Kurz vor zwei Uhr nachts stand ich auf und sagte meiner Freundin, ich wolle nach Hause. Sie bot mir an, bei ihr zu übernachten, aber ich lehnte ab. Sie war die letzte Person, die mich lebend sah….

Kurz vor zwei Uhr nachts stand ich auf und sagte meiner Freundin, ich wolle nach Hause. Sie bot mir an, bei ihr zu übernachten, aber ich lehnte ab. Sie war die letzte Person, die mich lebend sah....

Sie sagte zu ihrem Vater am Telefon: „Ich möchte nicht zurück nach Seattle. Ich habe hier ein richtig schlechtes Gefühl. “ Richard Sepet konnte sich nicht erklären, warum seine Tochter so sprach. Mia war immer ein Mensch mit einem starken Bauchgefühl gewesen, und meistens hatte sie recht.

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Aber manchmal trügt einen die Intuition auch, dachte er. Doch dieses Mal täuschte sich Mia nicht. Auf sie wartete in Seattle nicht der große Durchbruch, sondern ein gewaltsamer Tod. Und ihr Vater konnte nichts dagegen tun.

Mia Sepet kam ursprünglich aus Louisville, Kentucky, wo sie Ende August 1965 geboren wurde. Ihre Eltern erlebten sie schon als Kind als künstlerisch und kreativ. Früh lernte sie Gitarre, nahm Gesangsunterricht und trug fast immer ein Notizbuch mit sich herum, in das sie alles aufschrieb, was ihr durch den Kopf ging. Erst an der Kunsthochschule entdeckte sie das perfekte Ventil für ihre Energie: den Punkrock.

Die schnelle, rhythmische Musik und ihre Subkultur faszinierten sie. Im Alltag war sie schüchtern und still, aber sobald sie ein Mikrofon in der Hand hatte und auf der Bühne stand, war sie wie ausgewechselt. An der Hochschule fand sie Freunde, die ihre Leidenschaft teilten. Gemeinsam gründeten sie die Band The Gits.

Neben Mia gehörten Gitarrist Andy, Bassist Matt und Drummer Steve dazu. Mia übernahm den Gesang. Die vier wollten nicht bloß hobbymäßig im College-Keller Musik machen. Sie wollten es ernst nehmen, vielleicht sogar groß herauskommen.

Deshalb packten sie ihre Kisten und zogen nach Seattle. Der Umzug zahlte sich aus: In den frühen Neunzigern explodierte dort das Musikgenre Grunge. Bands wie Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden veränderten die Rockmusik für immer. Durch die lebhafte Clubkultur kannte man sich in der Szene, alle waren gut vernetzt.

Für aufstrebende Bands war Seattle voller Hoffnung und Verheißung. Und The Gits waren auf dem besten Weg: Diverse Medien und Fankreise munkelten, dass die Punkrockgruppe schon bald in die oberste Musikliga aufsteigen könnte. Mehrere große Plattenfirmen hatten ein Auge auf die Band geworfen. Im Juli 1993 kehrten The Gits gerade von einer kleineren Tour entlang der Westküste zurück.

In den letzten Wochen hatte es mehrere Gespräche mit Plattenfirmen gegeben, die die Band unter Vertrag nehmen wollten. Doch Mia konnte sich über die Heimkehr nicht richtig freuen. Das schlechte Gefühl, von dem sie ihrem Vater am Telefon erzählt hatte, begleitete sie. In der Nacht auf den 7.

Juli 1993 saß Mia mit Freunden zusammen. Die Gruppe traf sich gegen 22 Uhr in einem bekannten Lokal in Seattle. Wenn Mia an diesem Abend wieder ein ungutes Gefühl hatte, erwähnte sie es jedenfalls nicht. Lange wollte sie ohnehin nicht mehr in der Stadt bleiben – in ein paar Tagen stand die nächste Tour an, und sie arbeiteten gerade daran, eine große Tour durch die gesamten USA zu buchen.

Kurz nach ein Uhr nachts stand Mia auf und verabschiedete sich von ihren Freunden. Sie sagte, sie wolle schauen, ob sie Robert Jenkins finden könne. Robert war Mias Exfreund. Sie war an dem Abend ein wenig betrunken, und dadurch waren alte Gefühle hochgekommen.

Die beiden waren nicht im Guten auseinandergegangen, und Mia wollte die Sache endlich klären. Von dem Lokal zu dem Studio, in dem Robert sich damals meistens aufhielt, war es nicht weit. Mia ging die Pike Street hinauf zum Studio. Doch ihr Besuch dort verlief erfolglos: Robert war nicht da.

Stattdessen ging sie hoch zu ihrer guten Freundin T. V. , die über dem Studio wohnte. Dort blieb Mia nur kurz.

Kurz nach zwei Uhr sagte sie, sie wolle sich auf den Weg nach Hause machen. Gegenüber von T. V. s Wohnung befand sich ein Taxistand, den Mia aufsuchen wollte.

T. V. bot ihr noch an, einfach bei ihr zu übernachten, aber Mia lehnte ab. Sie verabschiedete sich von ihrer Freundin.

T. V. war die letzte Person, die Mia Sepet lebend sah. Um ungefähr 3:30 Uhr morgens ging bei der Notrufzentrale von Seattle ein Anruf ein.

Eine Zeugin berichtete, dass eine junge Frau mitten auf der Straße liegen würde, in einer Sackgasse in der 24th Avenue South. Sie würde nicht mehr atmen und keinen Puls mehr haben, sei aber noch warm. Sofort machten sich Rettungskräfte auf den Weg dorthin. Die Retter fanden die Frau in Form eines Kreuzes positioniert vor.

Ihr Sweatshirt war bis unter die Arme hochgezogen, die Kapuze um ihr Gesicht gebunden und unter ihrem Hals verknotet. Ihr Körper war mit Abschürfungen übersät. Ihre Unterwäsche, ihre Geldbörse und ihr zerrissener BH waren in die Tasche ihrer Jeans gestopft worden. Man konnte nichts mehr für sie tun.

Sie wurde kurz darauf für tot erklärt. Das Sweatshirt der Toten stammte von einer bekannten lokalen Band: The Gits. Und bei der Toten handelte es sich – was die Menschen damals nicht wussten – um die Sängerin ebenjener Band. Mia Sepet wurde im Alter von nur 27 Jahren ermordet.

Was genau der jungen Frau zugestoßen war, war schwer zu sagen. Sie schien mit ihrem eigenen Sweatshirt stranguliert worden zu sein, aber das waren nicht ihre einzigen Verletzungen. Der untersuchende Rechtsmediziner vermutete, dass Mia vor allem an schweren inneren Verletzungen gestorben war. Das ließ erahnen, wie unfassbar brutal die Tat gewesen sein musste.

Die Ermittler glaubten nicht, dass der Auffindeort auch der Tatort war. Stattdessen hatte der Täter Mia wahrscheinlich auf der Straße abgelegt, in der Gewissheit, dass man sie kurze Zeit später finden würde. Die Straße war damals berüchtigt, weil sich dort nachts viele Sexarbeiterinnen und Drogenhändler aufhielten – eine Gegend, die die Polizei ohnehin im Blick hatte. An Mias Leichnam konnte die Polizei eine wichtige Spur sicherstellen: Speichel in ihrem Brustbereich.

Anfang der Neunziger steckte die DNA-Technologie allerdings noch in den Kinderschuhen. Die Spur brachte zunächst nicht viel. Aber sie wurde aufbewahrt, in der Hoffnung, dass sie eines Tages mit neuen Methoden vielleicht doch zur Überführung des Mörders führen könnte. Zwischen Mias Verschwinden und dem Auffinden ihrer Leiche lagen gerade einmal 70 Minuten.

70 Minuten, in denen ein unbekannter Täter der jungen Frau etwas Unvorstellbares angetan hatte. 70 Minuten, von denen niemand wusste, was genau in dieser Zeit geschehen war – mit Ausnahme von zwei Personen: der toten Mia selbst und ihrem Mörder. Die Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf Mias Freundeskreis und die Musikszene. Weil Mia dort so umtriebig gewesen war, hatte die Polizei viele Personen zu überprüfen.

Als einer der Ersten wurde natürlich ihr Exfreund Robert Jenkins unter die Lupe genommen. Doch er konnte schnell als Verdächtiger ausgeschlossen werden: Er hatte ein Alibi. Er hatte die Nacht mit einer anderen Frau verbracht. Weil die Polizei über Wochen und dann Monate nicht vorankam, engagierte Mias Familie einen Privatdetektiv.

Finanziert wurde das, weil sich die gesamte Musikszene von Seattle zusammentat. Bands wie Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden halfen dabei, eine fünfstellige Spendensumme zusammenzubekommen. Auch The Gits traten auf Benefizkonzerten auf, um Geld zu sammeln – anstelle von Mia sang die Rocklegende Joan Jett am Mikrofon. Die Anteilnahme in Seattle war riesig.

Als Mia beigesetzt wurde, bildete sich vor dem Bestattungsunternehmen eine Warteschlange, die um den halben Häuserblock reichte. Bekannte, Freunde und Fans waren gekommen, um sich von ihr zu verabschieden. Als ihr Sarg geschlossen wurde, lag Mia nicht allein darin. Viele hatten ihr etwas mit auf den letzten Weg gegeben: Ringe, Haarlocken, Ketten, Postkarten und Briefe.

Kleine Andenken an die gemeinsame Zeit. Später fand eine Totenwache statt. In ganz Seattle waren Poster für die Veranstaltung verteilt worden. Die einzige Bedingung für den Eintritt: Man sollte eine gelbe Rose mitbringen – Mias Lieblingsblumen.

Ihr Vater erinnerte sich noch Jahre später an diesen Abend: „Wir sind in meinem Auto und fahren zur Straße, in der die Totenwache abgehalten werden soll. Ich habe mich ein paar Mal verfahren, und irgendwann fiel mir auf: Moment, ich weiß nicht genau, wo wir lang müssen. Aber auf der Straße sind lauter Leute mit gelben Rosen. Sie gingen dahin, wo die Wache stattfinden sollte.

Wir sind ihnen einfach gefolgt. “

Die engagierte Privatdetektivin tauchte unterdessen tief in die Musikszene ein. Sie schaute sich auf Konzerten, in Clubs und Bars um und versuchte herauszufinden, ob Mia vielleicht Verbindungen zu jemandem gehabt hatte, der ihr etwas antun wollte. Doch so sehr sie sich auch bemühte – irgendwann gingen auch ihr die Spuren aus.

Wie einer von Mias Bandkollegen später sagte: „Wir fanden eine Menge Schmutz über eine Menge Leute heraus, aber letztendlich haben wir nicht rausgefunden, wer sie umgebracht hat. “

Im Jahr 2001 waren bereits acht Jahre seit der Ermordung vergangen, und der Mörder lief noch immer frei herum. Deshalb wurde die DNA-Spur noch einmal mit neuen forensischen Methoden analysiert. Die zuständige Expertin konnte erstmals zwei DNA-Profile in der Speichelprobe feststellen: zum einen Mia Sepet selbst, zum anderen das Profil eines unbekannten Mannes.

Die DNA wurde 2002 in eine Datenbank eingespeist. Doch es gab keinen Treffer. Die Hoffnung schien direkt wieder zu verpuffen. Aber die Ermittler gaben nicht auf.

Und im Dezember 2002 gab es endlich eine Übereinstimmung – in einer Datenbank am anderen Ende des Landes. Im Jahr 2002 hatte nämlich in Florida ein Mann eine Straftat begangen. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, und seine DNA wurde in die Datenbank eingespeist. Genau das führte zu dem lang ersehnten Treffer im Fall Mia Sepet.

Die DNA gehörte zu einem damals 48 Jahre alten kubanischen Fischer namens Jesus Meza, der in den Florida Keys lebte – mehr als 5. 000 Kilometer von Seattle entfernt, am komplett anderen Ende der USA. Genau deshalb hielten sich die Ermittler zunächst bedeckt. Bei dieser großen Distanz musste erst bewiesen werden, dass Meza Anfang der Neunziger überhaupt in Seattle gewesen war.

Also überprüften sie auf gut Glück eine Datenbank mit Verkehrsdelikten aus Seattle. Tatsächlich war Jesus Meza vor dem Mord an Mia Sepet dort bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen. Zudem hatte er einschlägige Vorstrafen aus den Achtzigern und Neunzigern: schwere Körperverletzung an einer schwangeren Frau, Entführung, Raub, öffentliche Entblößung, Gewalt gegen eine Ehepartnerin sowie Körperverletzung mit der Absicht einer Vergewaltigung. Er war also im ungefähren Tatzeitraum in der Nähe gewesen und hatte Vorstrafen, die darauf schließen ließen, dass er zu so einem Verbrechen fähig war.

Wie die Ermittler herausfanden, hatte er zwischen 1992 und 1994 in Seattle gelebt – nur etwa anderthalb Meilen von dem Ort entfernt, an dem Mias Leichnam gefunden wurde. Meza lebte damals mit einer Frau zusammen, aber genau an dem Tag, an dem Mia ermordet wurde, war sie nicht in der Stadt. Und wie sich nun herausstellte, passte Mezas damaliges Nummernschild zu einem Auto, das in der Nähe des Ortes gesehen worden war, an dem Mias Leiche gefunden wurde. Eine Frau hatte bereits 1993 ausgesagt, sie habe in diesem Auto einen Mann gesehen, der sich selbst befriedigt habe.

Die Polizei hatte diese Spur damals nicht weiterverfolgt. Nun stellte sie sich als wichtiges Puzzleteil bei der Überführung des Mörders heraus. Weder Mias Freunde noch ihre Bandkollegen hatten jemals von Jesus Meza gehört oder erkannten ihn auf Fotos wieder. Es sah also so aus, als sei er ein Gelegenheitstäter gewesen – jemand, der sich Mia zufällig als Opfer ausgesucht hatte.

Einige Polizeibeamte aus Washington flogen nach Florida, um den Verdächtigen festzunehmen. Am 14. Januar 2003 wurde Jesus Meza wegen der Ermordung und der Vergewaltigung von Mia Sepet verhaftet – fast zehn Jahre nach der eigentlichen Tat. In einem etwa einmonatigen Prozess wurde er verurteilt.

Wegen der außergewöhnlichen Brutalität des Verbrechens erhielt er eine Freiheitsstrafe von 36 Jahren und 6 Monaten. Die Staatsanwaltschaft glaubte, dass Meza Mia am frühen Morgen des 7. Juli 1993 auf ihrem Heimweg gesehen hatte. Wahrscheinlich hatte sie doch nicht mit dem Taxi fahren wollen, sondern war zu Fuß nach Hause gelaufen, um auszunüchtern.

Mia habe wahrscheinlich ihre Kopfhörer aufgehabt und deshalb nicht mitbekommen, wie sich Meza mit seinem Auto näherte. Dann habe er sie in sein Auto gezwungen und dort missbraucht und umgebracht. Danach habe er sie auf der Straße abgelegt und sei einfach weggefahren. Der Angriff auf Mia sei Zufall gewesen – jede Frau in Seattle hätte in dieser Nacht wie Mia enden können.

Während des Prozesses meldete sich eine Frau namens Valentina DeCicco zu Wort. Sie gab an, ebenfalls von Jesus Meza angegriffen worden zu sein. Valentina berichtete, sie habe im Januar 1994 in Seattle gelebt. Als sie eines morgens gegen 4:30 Uhr ihre Wohnung verließ, sei Meza auf sie zugekommen.

Er habe sie unvermittelt niedergeschlagen und am Hals verletzt. Valentina konnte wegrennen. Nach kurzer Zeit kehrte sie zu ihrer Wohnung zurück, wo der Mann noch immer herumlungerte. Er habe sie angestarrt und sich dabei selbst befriedigt.

Damals hatte Valentina diese Sache aus Angst nicht bei der Polizei gemeldet – etwa ein halbes Jahr nach dem Mord an Mia. Erst als Jesus Meza verhaftet wurde und sie sein Bild in der Zeitung sah, entschied sie sich, doch noch die Polizei einzuschalten. Rechtlich blieb der Angriff auf Valentina DeCicco für Meza ohne Folgen – er war ohnehin wegen des Mordes zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Doch damit gab sich Meza nicht zufrieden.

Er versuchte, seine Verurteilung anzufechten. Seine Verteidiger präsentierten als alternativen Verdächtigen einen alten Bekannten: Mias Exfreund Robert Jenkins. Im Wesentlichen führten sie fünf Punkte an. Erstens: Mia war sauer, weil ihre Beziehung zu Robert so unschön geendet hatte.

Zweitens: Laut der Zeugenaussage ihrer Freundin T. V. war sie in der Nacht ihres Todes extrem frustriert. Drittens: Mia hatte nach Robert gesucht.

Einigermaßen interessanter waren die letzten beiden Punkte. Viertens: Robert soll am nächsten Morgen in Mias Wohnung angerufen haben. Mia ging natürlich nicht ans Telefon, sondern ihre Mitbewohnerin. Robert soll gesagt haben, er wolle mit Mia reden.

Die Mitbewohnerin wusste noch nichts vom Mord und sagte, er solle einen Moment warten, Mia könne gerade unter der Dusche stehen. Daraufhin soll Robert sofort gesagt haben, dass Mia ganz sicher nicht unter der Dusche sei. Und fünftens: Gegenüber einer Freundin soll Mia erwähnt haben, Robert sei verrückt und habe sie in der Vergangenheit schon ein paar Mal angegriffen. Das war eine schwere Anschuldigung.

Doch Robert Jenkins hatte für die Mordnacht ein Alibi. Außerdem wurde auf Mias Leichnam nur eine einzige männliche DNA-Spur gefunden – und die stammte von Jesus Meza, nicht von Robert. Robert war zudem die ganze Zeit über kooperativ gewesen. Ohne Widerstand hatte er DNA-Proben abgegeben und sich zwei Lügendetektortests unterzogen, die er ohne Probleme bestand.

Das Gericht wies die Anschuldigungen von Mezas Verteidigung zurück. Doch es gab noch mehr Verdächtige. Die Anwälte brachten einen neuen Mann ins Spiel: einen Taxifahrer namens Scott McFay. Er arbeitete in Seattle und hatte in der Vergangenheit behauptet, mit Mia zusammen gewesen zu sein.

In der Nacht ihres Mordes soll er in der Gegend um Capitol Hill Dienst gehabt haben – genau dort, wo Mia zuletzt gesehen wurde. Und ein Jahr nach Mias Ermordung soll Scott einige seltsame und belastende Bemerkungen über den Mord gemacht haben, und zwar gegenüber einer Frau, mit der er ein Verhältnis hatte. Im Streit soll er zu ihr gesagt haben, er würde ihr das antun, was er auch Mia Sepet angetan habe. Der Mann wurde von der Polizei befragt.

Zunächst behauptete er, in der Nacht von Mias Ermordung nicht in Seattle gewesen zu sein. Doch das stimmte nicht. Er hatte als Taxifahrer genau in der Gegend gearbeitet, in der Mia verschwunden war. Als die Polizei ihn damit konfrontierte, brach er zusammen und gab zu, schwere Drogenprobleme zu haben.

Mia habe er aber niemals etwas angetan. Das Gericht erkannte an, dass die Indizien gegen Scott für einen Anfangsverdacht ausreichten. Doch als er schließlich aufgespürt und befragt wurde, reichte das wohl, um die Ermittler endgültig von seiner Unschuld zu überzeugen. So blieb es bei der Verurteilung von Jesus Meza.

Im Jahr 2009 hatte er noch einmal die Chance, vor Gericht für ein neues Urteil und eine Verringerung seiner Haftstrafe zu plädieren. Seine Anwälte glaubten, dass er gute Chancen gehabt hätte. Doch zur Überraschung aller Beteiligten verzichtete Meza darauf. Er blieb freiwillig im Gefängnis, um seine reguläre Haftstrafe abzusitzen, und verzichtete auf eine Haftminderung.

Im Jahr 2021 starb er im Gefängnis. Der Fall war unglaublich bewegend. Man kam nicht drum herum, sich zu fragen, was Mia wohl noch alles erreicht hätte. Sie war nicht nur Tochter, Freundin und Schwester, sondern auch eine vielversprechende Künstlerin, die gerade erst am Anfang einer großen Karriere stand.

Ein kleiner Trost ist, dass ihre Lieder, Texte und einige Liveaufnahmen erhalten geblieben sind.