SUNBURY, Pennsylvania – Ein harmlos wirkendes Date, arrangiert über eine Kleinanzeigen-Plattform, endete für den 42-jährigen Troy LaFerrara in einer tödlichen Falle. Was der Mann aus dem beschaulichen Ort Sunbury für einen Abend voller Zweisamkeit hielt, war in Wahrheit die perfide Inszenierung eines jungen Ehepaares, das schlichtweg Lust am Töten hatte. Die Ermittler stehen vor einem Fall, der selbst für hartgesottene Polizisten nur schwer zu fassen ist: ein brutaler Mord aus purer Mordlust, ausgeführt von einem 18-jährigen Mädchen und ihrem 22-jährigen Ehemann.

Der 11. November 2023 begann für Troy LaFerrara noch vielversprechend. Über das Online-Portal Craigslist, das in den USA vergleichbar mit hiesigen Kleinanzeigenmärkten ist, hatte er Kontakt zu einer jungen Frau namens Miranda aufgenommen.
Für 100 Dollar hatte er sich eine Verabredung gesichert, ein Treffen, das nicht in einem romantischen Restaurant oder einem Park stattfinden sollte, sondern auf dem schmutzigen Betonparkplatz eines Einkaufszentrums. Gegen 21 Uhr stieg LaFerrara in einen roten Honda, in dem ihn die 18-jährige Miranda Barber bereits erwartete. Was er nicht ahnte: Auf dem Rücksitz, versteckt unter einer Decke, lauerte der Tod in Gestalt von Mirandas Ehemann Elliot.
Die Fahrt führte die beiden zunächst in Richtung von LaFerraras Wohnort in Sunbury. Die Stimmung schien entspannt, die beiden kamen ins Gespräch. Doch als der Honda in die ruhige Aide Street einbog, stoppte Miranda das Fahrzeug abrupt am Straßenrand.
Troy LaFerrara, der wohl davon ausging, dass nun der bezahlte Teil des Abends beginnen würde, wurde von seiner Begleiterin mit einer scheinbar harmlosen Frage konfrontiert: “Hast du heute Nacht die Sterne gesehen?” Dieses codierte Signal war der Startschuss für das grausame Verbrechen. Im selben Moment schnellte Elliot auf dem Rücksitz hervor und schlang ein Fernsehkabel um den Hals des ahnungslosen Opfers.
Was dann geschah, gleicht einem Albtraum. Während Elliot mit dem Kabel würgte, zog Miranda ein Messer aus der Mittelkonsole des Wagens und begann ohne Zögern auf den wehrlosen Mann einzustechen. Mehr als 20 Mal traf die Klinge den Körper von Troy LaFerrara, der keine Chance hatte, sich gegen den Überraschungsangriff aus dem Hinterhalt zu wehren.
Als das Opfer in sich zusammensackte, öffnete Miranda die Tür und stieß den schwer verletzten Mann kurzerhand mitten auf die ruhige Wohnstraße. Dort ließen sie ihn liegen, seinem Schicksal überlassen, während sie selbst in den warmen Herbstabend davonfuhren.
Anstatt Reue zu zeigen oder Hilfe zu holen, ging das mordende Paar dazu über, die Spuren ihrer Tat zu verwischen. Ihr erstes Ziel war ein nahegelegener Walmart, wo sie Müllsäcke, Teppichreiniger, Papiertücher und neue Sitzbezüge für ihren Honda kauften. Das Auto musste schließlich von den Blutspuren befreit werden.
Anschließend gönnten sich die beiden einen Burger bei einem Fast-Food-Restaurant und ließen den Abend schließlich in einem Stripclub ausklingen. Die Leiche ihres Opfers war ihnen dabei völlig gleichgültig. Troy LaFerrara wurde erst am nächsten Morgen gefunden, als eine Anwohnerin der Aide Street beim Kaffeekochen durch ihr Küchenfenster einen leblosen Körper in ihrem Vorgarten entdeckte.
Die Polizei von Sunbury stand vor einem Rätsel, das sich jedoch schnell lösen ließ. Der Leichnam wies mehr als 20 Stichverletzungen auf, und die Beamten konnten das Opfer rasch identifizieren. Troy LaFerrara hatte seine persönlichen Gegenstände noch bei sich, sogar seinen Schlüsselbund hielt er in der Hand.
Entscheidend war jedoch sein Handy, das die Ermittler direkt zu den mutmaßlichen Mördern führte. Die letzte Nummer, die der 42-Jährige gewählt hatte, war die von Miranda Barber. Dieser letzte Kontakt machte das junge Paar umgehend zu den Hauptverdächtigen in dem Fall.
Miranda Barber wurde wenig später zu einer ersten Befragung auf die Polizeiwache geladen, wo sie zunächst jegliche Verbindung zu dem Ermordeten abstritt. Die Tatsache, dass ihre Nummer die letzte war, die LaFerrara vor seinem Tod gewählt hatte, konnte sie sich nicht erklären. Erst nach intensivem Druck räumte die 18-Jährige ein, sich mit dem Opfer getroffen zu haben, und gestand schließlich die Tat.
Allerdings behauptete sie, es habe sich um Notwehr gehandelt. Diese Version wirkte bei mehr als 20 Stichverletzungen mit einer scharfen Waffe wenig glaubhaft, und schließlich war es ihr Ehemann Elliot, der den Ermittlern die schockierende Wahrheit offenbarte.
Elliot Barber schilderte den Polizisten detailliert den Ablauf des Mordes und machte dabei Angaben zum Motiv, die selbst erfahrene Ermittler sprachlos machten. Das junge Paar, das erst wenige Wochen zuvor frisch verheiratet war, hatte demnach nicht aus Eifersucht, Habgier oder Rache gehandelt. Ihr einziges Ziel war es, gemeinsam einen Menschen zu töten.
Troy LaFerrara hatte schlichtweg das Pech, derjenige zu sein, der auf ihre falsche Anzeige hereinfiel. Laut Elliot hatten die beiden bereits zuvor versucht, jemanden umzubringen, waren mit ihren Plänen jedoch gescheitert. Die Durchsuchung ihrer Wohnung in Sellings Grove förderte schließlich die Tatwaffe vom Dachboden zutage.
Die Ermittlungen förderten ein verstörendes Bild der beiden Täter zutage. Miranda Barber, die aus einer zerrütteten Familie stammte und als Teenager schwere Missbrauchserfahrungen erlitten hatte, war offenbar das treibende Element in der Beziehung. Sie hatte über Craigslist Kontakt zu zahlreichen Männern aufgenommen und sich für 50 bis ein paar hundert Dollar mit ihnen getroffen.
Ihren Angaben zufolge ging es dabei nie um Intimitäten, sondern um gemeinsame Einkäufe, Essen oder Spaziergänge. Bei dem Inserat, das Troy LaFerrara gesehen hatte, war dies jedoch nicht der Fall, und die junge Frau nutzte die Gelegenheit, um ihren mörderischen Plan in die Tat umzusetzen.
Während der Ermittlungen sorgte Miranda Barber für eine weitere Sensation, die weltweit Schlagzeilen machte. In einem Interview mit einem Journalisten, den sie ins Gefängnis eingeladen hatte, behauptete die damals 19-Jährige, sie habe nicht nur Troy LaFerrara auf dem Gewissen, sondern mehr als 20 weitere Menschen. Sie habe aufgehört zu zählen, als sie bei 22 angekommen sei, erklärte sie kaltblütig.
Ihre Opfer seien ausschließlich “schlechte Menschen” gewesen, die sie systematisch manipuliert und umgebracht habe. Ihre erste Berührung mit dem Mord habe sie bereits mit 13 Jahren gehabt, kurz nachdem sie einem ominösen satanischen Kult beigetreten sei.
Die Geschichte, die Miranda Barber dem Journalisten auftischte, klang nach einem billigen Horrorfilm. Sie erzählte von einem Sektenführer, der einen Mann angeschossen habe und sie dann gezwungen habe, ebenfalls auf das Opfer zu schießen. Sie hasse Schusswaffen, betonte sie, aber der Anführer habe ihre Hände um die Waffe gelegt und mit ihr abgedrückt.
Von da an habe sie einfach weitergemacht mit dem Morden. Sie nannte konkrete Regionen, in denen sie ihre angeblichen Taten begangen haben wollte, darunter einen zerstückelten Körper im Big Lake nahe Anchorage und einen Mord auf einem Pier in Mexico Beach. Die Behörden standen vor einem Berg von Arbeit.
Das FBI wurde eingeschaltet, um die Behauptungen der jungen Frau zu überprüfen. Doch weder die lokalen Polizeidirektionen noch die Bundesbehörden konnten Beweise für die angeblichen Serienmorde finden. Familienmitglieder von Miranda Barber äußerten zudem Zweifel an ihren Aussagen und bezeichneten sie als notorische Lügnerin.
Ihre Mutter erinnerte sich an eine Geschichte, die ihre Tochter bereits in der Jugend erzählt hatte und die sich als erfunden herausstellte. Auch die Behauptung, der Vater von Mirandas kleiner Tochter sei tot, konnte nicht bestätigt werden. Die Polizei leitete zwar neue Ermittlungen in dem Fall ein, fand jedoch keine Hinweise auf ein Verbrechen.
Hinter den dämonischen Geschichten, die Miranda Barbers Ehemann Elliot als Erklärung für ihr Verhalten anführte, steckte nach Ansicht von Experten eine tragische Biografie. Miranda war als Kleinkind von ihrem eigenen Onkel missbraucht worden, einem Fall, der vor Gericht als einer der schwersten Fälle von Kindesmissbrauch galt, die dort jemals verhandelt wurden. Der Onkel wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, kam jedoch vorzeitig frei und war wieder auf freiem Fuß, als Miranda in die Pubertät kam.
In dieser Zeit entwickelte sie Depressionen, Schizophrenie und eine ADHS-Diagnose. Sie lief mehrfach von zu Hause weg, rutschte in die Drogenszene ab und versuchte mehrfach, sich das Leben zu nehmen.
Psychologen vermuten, dass die von Elliot beschworene “Super Miranda” keine dämonische Besessenheit, sondern eine Dissoziation war, eine Schutzreaktion des Gehirns auf das schwere Trauma. Eine Persona, die Miranda annahm, um mit den schlimmen Erfahrungen ihrer Kindheit umzugehen. Diese Erkenntnisse änderten jedoch nichts an der Schuld des Paares.
Vor Gericht trat die Witwe von Troy LaFerrara auf und hielt den Mördern ihres Mannes eine emotionale Ansprache. “Es ist mir egal, wie furchtbar deine Kindheit ist”, sagte sie an Miranda Barber gewandt. “Es ist mir egal, ob du auf Drogen warst.
Du hattest kein Recht zu tun, was du getan hast.”
Miranda und Elliot Barber bekannten sich schließlich des Mordes an Troy LaFerrara schuldig und wurden zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Elliot Barber verlas nach der Urteilsverkündung ein Statement, in dem er Reue zeigte und die Verantwortung für die Tat übernahm. Seine Frau schwieg.
2016 reichte Miranda Barber die Scheidung von ihrem Ehemann ein. In einem späteren Interview mit der BBC gab sie ein neues, angebliches Motiv für den Mord an: Sie habe ihre Tochter in eine Pflegefamilie bringen wollen, weil sie sich nicht adäquat um das Kind hätte kümmern können. Eine Erklärung, die bei den Ermittlern auf Skepsis stieß.
Der Fall Troy LaFerrara bleibt ein erschütterndes Beispiel dafür, wie aus einer scheinbar normalen Verabredung eine tödliche Falle werden kann. Die Ermittler betonen, dass das Motiv des Paares schlichtweg Mordlust war, ein seltenes und besonders schwer zu fassendes Phänomen. Während Miranda Barber hinter Gittern erneut Opfer von Missbrauch wurde und ein Gefängnismitarbeiter 2025 deshalb verurteilt wurde, bleibt die Frage, ob die Tragödie hätte verhindert werden können.
Die Gedankenspirale führt zurück zu den Versäumnissen im Umgang mit traumatisierten Jugendlichen und den Lücken im Hilfesystem, die es ermöglichten, dass aus einem missbrauchten Kind eine kaltblütige Mörderin wurde.


