„Jetzt sagen Sie mir, wie wir sie entsorgt haben, aber nicht, wie wir sie umgebracht haben.” Diese Worte sagte die Frau mir gegenüber, als ich sie im April 2016 verhörte. Ich war damals Kommissar…

„Jetzt sagen Sie mir, wie wir sie entsorgt haben, aber nicht, wie wir sie umgebracht haben." Diese Worte sagte die Frau mir gegenüber, als ich sie im April 2016 verhörte. Ich war damals Kommissar...

„Ja, ja, das wäre eine entfernte Freundin”, sagte die Frau am frühen Morgen des 22. April 2016 zur Notärztin, während im Auto eine bewusstlose, kaum bekleidete Frau lag. Die 41-Jährige hatte zerrissene Kleidung, nur einen Schuh, eiskalte Haut, überall Hämatome und Brandwunden. Ihr Puls war schwach.

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Sie war unterkühlt, mit 28 Grad Körpertemperatur. Die Ärztin wusste sofort: Diese Frau war nicht einfach krank. Sie war Opfer schwerer Gewalt geworden. Die beiden Frauen im Auto waren Angelika W.

und die sterbende Susanne F. Angelika erzählte, sie habe einen Motorschaden gehabt und wollte die kranke Freundin nach Hause bringen. Doch der Taxifahrer, den sie herbeirief, lehnte entsetzt ab, als er den Zustand von Susanne sah. Er rief einen Rettungswagen.

Zwei Stunden später starb Susanne F. im Krankenhaus. Ihre Verletzungen waren eindeutig: Sie hatte Fesselmarken an den Armen, einen kahl geschorenen Kopf und einen Dekubitus am Steiß. Die Ärzte verständigten die Polizei.

Die Ermittler fuhren nach Höxter-Bosseborn, einem kleinen Ort, der bald deutschlandweit bekannt werden sollte. Dort stand das Haus von Wilfried und Angelika W. , einem geschiedenen Paar, das zusammenlebte. Nachbarn hatten nie etwas bemerkt.

Tagsüber waren die Rollläden heruntergelassen, nachts hörte man seltsame Geräusche. Doch niemand wagte nachzufragen. Kommissar Norbert Freier betrat das Anwesen mit einem mulmigen Gefühl. Es war ein ganz normaler Fall, dachte er zunächst: eine tote Frau, vermutlich durch Gewalt ums Leben gekommen.

Doch dann fanden die Kriminaltechniker im Wohnzimmer auf einem Schrank eine Notiz von Angelika W. Darin gestand sie, Susanne geschlagen, getreten, an den Haaren gezogen, bespuckt und beleidigt zu haben. Am Ende stand: „Wilfried war dabei niemals zugegen und hat absolut nichts damit zu tun. ”

Freier vernahm Angelika W.

Sie war ungepflegt, wirkte empathielos, aber intelligent. Sie redete und redete, ohne dass er viel nachfragen musste. Sie erzählte, wie Susanne über eine Kontaktanzeige zu Wilfried gekommen war. Die Frau hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt und war schon im nächsten Monat zu ihm und seiner angeblichen Schwester Angelika gezogen.

Doch die Romanze wurde schnell zum Albtraum. Susanne wurde wochenlang geschlagen, gefesselt und gequält, nachts an die Heizung gekettet, durfte nicht zur Toilette. Sie wurde immer schwächer, bis sie bei einem Sturz mit dem Kopf aufschlug. Angelika legte sie in die Badewanne und ließ Wasser einlaufen.

Es war klar, dass Susanne im Sterben lag. „Wir schaffen sie jetzt weg”, sagte Angelika. Doch dann kam plötzlich eine neue Dimension. Freier fragte Angelika nach einer anderen Frau, die ebenfalls im Haus gelebt hatte und spurlos verschwunden war.

Angelika schwieg kurz, dann sagte sie: „Das stimmt, das war Annika. Die ist auch tot. ” Eine kurze Pause folgte. „Jetzt sagen Sie mir, Herr Freier, wie wir sie entsorgt haben, aber nicht, wie wir sie umgebracht haben.

Die Sonderkommission durchsuchte das Haus daraufhin komplett. Sie fanden Blutspuren im Obergeschoss und in der Badewanne im Keller. Doch von Annika fehlte jede Spur. Angelika verriet, was passiert war: Die 33-jährige Annika K.

hatte sich ebenfalls über eine Kontaktanzeige bei Wilfried gemeldet. Sie träumte von einer großen Liebe, doch stattdessen erwartete sie ein Martyrium. Wilfried und Angelika schlugen sie, verbrühten sie, demütigten sie. Annika musste sich an ein strenges Regelwerk halten, durfte im Keller schlafen, wurde an die Heizung gekettet.

Auch als sie Wilfried 2013 heiratete, änderte sich nichts. 2014 war sie durch Misshandlungen und Hunger völlig entkräftet. Sie bettelte Angelika an, nach Hause zu dürfen. „Dann geh doch”, sagte Angelika.

Als Annika wankend über den Hof lief, zog Angelika ihren Arm weg, und Annika fiel mit dem Kopf auf den Asphalt. „Es hat richtig gekracht”, erinnerte sich Angelika. Kurz darauf starb Annika. Angelika erzählte ohne jede Regung, wie sie die Leiche zerstückelte, den Kopf und die Gliedmaßen abtrennte, die Teile im Ofen verbrannte und die Knochenreste zu Pulver zermahlte, das sie mit Streusalz vermischte und im Winter auf den Straßen verstreute.

„Sie werden keine Spuren von ihr finden, keine”, sagte sie stolz zu Kommissar Freier. Der trat danach gegen eine Tür und rief: „Die ist total irre! ”

Die Ermittler schalteten eine Hotline für mögliche weitere Opfer. Rund 3000 Frauen meldeten sich, die mit dem Paar in Verbindung gestanden hatten.

Sechs von ihnen gaben an, misshandelt worden zu sein. Doch niemand hatte Anzeige erstattet, aus Scham oder Angst. Zwei Frauen, Annika und Susanne, hatten die Gewalt nicht überlebt. Die Gutachterin Nala Saime untersuchte die Psyche der beiden Täter.

Wilfried W. war intellektuell eingeschränkt, aber manipulativ. Angelika W. war hochintelligent und machthungrig.

Sie hatten ein System aufgebaut, in dem die Opfer isoliert wurden, ohne Kontakt nach außen, ohne eigene Handys. Die Frauen wurden in ein absurdes Regelwerk gezwungen, das sich ständig änderte. Wer sich widersetzte, wurde bestraft. Ihnen wurde eingeredet, sie seien schuld an ihrer eigenen Misshandlung.

„Die haben ja gehen können”, behaupteten die Täter später. Doch die Opfer waren so gebrochen, dass sie nicht mehr fliehen konnten. Vor Gericht zeigte sich das wahre Gesicht von Angelika W. Sie genoss es, die grausamen Details zu schildern.

Als ihr Verteidiger sie bat zu schweigen, weil sie sich „um Kopf und Kragen redete”, stoppte sie nicht. Sie erklärte, sie hätte Konzentrationslager leiten können und dafür früher einen Orden bekommen. Das Gericht verurteilte das Paar im Oktober 2018 wegen Mordes. Wilfried W.

galt als vermindert schuldfähig und erhielt elf Jahre Haft. Angelika W. , die maßgeblich zur Aufklärung beigetragen hatte, bekam 13 Jahre. Reue zeigte sie nicht.

Im November 2023 ordnete das Gericht wegen hoher Wiederholungsgefahr die Sicherungsverwahrung für Wilfried W. an. Angelika W. könnte vorzeitig entlassen werden, hat aber darauf verzichtet.

Sie fühle sich im Gefängnis wohler als in der Freiheit. Das Haus in Höxter-Bosseborn wurde 2022 abgerissen. Zurück blieb eine Wiese und die Erinnerung an einen der grausamsten Kriminalfälle der Bundesrepublik.