. Das ist alles neu für uns. Wenn ihr da schon Erfahrung habt, schreibt uns gerne eine E-Mail oder einen Kommentar.
Wenn euch dieser Workshop heute inspiriert hat, freuen wir uns über einen Daumen nach oben und wenn ihr das Video mit anderen Gartenfreunden teilt. Kennt ihr eigentlich unseren kostenlosen Newsletter? Den gibt es regelmäßig und ihr findet ihn auf unserer Homepage. Zum Weiterschauen haben wir Videos zum Anbau von essbaren Blumen verlinkt und auch den Beitrag über unseren Ackergarten vom letzten Jahr.
Das ist wirklich eine schöne Geschichte. Macht eure Gärten bunt. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid.


