Die Polizei erklärte ihr, sie müsse bei vermissten Erwachsenen 72 Stunden warten, wenn es keine Hinweise auf ein Verbrechen gebe. Doch Brittany wollte nicht warten. Sie rief Krankenhäuser an, dann die Polizeidienststellen, dann Freunde und Familie. Überall dieselbe Antwort: Niemand hatte Tyler Davis gesehen.

Gegen 7 Uhr morgens trafen die ersten Verwandten in Columbus ein. Sie bildeten Suchgruppen, fuhren die Hotels in der Umgebung ab und klopften an Türen. Sie baten Anwohner, Garagen und Keller zu durchsuchen. Die Hoffnung: Tyler hatte sich vielleicht verirrt oder war verletzt irgendwo untergekommen.
Das Hotel stellte sämtliche Überwachungsvideos zur Verfügung. Auf einem der Videos sah man einen Mann, den sie zunächst für Tyler hielten. Doch es war Sean, der zu Brittany ins Hotel zurückkehrte. Als die 72-Stunden-Frist endete, begann die Polizei offiziell zu ermitteln.
Leichenspürhunde durchkämmten das Waldstück, Helikopter flogen über die Flüsse und Sumpfgebiete. Sie fanden nichts. Kein Handy, kein Portemonnaie, keine Spur. Die Auswertung der Mobilfunkdaten ergab eine Überraschung: Tyler war gar nicht in dem Waldstück hinter dem Hotel gewesen.
Er war in die entgegengesetzte Richtung gelaufen, Richtung Morse Crossing. Auch dort suchten sie vergeblich. Die Polizei konnte sämtliche Anrufe bestätigen. Sie sah, dass Tyler um 3:51 Uhr versucht hatte, das Hotel über GPS zu finden.
Nach dem Anruf bei Brittany, in dem er sagte, er könne das Hotel sehen, gab es noch einen letzten Anruf – auf seiner Seite der Leitung war nur Stille. Danach wurde sein Handy ausgeschaltet. Am 15. Dezember 2021 wurde Tyler Davis offiziell für tot erklärt.
Bis heute wurde er nicht gefunden. Sein Sohn Aaron wuchs ohne Vater auf. Im Laufe der Jahre entstanden mehrere Theorien zu seinem Verschwinden. Die Theorie, dass Tyler freiwillig gegangen sei, galt als am unwahrscheinlichsten.
Er war ein engagierter Familienvater, hatte seine Kreditkarte nie wieder benutzt und sein Handy nie wieder eingeschaltet. Eine andere Theorie richtete sich gegen Sean Hughes. Er war der letzte, der Tyler lebend gesehen hatte, und wirkte auffallend ruhig. Er hatte Brittany gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen, und war gegangen, obwohl Tyler noch vermisst wurde.
Doch es gab keine Beweise gegen ihn. Außerdem hatte Tyler Brittany angerufen, nachdem Sean zurückgekehrt war – er war also wahrscheinlich allein. Die nächste Theorie handelte von einer möglichen Vergiftung. Brittany hatte ihren Cocktail im Stripclub unbeaufsichtigt stehen lassen, Tyler hatte ihn ausgetrunken.
Kurz danach begann sein seltsames Verhalten. Doch Tyler wirkte kurz darauf wieder klar – er konnte gehen, telefonieren und den Standort beschreiben. Drogen schienen unwahrscheinlich. Die populärste Theorie war ein Unfall.
Tyler war müde, hatte wenig geschlafen und Alkohol getrunken. Er könnte in ein Flussbett gefallen, im Unterholz verletzt oder auf dem Highway überfahren worden sein. Vielleicht hatte ein Autofahrer aus Panik seine Leiche verschwinden lassen. Doch auch diese Theorie blieb Spekulation.
In den sozialen Medien sah sich Brittany später einer Welle von Anschuldigungen ausgesetzt. Ihre Adresse und Telefonnummer wurden veröffentlicht, und es gab Mutmaßungen, sie habe mit Tylers Verschwinden zu tun. Sie bestritt das immer wieder. Die Polizei betrachtete den Fall weiterhin als ungelöst.
Die Familie hoffte bis heute auf Hinweise – auf jede Information, die endlich Klarheit bringen könnte.


